Was Arbeitsschutz und Hygieneleitlinien sagen
Die Frage ist alt und gut dokumentiert. Die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA hat schon 1993 schriftlich festgehalten, dass manche Cremes auf Erdölbasis die Unversehrtheit von Handschuhen beeinträchtigen können. Wer Latexhandschuhe trägt, soll deshalb keine Hautpflege auf Erdöl- oder Mineralölbasis verwenden (OSHA 1993). Die Hygieneleitlinie der US-Gesundheitsbehörde CDC für Einrichtungen des Gesundheitswesens rät, bei der Auswahl von Handpflegeprodukten nach möglichen schädlichen Wirkungen ölhaltiger Produkte auf Gummihandschuhe zu fragen (Boyce & Pittet 2002).
In Deutschland regelt die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 den Hautschutz bei der Arbeit. Sie trennt drei Arten von Mitteln: Hautschutz vor der Arbeit, Hautreinigung und Hautpflege danach (AGS 2022).
| Quelle | Aussage zu Creme und Handschuh |
|---|---|
| OSHA, Auslegungsschreiben vom 24.08.1993 | Bei Latexhandschuhen keine Hautpflege auf Erdöl- oder Mineralölbasis; manche Cremes auf Erdölbasis können die Handschuhe schwächen. |
| CDC-Leitlinie Handhygiene 2002 | Bei der Produktauswahl mögliche schädliche Wirkungen ölhaltiger Produkte auf Gummihandschuhe erfragen. |
| TRGS 401, Abschnitt 5.5.5 (6) | Hautschutzmittel unter Handschuhen sind im Allgemeinen nicht nötig. Wenn doch, müssen sie vollständig eingezogen sein. Besonders fettende Mittel können die Schutzwirkung von Chemikalienschutzhandschuhen beeinträchtigen. |
| TRGS 401, Abschnitt 5.5.5 (10) | Hautpflegemittel nach Ende der Tätigkeit; nicht als Hautschutz vor hautbelastender Arbeit verwenden. |
Zusammengefasst: Pflege kommt nach der Arbeit, nicht unter den Handschuh. Das gilt unabhängig davon, ob die Creme aus Mineralöl, Pflanzenölen oder Wachsen besteht. Auch Pflanzenöle und Wachse sind Fette, und die TRGS 401 spricht allgemein von „fettenden“ Mitteln.
Warum Fett und Gummi schlecht zusammenpassen
Einmalhandschuhe bestehen meist aus Naturkautschuk (Latex), Nitrilkautschuk oder Vinyl. Naturkautschuk ist ein unpolares Material. Unpolare Stoffe wie Öle und Fette können in solches Material eindringen und es aufquellen lassen. Der Handschuh wird dann weicher, dehnt sich leichter und kann schneller reißen. Bei hauchdünnen Einmalhandschuhen reicht dafür schon wenig.
Nitrilkautschuk verhält sich anders. Er gilt als deutlich beständiger gegenüber Ölen; Schutzhandschuhe gegen Mineralöle werden deshalb aus Nitril-Varianten entwickelt und auf ihre Durchbruchzeit geprüft (Krzemińska et al. 2016). Daraus folgt aber nicht, dass jeder Nitrilhandschuh jede Creme verträgt. Handschuhe unterscheiden sich in Dicke, Zusammensetzung und Prüfung. Verbindlich ist, was der Hersteller deines Handschuhs angibt, und im Betrieb der Hand- und Hautschutzplan.
Ein zweiter Punkt ist die Hygiene. Im Gesundheitswesen soll ein Handschuh nicht nur halten, sondern auch vor Keimen schützen. Eine Creme, die noch auf der Haut liegt, kann zudem die Wirkung von Händedesinfektionsmitteln verändern; die CDC-Leitlinie nennt auch diesen Punkt bei der Produktauswahl (Boyce & Pittet 2002). In Klinik und Praxis gilt deshalb immer der Hygieneplan der Einrichtung.
Was unter dem Handschuh mit der Haut passiert
Ein dichter Handschuh lässt keinen Wasserdampf entweichen. Die Haut schwitzt, und die oberste Hornschicht quillt auf. In einer Studie mit 20 gesunden Freiwilligen war die Hornschicht 30 Minuten nach vierstündigem Tragen deutlich überwässert; drei Stunden später waren die Messwerte wieder normal. Nach einer Woche mit täglich vier Stunden Handschuh fanden die Forschenden keinen deutlichen Langzeiteffekt (Wetzky et al. 2009).
Für die Praxis heißt das: Unter dem Handschuh braucht die Haut keinen zusätzlichen Film. Er würde die Wärme- und Feuchtigkeitsstauung eher verstärken. Wichtiger ist, was vor und nach dem Tragen passiert:
- Vor dem Anziehen: Hände vollständig trocknen, auch zwischen den Fingern. Ringe ablegen.
- Beim Tragen: Handschuhe nur so lange wie nötig tragen. Wird der Handschuh innen feucht, wechseln. Bei langen Einsätzen können schweißaufnehmende Unterziehhandschuhe helfen (AGS 2022).
- Nach dem Ausziehen: Die Hände möglichst nur abtrocknen, nicht sofort waschen. Die aufgeweichte Haut ist dann empfindlicher gegenüber Wasser und Reinigungsmitteln (AGS 2022).
Warum Hände überhaupt schneller austrocknen als andere Haut, erklärt die Seite Warum Hände schneller austrocknen. Was häufiges Waschen und Desinfizieren mit der Haut macht, steht unter Rissige Hände vom Waschen.
Der richtige Zeitpunkt für die Pflege
Die meisten Fragen lösen sich, wenn du Pflege und Handschuh zeitlich trennst. Eine grobe Orientierung:
| Situation | Was passt |
|---|---|
| Vor Schichtbeginn, danach sofort Latexhandschuhe | Keine fettende Pflege. Falls nötig, ein im Betrieb festgelegtes Hautschutzmittel, vollständig eingezogen. |
| Kurze Pause, danach wieder Handschuhe | Hände trocknen lassen. Für eine Pflegecreme reicht die Zeit meist nicht, damit sie ganz einzieht. |
| Längere Pause ohne Handschuh | Eine kleine Menge Pflege auf saubere, trockene Haut; vor dem nächsten Handschuh sollte nichts mehr auf der Haut liegen. |
| Nach der Schicht | Hier ist Zeit für reichhaltige Pflege. Die Haut kann sich bis zum nächsten Tag erholen. |
| Abends und über Nacht | Eine etwas dickere Schicht. Baumwollhandschuhe darüber verhindern, dass Bettwäsche viel davon aufnimmt. |
Nach der Schicht bremst ein Film aus Wachsen und Ölen die Verdunstung von Wasser aus der Haut. Wie das funktioniert, erklärt die Seite Okklusion und transepidermaler Wasserverlust. Wie du eine feste Creme gleichmäßig und sparsam verteilst, steht unter Feste Creme richtig auftragen. Wenn sich die Hände danach zu fettig anfühlen, war es meist zu viel; mehr dazu unter Fettig oder gepflegt?.
Für Arbeiten mit Arbeits- oder Gartenhandschuhen aus Leder und Stoff gelten andere Punkte. Die findest du auf der Seite Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit.
Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist
Wenn die Haut an den Händen trotz Pflege nach der Schicht gerötet bleibt, schuppt, einreißt oder Bläschen bildet, lass sie ärztlich ansehen. Hängt das mit dem Beruf zusammen, ist die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt der richtige Ansprechpartner. Das gilt auch, wenn du den Verdacht hast, auf das Handschuhmaterial selbst zu reagieren, etwa auf Latex. Offene oder nässende Stellen solltest du nicht eincremen.
Häufige Fragen
Darf ich vor Nitrilhandschuhen eine Handcreme benutzen?
Nitril gilt als beständiger gegenüber Ölen als Latex. Ob eine bestimmte Creme unter einem bestimmten Handschuh unbedenklich ist, kann aber nur der Handschuhhersteller oder der Hautschutzplan deines Betriebs beantworten. Im Zweifel cremst du am Schichtende ein.
Gilt die Warnung nur für Vaseline und Mineralöl?
Die OSHA nennt ausdrücklich Produkte auf Erdöl- und Mineralölbasis. Die TRGS 401 spricht allgemeiner von fettenden Mitteln. Auch Cremes aus Pflanzenölen, Butter und Wachsen sind fettend. Sie gehören deshalb ebenfalls nicht direkt unter Schutzhandschuhe. Wie sich Vaseline und Bienenwachs-Salbe unterscheiden, erklärt die Seite Vaseline oder Bienenwachs-Salbe.
Was ist der Unterschied zwischen Hautschutz- und Hautpflegemittel?
Hautschutzmittel werden vor der Arbeit aufgetragen und sind für bestimmte Belastungen ausgelobt. Pflegemittel kommen nach der Arbeit auf die gereinigte Haut. Die TRGS 401 sagt ausdrücklich, dass Pflegemittel nicht als Schutz vor der Arbeit genutzt werden sollen.
Kann ich einfach etwas weniger Creme nehmen und dann Handschuhe anziehen?
Solange noch ein spürbarer Film auf der Haut liegt, ist das nicht empfehlenswert. Für eine reichhaltige Creme reicht die Zeit bis zum nächsten Handschuh oft nicht. Plane die Pflege lieber für Zeiten, in denen du länger keine Handschuhe trägst.
Warum sind meine Hände nach dem Handschuh so weich und runzlig?
Das ist die aufgequollene Hornschicht durch Schweiß und Wärmestau. Sie normalisiert sich in der Regel innerhalb weniger Stunden. Trockne die Hände nur ab, statt sie gleich zu waschen.
Bei forpeople
Unsere festen Handcremes sind Pflegeprodukte für die Zeit nach der Arbeit. Sie sind keine Hautschutzmittel, und wir haben sie nicht auf die Verträglichkeit mit Handschuhmaterialien geprüft. Trage sie deshalb nicht direkt vor dem Anziehen von Schutzhandschuhen auf. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt, ohne zugesetzten Duft und ohne Wasser. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) enthält Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl sowie Zitronen- und Bergamotteöl als Duft. Für den Spind und die Tasche gibt es das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) (16,90 €). Die Metalldose füllst du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (7,90 €) wieder auf, die vegane Variante mit dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte (7,90 €). Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Nachfüllen mit Refiller · Wie lange hält ein Pflegefilm? · Scheuerstellen beim Laufen und Radfahren · Kälteschutzcreme: wasserfrei und Frost
Quellen
- Occupational Safety and Health Administration (1993): Mineral oil and/or petrolatum containing skin care products and latex gloves. Standard Interpretation, 24. August 1993. https://www.osha.gov/laws-regs/standardinterpretations/1993-08-24
- Boyce JM, Pittet D (2002): Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings. Recommendations of the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee and the HICPAC/SHEA/APIC/IDSA Hand Hygiene Task Force. MMWR Recommendations and Reports 51(RR-16): 1–45. PMID 12418624. https://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/rr5116a1.htm
- Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926 (Nr. 40), zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769 (Nr. 36). https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-401
- Wetzky U, Bock M, Wulfhorst B, John SM (2009): Short- and long-term effects of single and repetitive glove occlusion on the epidermal barrier. Archives of Dermatological Research 301(8): 595–602. https://doi.org/10.1007/s00403-009-0980-4
- Krzemińska S, Rzymski WM, Malesa M, Borkowska U, Oleksy M (2016): Gloves against mineral oils and mechanical hazards: composites of carboxylated acrylonitrile-butadiene rubber latex. International Journal of Occupational Safety and Ergonomics 22(3): 350–359. https://doi.org/10.1080/10803548.2015.1136111



















