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Bio-Handcreme: Was bedeutet Bio bei Kosmetik?

Kurz gesagt

Anders als bei Lebensmitteln gibt es für „Bio-Kosmetik“ keine eigene gesetzliche Definition: Die EU-Öko-Verordnung gilt für landwirtschaftliche Erzeugnisse, Lebensmittel und Futtermittel, nicht für eine fertige Handcreme. Öko-zertifiziert sein können aber einzelne Rohstoffe wie Pflanzenöle, Bienenwachs oder ätherische Öle. Wie viel davon in einer Creme steckt, erkennst du an Sternchen und Fußnoten in der Inhaltsstoffliste, an Prozentangaben und an privaten Standards mit eigenen Rechenregeln. Entscheidend ist dabei immer die Frage: Prozent wovon?

Was das Gesetz regelt und was nicht

Die EU-Öko-Verordnung legt fest, wie ökologische/biologische Produktion funktioniert und wann ein Erzeugnis so gekennzeichnet werden darf. Sie gilt für lebende oder unverarbeitete landwirtschaftliche Erzeugnisse, für verarbeitete Erzeugnisse, die als Lebensmittel bestimmt sind, und für Futtermittel. Dazu kommen einige eng mit der Landwirtschaft verbundene Erzeugnisse, die in ihrem Anhang I stehen, darunter Bienenwachs, ätherische Öle sowie natürliche Gummis und Harze (Verordnung (EU) 2018/848, Art. 2 und Anhang I). Ein verarbeitetes Lebensmittel darf in der Verkehrsbezeichnung nur dann als „bio“ gelten, wenn mindestens 95 Gewichtsprozent seiner Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs aus ökologischer Produktion stammen (Art. 30).

Kosmetische Fertigprodukte stehen nicht auf dieser Liste. Für sie gilt die Kosmetikverordnung. Sie kennt keinen Bio-Begriff, verbietet aber Texte und Bezeichnungen, die Merkmale vortäuschen, die ein Produkt nicht besitzt (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 20). Die gemeinsamen Kriterien für Werbeaussagen verlangen Wahrheitstreue und Belege: Wird ein Bestandteil beworben, muss er gezielt enthalten sein, und Eigenschaften eines Bestandteils dürfen nicht auf das ganze Produkt übertragen werden, wenn das nicht zutrifft (Verordnung (EU) Nr. 655/2013, Anhang, Nr. 2 und 3).

Lebensmittel Kosmetik (z. B. Handcreme)
Eigene Bio-Regeln im EU-Recht Ja, EU-Öko-Verordnung Nein, nur einzelne Rohstoffe können öko-zertifiziert sein
Mindestanteil für „bio“ im Namen 95 % der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs Kein gesetzlicher Wert; private Standards setzen eigene
Kontrolle Zertifikat einer Kontrollstelle für jeden Betrieb Allgemeines Irreführungsverbot; Zertifizierung nur über private Standards

Mehr zum Unterschied zwischen Gesetz und Siegel steht unter Naturkosmetik erklärt: Gesetz, ISO 16128, NATRUE und COSMOS.

Bio-Rohstoff oder Bio-Produkt

Für die Praxis ist die wichtigste Unterscheidung: Ein Bio-Rohstoff ist etwas anderes als ein Bio-Produkt. Olivenöl, Sonnenblumenöl, Sheabutter, Bienenwachs oder Lavendelöl können aus zertifiziert ökologischem Anbau oder ökologischer Imkerei stammen. Für diese Rohstoffe gibt es Zertifikate nach der Öko-Verordnung. Eine Handcreme kann also „mit Bio-Olivenöl“ sein, auch wenn andere Bestandteile nicht bio sind. Ob das ganze Produkt als „Bio-Handcreme“ bezeichnet werden sollte, hängt davon ab, welcher Anteil tatsächlich bio ist und worauf sich eine Angabe bezieht.

Einige Bestandteile können grundsätzlich nicht bio sein: Wasser und Mineralien kommen nicht aus der Landwirtschaft. Chemisch stark veränderte Stoffe zählen je nach Standard nur anteilig. Auch deshalb schwanken Bio-Anteile zwischen Produkten so stark.

So erkennst du den Bio-Anteil

In der Inhaltsstoffliste stehen die Bestandteile nach Gewicht geordnet, die größten zuerst (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Bio-Rohstoffe werden meist mit einem Sternchen markiert und in einer Fußnote erklärt, etwa „*aus kontrolliert biologischem Anbau“ (kbA). So liest du das:

  1. Welche Bestandteile haben ein Sternchen? Stehen die markierten Stoffe vorne, macht der Bio-Anteil einen großen Teil des Gewichts aus. Stehen sie hinten, sind es eher kleine Mengen.
  2. Steht „Aqua“ oder „Water“ an erster Stelle? Dann besteht ein großer Teil aus Wasser, das nicht bio sein kann. Ein hoher Bio-Anteil am Gesamtprodukt ist dann rechnerisch kaum möglich.
  3. Worauf bezieht sich eine Prozentangabe? „95 % bio“ kann sich auf das ganze Produkt beziehen, auf die landwirtschaftlichen Zutaten oder auf die natürlichen Stoffe. Das sind drei verschiedene Zahlen.
  4. Wird ein Standard genannt? Dann gelten dessen Rechenregeln, die du nachlesen kannst.

Ein Rechenbeispiel zeigt, warum Wasser so viel ausmacht: Eine Creme aus 70 % Wasser und 30 % Bio-Ölen hat einen Bio-Anteil am Gesamtprodukt von höchstens 30 %, obwohl alle landwirtschaftlichen Zutaten bio sind. Eine wasserfreie Creme aus Bio-Ölen und Bio-Wachs kann rechnerisch bis zu 100 % erreichen. Das sagt nichts darüber aus, welche Creme besser pflegt; es zeigt nur, dass eine Prozentzahl ohne Bezugsgröße wenig verrät. Wie wasserfreie Rezepturen aufgebaut sind, erklärt Wasserfreie Kosmetik, das Lesen der Liste allgemein INCI-Liste lesen.

Wie Standards den Bio-Anteil berechnen

Private Standards legen fest, ab wann ein Produkt als „organic“ oder „bio“ zertifiziert werden darf. Die Regeln unterscheiden sich vor allem beim Wasser und bei Pflanzensäften.

Regelwerk Mindestanforderung Bio Umgang mit Wasser
EU-Öko-Verordnung (nur Lebensmittel) 95 % der Zutaten landwirtschaftlichen Ursprungs Wasser zählt nicht zu den landwirtschaftlichen Zutaten
COSMOS, Stufe Organic Mindestens 95 % der physikalisch verarbeiteten Agrar-Zutaten und mindestens 20 % des Gesamtprodukts (10 % z. B. bei Produkten zum Abspülen) Wasser kann nie als bio gezählt werden; der Saft frischer Pflanzen gilt nicht als Wasser
NATRUE, Stufe Bio Mindestens 95 % der natürlichen Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs aus ökologischem Anbau oder Wildsammlung Wasser zählt nur mit, wenn es als Pflanzensaft direkt aus der Pflanze stammt
ISO 16128-2 Kein Mindestwert, nur Rechenwege für Bio- und Natur-Anteile Regelt keine Werbeaussagen und ist kein Siegel

Quellen: COSMOS-standard 2025, Abschnitte 6.2 und 7.1; NATRUE 2021, Abschnitte 3.1.1 und 4.2; ISO 16128-2:2017. Für Produkte auf Basis von Pflanzensaft, etwa Aloe-Vera-Saft statt Wasser, kann das einen großen Unterschied machen. Mehr dazu unter Aloe Vera statt Wasser.

Was „bio“ aussagt und was nicht

„Bio“ beschreibt, wie ein Rohstoff angebaut oder gewonnen wurde. Es ist keine Aussage darüber, wie gut eine Creme pflegt, wie sie sich anfühlt oder wie verträglich sie ist. Ein ätherisches Öl aus Bio-Anbau enthält ebenso deklarationspflichtige Duftstoffe wie eines aus konventionellem Anbau; wer Duftstoffe meiden will, muss auch bei Bio-Kosmetik die Liste lesen (Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene, Ohne Duft und ätherische Öle). Umgekehrt kann eine Creme ohne Bio-Rohstoffe gut pflegen. Welche Kriterien für eine feste Handcreme zählen, steht unter Feste Handcreme: worauf achten.

Häufige Fragen

Ist „Bio-Handcreme“ ein geschützter Begriff?
Nicht im Sinne der EU-Öko-Verordnung, die für Kosmetik nicht gilt. Die Bezeichnung darf aber nicht irreführen. Geschützt sind die Bio-Angaben bei den einzelnen Rohstoffen, die ein Öko-Zertifikat brauchen.

Was bedeutet „kbA“?
„Aus kontrolliert biologischem Anbau“. Die Abkürzung steht meist in der Fußnote zur Inhaltsstoffliste und bezieht sich nur auf die markierten Bestandteile.

Warum steht bei manchen Cremes 95 % bio und bei anderen 20 %?
Weil sich die Zahlen auf Unterschiedliches beziehen können: auf die landwirtschaftlichen Zutaten oder auf das ganze Produkt mit Wasser. Frag im Zweifel nach der Bezugsgröße.

Ist zertifizierte Bio-Kosmetik automatisch Naturkosmetik?
Bei COSMOS Organic und der Bio-Stufe von NATRUE gelten die Naturkosmetik-Regeln des jeweiligen Standards mit. Ein einzelner Bio-Rohstoff in einer sonst konventionellen Creme macht das Produkt dagegen nicht zu Naturkosmetik.

Ist Bio-Kosmetik besser verträglich?
Das lässt sich nicht allgemein sagen. Bio betrifft den Anbau, nicht die chemische Zusammensetzung eines Öls. Bei Hautreaktionen die Anwendung beenden und bei Bedarf ärztlich abklären lassen.

Bei forpeople

Welche Nachweise zu unseren Rohstoffen und Zertifikaten vorliegen, findest du auf der Seite Zertifizierung. Die vollständige Inhaltsstoffliste mit allen Fußnoten steht auf jeder Produktseite, zum Beispiel bei der Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €), der veganen Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) und der Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €); alle drei sind wasserfrei. Das Aloe Vera Serum 99,6% (250 ml, 24,90 €) basiert auf Aloe-Vera-Saft statt Wasser. Zum Nachfüllen der Dosen gibt es den Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs und den Feste Handcreme Refiller – Bergamotte (je 7,90 €). Wenn dir eine Angabe unklar ist, schreib uns. Mehr dazu: Handcreme ohne Mineralöl · Wie Handcreme-Tests messen · Salbe, Balsam, Butter, feste Creme · Haltbarkeit und PAO-Symbol

Quellen

  1. Europäisches Parlament und Rat (2018): Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen, Art. 2, Art. 30 und Anhang I. ABl. L 150: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2018/848/oj
  2. Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 und 20. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  3. Europäische Kommission (2013): Verordnung (EU) Nr. 655/2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln, Anhang. ABl. L 190: 31. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
  4. COSMOS-standard AISBL (2025): COSMOS-standard – Cosmetics Organic and Natural Standard, Version 4.2, 1. September 2025, Abschnitte 6.2 und 7.1. https://www.cosmos-standard.org/en/cosmos-standard/
  5. NATRUE (2021): NATRUE Label criteria: requirements to be met by natural and organic cosmetics, Version 3.9, Abschnitte 3.1.1 und 4.2. https://natrue.org/uploads/2025/09/EN-NATRUE-Label_Requirements_v3.9-final-version-1.pdf
  6. ISO 16128-2:2017: Cosmetics – Guidelines on technical definitions and criteria for natural and organic cosmetic ingredients – Part 2: Criteria for ingredients and products. https://www.evs.ee/en/iso-16128-2-2017