Warum Wasser die Haltbarkeit bestimmt
Mikroorganismen brauchen frei verfügbares Wasser, um sich zu vermehren. Eine Übersichtsarbeit zur Konservierung von Kosmetik nennt Wasser, meist den Hauptbestandteil von Cremes, einen idealen Wachstumsfaktor für Mikroorganismen (Halla et al. 2018). Die EU-Leitlinien zum Sicherheitsbericht zählen Gemische auf Wasserbasis sowie pflanzliche und tierische Rohstoffe ausdrücklich zu den Stoffen, die stark anfällig für das Wachstum von Mikroorganismen sind (Durchführungsbeschluss 2013/674/EU, Nr. 3.3.1). Eine typische Küchen-Creme erfüllt beides: Sie besteht zu einem großen Teil aus Wasser oder Pflanzenwasser und enthält pflanzliche Rohstoffe.
Deshalb enthalten gekaufte Cremes mit Wasser eine Konservierung, deren Wirksamkeit geprüft ist. Mehr dazu unter Konservierung und Wasser in Kosmetik. Warum Öl und Wasser außerdem einen Emulgator brauchen, erklärt Emulgatoren in Kosmetik.
Woher die Keime in der Küche kommen
Fachleute unterscheiden zwei Wege: die Verunreinigung bei der Herstellung und die bei der Anwendung (Halla et al. 2018). Beides passiert zu Hause leichter als in einer Produktion mit Hygieneplan.
- Rohstoffe: Hydrolate, Aloe-Saft, Kräuterauszüge und Leitungswasser bringen Keime mit. Abgekochtes oder destilliertes Wasser senkt die Startbelastung, schützt die fertige Creme aber nicht.
- Werkzeug: Schneebesen, Glas und Dose, die nicht sauber und trocken sind.
- Finger: Jeder Griff in den Tiegel bringt neue Keime hinein. Die Übersichtsarbeit beschreibt Tiegel und Flaschen als anfälliger für Verunreinigung als geschlossene Spender wie Airless-Pumpen (Halla et al. 2018).
- Wärme: Im warmen Badezimmer vermehren sich Keime schneller als im Kühlschrank.
Was Hersteller prüfen, was zu Hause fehlt
Ob eine Konservierung ausreicht, zeigt ein Belastungstest: Das Produkt wird gezielt mit Keimen beimpft, und im Labor wird verfolgt, ob deren Zahl ausreichend sinkt. Die Norm dafür ist ISO 11930:2019. Für Produkte, in denen Keime kaum wachsen können, etwa wasserfreie, beschreibt ISO 29621:2017, wie ein geringes mikrobiologisches Risiko begründet wird. Die EU-Leitlinien nennen als Beispiele für geringes Risiko unter anderem Produkte auf Basis organischer Lösungsmittel oder mit sehr hohem oder niedrigem pH-Wert (Durchführungsbeschluss 2013/674/EU, Nr. 3.3.2).
| Selbstgemacht | Wasser enthalten? | Hauptrisiko | Haltbarkeit (grob) |
|---|---|---|---|
| Creme oder Lotion mit Wasser, ohne Konservierung | ja | Keime | im Kühlschrank Tage, höchstens wenige Wochen; nicht vorhersagbar |
| Creme mit Wasser und Konservierungsmittel | ja | Keime, wenn Dosierung oder pH-Wert nicht passen | länger, aber ohne Belastungstest unsicher |
| Frisches Aloe-Gel aus dem Blatt | ja, rund 99 % | Keime, Abbau | sehr kurz, siehe Aloe-Vera-Gel selber machen |
| Salbe, Balsam, feste Creme aus Wachs und Öl | nein | Oxidation der Öle | Monate, solange die Öle frisch sind und kein Wasser hineinkommt |
| Reines Pflanzenöl | nein | Oxidation | je nach Öl; siehe Ranziges Hautöl erkennen |
Vitamin E und Grapefruitkernextrakt konservieren nicht
In vielen Rezepten steht, ein paar Tropfen Vitamin E oder Grapefruitkernextrakt machten die Creme haltbar. Das stimmt so nicht.
- Vitamin E (Tocopherol) ist in der EU-Datenbank für kosmetische Inhaltsstoffe als Antioxidans geführt, nicht als Konservierungsmittel (CosIng). Es kann Öle vor dem Ranzigwerden schützen, gegen Keime im Wasseranteil hilft es nicht.
- Grapefruitkernextrakt ist in CosIng mit den Funktionen Duftstoff und parfümierend eingetragen (CosIng). Analysen handelsüblicher Grapefruitkernextrakte fanden in der Mehrzahl der Proben synthetische Desinfektionsmittel wie Benzethoniumchlorid oder Benzalkoniumchlorid (Ganzera et al. 2006; Avula et al. 2007). Die keimhemmende Wirkung solcher Produkte stammte also oft nicht aus der Grapefruit.
- Ätherische Öle riechen gut, sind aber in üblicher Dosierung keine verlässliche Konservierung. In höherer Menge steigt das Risiko von Hautreaktionen; mehr dazu unter Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.
Es gibt für Hobbyrührer Konservierungsmittel, die in der EU zugelassen sind, etwa Sorbin- oder Benzoesäure. Sie wirken am besten im sauren Bereich (Halla et al. 2018). Ohne pH-Messung und Belastungstest weißt du aber nicht, ob deine Creme damit ausreichend geschützt ist.
So machst du wasserhaltiges DIY sicherer
- Nur so viel rühren, wie du in wenigen Tagen verbrauchst.
- Werkzeug und Gefäße gründlich reinigen, mit heißem Wasser spülen und vollständig trocknen lassen.
- Mit einem sauberen Spatel entnehmen, nicht mit den Fingern.
- Im Kühlschrank lagern und das Herstelldatum auf das Gefäß schreiben.
- Wegwerfen, sobald sich Geruch, Farbe oder Konsistenz ändern, Wasser sich absetzt oder Punkte auf der Oberfläche erscheinen. Nicht abkratzen und weiterverwenden.
Willst du etwas auf Vorrat, rühre wasserfrei: Wachs, Butter und Öl. Das Grundrezept steht unter Feste Creme selber machen. Auch dann gilt: trocken entnehmen, siehe Hygiene bei wasserfreier Kosmetik. Selbstgemachtes ist für den Eigengebrauch gedacht; wer Kosmetik verkauft oder gewerblich abgibt, braucht nach der EU-Kosmetikverordnung eine Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 10).
Häufige Fragen
Wie lange hält selbstgemachte Creme im Kühlschrank?
Ohne Konservierung und mit Wasseranteil nur kurz: einige Tage, höchstens wenige Wochen. Eine verlässliche Zahl gibt es nicht, weil Keimbelastung und Hygiene jedes Mal anders sind.
Warum schimmelt meine Creme so schnell?
Weil sie Wasser enthält und keine wirksame Konservierung. Schon wenige Keime aus Rohstoffen, Luft oder Fingern vermehren sich im Wasseranteil.
Reicht es, destilliertes Wasser zu nehmen?
Es senkt die Keimzahl zu Beginn, verhindert aber nicht, dass später Keime hineingelangen und wachsen.
Ist eine Creme ohne Konservierungsstoffe gesünder?
Nicht automatisch. Eine wasserhaltige Creme ohne Konservierung kann verderben, bevor du es merkst. Ohne Konservierung kommt eine Creme sinnvoll nur aus, wenn sie kein Wasser enthält.
Wie lange hält eine selbstgemachte Salbe ohne Wasser?
So lange, wie die Öle frisch bleiben, oft viele Monate. Riecht sie ranzig, ist sie verbraucht.
Bei forpeople
Wenn du nicht selbst rühren willst: Unsere festen Cremes enthalten kein Wasser und deshalb auch kein Konservierungsmittel, etwa die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €), die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei (40 g, 9,90 €) und die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €). Anders beim Aloe Vera Serum 99,6% (50 ml, 9,90 €): Es besteht aus Aloe-Saft und damit fast ganz aus Wasser. Laut INCI enthält es deshalb Zitronensäure sowie Kaliumsorbat und Natriumbenzoat als Konservierung. Für eigene wasserfreie Rezepte gibt es die Leere Kosmetikdose (3,90 €). Mehr dazu: Wasserfreie Kosmetik · Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol · Aloe Vera statt Wasser · INCI-Liste lesen
Quellen
- Halla N, Fernandes IP, Heleno SA, Costa P, Boucherit-Otmani Z, Boucherit K et al. (2018): Cosmetics Preservation: A Review on Present Strategies. Molecules 23(7): 1571. https://doi.org/10.3390/molecules23071571
- Europäische Kommission (2013): Durchführungsbeschluss 2013/674/EU über Leitlinien zu Anhang I der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Teil A Nr. 3.3.1 und 3.3.2. ABl. L 315: 82. https://eur-lex.europa.eu/eli/dec_impl/2013/674/oj
- ISO 11930:2019: Cosmetics – Microbiology – Evaluation of the antimicrobial protection of a cosmetic product. https://www.evs.ee/en/iso-11930-2019
- ISO 29621:2017: Cosmetics – Microbiology – Guidelines for the risk assessment and identification of microbiologically low-risk products. https://www.evs.ee/en/iso-29621-2017
- Ganzera M, Aberham A, Stuppner H (2006): Development and validation of an HPLC/UV/MS method for simultaneous determination of 18 preservatives in grapefruit seed extract. J Agric Food Chem 54(11): 3768–3772. https://doi.org/10.1021/jf060543d
- Avula B, Dentali S, Khan IA (2007): Simultaneous identification and quantification by liquid chromatography of benzethonium chloride, methyl paraben and triclosan in commercial products labeled as grapefruit seed extract. Pharmazie 62(8): 593–596. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17867553/
- Europäische Kommission: CosIng – Datenbank kosmetischer Inhaltsstoffe, Einträge TOCOPHEROL und CITRUS PARADISI SEED EXTRACT. https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/cosing/



















