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Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene

Kurz gesagt

Ätherische Öle sind Gemische aus vielen flüchtigen Duftstoffen, und einige dieser Bestandteile, etwa Linalool oder Limonene, gehören zu den Duftstoffen, die in der EU einzeln in der Inhaltsliste stehen müssen. Die Pflicht greift ab 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, und ab 0,01 % in Produkten, die abgespült werden. Sie gilt unabhängig davon, ob ein Duftstoff synthetisch zugesetzt wird oder aus einem Pflanzenöl stammt. Seit August 2026 müssen neu in Verkehr gebrachte Produkte eine deutlich längere Liste solcher Duftstoffe berücksichtigen.

Was ätherische Öle sind

Ätherische Öle sind keine Öle im Sinne von Olivenöl oder Sonnenblumenöl. Sie bestehen nicht aus Fetten, sondern aus vielen kleinen, fettlöslichen und leicht flüchtigen Molekülen aus verschiedenen chemischen Stoffklassen (Turek und Stintzing 2013). Deshalb verdunsten sie und riechen, während fette Öle auf der Haut bleiben.

Gewonnen werden sie vor allem auf zwei Wegen: Die meisten ätherischen Öle entstehen durch Destillation mit Wasserdampf oder Wasser. Zitrusschalenöle wie Zitrone, Orange oder Bergamotte werden dagegen meist durch Pressen der Schale gewonnen (SCCS 2012). Ein einziges ätherisches Öl kann Dutzende Einzelstoffe enthalten. Welche das sind und in welchem Verhältnis, hängt von Pflanze, Anbau, Ernte und Verarbeitung ab.

Ätherische Öle sind empfindlich. Wärme, Licht und Sauerstoff können ihre Zusammensetzung verändern, etwa durch Oxidation (Turek und Stintzing 2013). Das ist nicht nur eine Frage des Dufts, sondern auch der Verträglichkeit, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Warum Linalool, Limonene und Co. in der INCI stehen

Riechstoffe dürfen in der Inhaltsliste zusammengefasst als „Parfum“ erscheinen. Für bestimmte Duftstoffe, die als Kontaktallergene bekannt sind, schreibt die Kosmetikverordnung aber vor, dass sie zusätzlich einzeln genannt werden, sobald sie die Schwelle von 0,001 % (auf der Haut verbleibend) bzw. 0,01 % (abzuspülen) überschreiten (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang III). Die Angabe ist eine Information, keine Warnung: Sie soll Menschen, die bereits auf einen dieser Stoffe reagieren, das Meiden ermöglichen.

Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) hat 2012 festgehalten, dass für diese Stoffe dieselben Grenzen gelten sollten, egal ob sie als Einzelstoff zugesetzt werden oder als Bestandteil eines natürlichen Rohstoffs enthalten sind (SCCS 2012). Deshalb findest du gerade in Naturkosmetik mit ätherischen Ölen oft eine ganze Reihe solcher Namen am Ende der INCI. Nach Schätzung des SCCS haben in Europa etwa 1–3 % der Bevölkerung eine Kontaktallergie gegen Duftstoffe.

Einige dieser Stoffe verändern sich an der Luft. Nach der Stellungnahme des SCCS lösen Linalool und Limonene in unveränderter Form selten Reaktionen aus; ihre an der Luft entstehenden Oxidationsprodukte dagegen deutlich häufiger. Das betrifft auch Linalool und Linalylacetat, die Hauptbestandteile von Lavendelöl, wenn das Öl mit Luft in Kontakt kommt (SCCS 2012). Verschlossen, kühl und dunkel lagern ist deshalb bei Produkten mit ätherischen Ölen besonders sinnvoll.

Welche Bestandteile aus welchem Öl stammen

Die folgende Tabelle zeigt, welche Duftstoffe in der INCI einiger forpeople-Produkte als Bestandteil der enthaltenen ätherischen Öle genannt werden. Sie stammt aus den Inhaltsangaben im Shop und zeigt, wie unterschiedlich die Angaben je nach Öl ausfallen.

Produkt Ätherische Öle laut INCI Einzeln genannte Duftstoffe
Faceoil - Lavendel Lavendel (Lavandula Angustifolia Oil) Linalool, Limonene
Körperöl - Lemongrass Lemongrass (Cymbopogon Flexuosus Oil) Citral, Geraniol, Citronellol
Feste Handcreme – Bergamotte Zitrone, Bergamotte Limonene, Geraniol, Citral, Linalool
Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei Rosmarin, Eukalyptus, Muskatellersalbei Linalool, Limonene, Geraniol
Feste Seife – Lavendel Lavandin (Lavandula Hybrida Grosso), Lavendel Linalool, Linalyl Acetate, Camphor, Beta-Caryophyllene, Limonene, Terpineol, Geraniol, Pinene, Geranyl Acetate

Die Seife hat die längste Liste. Sie ist ein Produkt zum Abspülen, für das die höhere Schwelle von 0,01 % gilt; die Zahl der Namen sagt also nichts über die Menge an Duft aus, sondern vor allem darüber, welche Stoffe das jeweilige Öl enthält und welche davon auf der Liste stehen.

Was die Verordnung (EU) 2023/1545 ändert

Bis 2023 mussten 24 allergieauslösende Duftstoffe einzeln angegeben werden. Der SCCS hatte 2012 darüber hinaus 56 weitere Duftstoffe ermittelt, die beim Menschen eindeutig Allergien ausgelöst haben. Mit der Verordnung (EU) 2023/1545 hat die EU-Kommission die Kennzeichnungspflicht deshalb erheblich erweitert (Verordnung (EU) 2023/1545):

  • Mehr Einzelstoffe: Neu einzeln anzugeben sind unter anderem Stoffe wie Pinene, Terpineol, Camphor, Beta-Caryophyllene, Terpinolene, Alpha-Terpinene und Linalyl Acetate.
  • Auch ganze ätherische Öle und Extrakte: Einige Pflanzenöle und -extrakte stehen nun selbst auf der Liste, zum Beispiel Zitronenschalenöl (Citrus Limon Peel Oil) und Lavendelöle bzw. -extrakte, die einheitlich als „Lavandula Oil/Extract“ anzugeben sind.
  • Gleiche Schwellen: Auch für die neuen Einträge gilt 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, und 0,01 % in Produkten zum Abspülen.
  • Einheitliche Namen: Ähnliche Stoffe wurden in Einträgen zusammengefasst, und es ist festgelegt, unter welchem Namen sie in der INCI stehen.

Übergangsfristen: Die Verordnung trat im August 2023 in Kraft. Produkte, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen, durften noch bis zum 31. Juli 2026 in der EU erstmals in Verkehr gebracht werden. Bereits zuvor in Verkehr gebrachte Produkte dürfen noch bis zum 31. Juli 2028 verkauft werden (Verordnung (EU) 2023/1545, Anhang). Im Handel können daher bis 2028 ältere und neue Kennzeichnungen nebeneinander vorkommen.

Natürlich heißt nicht frei von Allergenen

Ob ein Duftstoff aus einer Pflanze oder aus dem Labor stammt, spielt für die Kennzeichnung keine Rolle. Ein Produkt mit ätherischen Ölen ist nicht automatisch milder als ein parfümiertes Produkt. Umgekehrt ist nicht jedes Produkt mit ätherischen Ölen ungeeignet für dich. Entscheidend ist, auf welche Einzelstoffe du reagierst. Wenn du das weißt, hilft die INCI beim Auswählen; wie sie aufgebaut ist, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.

Wenn du empfindlich bist oder auf Duftstoffe reagierst, sind Produkte ohne zugesetzten Duft eine naheliegende Wahl. Eine Übersicht dazu steht auf der Seite Ohne Duft: Inhaltsstoffe im Überblick. Bei einer Hautreaktion solltest du das Produkt nicht weiter verwenden und ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Sind Linalool und Limonene zugesetzte Chemikalien?
Nicht unbedingt. Sie kommen natürlich in vielen ätherischen Ölen vor, etwa in Lavendel oder Zitrusschalen. Stehen sie in der INCI, bedeutet das nur, dass sie über der Kennzeichnungsschwelle enthalten sind. Bei forpeople sind sie mit doppeltem Sternchen als Bestandteil natürlicher ätherischer Öle markiert.

Warum hat ein duftendes Produkt keine Allergene in der INCI?
Entweder liegen die kennzeichnungspflichtigen Stoffe unter der Schwelle, oder der Duft stammt aus Stoffen, die nicht auf der Liste stehen, zum Beispiel aus einem Extrakt.

Sind ätherische Öle in Kosmetik sicher?
Kosmetische Mittel in der EU müssen bei normaler Anwendung sicher sein, das wird für jedes Produkt in einem Sicherheitsbericht bewertet. Für Menschen mit einer bekannten Duftstoffallergie ist die Einzelkennzeichnung das wichtigste Werkzeug.

Wie lagere ich Produkte mit ätherischen Ölen richtig?
Gut verschlossen, kühl und vor Licht geschützt. So oxidieren die Duftstoffe langsamer. Mehr dazu auf der Seite Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol.

Bei forpeople

Ein Teil der forpeople-Produkte enthält ätherische Öle, ein anderer Teil kommt ohne zugesetzten Duft aus. Ohne ätherische Öle sind laut INCI zum Beispiel die Feste Handcreme – Bienenwachs, die Deocreme Sensitiv, das Aloe Vera Serum 99,6% und das Jojobaöl – kaltgepresst. Die Bestandteile ätherischer Öle sind in allen Inhaltsangaben im Shop mit doppeltem Sternchen gekennzeichnet. Mehr zu Deocremes steht auf Deo ohne Aluminium: der Umstieg.

Weiterlesen: Ohne Duft: Inhaltsstoffe im Überblick · Naturkosmetik-Standards erklärt · Körperöl oder Körperbutter

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 und Anhang III. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  2. Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission vom 26. Juli 2023 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. ABl. L 188 vom 27.7.2023, S. 1. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1545/oj
  3. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2012): Opinion on fragrance allergens in cosmetic products. SCCS/1459/11, verabschiedet am 26.–27. Juni 2012. ec.europa.eu – sccs_o_102.pdf
  4. Turek C, Stintzing FC (2013): Stability of Essential Oils: A Review. Compr Rev Food Sci Food Saf 12(1): 40–53. doi:10.1111/1541-4337.12006