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Hygiene bei wasserfreier Kosmetik: worauf achten?

Kurz gesagt

Ja, auch bei wasserfreier Kosmetik lohnt sich Hygiene – das Risiko ist aber ein anderes als bei Cremes mit Wasser. Ohne Wasser finden Bakterien, Hefen und Schimmelpilze kaum Bedingungen zum Wachsen; deshalb kommen Salben, feste Cremes und Öle meist ohne Konservierungsstoff aus. Kritisch wird es, wenn beim Gebrauch Wasser hineingelangt, etwa über nasse Finger oder Duschwasser. Wer mit sauberen, trockenen Händen entnimmt, den Deckel schließt und Wasser fernhält, macht das Wichtigste richtig.

Warum wasserfreie Produkte als mikrobiologisch risikoarm gelten können

Mikroorganismen brauchen frei verfügbares Wasser. Wie viel davon in einem Produkt vorhanden ist, beschreibt die Wasseraktivität (aw): Reines Wasser hat den Wert 1, ein völlig trockenes Produkt den Wert 0. Eine Übersichtsarbeit nennt Wasser den idealen Wachstumsfaktor für Mikroorganismen in Kosmetik und beschreibt, wie Hersteller die Wasseraktivität gezielt senken, um Keimwachstum zu bremsen (Halla et al. 2018). Eine niedrige Wasseraktivität zählt zu den Hürden, mit denen sich Kosmetik auch ohne klassische Konservierungsstoffe stabil halten lässt (Varvaresou et al. 2009).

Die EU-Leitlinien zum Sicherheitsbericht unterscheiden drei Gruppen von Produkten (Durchführungsbeschluss 2013/674/EU):

  1. Produkte mit geringem mikrobiologischem Risiko: Hier sind weder ein Konservierungsmittelbelastungstest noch mikrobiologische Qualitätstests am fertigen Produkt nötig; der Hersteller muss das aber wissenschaftlich begründen. Als Beispiele nennen die Leitlinien Produkte mit mehr als 20 % Alkohol, Produkte auf Basis organischer Lösungsmittel sowie Produkte mit sehr hohem oder sehr niedrigem pH-Wert.
  2. Einmalprodukte und Produkte, die sich nicht öffnen lassen: Hier sind nur Qualitätstests am fertigen Produkt nötig.
  3. Alle übrigen Produkte: Sie brauchen beides.

Wie ein Hersteller begründet, dass sein Produkt risikoarm ist, beschreibt die internationale Norm ISO 29621. Sie gibt eine Anleitung, anhand einer Risikobewertung festzustellen, ob ein fertiges Produkt bei Herstellung und Gebrauch ein geringes Risiko für mikrobielle Verunreinigung hat. Ob das für ein bestimmtes wasserfreies Produkt zutrifft, entscheidet die Sicherheitsbewertung im Einzelfall – nicht die Bezeichnung „wasserfrei“.

Wo das Risiko beim Gebrauch liegt

Ein Produkt verlässt die Herstellung sauber. Was danach passiert, liegt zu einem großen Teil beim Gebrauch. Eine Untersuchung von 91 Kosmetikprodukten vor, während und nach der Nutzung zeigte, dass belastete Produkte insgesamt eher selten waren, Keime aber während des Gebrauchs eingetragen werden können (Campana et al. 2006). Bei wasserfreien Produkten sind es vor allem vier Punkte:

  • Wasser von außen: Nasse Finger, Spritzwasser in der Dusche oder Kondenswasser bringen genau das ins Produkt, was ihm sonst fehlt. Ein Wassertropfen in einer Dose schafft eine kleine Stelle, an der Keime wachsen können.
  • Schmutz und Hautreste: Wer mit ungewaschenen Händen in den Tiegel greift, trägt mehr Keime ein.
  • Wärme: Hohe Temperaturen lassen feste Cremes weich werden und fördern das Altern der Öle. Hinweise dazu stehen auf der Seite Feste Kosmetik lagern.
  • Luft und Licht: Sie betreffen nicht die Keime, sondern die Öle. Pflanzenöle können mit der Zeit oxidieren und ranzig riechen. Das ist kein Hygieneproblem, aber ein Grund, ein Produkt nicht endlos aufzubewahren.

Tiegel, Dose, Stift, Pumpe: Was die Verpackung ausmacht

Je öfter Finger und Produkt in Kontakt kommen, desto mehr kann eingetragen werden. Nach einer Übersichtsarbeit werden Tiegel und offene Flaschen eher verunreinigt als geschlossene Systeme wie Airless-Pumpen (Halla et al. 2018). Wie stark die Verschlussart zählt, zeigt ein älterer Versuch mit einer unkonservierten, wasserhaltigen Hautlotion: Nach zwei Wochen Gebrauch waren 71 % der Behälter mit Schraubverschluss verunreinigt, aber nur 10 % der Pumpflaschen (Brannan und Dille 1990). Die Zahlen gelten für eine wasserhaltige Lotion ohne Konservierung und lassen sich nicht direkt auf wasserfreie Produkte übertragen. Sie zeigen aber, warum die Art der Entnahme zählt. Inzwischen gibt es auch ein standardisiertes Verfahren, mit dem sich der Schutz einer Verpackung messen und in Stufen einteilen lässt (Catovic et al. 2020).

Form Kontakt mit den Fingern Worauf du achten kannst
Tiegel oder Dose (Salbe, feste Creme) bei jeder Entnahme nur mit trockenen, sauberen Fingern entnehmen oder einen sauberen Spatel nutzen; Deckel gleich wieder schließen
Stift oder Hülse (Lippenpflege, feste Sonnencreme) kaum, das Produkt wird direkt aufgetragen Kappe aufsetzen; Stift nicht mit anderen teilen
Stück (feste Seife) ständig, zusammen mit Wasser nach dem Gebrauch abtropfen und auf einer Ablage trocknen lassen
Flasche mit Tropfer oder Korken (Öl, Serum) gering, wenn nicht mit den Fingern an die Öffnung Öffnung nicht berühren; nach dem Gebrauch verschließen
Pumpflasche sehr gering Pumpkopf sauber halten

So gehst du im Alltag hygienisch vor

  1. Hände waschen und abtrocknen, bevor du in einen Tiegel oder eine Dose greifst. Trockene Finger sind bei wasserfreien Produkten wichtiger als bei allen anderen.
  2. Nicht direkt nach dem Duschen mit nassen Händen entnehmen. Wenn du nach dem Duschen eincremst, trockne zuerst die Hände ab. Die Haut darf feucht sein, das Produkt nicht.
  3. Deckel schließen und die Dose nicht offen im Bad stehen lassen.
  4. Kühl, trocken und schattig lagern, nicht auf der Heizung, nicht im Auto.
  5. Beim Nachfüllen die Dose reinigen und vollständig trocknen lassen, bevor der neue Einsatz hineinkommt. Wie das mit Refillern funktioniert, steht auf der Seite Nachfüllen mit Refillern.
  6. Haltbarkeit beachten: Auf der Verpackung steht entweder ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder das Symbol mit dem offenen Tiegel. Was beide bedeuten, erklärt die Seite Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol.

Woran du erkennst, dass ein Produkt nicht mehr gut ist

  • Flecken, Punkte oder ein Belag, die vorher nicht da waren, besonders an Stellen, an denen Wasser stand
  • ein ranziger, seifiger oder muffiger Geruch
  • Wassertropfen oder eine feuchte Stelle im Produkt

In diesen Fällen verwende das Produkt nicht mehr. Ein heller, gleichmäßiger Belag auf einer festen Creme, die einmal geschmolzen war, kann dagegen harmlos sein: Fette kristallisieren nach dem Schmelzen manchmal anders aus. Mehr dazu auf der Seite Feste Kosmetik lagern.

Häufige Fragen

Ist wasserfreie Kosmetik keimfrei?
Nein. Sie bietet Keimen kaum Wachstumsbedingungen, ist aber nicht steril. Wenn Wasser hineingelangt, kann sich das ändern.

Darf ich mit dem Finger in die Dose?
Ja, mit sauberen, trockenen Fingern. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Spatel. Bei festen Cremes reicht es oft, kurz mit dem Finger über die Oberfläche zu streichen.

Was mache ich, wenn Wasser in die Dose gekommen ist?
Das Wasser sofort abgießen und mit einem sauberen Tuch abtupfen, dann die Dose offen trocknen lassen. Zeigen sich später Flecken oder ein veränderter Geruch, das Produkt nicht mehr verwenden.

Muss ich wasserfreie Kosmetik im Kühlschrank lagern?
Nein. Kühl, trocken und schattig reicht. Im Kühlschrank kann sich beim Herausnehmen Kondenswasser bilden.

Warum braucht ein Aloe-Serum Konservierung, eine Salbe aber nicht?
Aloe-Saft besteht überwiegend aus Wasser. Hintergründe dazu stehen auf der Seite Konservierung und Wasser in Kosmetik.

Bei forpeople

Die festen Cremes wie die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g) kommen in einer Metalldose und sind laut INCI wasserfrei. Für sie gibt es den Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (7,90 €): Dose reinigen, gut trocknen, Refiller einlegen. Wer eine zweite Dose möchte, findet sie als Leere Kosmetikdose. Die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g) entnimmst du am besten mit trockenen Fingern oder einem Spatel. Den Lippenpflegestift Lippenpflege - LSF15 Mandel & Vanille und die Feste Sonnencreme LSF50 in der Papierhülse ohne Kunststoffbeschichtung trägst du direkt auf, ohne sie anzufassen. Feste Seifen enthalten Wasser aus der Herstellung und trocknen am besten auf einer Ablage wie der Aluminium-Seifendose mit Abtropfgitter. Das Aloe Vera Serum 99,6% ist wasserbasiert und deshalb mit Kaliumsorbat und Natriumbenzoat konserviert.

Mehr dazu: Wasserfreie Kosmetik · Wasserfrei, wasserarm, anhydrous · Feste Creme richtig auftragen · Feste Kosmetik im Handgepäck

Quellen

  1. Halla N, Fernandes IP, Heleno SA et al. (2018): Cosmetics Preservation: A Review on Present Strategies. Molecules 23(7): 1571. doi:10.3390/molecules23071571
  2. Varvaresou A, Papageorgiou S, Tsirivas E et al. (2009): Self-preserving cosmetics. Int J Cosmet Sci 31(3): 163–175. doi:10.1111/j.1468-2494.2009.00492.x
  3. Campana R, Scesa C, Patrone V et al. (2006): Microbiological study of cosmetic products during their use by consumers: health risk and efficacy of preservative systems. Lett Appl Microbiol 43(3): 301–306. doi:10.1111/j.1472-765X.2006.01952.x
  4. Brannan DK, Dille JC (1990): Type of closure prevents microbial contamination of cosmetics during consumer use. Appl Environ Microbiol 56(5): 1476–1479. doi:10.1128/aem.56.5.1476-1479.1990
  5. Catovic C, Martin S, Desaint S et al. (2020): Development of a standardized method to evaluate the protective efficiency of cosmetic packaging against microbial contamination. AMB Express 10(1): 81. doi:10.1186/s13568-020-01016-4
  6. Durchführungsbeschluss 2013/674/EU der Kommission vom 25. November 2013 über Leitlinien zu Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Teil A Nr. 3.3.2. ABl. L 315 vom 26.11.2013, S. 82. eur-lex.europa.eu/eli/dec_impl/2013/674/oj
  7. ISO 29621:2017 Cosmetics – Microbiology – Guidelines for the risk assessment and identification of microbiologically low-risk products. International Organization for Standardization, Genf.