Die Begriffe im Überblick
Auf Verpackungen und in Shops tauchen viele Varianten auf. Sie klingen ähnlich, versprechen aber nicht immer dasselbe.
| Begriff | Was er in der Regel meint | Worauf du achten kannst |
|---|---|---|
| wasserfrei | kein Wasser und keine wasserhaltigen Rohstoffe in der Rezeptur | INCI beginnt mit Öl, Butter oder Wachs; kein Aqua, kein Saft, kein „… Water“ |
| anhydrous | Fachbegriff aus dem Griechischen, wörtlich „ohne Wasser“; in der Kosmetikentwicklung gleichbedeutend mit wasserfrei | wie bei wasserfrei |
| waterless / water-free | englische Marketingbegriffe für wasserfreie Produkte | manchmal auch für Pulver oder Konzentrate, die du selbst mit Wasser anrührst |
| wasserarm | Wasser ist enthalten, aber weniger als in einer üblichen Creme | keine feste Grenze; Aqua steht dann meist weiter hinten in der INCI |
| ohne zugesetztes Wasser | kein reines Wasser zugegeben | Pflanzensäfte, Hydrolate oder Aloe-Saft können trotzdem enthalten sein |
| fest / solid | beschreibt die Form, nicht den Wassergehalt | feste Seifen werden mit Wasser oder Saft hergestellt |
Zum Vergleich: Übliche Hautpflegeprodukte enthalten nach einer Übersichtsarbeit zwischen 50 und 85 % Wasser; wasserfreie Produkte sind die Ausnahme (Richaud et al. 2024). Was der Verzicht auf Wasser für Emulgator, Konservierung und Hautgefühl bedeutet, erklärt die Seite Wasserfreie Kosmetik.
Keine gesetzliche Definition, aber Regeln für Werbeaussagen
Die EU-Kosmetikverordnung kennt den Begriff „wasserfrei“ nicht. Werbeaussagen über Kosmetik müssen aber gemeinsamen Kriterien folgen, die eine eigene Verordnung festlegt. Dazu gehören Wahrheitstreue, Belegbarkeit und Redlichkeit: Wird behauptet, ein Produkt enthalte einen bestimmten Bestandteil, muss er gezielt vorhanden sein, und jede Aussage muss sich mit überprüfbaren Nachweisen belegen lassen (Verordnung (EU) Nr. 655/2013).
Wie diese Kriterien auf „frei von“-Aussagen anzuwenden sind, beschreibt ein technisches Dokument einer Arbeitsgruppe der EU-Mitgliedstaaten. Es ist rechtlich nicht bindend, wird aber als Orientierung genutzt. Zwei Punkte daraus passen gut zu „wasserfrei“ (Technical document on cosmetic claims 2017):
- Wahrheitstreue: Wird behauptet, ein Produkt enthalte einen bestimmten Stoff nicht, darf dieser Stoff auch nicht enthalten sein. Übertragen heißt das: Ein Produkt mit Aloe-Saft oder Rosenwasser ist nicht wasserfrei, auch wenn kein „Aqua“ in der Liste steht.
- Redlichkeit: „Frei von“-Aussagen sind nicht angebracht, wenn der Stoff in dieser Produktart ohnehin nicht üblich ist. Ein reines Pflanzenöl als „wasserfrei“ herauszustellen, sagt deshalb wenig aus – Öle enthalten nie Wasser als Zutat.
So erkennst du Wasser in der INCI
Die Inhaltsstoffe stehen in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Zugabe. Bestandteile unter 1 % dürfen danach in beliebiger Reihenfolge folgen (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Wasser verbirgt sich hinter mehreren Bezeichnungen. Die Beschreibungen in der Tabelle stammen aus der Inhaltsstoff-Datenbank CosIng der EU-Kommission (CosIng).
| INCI-Bezeichnung | Was dahintersteckt | Wasser enthalten? |
|---|---|---|
| Aqua | Wasser, Funktion „Lösungsmittel“ | ja |
| Aloe Barbadensis Leaf Juice | aus den Blättern der Aloe gepresster Saft | ja, der Saft besteht überwiegend aus Wasser |
| … Flower Water, … Leaf Water (z. B. Rosa Damascena Flower Water) | wässrige Lösung aus der Wasserdampfdestillation, also ein Hydrolat | ja |
| Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder | getrockneter Aloe-Saft | als Pulver nein; meist wird er mit Aqua wieder angerührt |
| … Leaf Extract, … Flower Extract | Auszug aus der Pflanze | aus der INCI nicht erkennbar; steht meist in kleiner Menge am Ende |
| Glycerin, Alcohol | Feuchthaltemittel bzw. Alkohol | kein Wasser, aber auch kein Öl oder Wachs |
Eine kurze Faustregel: Steht an erster Stelle ein Öl, eine Butter oder ein Wachs, zum Beispiel „Cera Alba“ oder „Butyrospermum Parkii Butter“, und taucht weder Aqua noch ein Saft oder „… Water“ auf, ist das Produkt wasserfrei. Wie du eine INCI Schritt für Schritt liest, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.
Warum Pflanzensäfte und Hydrolate als Wasser zählen
Aloe-Blattgel besteht nach einer Übersichtsarbeit zu etwa 99,5 % aus Wasser; der Rest sind Polysaccharide, Mineralstoffe, organische Säuren und weitere gelöste Stoffe (Hamman 2008). Ein Hydrolat ist nach seiner Definition eine wässrige Lösung. Für die Rezeptur macht es daher kaum einen Unterschied, ob das Wasser aus der Leitung, aus einer Pflanze oder aus einer Destille stammt: Es verhält sich wie Wasser.
Das hat zwei Folgen. Erstens braucht ein Produkt mit Saft oder Hydrolat einen Schutz gegen Keime, genau wie eine Creme mit Aqua; Hintergründe dazu stehen auf der Seite Konservierung und Wasser in Kosmetik. Zweitens braucht es einen Emulgator, sobald Öl und Saft zu einer Creme verbunden werden sollen. Was „Aloe statt Wasser“ in einer Rezeptur konkret bedeutet, erklärt die Seite Aloe Vera statt Wasser.
Grenzfälle: Seife, Extrakte, feste Form
- Feste Seife: Seife entsteht, wenn Fette mit einer Lauge reagieren. Die Lauge wird mit Wasser oder einem Pflanzensaft angesetzt. In der INCI steht das Wasser mit der Menge, die bei der Herstellung zugegeben wurde. Ein Teil verdunstet, während die Seife reift; wie viel übrig bleibt, zeigt die Liste nicht. Feste Seife ist deshalb nicht wasserfrei, auch wenn sie trocken wirkt.
- Extrakte in wasserfreien Cremes: Manche wasserfreien Produkte führen am Ende der INCI einen Pflanzenextrakt. Ob dieser als Öl-Auszug oder in einer anderen Form zugegeben wird, verrät die Bezeichnung „Extract“ nicht. Bei Unklarheit hilft nur eine Nachfrage beim Hersteller.
- Fest heißt nicht wasserfrei, flüssig heißt nicht wasserhaltig: Ein Körperöl ist flüssig und trotzdem wasserfrei. Eine feste Seife ist fest und enthält Wasser.
Warum wasserfreie Produkte trotzdem sauber behandelt werden sollten, steht auf der Seite Hygiene bei wasserfreier Kosmetik.
Häufige Fragen
Ist „wasserfrei“ ein geschützter Begriff?
Nein. Es gibt keine gesetzliche Definition. Die Aussage muss aber wie jede Werbeaussage wahr und belegbar sein. Wer ein Produkt mit Pflanzensaft „wasserfrei“ nennt, verstößt nach unserem Verständnis gegen den Grundsatz der Wahrheitstreue.
Ist „anhydrous“ etwas anderes als „wasserfrei“?
Nein. „Anhydrous“ ist der Fachbegriff, „waterless“ und „water-free“ sind die geläufigen englischen Ausdrücke. Alle drei meinen eine Rezeptur ohne Wasser.
Enthält ein Produkt „ohne zugesetztes Wasser“ gar kein Wasser?
Nicht unbedingt. Die Formulierung schließt nur reines Wasser aus. Aloe-Saft, Gurkensaft oder Rosenwasser können trotzdem enthalten sein. Ein Blick in die INCI klärt das.
Sind feste Produkte immer wasserfrei?
Nein. Feste Seifen enthalten Wasser aus der Herstellung. Feste Cremes, Salben und Lippenpflege aus Ölen, Buttern und Wachsen sind dagegen in der Regel wasserfrei.
Wie viel Wasser ist „wasserarm“?
Dafür gibt es keine feste Grenze. Achte darauf, an welcher Stelle Aqua in der INCI steht: Je weiter hinten, desto geringer der Anteil.
Bei forpeople
Die meisten forpeople-Produkte sind laut INCI wasserfrei, aber nicht alle. Die Tabelle zeigt, was auf den Produktseiten steht.
| Produkt | Erster Inhaltsstoff laut INCI | Wasser enthalten? |
|---|---|---|
| Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g | Cera Alba (Bienenwachs) | nein |
| Feste Handcreme – Bergamotte, 30 g | Euphorbia Cerifera (Candelilla) Wax | nein |
| Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel, 50 g | Olea Europaea Fruit Oil (Olivenöl) | nein |
| Feste Sonnencreme LSF50, 40 g | Butyrospermum Parkii Butter (Sheabutter) | nein |
| Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml | Simmondsia Chinensis Seed Oil | nein |
| Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml | Aloe Barbadensis Leaf Juice | ja, über den Aloe-Saft; konserviert mit Kaliumsorbat und Natriumbenzoat |
| Feste Seife – Lavendel, 75 g | Olea Europaea Fruit Oil; Aqua an dritter Stelle | ja |
| Feste Seife – Lemongrass | Olea Europaea Fruit Oil; Aloe Barbadensis Leaf Juice an dritter Stelle, Aqua weiter hinten | ja |
In mehreren wasserfreien Produkten, etwa der Handcreme mit Bienenwachs, steht am Ende der INCI „Aloe Barbadensis Leaf Extract“, also ein Aloe-Extrakt in kleiner Menge. Aqua oder Aloe-Saft führen diese Produkte nicht auf.
Mehr dazu: Feste Creme oder Tube · Aloe-Vera-Serum 99,6 %: Was steckt drin? · Salbe, Balsam, Butter, Creme · Emulgatoren in Kosmetik
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 Abs. 1 Buchst. g. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- Verordnung (EU) Nr. 655/2013 der Kommission vom 10. Juli 2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln. ABl. L 190 vom 11.7.2013, S. 31. eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
- Sub-Working Group on Claims (2017): Technical document on cosmetic claims, version of 3 July 2017, Annex III „Free from claims“. Europäische Kommission, Working Group on Cosmetic Products (rechtlich nicht bindend). ec.europa.eu/docsroom/documents/24847
- Europäische Kommission: CosIng – Datenbank kosmetischer Inhaltsstoffe, Einträge AQUA, ALOE BARBADENSIS LEAF JUICE, ALOE BARBADENSIS LEAF JUICE POWDER, ALOE BARBADENSIS LEAF EXTRACT, ROSA DAMASCENA FLOWER WATER (abgerufen am 30.09.2026). ec.europa.eu/growth/tools-databases/cosing
- Hamman JH (2008): Composition and applications of Aloe vera leaf gel. Molecules 13(8): 1599–1616. doi:10.3390/molecules13081599
- Richaud M, Rasasombat S, Cuq P et al. (2024): Water in cosmetics and Caenorhabditis elegans as an alternative model for lifespan assessment. Int J Cosmet Sci 46(1): 96–105. doi:10.1111/ics.12912






















