Was die Hände bei Handwerk und Garten belastet
Hände, die draußen oder in der Werkstatt arbeiten, bekommen vieles gleichzeitig ab: Erde, Staub und Späne, nasse Pflanzen, Kälte und Wind, Reibung an Werkzeugstielen, dazu Reinigungsmittel, Öle, Farben oder Lösemittel. Jede dieser Belastungen kann die oberste Hautschicht austrocknen oder aufrauen.
Eine besondere Rolle spielt Nässe. Die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 spricht von Feuchtarbeit, wenn Beschäftigte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit Hautkontakt mit Wasser oder wässrigen Flüssigkeiten haben, häufig die Hände waschen oder beides im Wechsel mit flüssigkeitsdichten Handschuhen tun (AGS 2022). Für die Gefährdungsbeurteilung nennt die Regel konkrete Schwellen:
| Tätigkeit laut TRGS 401, Abschnitt 3.3.6 | Schwelle pro Arbeitstag |
|---|---|
| Hautkontakt mit Wasser oder wässrigen Flüssigkeiten | regelmäßig mehr als zwei Stunden |
| Nasse Arbeit im häufigen Wechsel mit flüssigkeitsdichten Handschuhen | mehr als 10 Wechsel |
| Hände waschen | mindestens 15 Mal |
| Flüssigkeitsdichte Handschuhe im häufigen Wechsel mit Händewaschen | mehr als 5 Mal |
Das ausschließliche Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe gilt nach der aktuellen Fassung nicht als Feuchtarbeit. Die Regel richtet sich an Arbeitgeber. Für den eigenen Garten sind die Schwellen trotzdem ein guter Anhaltspunkt: Wer einen Tag lang Beete wässert, Töpfe schrubbt und sich zehnmal die Hände wäscht, belastet die Haut ähnlich.
Handschuhe: welche wofür
Handschuhe sind die erste Schutzstufe. Die TRGS 401 unterscheidet flüssigkeitsdichte und nicht flüssigkeitsdichte Handschuhe. Als flüssigkeitsdicht gelten Chemikalienschutzhandschuhe nach DIN EN ISO 374-1, medizinische Handschuhe nach DIN EN 455-1 und Gewebehandschuhe mit Vollbeschichtung, etwa aus Nitrilkautschuk. Lederhandschuhe und Gewebehandschuhe ohne oder mit nur teilweiser Beschichtung zählen nicht dazu (AGS 2022).
- Grobe, trockene Arbeit (Holz, Steine, Dornen, Werkzeug): Leder- oder Arbeitshandschuhe gegen Reibung und kleine Verletzungen.
- Nasse Erde, Pflanzenreste, Wasser: vollbeschichtete Gartenhandschuhe, damit die Haut nicht stundenlang nass bleibt.
- Farben, Lacke, Lösemittel, Reiniger: Handschuhe, die für den Stoff geeignet sind. Hinweise stehen im Sicherheitsdatenblatt oder auf der Verpackung.
Unter dichten Handschuhen schwitzt die Haut. Eine Studie mit 20 gesunden Freiwilligen fand nach vier Stunden Handschuhtragen eine aufgequollene Hornschicht, die sich nach drei Stunden wieder normalisiert hatte; nach sieben Tagen mit täglich vier Stunden zeigte sich kein deutlicher Langzeiteffekt (Wetzky et al. 2009). Praktisch heißt das: Handschuhe zwischendurch ausziehen, die Hände trocknen lassen, bei langen Einsätzen dünne Baumwoll-Unterziehhandschuhe verwenden. Ringe legst du vorher ab – darunter bleiben Nässe und Schmutz besonders lange auf der Haut.
Drei Mittel, drei Zeitpunkte
Die TRGS 401 fasst Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel unter dem Begriff „Hautmittel“ zusammen und ordnet ihnen feste Zeitpunkte zu (AGS 2022). Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung erklärt Auswahl und Anwendung ausführlich in der DGUV Information 212-017, die in der Ausgabe von 2026 auch Sonnenschutzmittel für die Arbeit im Freien behandelt (DGUV 2026).
| Mittel | Wann | Wozu |
|---|---|---|
| Hautschutzmittel | vor der hautbelastenden Arbeit, nach Pausen, auf saubere und trockene Haut | kann vor Hautreizung schützen; ersetzt Handschuhe nur, wenn diese nicht getragen werden dürfen |
| Hautreinigungsmittel | bei Bedarf und am Arbeitsende | entfernt Schmutz und Arbeitsstoffe; so schonend wie möglich |
| Hautpflegemittel | in Pausen und nach der Arbeit, nach der Reinigung | pflegt die gereinigte Haut und schützt sie vor dem Austrocknen |
Zwei Punkte aus der Regel sind für den Alltag wichtig. Erstens: Hautschutzmittel dürfen Handschuhe nur ersetzen, wenn Handschuhe nicht zulässig sind, etwa an Maschinen mit Einzugsgefahr. Zweitens: Pflegeprodukte sollen nicht als Schutz vor der Arbeit verwendet werden, weil manche Inhaltsstoffe, genannt wird Harnstoff, das Eindringen anderer Stoffe in die Haut fördern können. Auch in der Forschung ist der Nutzen von Schutzcremes umstritten; eine Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass falsch angewendete Schutzcremes eher schaden als nützen können (Zhai & Maibach 2002). Mehr zu Harnstoff und fetthaltiger Pflege steht auf der Seite Urea oder wasserfreie Creme.
Schmutz runter, aber schonend
Die Reinigung soll dem Grad der Verschmutzung angepasst sein. Die TRGS 401 empfiehlt Reinigungsmittel ohne Reibekörper und ohne organische Lösemittel. Reibekörperhaltige Handreiniger sind für stark anhaftenden Schmutz gedacht, sollen möglichst selten eingesetzt werden, zum Beispiel nur am Ende des Arbeitstags, und auf Bürsten sollte man verzichten. Nach dem Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe sollen die Hände nur abgetrocknet und nicht gewaschen werden (AGS 2022).
- Groben Schmutz trocken abklopfen oder abbürsten, solange er trocken ist.
- Mit lauwarmem statt heißem Wasser waschen.
- So wenig Reinigungsmittel wie nötig; Reibekörper nur für Harz, Öl oder Farbe.
- Gründlich abspülen und die Hände vollständig abtrocknen, auch zwischen den Fingern.
- Danach auf die trockene Haut eine Pflege auftragen.
Warum häufiges Waschen die Haut austrocknet, erklären die Seiten Rissige Hände vom Waschen und Warum Hände schneller austrocknen. Für die Reinigung zu Hause kann eine milde feste Seife wie die Feste Seife – Rosmarin & Zitrone (75 g, 8,90 €) reichen; sie enthält laut Inhaltsstoffliste ätherische Öle und Wasser.
Pflege nach Feierabend – und draußen an die Sonne denken
Nach der Arbeit geht es darum, der gereinigten Haut Fett zurückzugeben und die Verdunstung zu bremsen. Wasserfreie Pflege aus Wachsen, Butter und Ölen bildet dafür einen dünnen Film auf der Haut; wie dieser Film die Verdunstung verringert, erklärt die Seite Okklusion und transepidermaler Wasserverlust. Eine erbsengroße Menge reicht meist; wie du eine feste Creme gleichmäßig verteilst, steht unter Feste Creme richtig auftragen. In der kalten Jahreszeit kommt Kälte als Belastung hinzu; dann lohnt es sich, auch tagsüber in den Pausen nachzucremen.
Bei Gartenarbeit wird oft vergessen, dass Handrücken, Unterarme und Nacken stundenlang in der Sonne sind. Die DGUV hat Sonnenschutzmittel deshalb in ihre Information zu beruflichen Hautmitteln aufgenommen (DGUV 2026). Kleidung, Hut und Schatten gehen vor; auf freie Haut kommt eine Sonnencreme, zum Beispiel die mineralische Feste Sonnencreme LSF50 (40 g, 17,90 €). Wer Sonnenschutz und Pflege für draußen zusammen möchte, findet sie im Outdoor-Set – Sonnenschutz & SOS-Pflege für beanspruchte Haut (79,90 €).
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist: Wenn Rötungen, Schuppung, Risse oder Bläschen trotz Handschuhen und Pflege nicht nach einigen Tagen abklingen, lass die Haut ärztlich ansehen. Hängt die Belastung mit dem Beruf zusammen, ist die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt der richtige Ansprechpartner; sie beraten auch zur Auswahl von Handschuhen und Hautschutzmitteln. Offene Stellen solltest du nicht eincremen, sondern sauber abdecken.
Häufige Fragen
Ersetzt eine Schutzcreme Handschuhe bei der Gartenarbeit?
Nein. Nach der TRGS 401 sind Schutzcremes nur dann ein Ersatz, wenn Handschuhe nicht getragen werden dürfen, etwa an Maschinen mit Einzugsgefahr. Im Garten sind Handschuhe fast immer möglich und die bessere Wahl.
Soll ich mich vor der Arbeit mit meiner normalen Handcreme eincremen?
Die Arbeitsschutzregel trennt das bewusst: Pflegeprodukte gehören nach der Arbeit auf saubere Haut, nicht davor. Für die Zeit davor gibt es eigene Hautschutzmittel, deren Auswahl im Beruf mit dem Betriebsarzt abgestimmt werden sollte.
Warum soll ich nach dem Tragen von Gummihandschuhen nicht die Hände waschen?
Weil die Haut unter dichten Handschuhen ohnehin feucht geworden ist. Zusätzliches Waschen mit Wasser und Reinigungsmittel trocknet sie weiter aus. Die TRGS 401 empfiehlt daher, die Hände nur abzutrocknen, wenn sie nicht verschmutzt sind.
Was hilft gegen Harz, Öl oder Farbe an den Händen?
Ein Handreiniger mit Reibekörpern, aber nur für diese Fälle und möglichst am Ende des Tages. Lösemittel wie Verdünner gehören nicht auf die Haut. Besser ist, solche Verschmutzungen mit passenden Handschuhen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Welche Pflege eignet sich nach einem langen Tag im Garten?
Eine reichhaltige Pflege, die auf die gereinigte, trockene Haut kommt und die Verdunstung bremst. Ob du eine feste Creme oder eine Tube bevorzugst, ist vor allem eine Frage der Anwendung – siehe Feste Creme oder Tube.
Bei forpeople
Unsere festen Handcremes sind Pflegeprodukte für die Zeit nach der Arbeit, keine Hautschutzmittel im Sinne der TRGS 401 und kein Ersatz für Handschuhe. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt, ohne zugesetzten Duft und ohne Wasser. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) enthält Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl sowie Zitronen- und Bergamotteöl als Duft. Beide stecken in einer Metalldose, die du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs oder dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte (je 7,90 €) wieder auffüllst. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Nachfüllen mit Refiller · Hornhaut an den Fingerkuppen beim Klettern · Eincremen vor oder nach dem Klettern? · Fettig oder gepflegt? Das Hautgefühl
Quellen
- Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926 (Nr. 40), zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769 (Nr. 36). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-401
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2026): DGUV Information 212-017 Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln. Ausgabe August 2026. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/853/auswahl-bereitstellung-und-benutzung-von-beruflichen-hautmitteln
- Wetzky U, Bock M, Wulfhorst B, John SM (2009): Short- and long-term effects of single and repetitive glove occlusion on the epidermal barrier. Archives of Dermatological Research 301(8): 595–602. https://doi.org/10.1007/s00403-009-0980-4
- Zhai H, Maibach HI (2002): Barrier creams – skin protectants: can you protect skin? Journal of Cosmetic Dermatology 1(1): 20–23. PMID 17134447. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17134447/





















