Was nach dem Auftragen mit dem Film passiert
Eine feste Creme besteht aus Ölen, Pflanzenbuttern und Wachsen. Auf der warmen Haut verhalten sich diese Bestandteile unterschiedlich. Die flüssigen Öle verteilen sich und dringen in die obersten Zelllagen der Hornschicht ein. In einer Untersuchung mit konfokaler Raman-Mikroskopie wurden Paraffinöl und zwei Pflanzenöle 30 und 90 Minuten nach dem Auftragen gemessen: Alle drei fanden sich in den oberen Lagen der Hornschicht, mit ähnlichen Konzentrationsprofilen. Vaseline, die als Vergleich diente, ließ die Hornschicht deutlich stärker aufquellen, ein Zeichen für einen dichteren Film (Stamatas et al. 2008). Eine zweite Studie kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Pflanzenöle und Paraffinöl drangen nur in die ersten oberen Lagen der Hornschicht ein und bewirkten eine Teilokklusion, also eine gebremste, aber nicht gestoppte Verdunstung (Patzelt et al. 2012).
Wachse verhalten sich anders. Bienenwachs schmilzt erst zwischen 62 und 65 °C, Candelillawachs zwischen 68,5 und 72,5 °C (Verordnung (EU) Nr. 231/2012). Auf der Haut bleiben sie also fest und liegen als feine Schicht auf der Oberfläche. Das ist der Teil, den du nach dem Eincremen noch als leicht wachsigen Schutz spürst. Wie dieser Film die Verdunstung bremst, erklärt die Seite Okklusion und TEWL; mehr zum Wachs selbst steht unter Bienenwachs in der Hautpflege.
Was den Film wieder abträgt
Fachleute sprechen von Substantivität, wenn sie beschreiben, wie gut eine Zubereitung auf der Haut haftet. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen hat Messmethoden entwickelt, die Haut-an-Haut- und Kleidung-an-Haut-Kontakt nachstellen. Die Autoren weisen darauf hin, dass bis zu 90 % einer aufgetragenen Zubereitung durch Kontakt mit der Umgebung wieder von der Haut abgetragen werden können. Filmbildende Zubereitungen hafteten in ihren Versuchen am besten, eine klassische halbfeste Creme lag in der Mitte (Herrmann et al. 2017).
| Einfluss | Was mit dem Film passiert | Was das für dich heißt |
|---|---|---|
| Händewaschen mit Seife oder Waschgel | Tenside lösen Fette; sie wirken dabei auch auf die hauteigenen Lipide (Ananthapadmanabhan et al. 2004) | danach neu auftragen |
| Abspülen nur mit Wasser | Wachs und Öl sind nicht wasserlöslich und werden weniger abgetragen als mit Seife | oft reicht eine kleinere Menge |
| Reibung an Kleidung, Handschuhen, Werkzeug, Lenker | ein Teil wird mechanisch abgerieben (Herrmann et al. 2017) | bei viel Kontakt öfter, aber dünn nachcremen |
| Schwimmen, Schwitzen, Abtrocknen mit dem Handtuch | Film wird teilweise abgetragen; bei Sonnencreme gilt deshalb: nach solchen Aktivitäten erneut auftragen (Diffey 2001) | nach dem Abtrocknen neu auftragen |
| Ruhe ohne Kontakt, etwa nachts | Öl zieht in die oberen Hornschichtlagen ein, das Wachs bleibt länger liegen | abends etwas mehr auftragen |
Für die Hände ist das Waschen der größte Einfluss. Tenside sind dafür gemacht, Fett von der Haut zu lösen. Sie unterscheiden dabei nicht zwischen Schmutz, Handcreme und den Lipiden der Hornschicht. Milde Tenside und ein neutraler bis leicht saurer pH-Wert können nach dieser Übersichtsarbeit schonender sein (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Warum die Hände dabei besonders schnell austrocknen, steht unter Warum Hände schneller austrocknen.
Nachcremen: wann und wie viel
Statt nach der Uhr richtest du dich besser nach dem, was die Haut zuletzt erlebt hat:
- Nach dem Händewaschen: Hände gut abtrocknen, dann ein bis zwei Striche mit der festen Creme über die Handfläche und einmassieren. Wer die Hände zehnmal am Tag wäscht, cremt nicht jedes Mal nach, sondern am besten nach den Waschgängen, nach denen die Hände eine Weile trocken bleiben.
- Bei der Arbeit mit Handschuhen oder Werkzeug: lieber öfter eine sehr kleine Menge. Ein dicker Film wird nur schneller abgerieben und macht die Hände rutschig.
- Abends: etwas mehr auftragen. Über Nacht wird kaum etwas abgerieben, der Film bleibt länger liegen.
- Wenn die Haut spannt: Das ist das zuverlässigste Signal. Sie gibt an, dass die Oberfläche wieder trockener geworden ist.
Ein Anzeichen für zu viel: Die Haut glänzt nach fünf bis zehn Minuten noch oder hinterlässt Spuren auf Papier und Bildschirm. Dann beim nächsten Mal weniger nehmen. Wie du feste Creme gleichmäßig verteilst, erklärt Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?. Wer die Hände beruflich stark beansprucht, findet Hinweise unter Handpflege für Handwerk und Garten, und wer vor dem Sport überlegt, liest Eincremen vor oder nach dem Klettern?.
Unterschiede je nach Körperstelle
Wie lange ein Film hält, hängt stark davon ab, wo er liegt:
- Hände: kürzeste Haltezeit, weil sie ständig gewaschen werden und greifen. Eine Handcreme mit Bienenwachs wie die Feste Handcreme – Bienenwachs ist auf diesen Alltag ausgelegt: wenig Menge, schnell verteilt.
- Füße: Unter Socken wird wenig abgerieben, dafür nimmt der Stoff einen Teil auf. Die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei trägst du am besten abends auf, dann bleibt der Film über Nacht auf der Haut. Warum Fersen dabei besonders viel Pflege brauchen, steht unter Warum Fersenhaut so dick wird und einreißt.
- Lippen: Essen, Trinken und Sprechen tragen den Film schnell ab. Ein Stift wie die Lippenpflege - Zitronengras ist deshalb für häufiges, kleines Nachtragen gedacht. Mehr dazu unter Warum trocknen Lippen so schnell aus?.
- Körper: Kleidung reibt großflächig. Eine Butter wie die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera hinterlässt einen spürbareren Film als ein Öl; lass sie vor dem Anziehen kurz einziehen.
Wasserfest ist eine eigene Eigenschaft
Bei Sonnencreme wird die Haftung auf nasser Haut gezielt geprüft und als „wasserfest“ angegeben. Das bedeutet nicht, dass der Film dauerhaft bleibt. Handtuch, Sand und Schweiß tragen ihn ab. Eine Modellrechnung zum Sonnenschutz empfiehlt, früh nach Beginn des Aufenthalts in der Sonne nachzucremen und nach Schwimmen, Abtrocknen, starkem Schwitzen oder Reiben erneut aufzutragen (Diffey 2001). Die Feste Sonnencreme LSF50 ist wasserfest getestet; auch für sie gilt: nach dem Abtrocknen neu auftragen. Was die Angabe genau bedeutet, erklärt LSF, UVA-Schutz und wasserfest.
Häufige Fragen
Wie lange hält Handcreme nach dem Auftragen?
Bis zum nächsten Händewaschen mit Seife ist meist ein großer Teil weg. Ohne Waschen bleibt ein dünner Wachsfilm deutlich länger, wird aber durch Greifen und Reiben nach und nach abgetragen. Eine feste Stundenzahl lässt sich nicht seriös angeben.
Muss ich nach jedem Händewaschen nachcremen?
Nicht zwingend. Wenn sich die Hände nach dem Abtrocknen gespannt anfühlen, ist Nachcremen sinnvoll. Bei sehr häufigem Waschen reicht es oft, nach einigen Waschgängen und abends nachzucremen.
Bleibt Wachs auf der Haut, bis ich es abwasche?
Ein Teil ja, weil Wachs bei Hauttemperatur fest bleibt. Kleidung, Handtücher und Berührungen tragen aber auch Wachs nach und nach ab.
Hält ein dickerer Film länger?
Nur begrenzt. Überschüssige Creme wird schnell abgerieben und landet auf Kleidung oder Gegenständen. Mehrere dünne Schichten über den Tag verteilt sind meist angenehmer.
Schadet es, zu oft nachzucremen?
Bei einer wasserfreien Pflege ohne reizende Bestandteile in der Regel nicht. Rötet sich die Haut oder brennt sie, beende die Anwendung. Auf verletzter oder gereizter Haut solltest du die Creme nicht verwenden.
Bei forpeople
Unsere festen Cremes sind wasserfrei und bestehen aus Wachs, Ölen und je nach Produkt Pflanzenbuttern. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) basiert auf Bienenwachs, Olivenöl und Sonnenblumenöl und ist ohne ätherische Öle. Die Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) nutzt Candelillawachs, Jojobaöl und Sheabutter. Für die Füße gibt es die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei (40 g, 9,90 €), für den Körper die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €). Mehr dazu: Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen · Fettig oder gepflegt? · Warum reicht feste Creme so lange? · Wasserfreie Kosmetik
Quellen
- Stamatas GN, de Sterke J, Hauser M, von Stetten O, van der Pol A (2008): Lipid uptake and skin occlusion following topical application of oils on adult and infant skin. J Dermatol Sci 50(2): 135–142. https://doi.org/10.1016/j.jdermsci.2007.11.006
- Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Res Technol 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
- Europäische Kommission (2012): Verordnung (EU) Nr. 231/2012 mit Spezifikationen für Lebensmittelzusatzstoffe, Einträge E 901 Bienenwachs und E 902 Candelillawachs. ABl. L 83: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2012/231/oj
- Herrmann S, Daniels R, Lunter D (2017): Methods for the determination of the substantivity of topical formulations. Pharm Dev Technol 22(4): 487–491. https://doi.org/10.3109/10837450.2015.1135346
- Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
- Diffey BL (2001): When should sunscreen be reapplied? J Am Acad Dermatol 45(6): 882–885. https://doi.org/10.1067/mjd.2001.117385




















