Was über Nacht auf der Haut passiert
Die Hornschicht hält Wasser auf drei Wegen: Fette zwischen den Hornzellen bilden eine Sperre, der lange, verwinkelte Weg durch die Zellschichten bremst die Verdunstung, und wasserlösliche Stoffe in den Zellen, der natürliche Feuchthaltefaktor, binden Wasser (Rawlings & Harding 2004). Wird die Haut zu trocken, laufen diese Vorgänge schlechter ab, und die Oberfläche wird rau und schuppig.
Ein Fettfilm setzt am ersten Punkt an. Okklusive Stoffe legen eine wasserabweisende Schicht auf die Haut und verringern den Wasserverlust. Am deutlichsten wirken sie, wenn sie auf leicht feuchte Haut kommen (Sethi et al. 2016). Abgedeckte Haut verändert ihren Wassergehalt und ihre Durchlässigkeit messbar (Zhai & Maibach 2001). Wie das im Einzelnen funktioniert, erklärt die Seite Okklusion und TEWL.
Der Vorteil der Nacht ist schlicht die Zeit. Tagsüber trägst du jeden Film beim Händewaschen, Abtrocknen und Greifen wieder ab. Nachts liegen sechs bis acht Stunden ohne Wasser und ohne Reibung vor dir. Wie lange ein Pflegefilm sonst hält, steht unter Wie lange bleibt ein Pflegefilm auf der Haut?.
So machst du die Handmaske selbst
- Wasch die Hände mit lauwarmem statt heißem Wasser und tupf sie nur leicht ab. Etwas Restfeuchte ist gewollt.
- Nimm deutlich mehr Pflege als tagsüber, etwa die doppelte bis dreifache Menge. Eine feste Creme wärmst du zwischen den Handflächen an, bis sie weich wird.
- Verteil sie zuerst auf den Handrücken, dann auf Knöchel, Fingerkuppen und Nagelhaut. Diese Stellen trocknen am schnellsten aus (siehe trockene Fingerknöchel und trockene, eingerissene Nagelhaut).
- Zieh saubere Baumwollhandschuhe an und lass sie über Nacht an.
- Morgens massierst du Reste ein oder wischst sie mit einem Tuch ab. Danach nicht gleich heiß waschen.
Wie viel Creme du tagsüber brauchst und wie du sie verteilst, steht unter Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?.
Welche Handschuhe eignen sich?
Hier liegt der wichtigste Unterschied zu Folie und Gummi. Dichte Handschuhe aus Kunststoff halten Schweiß und Wärme zurück. In einer Studie mit 20 Freiwilligen war die Hornschicht 30 Minuten nach vier Stunden unter Handschuhen aus PVC oder Latex messbar aufgequollen; drei Stunden später waren die Werte wieder normal (Wetzky et al. 2009). Auf gesunder Haut änderte das Tragen dichter Handschuhe, sechs Stunden täglich an drei Tagen, die Barrierefunktion nicht messbar. Auf vorher gereizter Haut verschlechterte es sie (Ramsing & Agner 1996). Die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 empfiehlt für die Arbeit Unterziehhandschuhe aus schweißaufnehmendem Material, die gewechselt werden, sobald sie feucht sind. Nach dem Wärme- und Feuchtigkeitsstau sei die Haut empfindlicher gegenüber Reibung, Wasser und Reinigungsmitteln (TRGS 401).
| Handschuh | Eigenschaft | Für die Nacht |
|---|---|---|
| Baumwolle | atmungsaktiv, nimmt Feuchtigkeit auf, waschbar | erste Wahl |
| Baumwolle mit Elasthan | sitzt enger, rutscht nicht ab | gut, wenn er nicht einschnürt |
| Kunststoff, Latex, Nitril | dicht, Wärme- und Feuchtigkeitsstau | nicht über Stunden |
| Wolle | warm, kann kratzen, schwer zu waschen | eher nicht |
| Einweg-Tuchmaske | vorgetränkt, einmal benutzt, meist wasserhaltig | nicht nötig |
Quellen der Tabelle: Ramsing & Agner 1996, Wetzky et al. 2009, TRGS 401. Die Baumwollhandschuhe wäschst du regelmäßig mit, denn sie nehmen Fett auf. Mehr zu Handschuhen im Beruf steht unter Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen?.
Wie oft ist sinnvoll?
Eine feste Regel gibt es nicht. Für Pflegecremes allgemein nennt die Literatur je nach Trockenheit ein- bis dreimal täglich, besonders nach dem Waschen (Sethi et al. 2016). Die Nacht ist dabei eine dieser Anwendungen, die längste. In trockenen Phasen, etwa im Winter mit Heizungsluft, kannst du die Maske jede Nacht machen. Sind die Hände wieder in Ordnung, reichen ein bis zwei Nächte pro Woche. Wenn deine Hände trotz regelmäßiger Pflege trocken bleiben, lohnt ein Blick auf die Ursachen unter Warum bleiben meine Hände trotz Eincremen trocken? und Trockene Haut im Winter.
Honig, Quark, Öl: Hausmittel nüchtern betrachtet
Viele Rezepte für Handmasken arbeiten mit Lebensmitteln. Was davon zu erwarten ist:
- Honig ist zuckerreich und bindet Wasser, ähnlich wie ein Feuchthaltemittel. Er klebt aber und bildet keinen Fettfilm. Du musst ihn abwaschen, und damit ist die Pflege wieder weg. Wer auf Bienenprodukte reagiert, lässt ihn weg (siehe Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?).
- Quark oder Joghurt bestehen überwiegend aus Wasser. Sie fühlen sich kühl an, trocknen aber ab und müssen ebenfalls abgewaschen werden.
- Reines Pflanzenöl legt einen Film auf, schließt aber weniger ab als Vaseline. In einer Messung ließen Pflanzenöle die Hornschicht deutlich weniger aufquellen als Petrolatum (Stamatas et al. 2008). Wachs bindet das Öl und macht den Film fester; deshalb eignen sich Salben und feste Cremes für die Nacht besser.
Sinnvoll ist die Reihenfolge „erst Feuchtigkeit, dann Fett“: leicht feuchte Haut oder ein wasserhaltiges Produkt, darüber ein Film. Warum das so ist, erklärt Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien. Wer die Salbe selbst rühren möchte, findet Verhältnisse unter Feste Creme selber machen.
Wann eine Handmaske nicht reicht
Eine Pflegemaske ist für trockene, raue Haut gedacht. Ärztlichen Rat solltest du einholen, wenn Risse tief sind, bluten oder über Wochen nicht zugehen, wenn die Haut gerötet, geschwollen oder nässend ist oder wenn Bläschen auftreten. Auf offene oder verletzte Haut gehört keine Salbe unter einen Handschuh. Wenn du auf ein Produkt mit Rötung oder Brennen reagierst, brich die Anwendung ab.
Häufige Fragen
Bringt eine Handmaske über Nacht wirklich etwas?
Sie gibt dem Pflegefilm Zeit. Über Nacht wird er nicht durch Waschen und Greifen abgetragen, deshalb fühlen sich die Hände morgens oft geschmeidiger an. Sie ersetzt aber nicht die Pflege nach dem Händewaschen am Tag.
Kann ich statt Baumwollhandschuhen Einweghandschuhe nehmen?
Für eine Stunde ist das möglich, für die ganze Nacht nicht empfehlenswert. Dichte Handschuhe stauen Schweiß und Wärme; die Haut ist danach empfindlicher.
Wie viel Creme brauche ich für eine Handmaske?
Etwa die doppelte bis dreifache Tagesmenge. Die Hände sollen glänzen, aber nicht tropfen.
Geht eine Handmaske auch ohne Handschuhe?
Ja. Dann nimmst du etwas weniger, damit Bettwäsche und Kissen nicht fettig werden, und cremst morgens kurz nach.
Sind Einweg-Handmasken besser als eine Salbe?
Nicht grundsätzlich. Sie sind meist wasserhaltig und für eine kurze Einwirkzeit gedacht. Für die Nacht ist ein Fettfilm unter Baumwolle der einfachere Weg.
Bei forpeople
Für die Nacht eignen sich unsere wasserfreien Salben und festen Cremes. Die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) ist weich und lässt sich direkt aus dem Tiegel dick auftragen; es gibt sie auch als Bienensalbe – Lärche & Mandarine in Dose (150 ml, 34,90 €). Sie enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) enthält laut INCI Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt und keine zugesetzten ätherischen Öle; die Dose füllst du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (7,90 €) nach. Vegan und mit Candelillawachs ist die Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €). Wer mit Feuchtigkeit beginnen möchte, trägt vorher das Aloe Vera Serum 99,6% (250 ml, 24,90 €) auf; es ist wasserhaltig und enthält Konservierungsstoffe. Mehr dazu: Wasserfreie Kosmetik · Salbe, Balsam, Butter, feste Creme · Warum Hände schneller austrocknen · Aloe-Vera-Serum mit fester Creme kombinieren
Quellen
- Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
- Stamatas GN, de Sterke J, Hauser M, von Stetten O, van der Pol A (2008): Lipid uptake and skin occlusion following topical application of oils on adult and infant skin. J Dermatol Sci 50(2): 135–142. https://doi.org/10.1016/j.jdermsci.2007.11.006
- Zhai H, Maibach HI (2001): Effects of skin occlusion on percutaneous absorption: an overview. Skin Pharmacol Appl Skin Physiol 14(1): 1–10. https://doi.org/10.1159/000056328
- Ramsing DW, Agner T (1996): Effect of glove occlusion on human skin. (I). Short-term experimental exposure. Contact Dermatitis 34(1): 1–5. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1996.tb02102.x
- Wetzky U, Bock M, Wulfhorst B, John SM (2009): Short- and long-term effects of single and repetitive glove occlusion on the epidermal barrier. Arch Dermatol Res 301(8): 595–602. https://doi.org/10.1007/s00403-009-0980-4
- Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17(Suppl 1): 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
- Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926, zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-401.html




















