Wissen 7 Min. Lesezeit forpeople skincare

Konservierung und Wasser in Kosmetik

Kurz gesagt

Kosmetik mit Wasser braucht fast immer einen Schutz gegen Keime, weil Bakterien, Hefen und Schimmelpilze nur dort wachsen können, wo frei verfügbares Wasser vorhanden ist. Diesen Schutz übernehmen meist Konservierungsstoffe, die in der EU nur aus einer festen Positivliste stammen dürfen. Wasserfreie Produkte aus Ölen, Buttern und Wachsen bieten Mikroorganismen dagegen kaum Wachstumsbedingungen und kommen deshalb in der Regel ohne Konservierungsstoff aus. „Ohne Konservierung“ ist dabei kein Qualitätsmerkmal an sich, sondern eine Folge der Rezeptur.

Warum Wasser die entscheidende Rolle spielt

Mikroorganismen brauchen Wasser, Nährstoffe und passende Temperaturen. In einer Creme oder Lotion ist Wasser meist der größte Bestandteil, und viele Inhaltsstoffe wie Pflanzenextrakte, Zucker oder Proteine können als Nährstoffe dienen. Eine Übersichtsarbeit beschreibt Wasser deshalb als idealen Wachstumsfaktor für Mikroorganismen in Kosmetik (Halla et al. 2018).

Entscheidend ist dabei nicht allein, wie viel Wasser eine Rezeptur enthält, sondern wie viel davon frei verfügbar ist. Diese Größe heißt Wasseraktivität (aw). Sie liegt zwischen 0 und 1: Reines Wasser hat den Wert 1, ein vollständig trockenes Produkt den Wert 0. Stoffe wie Salze, Glycerin, Sorbit oder Zucker binden Wasser und senken die Wasseraktivität; Hersteller nutzen das gezielt, um Keimwachstum zu bremsen (Halla et al. 2018). Eine niedrige Wasseraktivität zählt zu den wichtigsten Stellschrauben für die mikrobiologische Stabilität (Varvaresou et al. 2009).

Wie Hersteller Kosmetik mikrobiologisch stabil halten

Konservierungsstoffe sind nur ein Werkzeug. In der Praxis werden mehrere Maßnahmen kombiniert. Dieses Prinzip heißt nach dem Vorbild der Lebensmittelherstellung „Hürdenkonzept“: Jede Hürde erschwert Keimen das Wachstum, zusammen halten sie ein Produkt stabil (Varvaresou et al. 2009).

Hürde Wie sie wirkt Beispiel
Kein oder wenig freies Wasser Mikroorganismen fehlt die Lebensgrundlage Öle, Balsame, feste Cremes, Puder
pH-Wert Sehr saure oder sehr basische Umgebung hemmt viele Keime Seifen (basisch), saure Seren
Konservierungsstoffe Hemmen gezielt das Wachstum von Mikroorganismen Stoffe aus Anhang V der Kosmetikverordnung
Multifunktionale Inhaltsstoffe Haben neben ihrer Hauptaufgabe eine keimhemmende Nebenwirkung manche Alkohole, Glykole, ätherische Öle
Verpackung Verhindert, dass beim Gebrauch Keime in das Produkt gelangen Pumpspender, Tuben, Airless-Flaschen
Gute Herstellungspraxis Saubere Rohstoffe und Anlagen halten die Anfangskeimzahl niedrig Hygieneregeln in der Produktion

Wie gut eine Verpackung vor Verunreinigung beim Gebrauch schützt, lässt sich messen. Eine Arbeitsgruppe hat dafür ein standardisiertes Prüfverfahren entwickelt und Verpackungen in sechs Schutzstufen eingeteilt (Catovic et al. 2020).

Welche Konservierungsstoffe erlaubt sind

Die EU-Kosmetikverordnung definiert Konservierungsstoffe als Stoffe, die in kosmetischen Mitteln ausschließlich oder überwiegend die Entwicklung von Mikroorganismen hemmen sollen. Erlaubt sind nur Stoffe, die in Anhang V der Verordnung aufgeführt sind, und nur unter den dort genannten Bedingungen, etwa mit einer Höchstkonzentration je Produktart (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Dazu gehören unter anderem Benzoesäure und ihr Natriumsalz (Natriumbenzoat) sowie Sorbinsäure und ihre Salze wie Kaliumsorbat. Diese organischen Säuren wirken am besten im sauren Bereich; steigt der pH-Wert deutlich, lässt ihre Wirkung nach (Halla et al. 2018). Deshalb wird in solchen Produkten oft Zitronensäure zugesetzt.

Stoffe, die nicht in Anhang V stehen, dürfen nicht als Konservierungsstoff eingesetzt werden. Manche Inhaltsstoffe wirken trotzdem keimhemmend, werden aber aus einem anderen Grund verwendet. Sie stehen ganz normal in der INCI; dort wird ohnehin bei keinem Stoff die Funktion angegeben (Varvaresou et al. 2009).

Der Challenge-Test nach ISO 11930

Ob ein Konservierungssystem wirkt, wird mit einem Konservierungsmittelbelastungstest geprüft, im Englischen „Challenge-Test“. Dabei wird eine Probe des Produkts gezielt mit bekannten Mengen an Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen versetzt. Die Proben werden bei Raumtemperatur 28 Tage lang gelagert; in dieser Zeit wird gemessen, wie stark die Keimzahl sinkt (Halla et al. 2018). Das international gebräuchliche Verfahren beschreibt die Norm ISO 11930. Sie ist vor allem für wasserlösliche oder mit Wasser mischbare Produkte gedacht.

Die Ergebnisse des Tests gehören in der EU zum Sicherheitsbericht, den jedes kosmetische Mittel vor dem Verkauf braucht. Die Verordnung verlangt dort Angaben zur mikrobiologischen Qualität und die Ergebnisse des Konservierungsmittelbelastungstests (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang I).

Für Produkte, die aufgrund ihrer Beschaffenheit ein geringes mikrobiologisches Risiko haben, gibt es eine eigene Norm: ISO 29621 gibt Herstellern eine Anleitung, wie sie anhand der Eigenschaften eines Produkts beurteilen, ob es mikrobiologisch risikoarm ist und deshalb nicht alle mikrobiologischen Prüfungen braucht.

Wie wichtig der Schutz auch nach dem Öffnen ist, zeigt eine Untersuchung von 91 Kosmetikprodukten im ungeöffneten Zustand, während des Gebrauchs und am Ende der Nutzung: Belastete Produkte waren insgesamt eher selten, etwa 10,6 % der untersuchten Tensidprodukte wie Schaumbäder, Shampoos und Flüssigseifen waren jedoch mit Bakterien belastet (Campana et al. 2006). Die Autoren schlagen vor, den Challenge-Test nicht nur am frischen Produkt, sondern auch für den Gebrauchszeitraum einzusetzen.

Warum wasserfreie Produkte meist ohne Konservierungsstoff auskommen

Eine wasserfreie Rezeptur aus Ölen, Buttern und Wachsen hat keine Wasserphase. Die Wasseraktivität ist entsprechend niedrig, Bakterien und Pilze finden kaum Bedingungen zum Wachsen. Deshalb brauchen solche Produkte in der Regel weder Emulgator noch Konservierungsstoff; mehr zur Rolle von Emulgatoren steht auf der Seite Emulgatoren in Kosmetik.

Das heißt nicht, dass wasserfreie Produkte unbegrenzt haltbar sind. Pflanzenöle können mit der Zeit oxidieren und ranzig werden, und wenn Wasser von außen hineingelangt, etwa durch nasse Finger, kann sich das ändern. Hinweise zur Lagerung und zur Haltbarkeit nach dem Öffnen findest du auf der Seite Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol, zur Lagerung im Sommer auf Feste Kosmetik im Sommer lagern.

Häufige Fragen

Sind Konservierungsstoffe schlecht?
Konservierungsstoffe schützen wasserhaltige Produkte davor, dass sich Keime vermehren. Ein wasserhaltiges Produkt ohne wirksamen Schutz wäre nicht sicher. Wer einzelne Stoffe nicht verträgt, kann sie über die INCI erkennen und meiden.

Woran erkenne ich Konservierungsstoffe in der INCI?
Häufige Namen sind zum Beispiel Potassium Sorbate, Sodium Benzoate, Benzoic Acid, Sorbic Acid, Phenoxyethanol oder Dehydroacetic Acid. Wie du eine INCI Schritt für Schritt liest, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.

Heißt „ohne Konservierungsstoffe“ automatisch wasserfrei?
Nein. Manche wasserhaltigen Produkte sind über andere Hürden geschützt, etwa über einen extremen pH-Wert, viel Alkohol oder eine sehr niedrige Wasseraktivität.

Muss ich wasserhaltige Kosmetik im Kühlschrank lagern?
Nur, wenn der Hersteller das angibt. Grundsätzlich gilt: kühl, trocken und vor direkter Sonne geschützt lagern, sauber entnehmen und nach dem Gebrauch verschließen.

Bei forpeople

Die meisten forpeople-Produkte sind wasserfrei und enthalten laut INCI keinen Konservierungsstoff, zum Beispiel die Feste Handcreme – Bienenwachs, die Deocreme Sensitiv oder die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel. Es gibt aber zwei Ausnahmen, die Wasser enthalten:

Weiterlesen: Wasserfreie Kosmetik · Feste Creme oder Tube · Naturkosmetik-Standards erklärt

Quellen

  1. Halla N, Fernandes IP, Heleno SA et al. (2018): Cosmetics Preservation: A Review on Present Strategies. Molecules 23(7): 1571. doi:10.3390/molecules23071571
  2. Varvaresou A, Papageorgiou S, Tsirivas E et al. (2009): Self-preserving cosmetics. Int J Cosmet Sci 31(3): 163–175. doi:10.1111/j.1468-2494.2009.00492.x
  3. Campana R, Scesa C, Patrone V et al. (2006): Microbiological study of cosmetic products during their use by consumers: health risk and efficacy of preservative systems. Lett Appl Microbiol 43(3): 301–306. doi:10.1111/j.1472-765X.2006.01952.x
  4. Catovic C, Martin S, Desaint S et al. (2020): Development of a standardized method to evaluate the protective efficiency of cosmetic packaging against microbial contamination. AMB Express 10(1): 81. doi:10.1186/s13568-020-01016-4
  5. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 2, Anhang I und Anhang V. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  6. ISO 11930:2019 Cosmetics – Microbiology – Evaluation of the antimicrobial protection of a cosmetic product; ISO 29621:2017 Cosmetics – Microbiology – Guidelines for the risk assessment and identification of microbiologically low-risk products. International Organization for Standardization, Genf.