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Ranziges Hautöl erkennen: Geruch, Ursachen, Lagerung

Kurz gesagt

Ein Hautöl ist ranzig, wenn es deutlich anders riecht als beim Öffnen: stechend, muffig, nach alten Nüssen, Ölfarbe oder Knetmasse, oft zusammen mit einem bitteren oder dickeren, klebrigen Film. Dann haben Sauerstoff, Licht und Wärme die Fettsäuren angegriffen. Ranziges Öl solltest du nicht mehr auf die Haut geben, sondern entsorgen. Wie schnell ein Öl ranzig wird, hängt vor allem von seinen Fettsäuren ab: Wildrosenkernöl mit viel mehrfach ungesättigten Fettsäuren altert schneller als Jojobaöl, das chemisch ein flüssiges Wachs ist.

Was beim Ranzigwerden passiert

Pflanzenöle oxidieren auf zwei Wegen: durch Autoxidation mit dem Luftsauerstoff und durch lichtabhängige Oxidation. In beiden Fällen entstehen zuerst Hydroperoxide. Sie zerfallen weiter zu Stoffen, die den typischen Fehlgeruch verursachen, und die Qualität des Öls sinkt. Beschleunigt wird die Autoxidation unter anderem durch freie Fettsäuren, Metalle wie Eisen und bereits hitzegeschädigte Bestandteile. Temperatur, Licht, Sauerstoff, Verarbeitung und Fettsäurezusammensetzung bestimmen, wie stabil ein Öl ist (Choe & Min 2006).

Je mehr Doppelbindungen eine Fettsäure hat, desto leichter greift Sauerstoff sie an. Einfach ungesättigte Ölsäure ist vergleichsweise robust, zweifach ungesättigte Linolsäure empfindlicher und dreifach ungesättigte Linolensäure am empfindlichsten.

Welche Öle schnell, welche langsam altern

Öl Kennzeichen Empfindlichkeit
Wildrosenkernöl (Hagebuttenkernöl) kaltgepresste Wildrosenkernöle sind reich an Linolensäure (Grajzer et al. 2015) hoch
Borretschöl, Hanföl, Distelöl viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren hoch
Mandelöl, Arganöl viel Ölsäure, dazu Linolsäure mittel
Olivenöl überwiegend Ölsäure eher gering
Jojobaöl zu rund 98 % Wachsester, naturbelassen mit Tocopherolen; hohe oxidative Stabilität (Gad et al. 2021) gering

Die Tabelle ist eine qualitative Einordnung. Natürliche Begleitstoffe verschieben das Bild: Die untersuchten Wildrosenkernöle waren trotz ihres hohen Linolensäureanteils vergleichsweise gut geschützt, was die Autorinnen und Autoren auf ihre Antioxidantien wie Tocopherole und Carotinoide zurückführen (Grajzer et al. 2015). Bei Jojobaöl gilt: Gebleichtes oder raffiniertes Öl verliert diese Antioxidantien und damit einen Teil seiner Stabilität (Gad et al. 2021). Mehr dazu unter Jojobaöl: warum es ein flüssiges Wachs ist.

Woran du ranziges Öl erkennst

  • Geruch: Das zuverlässigste Zeichen. Rieche direkt nach dem Öffnen einmal bewusst am Öl, dann hast du einen Vergleich. Ranzig riecht stechend, muffig, nach Pappe, alten Nüssen, Ölfarbe oder Knete.
  • Hautgefühl: Das Öl zieht schlechter ein, wirkt zäh oder hinterlässt einen klebrigen Film.
  • Farbe und Klarheit: Deutlich dunkler oder trüber als am Anfang. Eine leichte Trübung durch Kälte ist dagegen harmlos und verschwindet bei Raumtemperatur.
  • Datum: Das Symbol mit dem offenen Tiegel (PAO) nennt die Monate nach dem Öffnen; siehe Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol. Es ersetzt aber nicht die Nase: Ein falsch gelagertes Öl kann früher kippen.

Im Labor misst man den Oxidationszustand unter anderem mit der Peroxidzahl, also der Menge an Hydroperoxiden. Wie Grenzwerte aussehen, zeigt das Lebensmittelrecht: Natives Olivenöl extra darf höchstens eine Peroxidzahl von 20 Milliäquivalenten Sauerstoff pro Kilogramm haben (Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104, Anhang I). Zu Hause lässt sich das nicht messen; hier bleibt der Geruch der beste Test.

Öle mit ätherischen Ölen: Oxidation betrifft auch den Duft

Viele Gesichts- und Körperöle enthalten ätherische Öle. Deren Bestandteile verändern sich ebenfalls durch Wärme, Licht und Sauerstoff (Turek & Stintzing 2013). Terpene wie Limonen und Linalool bilden an der Luft Hydroperoxide. Solche oxidierten Terpene sind nach einer Übersichtsarbeit eine häufige Ursache von Kontaktallergien in der Bevölkerung (Karlberg & Lepoittevin 2021). Das ist ein Grund mehr, Duftöle gut verschlossen zu lagern und nicht über Jahre aufzubrauchen. Hintergrund: Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.

Richtig lagern, länger frisch

  • Dunkel lagern: Braunes oder violettes Glas schützt, aber die Flasche gehört trotzdem nicht auf die sonnige Fensterbank.
  • Kühl lagern: nicht neben Heizung, Herd oder im Auto. Sehr empfindliche Öle wie Wildrosenkernöl dürfen nach dem Öffnen in den Kühlschrank.
  • Luft fernhalten: Deckel oder Pipette direkt wieder schließen. Je leerer die Flasche, desto mehr Luft ist darin; kleine Flaschen sind bei empfindlichen Ölen sinnvoll.
  • Kein Wasser in die Flasche bringen, Pipette nicht mit nassen Fingern anfassen.
  • Beim Selbstmischen nur frische Öle verwenden und die Mischung datieren; siehe Feste Creme selber machen.

Tocopherol (Vitamin E) oder Rosmarinextrakt werden Ölen zugesetzt, um die Oxidation zu bremsen. Tocopherole können je nach Öl aber sowohl schützend als auch fördernd wirken (Choe & Min 2006). Ein Zusatz ist also kein Freibrief für schlechte Lagerung. Wie Wärme feste Produkte verändert, erklärt Feste Kosmetik lagern.

Häufige Fragen

Kann ich ranziges Öl noch auf die Haut geben?
Wir raten davon ab. Ranziges Öl enthält Abbauprodukte statt frischer Fette, riecht unangenehm und ist kein Pflegeöl mehr. Entsorge es.

Wie lange hält ein geöffnetes Hautöl?
Das hängt vom Öl und von der Lagerung ab. Orientiere dich am PAO-Symbol und an deiner Nase. Empfindliche Öle wie Wildrosenkernöl früher aufbrauchen als Jojobaöl.

Ist trübes Öl ranzig?
Nicht unbedingt. Manche Öle werden in der Kälte trüb und klären sich bei Raumtemperatur wieder. Entscheidend ist der Geruch.

Hilft der Kühlschrank?
Ja, Kälte verlangsamt die Oxidation. Hol das Öl vor der Anwendung kurz heraus, damit es flüssig wird.

Kann auch eine feste Creme ranzig werden?
Ja, denn sie besteht aus Ölen und Butter. Riecht sie deutlich anders als beim Öffnen, verwende sie nicht mehr.

Bei forpeople

Unsere puren Öle sind kaltgepresst und laut INCI ohne Zusätze. Das Wildrosenkernöl – kaltgepresst (50 ml, 19,90 €) ist das empfindlichste davon und sollte kühl und dunkel stehen. Arganöl – kaltgepresst (50 ml, 19,90 €) und Mandelöl – kaltgepresst (100 ml, 14,90 €) liegen in der Mitte, Jojobaöl – kaltgepresst (100 ml, 16,90 €) ist das stabilste. Das Faceoil - Lavendel (50 ml, 21,90 €) enthält neben Argan-, Wildrosen- und Jojobaöl auch Borretsch- und Hanföl sowie Lavendelöl; das Körperöl - Lemongrass (100 ml, 16,90 €) basiert auf Sesam- und Distelöl mit Lemongrassöl. Für beide gilt: gut verschließen und nicht in die Sonne stellen. Mehr dazu: Körperöl oder Körperbutter · INCI-Liste lesen · Selbstgemachte Creme: Haltbarkeit · Harz und Propolis: Allergie-Hinweise

Quellen

  1. Choe E, Min DB (2006): Mechanisms and factors for edible oil oxidation. Compr Rev Food Sci Food Saf 5(4): 169–186. https://doi.org/10.1111/j.1541-4337.2006.00009.x
  2. Grajzer M, Prescha A, Korzonek K, Wojakowska A, Dziadas M, Kulma A et al. (2015): Characteristics of rose hip (Rosa canina L.) cold-pressed oil and its oxidative stability studied by the differential scanning calorimetry method. Food Chem 188: 459–466. https://doi.org/10.1016/j.foodchem.2015.05.034
  3. Gad HA, Roberts A, Hamzi SH, Gad HA, Touiss I, Altyar AE et al. (2021): Jojoba Oil: An Updated Comprehensive Review on Chemistry, Pharmaceutical Uses, and Toxicity. Polymers (Basel) 13(11): 1711. https://doi.org/10.3390/polym13111711
  4. Europäische Kommission (2022): Delegierte Verordnung (EU) 2022/2104 zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 hinsichtlich der Vermarktungsnormen für Olivenöl, Anhang I. ABl. L 284: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg_del/2022/2104/oj
  5. Karlberg AT, Lepoittevin JP (2021): One hundred years of allergic contact dermatitis due to oxidized terpenes: What we can learn from old research on turpentine allergy. Contact Dermatitis 85(6): 627–636. https://doi.org/10.1111/cod.13962
  6. Turek C, Stintzing FC (2013): Stability of Essential Oils: A Review. Compr Rev Food Sci Food Saf 12(1): 40–53. https://doi.org/10.1111/1541-4337.12006