Warum gerade Kinderhände austrocknen
Kinderhaut ist keine kleine Erwachsenenhaut. Bei Säuglingen speichert und transportiert die Hornschicht Wasser anders als bei Erwachsenen; in einer Messung an 124 Säuglingen und 104 Erwachsenen wurde sie erst nach dem ersten Lebensjahr erwachsenenähnlich (Nikolovski et al. 2008). Auch ältere Kinder unterscheiden sich noch. Bei 32 Kindern zwischen 10 und 14 Jahren war die Hautoberfläche weniger feucht als bei ihren Müttern, die Barriere am Unterarm im Sommer wie im Winter schwächer, und die Hornzellen waren kleiner, was auf eine schnellere Erneuerung der Hornschicht hindeutet (Akutsu et al. 2009). Die Autorinnen und Autoren folgern, dass die meisten Eigenschaften der Kinderhaut bis zur Pubertät von denen Erwachsener verschieden bleiben.
An den Händen kommt der Alltag dazu. Kinder waschen sich in Kita und Schule mehrmals täglich die Hände, spielen draußen im Matsch und Schnee, tragen nasse Handschuhe und kommen in warme, trockene Räume zurück. Wie Kälte und Heizungsluft allgemein auf die Haut wirken, erklärt Trockene Haut im Winter, warum Hände schneller austrocknen als andere Haut, Warum Hände schneller austrocknen.
Händewaschen: gründlich, aber hautschonend
Das Händewaschen ist in Kita und Schule eine der wichtigsten Hygieneregeln und soll nicht weniger werden. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt, die Hände 20 bis 30 Sekunden gründlich einzuseifen, die Wassertemperatur so zu wählen, dass sie angenehm ist, danach abzuspülen und die Hände gut abzutrocknen; um den Säureschutzmantel der Haut zu schonen, empfiehlt es pH-neutrale Waschsubstanzen (BIÖG, infektionsschutz.de). Zur Temperatur gibt es eine Messung an 50 gesunden Erwachsenen: Heißes Wasser erhöhte den Wasserverlust der Haut deutlich stärker als kaltes; die Autorinnen und Autoren raten zu kaltem oder lauwarmem Wasser (Herrero-Fernandez et al. 2022).
| Situation | Was mit der Haut passiert | Was hilft |
|---|---|---|
| Händewaschen in Kita und Schule | Seife und Wasser lösen Fett aus der Haut | lauwarm waschen, gut abtrocknen, zu Hause danach eincremen |
| Hände nicht richtig abgetrocknet | Wasser verdunstet auf der Haut, Hände werden kalt und rau | eigenes Handtuch, zwischen den Fingern abtrocknen |
| Schnee, Matsch, nasse Handschuhe | Haut weicht auf und kühlt aus | wasserdichte Fäustlinge, Ersatzpaar in der Tasche |
| Heizungsluft drinnen | trockene Luft entzieht der Haut Feuchtigkeit | abends eincremen, Räume regelmäßig lüften |
| Basteln mit Kleber und Farbe | häufiges Schrubben mit viel Seife | Reste zuerst mit lauwarmem Wasser einweichen, nicht heiß schrubben |
Welche Creme für Kinderhände?
Für trockene Kinderhände braucht es keine besondere Wirkstoffcreme, sondern eine einfache, gut verträgliche Pflege. Diese Punkte helfen bei der Auswahl:
- Ohne Parfum und ohne ätherische Öle: Beides steht in der Liste der Bestandteile, Parfum als „Parfum“, ätherische Öle mit lateinischem Pflanzennamen. Ätherische Öle enthalten Duftstoffe, auf die manche Menschen reagieren. Mehr unter Ohne Duft und ätherische Öle.
- Kurze, verständliche INCI-Liste: Je weniger Bestandteile, desto leichter behältst du den Überblick. Wie du die Liste liest, steht unter INCI-Liste lesen.
- Tagsüber leicht, abends reichhaltig: Eine leichte Creme zieht schneller ein, wenn das Kind gleich weiterspielt. Abends darf es eine fettere Creme oder Salbe sein, die einen Film auf der Haut bildet. Wie so ein Film die Verdunstung verringert, erklärt Okklusion und TEWL.
- Altersangabe beachten: Für kosmetische Mittel, die für Kinder unter drei Jahren bestimmt sind, verlangt die EU-Kosmetikverordnung eine eigene, spezifische Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang I Teil B Nummer 3). Für Kleinkinder nimmst du deshalb Produkte, die ausdrücklich für diese Altersgruppe ausgewiesen sind, und fragst im Zweifel in der Kinderarztpraxis nach.
Ob Vaseline oder eine Salbe aus Wachs und Öl besser passt, ist vor allem eine Frage des Hautgefühls; beide Wege erklärt Vaseline oder Salbe aus Wachs und Öl: der Unterschied. Neue Produkte probierst du zuerst an einer kleinen Stelle aus und beobachtest die Haut einen Tag lang.
Eine Routine, die Kinder mitmachen
- Nach dem Heimkommen: Hände lauwarm waschen, gründlich abtrocknen, eine kleine Menge Creme einreiben. Am besten spielerisch: Creme zwischen den Handflächen warm reiben, dann „Hände waschen ohne Wasser“.
- Knöchel und Fingerkuppen nicht vergessen: Dort wird die Haut zuerst rau. Mehr unter Trockene Fingerknöchel und Rissige Fingerkuppen im Winter.
- Vor dem Schlafen: etwas mehr Creme, gut einmassieren. Bei sehr rauen Händen können dünne Baumwollhandschuhe über Nacht helfen; wie das geht, steht unter Handmaske über Nacht.
- Draußen: wasserdichte Fäustlinge, nasse Handschuhe wechseln, ein Ersatzpaar im Rucksack.
- Lippen mitdenken: Wer im Winter trockene Hände hat, hat oft auch spröde Lippen. Hintergründe unter Warum trocknen Lippen so schnell aus?
Kinder machen eher mit, wenn sie selbst eincremen dürfen und die Creme angenehm ist. Ein fester Zeitpunkt, etwa nach dem Zähneputzen, macht es zur Gewohnheit. Eigene Creme im Kita-Fach oder Schulranzen ist sinnvoll, wenn Kita oder Schule das erlauben.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Trockene, raue Hände im Winter sind häufig und meist mit Pflege gut in den Griff zu bekommen. Lass die Hände deines Kindes in der Kinderarztpraxis anschauen, wenn die Haut stark gerötet ist, stark juckt, nässt oder Bläschen bildet, wenn Risse bluten oder schmerzen, wenn sich die Haut trotz regelmäßiger Pflege über Wochen nicht bessert oder wenn auch andere Körperstellen betroffen sind. Creme ist kein Ersatz für eine ärztliche Abklärung.
Häufige Fragen
Darf mein Kind meine Handcreme benutzen?
Bei Schulkindern spricht meist nichts dagegen, wenn die Creme ohne Parfum und ohne ätherische Öle ist. Für Kinder unter drei Jahren nimmst du Produkte, die ausdrücklich für diese Altersgruppe ausgewiesen sind.
Wie oft soll ich Kinderhände eincremen?
Nach dem Händewaschen zu Hause und vor dem Schlafen. In der Kita reicht es, wenn die Hände gut abgetrocknet werden.
Ist Desinfektionsmittel für Kinderhände besser als Waschen?
Im Kita-Alltag ist Händewaschen mit Seife der Standard. Ob und wann Desinfektion nötig ist, regelt der Hygieneplan der Einrichtung.
Helfen Baumwollhandschuhe über Nacht?
Sie halten die Creme auf der Haut und schützen die Bettwäsche. Bei kleinen Kindern nur, wenn sie das mögen und die Handschuhe locker sitzen.
Brauchen Kinderhände im Winter Sonnenschutz?
Im Alltag meist nicht, beim Skifahren und Rodeln in den Bergen schon. Mehr unter Sonnenschutz in den Bergen und auf Schnee.
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Quellen
- Nikolovski J, Stamatas GN, Kollias N, Wiegand BC (2008): Barrier function and water-holding and transport properties of infant stratum corneum are different from adult and continue to develop through the first year of life. J Invest Dermatol 128(7): 1728–1736. https://doi.org/10.1038/sj.jid.5701239
- Akutsu N, Ooguri M, Onodera T, Kobayashi Y, Katsuyama M, Kunizawa N et al. (2009): Functional characteristics of the skin surface of children approaching puberty: age and seasonal influences. Acta Derm Venereol 89(1): 21–27. https://doi.org/10.2340/00015555-0548
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG): Händewaschen, infektionsschutz.de (abgerufen 30.09.2026). https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen/
- Herrero-Fernandez M, Montero-Vilchez T, Diaz-Calvillo P, Romera-Vilchez M, Buendia-Eisman A, Arias-Santiago S (2022): Impact of Water Exposure and Temperature Changes on Skin Barrier Function. J Clin Med 11(2): 298. https://doi.org/10.3390/jcm11020298
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang I Teil B Nummer 3. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj














