Was eine Emulsion ist
Eine Emulsion ist eine Mischung aus zwei Flüssigkeiten, die sich eigentlich nicht mischen. In Kosmetik sind das fast immer Wasser und Öl. Eine der beiden Phasen wird in winzige Tröpfchen zerteilt, die in der anderen Phase verteilt sind. Die Phase mit den Tröpfchen heißt innere Phase, die umgebende Phase äußere Phase.
Solche Tröpfchen haben die Neigung, wieder zusammenzufließen. Dann rahmt die Emulsion auf, setzt sich ab oder trennt sich ganz. Diese Vorgänge beschreibt die Kolloidwissenschaft seit Jahrzehnten; eine Übersicht über die wichtigsten Zerfallsprozesse von Emulsionen und über Wege, sie zu stabilisieren, gibt Tadros (2006).
Zwei Grundtypen sind in Hautpflege üblich:
- Öl-in-Wasser (O/W): Öltröpfchen schwimmen in Wasser. Solche Cremes und Lotionen fühlen sich meist leicht an, ziehen schnell ein und lassen sich mit Wasser abwaschen. Die meisten Körperlotionen und Tagescremes gehören dazu.
- Wasser-in-Öl (W/O): Wassertröpfchen sind in Öl verteilt. Diese Cremes wirken reichhaltiger, hinterlassen eher einen Film und werden häufig für sehr trockene Haut oder für Kälte angeboten.
Welcher Typ entsteht, hängt vor allem vom Emulgator und vom Mengenverhältnis der Phasen ab. Dazu kommen Verdickungsmittel, die die äußere Phase zähflüssiger machen und so das Absetzen der Tröpfchen bremsen (Tadros 2006). Die Konsistenz einer Creme, also ob sie fließt, cremig oder fest ist, ergibt sich aus diesem Zusammenspiel. Sie beeinflusst, wie sich ein Produkt verteilen lässt und wie es sich auf der Haut anfühlt (Davies und Amin 2020).
Wie Emulgatoren arbeiten
Emulgatoren sind grenzflächenaktive Stoffe. Ein Teil ihres Moleküls ist wasserliebend, der andere fettliebend. An der Grenze zwischen einem Öltröpfchen und dem umgebenden Wasser lagern sie sich so an, dass jeder Teil in „seine“ Phase ragt. Dadurch sinkt die Spannung an der Grenzfläche, die Tröpfchen lassen sich leichter bilden und stoßen einander ab, statt zusammenzufließen.
Für Kosmetik gibt es sehr unterschiedliche Emulgatoren. Eine Auswertung von Patenten aus den Jahren 2013 bis 2023 teilt sie in Stoffe natürlichen Ursprungs, polymere Emulgatoren, synthetische Emulgatoren und definierte Einzelmoleküle ein; natürliche Emulgatoren machten dabei den größten Anteil aus (Cortes et al. 2024). Neben klassischen Emulgatoren können auch feine feste Partikel eine Emulsion stabilisieren; man spricht dann von Pickering-Emulsionen.
Typische Emulgatoren und woran du sie in der INCI erkennst
In der Inhaltsstoffliste steht der Emulgator nicht als „Emulgator“, sondern unter seinem chemischen Namen. Die folgende Tabelle zeigt einige häufige Gruppen. Sie ist eine Lesehilfe, keine Bewertung: Alle in der EU verwendeten Stoffe müssen die Anforderungen der Kosmetikverordnung erfüllen (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009).
| Gruppe | Beispiele in der INCI | Herkunft |
|---|---|---|
| Glycerinester von Fettsäuren | Glyceryl Stearate, Glyceryl Stearate Citrate | aus Pflanzenfetten und Glycerin hergestellt |
| Zuckerbasierte Emulgatoren | Cetearyl Glucoside, Coco-Glucoside, Sucrose Stearate | aus Zucker und Fettalkoholen oder Fettsäuren |
| Polyglycerinester | Polyglyceryl-3 Diisostearate, Polyglyceryl-4 Oleate | aus Glycerin und Fettsäuren |
| Lecithine | Lecithin, Hydrogenated Lecithin | zum Beispiel aus Soja oder Sonnenblumen |
| Ethoxylierte Emulgatoren | Namen mit „PEG“ oder „Ceteareth“ | mit Ethylenoxid hergestellt |
| Wollwachs und Wollwachsalkohole | Lanolin, Lanolin Alcohol | aus Schafwolle |
Oft arbeiten zwei Emulgatoren zusammen, einer für die Stabilität und einer für die Konsistenz. Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol sind selbst keine starken Emulgatoren, stabilisieren aber viele O/W-Cremes. Welche Mischung ein Hersteller wählt, hängt vom Hautgefühl, von der gewünschten Haltbarkeit und von den übrigen Inhaltsstoffen ab.
Emulsion und Wasser: was daraus folgt
Sobald eine Rezeptur Wasser enthält, entsteht eine zweite Aufgabe: die mikrobiologische Stabilität. Wasser ist eine Voraussetzung dafür, dass Bakterien, Hefen und Schimmelpilze wachsen können. Deshalb brauchen wasserhaltige Cremes in der Regel ein Konservierungssystem, oder sie werden so gestaltet, dass Keime kaum Chancen haben, etwa über den pH-Wert, eine geringe verfügbare Wassermenge oder eine schützende Verpackung. Neben guter Herstellungspraxis, passender Verpackung, geringer Wasseraktivität und dem pH-Wert zählt auch die Wahl der Emulsionsform zu den Faktoren, mit denen sich Keimwachstum steuern lässt (Varvaresou et al. 2009). Mehr dazu erklärt die Seite Konservierung und Wasser in Kosmetik.
Ein Emulgator ist also kein Zeichen für ein „schlechtes“ Produkt. Er ist die technische Voraussetzung dafür, dass es leichte, schnell einziehende Lotionen und Cremes überhaupt gibt. Wer gern eine Creme mit viel Wasseranteil verwendet, kommt ohne Emulgator nicht aus.
Warum wasserfreie Rezepturen keinen Emulgator brauchen
Eine wasserfreie Rezeptur besteht nur aus fettlöslichen Stoffen: Pflanzenöle, Pflanzenbuttern und Wachse lösen sich ineinander oder lassen sich zusammen schmelzen. Es gibt keine zweite Phase, die in Tröpfchen verteilt werden müsste. Deshalb steht in der INCI einer festen Creme oder eines Balsams kein Emulgator. Ob eine Rezeptur fest oder weich ist, bestimmen hier die Wachse und Buttern.
Das hat Folgen für die Anwendung:
- Kein Wasser, das verdunstet: Die Pflege besteht vollständig aus Lipiden. Sie legt einen dünnen Film auf die Haut. Wie ein solcher Film die Verdunstung verringert, erklärt die Seite Okklusion und transepidermaler Wasserverlust.
- Anderes Hautgefühl: Wasserfreie Cremes fühlen sich zunächst fester an und müssen mit Hautwärme angewärmt werden. Eine kleine Menge reicht.
- Nicht mit Wasser abwaschbar: Ohne Emulgator lässt sich der Fettfilm nicht einfach abspülen, was nach dem Händewaschen gewollt sein kann.
Der Unterschied ist also keine Frage von besser oder schlechter, sondern von Aufgabe und Vorliebe. Ein Vergleich beider Formen steht auf der Seite Feste Creme oder Tube; welche Rolle Feuchthaltemittel, Okklusiva und Emollienzien spielen, erklärt Feuchthaltemittel, Okklusiva und Emollienzien.
Häufige Fragen
Sind Emulgatoren schädlich für die Haut?
Emulgatoren sind eine große, sehr unterschiedliche Stoffgruppe. In der EU müssen kosmetische Mittel bei normaler Anwendung sicher sein; das gilt auch für die Emulgatoren darin. Wenn du einen bestimmten Stoff nicht verträgst, hilft ein Blick in die INCI, um ihn zu meiden.
Woran erkenne ich, ob eine Creme eine Emulsion ist?
Steht „Aqua“ (Wasser) weit vorne in der Inhaltsliste und ist die Creme nicht rein ölig, ist es fast immer eine Emulsion. Wie du eine INCI liest, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.
Ist Seife ein Emulgator?
Seife ist chemisch ein Tensid, also ebenfalls grenzflächenaktiv. Sie wird zum Reinigen eingesetzt und löst Fett von der Haut. In einer Pflegecreme übernimmt diese Aufgabe ein Emulgator, der auf Stabilität statt auf Reinigung ausgelegt ist.
Warum trennt sich meine Lotion?
Wärme, Frost oder ein sehr langes Lagern können eine Emulsion destabilisieren. Trennt sich eine Lotion sichtbar oder riecht sie anders, solltest du sie nicht mehr verwenden. Mehr dazu auf der Seite Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol.
Enthalten Körperöle Emulgatoren?
Reine Öle und Ölmischungen brauchen keinen Emulgator, weil sie nur aus einer Phase bestehen. Anders ist es bei sogenannten Duschölen, die sich beim Kontakt mit Wasser milchig verteilen sollen.
Bei forpeople
Die Cremes, Balsame und Öle von forpeople sind wasserfrei und enthalten laut INCI keinen Emulgator. Die Feste Handcreme – Bienenwachs besteht aus fünf Bestandteilen: Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl sowie Extrakten aus Johanniskraut und Aloe Vera. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte nutzt Candelillawachs statt Bienenwachs. Auch die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera und die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei sind reine Fett-Wachs-Rezepturen. Das Jojobaöl – kaltgepresst ist ein einzelner Rohstoff ohne Zusätze.
Nicht alle Produkte sind wasserfrei: Das Aloe Vera Serum 99,6% basiert auf Aloe-Saft und enthält Konservierungsstoffe, die festen Seifen wie die Feste Seife – Lavendel werden mit Wasser und Lauge hergestellt. Beide sind keine Emulsionen.
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €
- Feste Handcreme – Bergamotte, 30 g, 9,90 €
- Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €
- Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei, 40 g, 9,90 €
Weiterlesen: Wasserfreie Kosmetik · Candelillawachs oder Bienenwachs · Urea oder wasserfreie Creme
Quellen
- Tadros T (2006): Principles of emulsion stabilization with special reference to polymeric surfactants. J Cosmet Sci 57(2): 153–169. PMID 16688378
- Davies A, Amin S (2020): Rheology of Cosmetic Products: Surfactant Mesophases, Foams and Emulsions. J Cosmet Sci 71(6): 481–496. PMID 33413789
- Cortes N, Alves IA, Aragón DM (2024): Innovative Emulsifiers in Cosmetic Products: A Patent Review (2013–2023). ACS Omega 9(50): 48884–48898. doi:10.1021/acsomega.4c07305
- Varvaresou A, Papageorgiou S, Tsirivas E et al. (2009): Self-preserving cosmetics. Int J Cosmet Sci 31(3): 163–175. doi:10.1111/j.1468-2494.2009.00492.x
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj





















