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Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien

Kurz gesagt

Eine Creme pflegt trockene Haut mit drei Arten von Bausteinen: Feuchthaltemittel ziehen Wasser an, Okklusiva bremsen die Verdunstung, Emollienzien machen die Haut glatt und geschmeidig. Typische Feuchthaltemittel sind Glycerin, Urea und Hyaluronsäure, typische Okklusiva Wachse und Buttern, typische Emollienzien Öle. Wasserhaltige Cremes (Emulsionen) kombinieren meist alle drei, wasserfreie Pflege setzt vor allem auf Okklusiva und Emollienzien. Welche Mischung passt, hängt davon ab, wo und wofür du sie verwendest.

Die drei Bausteine im Überblick

In der Fachliteratur werden Feuchtigkeitspflegeprodukte nach ihrem Wirkprinzip eingeteilt (Sethi et al. 2016). Viele Stoffe gehören dabei zu mehr als einer Gruppe: Sheabutter etwa glättet die Haut und bildet zugleich einen Film. Die Einteilung beschreibt also Aufgaben, keine starren Schubladen.

Baustein Was er tut Beispiele Typisch in
Feuchthaltemittel (Humectants) ziehen Wasser an und binden es in der Hornschicht Glycerin, Urea (Harnstoff), Hyaluronsäure, Milchsäure wasserhaltigen Cremes, Lotionen, Seren
Okklusiva (Occlusives) bilden einen Film und verringern die Verdunstung Bienenwachs, Candelillawachs, Sheabutter, Kakaobutter, Vaseline, Lanolin Salben, Balsamen, festen Cremes, Lippenpflege
Emollienzien (Emollients) füllen raue Stellen zwischen den Hornschuppen, machen die Haut weich und glatt Sonnenblumenöl, Olivenöl, Jojobaöl, Mandelöl, pflanzliche Ester fast allen Cremes, Körperölen

Feuchthaltemittel: Wasser anziehen

Feuchthaltemittel sind hygroskopisch, sie ziehen Wasser an. Nach einer Übersichtsarbeit holen sie es aus zwei Richtungen: aus der tieferen Haut in die Oberhaut und, bei feuchter Luft, aus der Umgebung (Sethi et al. 2016). Die Haut hat selbst solche Stoffe, den natürlichen Feuchthaltefaktor in den Hornzellen. Mehr dazu unter Die Hautbarriere einfach erklärt.

  • Glycerin ist das bekannteste Feuchthaltemittel und gilt als besonders wirksam (Sethi et al. 2016). Die Haut bildet es auch selbst, und aufgetragen verbessert es in Studien die Feuchtigkeit der Hornschicht und ihre mechanischen Eigenschaften (Fluhr et al. 2008).
  • Urea (Harnstoff) kommt natürlich im Feuchthaltefaktor der Haut vor und ist hygroskopisch (Piquero-Casals et al. 2021). In niedrigerer Konzentration (etwa 10 %) wirkt es vor allem feuchtigkeitsbindend, in höherer (20–30 %) löst es verhornte Haut (Sethi et al. 2016). Deshalb findet man hochdosiertes Urea vor allem in Fußcremes. Den Vergleich mit wasserfreier Pflege findest du unter Urea oder wasserfreie Creme?
  • Hyaluronsäure bindet sehr viel Wasser und wird vor allem in Gesichtspflege und Seren eingesetzt.

Feuchthaltemittel haben eine Schwäche: Das Wasser, das sie in die Oberhaut ziehen, kann von dort leicht wieder verdunsten. Deshalb werden sie meist mit Okklusiva kombiniert (Sethi et al. 2016).

Okklusiva: Verdunstung bremsen

Okklusiva sind wasserunlösliche Fette, die einen Film auf der Haut bilden und den transepidermalen Wasserverlust physikalisch verringern. Am stärksten wirken sie, wenn sie auf leicht feuchte Haut aufgetragen werden (Sethi et al. 2016). Wie dicht ein Film ist, unterscheidet sich stark: Vaseline gilt als sehr dicht, Pflanzenöle bilden eher einen teilweise durchlässigen Film (Patzelt et al. 2012). Wachse und feste Buttern liegen dazwischen und geben einer Creme zusätzlich ihre Festigkeit.

Der Nachteil vieler Okklusiva ist das Hautgefühl. Zu viel davon wirkt fettig (Sethi et al. 2016). Ausführlich erklären wir den Mechanismus unter Okklusion und transepidermaler Wasserverlust. Zu den einzelnen Rohstoffen gibt es eigene Seiten: Bienenwachs in der Hautpflege, Candelillawachs oder Bienenwachs und Sheabutter: Zusammensetzung.

Emollienzien: glätten und geschmeidig machen

Emollienzien sind vor allem Öle und andere Lipide. Sie legen sich in die feinen Unebenheiten zwischen den Hornschuppen und machen die Haut weicher, flexibler und glatter (Sethi et al. 2016). Das spürst du sofort: Raue Haut fühlt sich nach dem Eincremen samtiger an, selbst wenn sich an ihrem Wassergehalt noch wenig geändert hat. Glatte, weiche Haut ist einer der unmittelbaren Effekte von Feuchtigkeitspflege (Draelos 2018).

Pflanzenöle unterscheiden sich in ihren Fettsäuren und damit im Hautgefühl. Manche ziehen schneller ein, andere bleiben länger spürbar. Wie sich zum Beispiel Oliven- und Sonnenblumenöl unterscheiden, erklären wir unter Olivenöl oder Sonnenblumenöl für die Haut, zum Jojobaöl unter Jojobaöl: ein flüssiges Wachs.

Wie Emulsionen und wasserfreie Pflege die Bausteine kombinieren

Emulsionen sind Mischungen aus Wasser und Öl, die ein Emulgator zusammenhält. Die meisten Cremes und Lotionen aus der Tube sind Emulsionen. Ihr Vorteil: Sie können Feuchthaltemittel, die sich in Wasser lösen, und Fette in einem Produkt vereinen. Sie verteilen sich leicht und ziehen schnell ein, weil ein Teil des Wassers beim Einreiben verdunstet. Weil Wasser Mikroorganismen einen Lebensraum bietet, brauchen wasserhaltige Produkte in der Regel eine Konservierung. Mehr dazu unter Emulgatoren in Kosmetik und Warum Wasser in Kosmetik Konservierung braucht.

Wasserfreie Pflege wie Balsame, Salben und feste Cremes besteht nur aus Fetten, Wachsen und Ölen. Sie liefert selbst kein Wasser und meist kein Feuchthaltemittel. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, die Verdunstung zu bremsen und die Haut geschmeidig zu machen. Sie ist konzentrierter, kommt ohne Emulgator aus und braucht keine Konservierung gegen Keime. Das Prinzip erklären wir unter Wasserfreie Kosmetik.

Emulsion (Creme aus der Tube) Wasserfreie Pflege (feste Creme, Balsam)
Feuchthaltemittel häufig enthalten (Glycerin, Urea) meist nicht enthalten
Okklusiva je nach Rezeptur wenig bis viel Hauptbestandteil (Wachse, Buttern)
Emollienzien Öle, Ester Pflanzenöle
Wasser, Emulgator, Konservierung in der Regel ja nein
Hautgefühl leicht, zieht schnell ein reichhaltiger, kleine Menge genügt

Die beiden Ansätze schließen sich nicht aus. Du kannst sie in der Anwendung kombinieren: Erst Feuchtigkeit auf die Haut bringen, etwa mit einem wässrigen Serum oder einfach auf der noch leicht feuchten Haut nach dem Waschen, dann eine wasserfreie Creme darüber, die die Verdunstung bremst. So ist das Fußpflege-Set – 3 Schritte für rissige Fersen aufgebaut, in dem das Aloe Vera Serum 99,6% vor der Festen Fußcreme – Rosmarin & Salbei aufgetragen wird. Auf den Händen genügt meist eine feste Handcreme direkt nach dem Abtrocknen.

Wie du eine Rezeptur auf dem Etikett erkennst, liest du unter INCI-Liste lesen: Steht AQUA an erster Stelle, ist es eine wasserbasierte Rezeptur. Stehen dort Wachse, Buttern oder Öle, ist sie fettbasiert.

Häufige Fragen

Enthält eine wasserfreie Creme überhaupt Feuchtigkeit?
Sie enthält kein Wasser. Sie hält aber das Wasser, das in der Haut ist, besser zurück, weil ihr Film die Verdunstung bremst.

Ist Glycerin gut oder schlecht für trockene Haut?
Glycerin ist ein gut untersuchtes Feuchthaltemittel, das die Feuchtigkeit der Hornschicht verbessert (Fluhr et al. 2008). Am besten wirkt es zusammen mit Fetten, die die Verdunstung bremsen.

Ist Öl ein Okklusivum oder ein Emolliens?
Beides. Pflanzenöle machen die Haut vor allem geschmeidig und bilden zugleich einen dünnen, teilweise durchlässigen Film (Patzelt et al. 2012).

Brauche ich alle drei Bausteine?
Nicht unbedingt in einem Produkt. Auf leicht feuchter Haut reicht oft eine Pflege aus Okklusiva und Emollienzien, weil das Wasser schon da ist.

Bei forpeople

Unsere festen Cremes sind wasserfrei und kombinieren Wachse (Okklusiva) mit Buttern und Ölen (Emollienzien):

Quellen

  1. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  2. Fluhr JW, Darlenski R, Surber C (2008): Glycerol and the skin: holistic approach to its origin and functions. Br J Dermatol 159(1): 23–34. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.2008.08643.x
  3. Piquero-Casals J, Morgado-Carrasco D, Granger C, Trullàs C, Jesús-Silva A, Krutmann J (2021): Urea in Dermatology: A Review of its Emollient, Moisturizing, Keratolytic, Skin Barrier Enhancing and Antimicrobial Properties. Dermatol Ther (Heidelb) 11(6): 1905–1915. https://doi.org/10.1007/s13555-021-00611-y
  4. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Res Technol 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  5. Draelos ZD (2018): The science behind skin care: Moisturizers. J Cosmet Dermatol 17(2): 138–144. https://doi.org/10.1111/jocd.12490