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INCI-Liste lesen: So verstehst du Inhaltsstoffe

Kurz gesagt

Eine INCI-Liste nennt alle Bestandteile eines kosmetischen Mittels in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils zum Zeitpunkt der Herstellung. Was vorne steht, ist also in der größten Menge enthalten. Ab einem Anteil unter 1 % dürfen die Bestandteile in beliebiger Reihenfolge folgen, Farbstoffe dürfen am Ende stehen. Dazu kommen einzeln deklarierte Duftstoffe und oft Sternchen mit freiwilligen Zusatzangaben des Herstellers.

Was INCI bedeutet und warum die Liste Pflicht ist

INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients, also die internationale Namensliste für kosmetische Inhaltsstoffe. In der EU schreibt die Kosmetikverordnung vor, dass die Verpackung eine Liste der Bestandteile mit der Überschrift „Ingredients“ trägt (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Die Namen stammen aus einem Glossar, das die EU-Kommission regelmäßig aktualisiert und das die INCI-Bezeichnungen berücksichtigt. Seit dem 30. Juli 2026 gilt dafür der Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1175 (Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1175).

Weil die Namen international gleich sind, findest du in der INCI wenig Deutsch:

  • Pflanzliche Stoffe tragen ihren lateinischen Namen plus den Pflanzenteil, etwa „Helianthus Annuus Seed Oil“ für Sonnenblumenöl oder „Butyrospermum Parkii Butter“ für Sheabutter.
  • Chemische Stoffe stehen unter ihrem englischen Namen, zum Beispiel „Sodium Bicarbonate“ für Natron oder „Zinc Oxide“ für Zinkoxid.
  • Wasser heißt „Aqua“, Bienenwachs „Cera Alba“.

Als Bestandteil gilt jeder Stoff, der absichtlich bei der Herstellung verwendet wird. Verunreinigungen aus Rohstoffen und technische Hilfsstoffe, die im fertigen Produkt nicht mehr vorhanden sind, zählen nicht dazu (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19).

Die Regeln im Überblick

Regel Was das für dich heißt
Absteigende Reihenfolge nach Gewicht Der erste Bestandteil ist der mengenmäßig größte. Bei klassischen Cremes ist das meist Aqua.
Unter 1 % beliebige Reihenfolge Bestandteile unter 1 % dürfen nach denen über 1 % in beliebiger Reihenfolge stehen. Wo diese Grenze in der Liste liegt, steht nicht auf der Verpackung.
Farbstoffe am Ende möglich Farbstoffe dürfen nach allen anderen Bestandteilen stehen, meist mit einer CI-Nummer (Colour Index).
Nanomaterialien Hinter dem Namen muss „(nano)“ stehen.
Duftstoffe Duftmischungen erscheinen als „Parfum“, Aromen als „Aroma“. Bestimmte allergene Duftstoffe müssen zusätzlich einzeln genannt werden.
Dekorative Kosmetik in mehreren Farbtönen Alle Farbstoffe der Farbpalette dürfen mit „+/-“ oder „kann … enthalten“ aufgeführt werden.

Alle diese Punkte stehen in Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe g der Kosmetikverordnung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Die INCI muss nur auf der äußeren Verpackung stehen. Ist das aus praktischen Gründen nicht möglich, darf sie auf einem beigepackten oder befestigten Zettel, Anhänger oder Kärtchen stehen, auf den ein Symbol mit Hand und Buch verweist.

Farbstoffe: die CI-Nummern

Farbstoffe tragen in der INCI in der Regel eine fünfstellige Nummer aus dem Colour Index. Für Farbstoffe außer Haarfärbemitteln ist diese CI-Nummer die gemeinsame Bezeichnung im EU-Glossar (Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1175). Zwei Beispiele aus dem Shop: Die getönte Feste Sonnencreme LSF50 Mini - Farbe LIGHT SAND nennt „Iron Oxides (CI 77492)“ und „Iron Oxides (CI 77491)“, also Eisenoxide für den beigen Farbton. Die Feste Seife – Lavendel enthält „CI77007“, ein blaues Pigment. Warum mineralische UV-Filter in der INCI ohne „(nano)“ stehen können, erklärt die Seite Nano oder non-nano: Zinkoxid und Titandioxid.

Duftstoffe und Allergene

Riech- und Aromastoffe dürfen als Sammelbegriff „Parfum“ oder „Aroma“ angegeben werden. Bestimmte Duftstoffe, die als Kontaktallergene bekannt sind, müssen aber zusätzlich einzeln in der INCI stehen, wenn sie eine Schwelle überschreiten: 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, und 0,01 % in Produkten, die abgespült werden (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang III). Der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU (SCCS) behandelt diese Stoffe gleich, egal ob sie als Einzelstoff zugesetzt werden oder als Bestandteil eines natürlichen Rohstoffs wie eines ätherischen Öls enthalten sind (SCCS 2012). Deshalb findest du in Naturkosmetik oft Namen wie Linalool, Limonene, Citral oder Geraniol am Ende der Liste.

Die Liste der einzeln anzugebenden Duftstoffe wurde mit der Verordnung (EU) 2023/1545 deutlich erweitert (Verordnung (EU) 2023/1545). Welche Übergangsfristen gelten und was die Angaben bedeuten, erklärt die Seite Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene. Eine Übersicht, welche forpeople-Produkte ohne zugesetzten Duft auskommen, steht auf Ohne Duft: Inhaltsstoffe im Überblick.

Sternchen und Fußnoten

Sternchen, hochgestellte Ziffern und Fußnoten gehören nicht zur gesetzlich vorgeschriebenen INCI. Sie sind freiwillige Zusatzangaben des Herstellers, zum Beispiel zur Herkunft eines Rohstoffs aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA), zum Anteil solcher Rohstoffe oder zur Verarbeitung. Wie „Bio“ und „Naturkosmetik“ in der Kosmetik geregelt sind, erklärt die Seite Naturkosmetik-Standards erklärt. Für sie gilt wie für alle Angaben auf der Verpackung: Sie dürfen keine Merkmale vortäuschen, die ein Produkt nicht hat (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 20).

Ein Beispiel: die INCI einer festen Fußcreme

So steht die INCI der Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei im Shop:

Helianthus Annuus Seed Oil¹², Cera Alba¹, Olea Europea Fruit Oil¹², Butyrospermum Parkii Butter¹, Hypericum Perforatum Flower/Twig Extract*, Rosmarinus Officinalis Leaf Oil*, Eucalyptus Radiata Flower/Leaf/Stem Oil*, Salvia Sclarea Oil, Aloe Barbadensis Leaf Extract*, Linalool**, Limonene**, Geraniol**

* aus kontrolliert biologischem Anbau · ¹ aus direktem Handel · ² schonend kaltgepresst · ** Bestandteil natürlicher ätherischer Öle

So liest du sie:

  1. Die ersten Stellen: Sonnenblumenöl, Bienenwachs, Olivenöl und Sheabutter bilden die Grundlage. Kein „Aqua“: Die Creme ist wasserfrei, deshalb stehen weder Emulgator noch Konservierungsstoff in der Liste.
  2. Die Mitte: Johanniskrautextrakt und die ätherischen Öle aus Rosmarin, Eukalyptus und Muskatellersalbei. Ab hier können einzelne Bestandteile schon unter 1 % liegen; die Liste verrät nicht, wo genau diese Grenze ist.
  3. Das Ende: Linalool, Limonene und Geraniol sind keine zusätzlich zugesetzten Stoffe. Sie sind Bestandteile der ätherischen Öle und müssen wegen der Allergen-Kennzeichnung einzeln genannt werden. Die doppelten Sternchen machen das sichtbar.
  4. Die Fußnoten: Sie zeigen Herkunft und Verarbeitung einzelner Rohstoffe. Sie sind Herstellerangaben und nicht Teil der Pflichtkennzeichnung.

Zum Vergleich: Die Feste Handcreme – Bienenwachs hat nur fünf Bestandteile und keine ätherischen Öle, deshalb stehen in ihrer INCI auch keine Duftstoff-Allergene. Beim Aloe Vera Serum 99,6% steht Aloe-Blattsaft vorne, danach Zitronensäure und die Konservierungsstoffe Kaliumsorbat und Natriumbenzoat; mehr dazu auf Konservierung und Wasser in Kosmetik.

Häufige Fragen

Steht die Menge eines Inhaltsstoffs in der INCI?
Nein. Die INCI zeigt nur die Reihenfolge, keine Prozentwerte. Nur manche Hersteller nennen Mengen freiwillig, etwa den Aloe-Anteil eines Serums.

Warum steht ein Wirkstoff aus der Werbung erst am Ende?
Viele Pflanzenextrakte und Vitamine werden in kleinen Mengen eingesetzt. Unter 1 % dürfen sie in beliebiger Reihenfolge stehen, ihre Position sagt dann wenig über die genaue Menge.

Was bedeutet „Parfum“ in der INCI?
Es steht für eine Mischung aus Riechstoffen, deren einzelne Bestandteile nicht genannt werden müssen. Ausnahme sind die allergenen Duftstoffe aus Anhang III, die über der Schwelle einzeln aufgeführt werden.

Wie finde ich einen Stoff, den ich nicht vertrage?
Merke dir den INCI-Namen, nicht den deutschen Namen. Er ist in der ganzen EU gleich. Bei Unsicherheit hilft ein Allergiepass mit den genauen Bezeichnungen; bei Hautreaktionen solltest du ärztlichen Rat einholen.

Was heißt es, wenn ein Stoff zweimal auftaucht?
Ein Pflanzenrohstoff kann in verschiedenen Formen vorkommen, zum Beispiel als Öl und als Extrakt. Das sind dann zwei getrennte Bestandteile.

Bei forpeople

Im Shop steht bei jedem Produkt die vollständige INCI, dazu eine verständliche Übersetzung ins Deutsche. Bestandteile ätherischer Öle wie Linalool oder Limonene sind mit doppeltem Sternchen gekennzeichnet. Kurze Listen haben zum Beispiel die Feste Handcreme – Bienenwachs mit fünf Bestandteilen und das Jojobaöl – kaltgepresst mit einem einzigen: Simmondsia Chinensis Seed Oil. Mehr zu Jojobaöl steht auf der Seite Jojobaöl: ein flüssiges Wachs. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte zeigt, wie Duftstoff-Allergene aus Zitronen- und Bergamotteöl in der Liste erscheinen.

Weiterlesen: Emulgatoren in Kosmetik · Aloe-Vera-Serum 99,6 %: Was steckt drin? · Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 und 20, Anhang III. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  2. Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1175 der Kommission vom 16. Juni 2025 zur Festlegung von Vorschriften zur Anwendung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich des Glossars der gemeinsamen Bezeichnungen von Bestandteilen zur Verwendung bei der Kennzeichnung kosmetischer Mittel und zur Aufhebung des Durchführungsbeschlusses (EU) 2022/677. ABl. L, 2025/1175, 10.7.2025. eur-lex.europa.eu/eli/dec_impl/2025/1175/oj
  3. Verordnung (EU) 2023/1545 der Kommission vom 26. Juli 2023 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. ABl. L 188 vom 27.7.2023, S. 1. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1545/oj
  4. Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) (2012): Opinion on fragrance allergens in cosmetic products. SCCS/1459/11, verabschiedet am 26.–27. Juni 2012. ec.europa.eu – sccs_o_102.pdf