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Olivenöl und Sonnenblumenöl auf der Haut

Kurz gesagt

Olivenöl besteht überwiegend aus Ölsäure, Sonnenblumenöl überwiegend aus Linolsäure – und dieser Unterschied zeigt sich auch auf der Haut. In einem Versuch mit Erwachsenen verringerte reines Olivenöl, mehrere Wochen lang auf den Unterarm aufgetragen, die Festigkeit der Hornschicht und führte zu leichter Rötung; Sonnenblumenöl tat das nicht. Pflanzenöle sind also nicht automatisch gleich gut für die Haut. Wie ein Öl wirkt, hängt vom Fettsäureprofil, von der Menge und von der Rezeptur ab, in der es steckt.

Zwei Öle, zwei Fettsäureprofile

Pflanzenöle bestehen zum größten Teil aus Triglyceriden: Glycerin, an das drei Fettsäuren gebunden sind. Welche Fettsäuren das sind, bestimmt die Eigenschaften des Öls. Bei Oliven- und Sonnenblumenöl stehen zwei Fettsäuren im Vordergrund:

  • Ölsäure (C18:1): einfach ungesättigt, mit einer Doppelbindung.
  • Linolsäure (C18:2): zweifach ungesättigt, mit zwei Doppelbindungen. Der Körper kann sie nicht selbst bilden.

Eine Analyse von 14 Pflanzenölen mit Gaschromatographie ergab für je eine Probe folgende Werte (Orsavova et al. 2015):

Fettsäure (Anteil an allen Fettsäuren) Olivenöl Sonnenblumenöl
Ölsäure (C18:1) 66,4 % 28,0 %
Linolsäure (C18:2) 16,4 % 62,2 %
Palmitinsäure (C16:0) 16,5 % 6,2 %
Stearinsäure (C18:0) 2,3 % 2,8 %

Quelle: Orsavova et al. 2015, Tabelle 1. Die Werte schwanken je nach Sorte, Anbau und Verarbeitung. Es gibt außerdem Sonnenblumensorten, deren Öl gezielt viel Ölsäure enthält („high oleic“). In der INCI-Liste erkennst du solche Öle manchmal an der Bezeichnung Helianthus Annuus Hybrid Oil.

In der Liste der Inhaltsstoffe heißt Olivenöl Olea Europaea Fruit Oil, Sonnenblumenöl Helianthus Annuus Seed Oil. Wie du diese Namen liest, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.

Was die Forschung zu Ölen auf der Haut sagt

Die Hornschicht, die äußerste Schicht der Haut, hält Wasser vor allem über ihre geordneten Lipide zwischen den Hautzellen und über wasserbindende Stoffe in den Zellen (Rawlings und Harding 2004). Ein Öl auf der Haut kann sich auf diese Lipidschicht auswirken, und zwar je nach Fettsäure unterschiedlich. Mehr zum Aufbau steht unter Die Hautbarriere einfach erklärt.

Der Versuch mit Oliven- und Sonnenblumenöl. Danby und Kollegen (2013) untersuchten 19 erwachsene Freiwillige, mit und ohne frühere Hauterkrankung. In der ersten Gruppe trugen die Teilnehmenden fünf Wochen lang zweimal täglich sechs Tropfen Olivenöl auf einen Unterarm auf. In der zweiten Gruppe kam vier Wochen lang Olivenöl auf den einen und Sonnenblumenöl auf den anderen Unterarm. Ergebnisse:

  • Olivenöl verringerte nach vier Wochen die Integrität der Hornschicht deutlich und verursachte eine leichte Rötung – bei Teilnehmenden mit und ohne frühere Hauterkrankung.
  • Sonnenblumenöl erhielt die Integrität der Hornschicht, verursachte keine Rötung und verbesserte die Hydratation der Haut.

Die Autorinnen und Autoren schließen, dass nicht jedes natürliche Öl gut für die Haut ist, und fordern weitere Forschung (Danby et al. 2013). Die Studie ist klein, und sie hat reines Öl über Wochen auf dieselbe Stelle gegeben. Rezepturen, in denen Olivenöl mit anderen Stoffen gemischt ist, wurden nicht untersucht.

Ölsäure als Stoff. Dass gerade Ölsäure die Hautbarriere stören kann, passt zu älteren Versuchen mit reinen Fettsäuren. Tanojo und Kollegen (1998) trugen verschiedene Fettsäuren gelöst in Propylenglykol drei Stunden lang unter Abdeckung auf die Unterarme Freiwilliger auf. Ungesättigte Fettsäuren erhöhten den transepidermalen Wasserverlust – also die Wassermenge, die durch die Haut verdunstet – deutlich, Ölsäure am stärksten (Tanojo et al. 1998). Diese Bedingungen sind weit entfernt von einer normalen Creme. Sie zeigen aber, dass freie Ölsäure die Lipidschicht der Hornschicht durchlässiger machen kann. Was transepidermaler Wasserverlust bedeutet, erklärt die Seite Okklusion und transepidermaler Wasserverlust.

Was das für den Alltag bedeutet

Aus den Befunden lassen sich einige vorsichtige Schlüsse ziehen:

  • Reines Olivenöl als Pflegeöl: Wenn du reines Olivenöl über längere Zeit täglich auf dieselbe Hautstelle gibst, kann es die Hornschicht belasten. Das ist ein Grund, nicht ausschließlich darauf zu setzen.
  • Sonnenblumenöl: Im genannten Versuch schnitt es besser ab. Linolsäurereiche Öle sind allerdings empfindlicher gegenüber Oxidation und sollten kühl und dunkel gelagert werden.
  • Die Menge zählt: Ein Öl als ein Bestandteil von vielen ist etwas anderes als ein reines Öl in hoher Menge.

Wenn deine Haut nach einem Öl rot wird, spannt oder brennt, beende die Anwendung. Hält eine Reaktion an, lass sie ärztlich abklären.

Warum Mischungen und Wachsanteil eine Rolle spielen

In festen Cremes kommen Öle fast nie allein vor. Sie werden mit anderen Ölen, Buttern und Wachsen gemischt. Das verändert die Lage in mehreren Punkten:

  • Mischung der Fettsäuren: Wird Olivenöl mit Sonnenblumenöl kombiniert, sinkt der Anteil der Ölsäure in der Gesamtmischung, und Linolsäure kommt hinzu.
  • Wachsfilm: Ein Wachs wie Bienenwachs bildet auf der Haut einen Film, der die Verdunstung von Wasser verringert (Huanbutta et al. 2026). Das Öl liegt dann zum Teil in einem Wachsgerüst.
  • Menge pro Anwendung: Von einer festen Creme trägst du meist nur eine dünne Schicht auf.

Ob sich der Befund zu reinem Olivenöl deshalb auf eine bestimmte Mischung übertragen lässt, ist nicht untersucht. Ehrlich gesagt: Das weiß niemand für jede Rezeptur. Was sich sagen lässt, ist, dass die Studien reines Öl betrafen und dass Rezepturen mit mehreren Ölen und Wachs anders zusammengesetzt sind.

Ein Beispiel für eine solche Mischung ist die Feste Handcreme – Bienenwachs: Bienenwachs steht an erster Stelle, danach folgen Olivenöl und Sonnenblumenöl. In der Festen Fußcreme – Rosmarin & Salbei steht Sonnenblumenöl an erster Stelle, gefolgt von Bienenwachs, Olivenöl und Sheabutter. Die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera kombiniert Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl und Sheabutter. Mehr zu den Wachsen steht unter Bienenwachs in der Hautpflege, mehr zu Buttern unter Sheabutter: Zusammensetzung.

Olivenöl in Seife: ein anderer Fall

In fester Seife ist Olivenöl kein Öl mehr im eigentlichen Sinn. Bei der Verseifung reagiert das Fett mit Lauge (Natriumhydroxid) und wird zu Seife und Glycerin. In der INCI-Liste der Festen Seife – Lavendel steht Olivenöl deshalb neben Sodium Hydroxide und Aqua. Die Befunde zu Olivenöl als Pflegeöl lassen sich auf Seife nicht übertragen, weil Seife nach kurzer Zeit abgespült wird. Warum Seife und viel Waschen die Haut austrocknen, steht unter Rissige Hände vom Waschen.

Häufige Fragen

Soll ich Olivenöl ganz meiden?
Nicht zwingend. Die Befunde betreffen reines Olivenöl über Wochen. Wenn du ein reines Öl zur Pflege suchst, ist ein linolsäurereiches Öl wie Sonnenblumenöl nach diesem Versuch die vorsichtigere Wahl. In Mischungen mit Wachs und anderen Ölen ist Olivenöl ein üblicher Bestandteil.

Ist Sonnenblumenöl aus der Küche geeignet?
Speiseöl ist oft raffiniert und kann je nach Sorte viel Ölsäure enthalten. Für die Haut werden meist kaltgepresste Öle verwendet. Achte auf frischen Geruch; ranziges Öl gehört nicht auf die Haut.

Warum wird Sonnenblumenöl schneller ranzig?
Linolsäure hat zwei Doppelbindungen und reagiert leichter mit Sauerstoff als Ölsäure. Kühl, dunkel und gut verschlossen lagern. Mehr unter Haltbarkeit von Kosmetik.

Öl oder Butter für trockene Haut am Körper?
Das hängt davon ab, wie schnell etwas einziehen soll und wie lange die Pflege spürbar sein soll. Einen Vergleich findest du unter Körperöl oder Körperbutter und Trockene Haut im Winter.

Bei forpeople

Olivenöl oder Sonnenblumenöl stehen in diesen Produkten in der Liste der Inhaltsstoffe, jeweils in Mischung mit Wachs und weiteren Fetten:

Olivenöl ist außerdem der erste Bestandteil der Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel. Allgemeines zu Pflege ohne Wasser: Wasserfreie Kosmetik.

Quellen

  1. Danby SG, AlEnezi T, Sultan A et al. (2013): Effect of olive and sunflower seed oil on the adult skin barrier: implications for neonatal skin care. Pediatr Dermatol 30(1): 42–50. doi:10.1111/j.1525-1470.2012.01865.x
  2. Tanojo H, Boelsma E, Junginger HE et al. (1998): In vivo human skin barrier modulation by topical application of fatty acids. Skin Pharmacol Appl Skin Physiol 11(2): 87–97. doi:10.1159/000029813
  3. Orsavova J, Misurcova L, Ambrozova JV et al. (2015): Fatty Acids Composition of Vegetable Oils and Its Contribution to Dietary Energy Intake and Dependence of Cardiovascular Mortality on Dietary Intake of Fatty Acids. Int J Mol Sci 16(6): 12871–12890. doi:10.3390/ijms160612871
  4. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 43–48. doi:10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  5. Huanbutta K, Chuttong B, Danmek K et al. (2026): Beeswax in Pharmaceutical Sciences: A Comprehensive Review of Its Chemical Composition, Functional Applications, Types, and Formulation Roles. Int J Mol Sci 27(8): 3486. doi:10.3390/ijms27083486