Wissen 9 Min. Lesezeit forpeople skincare

Gutes Aloe-Vera-Produkt erkennen: Worauf du achtest

Kurz gesagt

Ein gutes Aloe-Vera-Produkt erkennst du daran, dass Aloe-Saft (INCI: Aloe Barbadensis Leaf Juice) ganz vorne in der Inhaltsstoffliste steht, der Aloe-Anteil klar angegeben ist und die Liste insgesamt kurz bleibt. Eine hohe Prozentzahl allein sagt aber noch nichts über die Qualität des Rohstoffs. Wie viele der typischen Aloe-Polysaccharide, vor allem Acemannan, im Produkt stecken, lässt sich nur im Labor messen. Hinweise geben die Bezeichnung in der INCI-Liste, die Verarbeitung (Saft oder rückverdünntes Pulver), die Konservierung und die Kennzeichnung der Bio-Zutaten.

Was eine Prozentangabe verrät – und was nicht

Eine Angabe wie „99 % Aloe“ ist freiwillig. Die EU-Kosmetikverordnung verlangt keine Prozentzahlen, sondern eine Liste der Bestandteile. Wer mit einem Inhaltsstoff wirbt, muss nach den gemeinsamen Kriterien für Werbeaussagen aber wahrheitsgemäß bleiben: Ein beworbener Bestandteil muss tatsächlich enthalten sein, und die Eigenschaften eines Bestandteils dürfen nicht dem ganzen Produkt zugeschrieben werden, wenn das nicht zutrifft (Verordnung (EU) Nr. 655/2013).

Die Prozentzahl bezieht sich auf den Aloe-Rohstoff, meist den Saft. Sie sagt nicht, wie viele Pflanzeninhaltsstoffe dieser Saft mitbringt. Das zeigt eine Untersuchung an 15 Getränken mit Aloe: Selbst unter den acht Produkten, die laut Etikett über 99 % Aloe enthielten, schwankte der Gehalt an Acemannan stark. Nur drei lagen über 160 mg pro 100 g, vier unter 35 mg. Die Autorinnen und Autoren vermuten Verarbeitungsschritte wie das Pasteurisieren als Ursache und weisen darauf hin, dass Hersteller den Gehalt nicht angeben müssen (Comas-Serra et al. 2023). Die Studie betrifft Getränke; sie zeigt aber, dass eine Prozentzahl die Menge des Rohstoffs beschreibt, nicht seine Qualität.

Die INCI-Liste lesen: Position und Bezeichnung

In der EU stehen die Bestandteile in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Zugabe. Bestandteile unter 1 % dürfen danach in beliebiger Reihenfolge folgen (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Steht Aloe erst hinter Wasser, Glycerin und Verdickungsmitteln, ist sie nicht der Hauptbestandteil. Wie du eine Liste insgesamt liest, erklärt die Seite INCI-Liste lesen.

So steht es in der INCI-Liste Was dahintersteckt Was du daraus ablesen kannst
Aloe Barbadensis Leaf Juice an erster Stelle flüssiger Saft aus dem Blatt Aloe ist der Hauptbestandteil
Aqua, danach Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder getrockneter Saft, mit Wasser wieder angerührt die Menge der Aloe hängt vom Mischungsverhältnis ab, das nicht auf dem Etikett steht
Aloe Barbadensis Leaf Extract weiter hinten ein Auszug aus dem Blatt Aloe ist eine Zutat unter vielen, meist in kleiner Menge
Aloe Barbadensis Leaf Water ein eigener Aloe-Rohstoff mit eigener Bezeichnung nicht gleichbedeutend mit Saft; frag nach, was genau verwendet wurde
Verdickungsmittel wie Xanthan Gum oder Carbomer machen aus flüssigem Saft ein Gel kein Qualitätsmangel, aber ein Hinweis, dass das Produkt kein reiner Saft ist

Eine Sicherheitsbewertung des Cosmetic Ingredient Review führt unter anderem Leaf Juice, Leaf Extract, Leaf Water und Leaf Polysaccharides als eigene kosmetische Bestandteile auf (Cosmetic Ingredient Review Expert Panel 2007).

Frischer Saft oder rückverdünntes Pulver

Aloe-Saft wird oft getrocknet, weil Pulver leichter zu lagern und zu transportieren ist. Für ein Produkt rührt man es später wieder mit Wasser an. Das ist erlaubt und nicht automatisch schlechter. Entscheidend ist, wie schonend geerntet, verarbeitet und getrocknet wurde. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, dass Zusammensetzung und Struktur der Aloe-Polysaccharide von Klima, Boden, Behandlung nach der Ernte und der Verarbeitung abhängen (Minjares-Fuentes et al. 2018).

Für dich als Käuferin oder Käufer heißt das: Steht Wasser (Aqua) vor dem Aloe-Pulver, ist das Produkt rückverdünnt. Steht Leaf Juice an erster Stelle, wurde nach der Deklaration flüssiger Saft verwendet. Ob dieser Saft vorher konzentriert war, zeigt die Liste nicht. Frag im Zweifel beim Hersteller nach.

Acemannan: ein Qualitätsmarker aus dem Labor

Im Gel des Aloe-Blatts stecken zwei Hauptgruppen von Polysacchariden: ein acetyliertes, mannosereiches Speicher-Polysaccharid, das Acemannan, und ein galakturonsäurereiches Polymer aus den Zellwänden. Viele der Eigenschaften, die man der Aloe zuschreibt, werden in der Fachliteratur mit dem Acemannan in Verbindung gebracht (Minjares-Fuentes et al. 2018). Deshalb dient es als Messgröße für die Qualität des Rohstoffs.

Der International Aloe Science Council (IASC), ein Branchenverband, hat dafür einen Qualitätsstandard für Aloe-Rohstoffe. Er verlangt unter anderem mindestens 5 % acetyliertes Mannan bezogen auf die Trockenmasse, begrenzt Verunreinigungen, verlangt, dass zugesetztes Maltodextrin deklariert wird, und nennt Äpfelsäure und Glukose als Bestandteile, die vorhanden sein müssen. Wichtig: Der Standard gilt ausdrücklich für Rohstoffe, nicht für fertige Produkte (IASC). Produkte mit dem IASC-Siegel sind auf der Website des Verbands gelistet. Ein Siegel ist freiwillig, sein Fehlen sagt also nichts Schlechtes über ein Produkt.

Auf dem Etikett kannst du Acemannan nicht erkennen. Wenn dir der Wert wichtig ist, frag den Hersteller nach einer Analyse des Rohstoffs.

Konservierung, Aloin und Haltbarkeit

Aloe-Saft besteht größtenteils aus Wasser. Jedes wasserhaltige Kosmetikprodukt braucht deshalb eine Konservierung, sonst können sich nach dem Öffnen Mikroorganismen wie Hefen oder Schimmel vermehren. Häufig sind Kaliumsorbat und Natriumbenzoat, oft zusammen mit Zitronensäure, weil diese Stoffe im leicht sauren Bereich arbeiten. Warum das so ist, steht unter Konservierung und Wasser in Kosmetik; wie lange ein geöffnetes Produkt hält, unter Haltbarkeit von Kosmetik und PAO-Symbol. Ein wasserhaltiges Aloe-Produkt ohne jede erkennbare Konservierung ist ein Grund, nachzufragen.

Ein zweiter Punkt ist die Blattverarbeitung. Direkt unter der grünen Blattschale bildet die Pflanze einen gelben, bitteren Saft mit Anthrachinonen wie Aloin. Für Kosmetik wird das innere Gel verwendet. Das Cosmetic Ingredient Review empfiehlt, dass der Anthrachinon-Gehalt in Aloe-Bestandteilen für Kosmetik 50 ppm nicht übersteigt (Cosmetic Ingredient Review Expert Panel 2007). Was „Innenblatt“ und „Ganzblatt“ bedeuten, erklärt die Seite Aloe-Innenblatt, Ganzblatt und Aloin.

Bio-Kennzeichnung bei Aloe-Kosmetik

Die EU-Öko-Verordnung gilt für landwirtschaftliche Erzeugnisse, für verarbeitete Lebensmittel, für Futtermittel und für eine Liste weiterer Erzeugnisse wie Bienenwachs und ätherische Öle. Kosmetische Mittel als fertige Produkte gehören nicht dazu (Verordnung (EU) 2018/848, Art. 2 und Anhang I). Die Aloe-Pflanze als landwirtschaftliches Erzeugnis kann dagegen ökologisch erzeugt und so zertifiziert sein.

In der Praxis erkennst du Bio-Zutaten an einer Fußnote: Ein Sternchen hinter dem Inhaltsstoff und darunter „aus kontrolliert biologischem Anbau“. Siegel für das ganze Produkt vergeben private Standards mit eigenen Regeln. Was diese Standards prüfen, steht unter Naturkosmetik-Standards erklärt.

Checkliste für den Einkauf

  • Position: Aloe Barbadensis Leaf Juice steht an erster Stelle.
  • Anteil: Der Aloe-Anteil ist genannt und passt zur Position in der Liste.
  • Verarbeitung: Du erkennst, ob Saft oder Pulver mit Wasser verwendet wurde.
  • Kurze Liste: Wenige Zusätze, nachvollziehbar, wozu sie da sind.
  • Konservierung: Bei einem wasserhaltigen Produkt ist sie erkennbar deklariert.
  • Bio: Die Bio-Zutaten sind per Fußnote gekennzeichnet.
  • Herkunft und Analyse: Der Hersteller nennt die Herkunft und kann auf Nachfrage Angaben zum Rohstoff machen.

Häufige Fragen

Ist ein Aloe-Gel schlechter als ein flüssiges Aloe-Serum?
Nicht grundsätzlich. Ein Gel enthält ein Verdickungsmittel, damit es fester ist. Schau, ob Aloe trotzdem an erster Stelle steht und wie lang die Liste ist.

Was bedeutet „100 % Aloe“ auf einem wasserhaltigen Produkt?
Reiner Aloe-Saft ohne Konservierung wäre nach dem Öffnen nicht lange haltbar. Prüfe die INCI-Liste: Dort müssen alle Bestandteile stehen, auch Konservierungsstoffe und Säuren.

Woran erkenne ich rückverdünntes Aloe-Pulver?
An der Kombination aus Aqua und Aloe Barbadensis Leaf Juice Powder in der INCI-Liste. Steht Wasser zuerst, ist mehr Wasser als Aloe-Pulver enthalten.

Muss der Acemannan-Gehalt angegeben werden?
Nein. Hersteller müssen den Gehalt an Aloe-Polysacchariden nicht nennen. Wer ihn wissen will, fragt nach einer Analyse des Rohstoffs.

Ist Bio-Aloe besser?
Bio beschreibt die Anbauweise der Pflanze, nicht den Gehalt an Inhaltsstoffen. Für die Qualität zählen zusätzlich Verarbeitung, Frische und Konservierung.

Bei forpeople

Das Aloe Vera Serum 99,6% (50 ml, 9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus vier Bestandteilen: Aloe Barbadensis Leaf Juice, Citric Acid, Potassium Sorbate und Sodium Benzoate. Laut Produktangabe ist es Bio-Aloe aus kontrolliertem Anbau in Andalusien, und der Saft wird nicht zu Pulver verarbeitet. Ein Verdickungsmittel ist nicht enthalten, deshalb ist das Serum flüssig. Weil Aloe-Saft Wasser enthält, ist das Serum kein wasserfreies Produkt und enthält eine Konservierung. Einen Acemannan-Wert nennt die Produktseite nicht. Das Serum gibt es auch als Aloe Vera Serum 99,6% mit 250 ml (24,90 €) und als Aloe Vera Serum 99,6% - Pumpflasche mit 300 ml (27,90 €); zum Aufsprühen passt der Zerstäuber für dein Aloe Vera Serum (3,90 €). Aloe-Extrakt in kleiner Menge enthalten die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera und die Feste Handcreme – Bienenwachs (je 9,90 €). Wie du das Serum mit Öl oder fester Creme kombinierst, steht unter Aloe-Serum mit Öl und Creme kombinieren.

Mehr dazu: Aloe-Vera-Serum 99,6 %: Was steckt drin? · Aloe statt Wasser in der Rezeptur · Wasserfrei, wasserarm, anhydrous · Innenblatt, Ganzblatt und Aloin

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe g. Amtsblatt der EU L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
  2. Verordnung (EU) Nr. 655/2013 der Kommission vom 10. Juli 2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln, Anhang, Abschnitt 2 „Wahrheitstreue“. Amtsblatt der EU L 190: 31. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
  3. Minjares-Fuentes R, Femenia A, Comas-Serra F, Rodríguez-González VM (2018): Compositional and Structural Features of the Main Bioactive Polysaccharides Present in the Aloe vera Plant. Journal of AOAC International 101(6): 1711–1719. https://doi.org/10.5740/jaoacint.18-0119
  4. Comas-Serra F, Estrada P, Minjares-Fuentes R, Femenia A (2023): Evaluation of Acemannan in Different Commercial Beverages Containing Aloe Vera (Aloe barbadensis Miller) Gel. Gels 9(7): 552. https://doi.org/10.3390/gels9070552
  5. International Aloe Science Council (IASC): Aloe vera Quality Standard (Rohstoffstandard, vom Vorstand verabschiedet) und Beschreibung des Zertifizierungsprogramms. https://www.iasc.org/program_details
  6. Cosmetic Ingredient Review Expert Panel (2007): Final report on the safety assessment of Aloe Andongensis Extract, Aloe Andongensis Leaf Juice, Aloe Arborescens Leaf Extract, Aloe Arborescens Leaf Juice, Aloe Arborescens Leaf Protoplasts, Aloe Barbadensis Flower Extract, Aloe Barbadensis Leaf, Aloe Barbadensis Leaf Extract, Aloe Barbadensis Leaf Juice, Aloe Barbadensis Leaf Polysaccharides, Aloe Barbadensis Leaf Water, Aloe Ferox Leaf Extract, Aloe Ferox Leaf Juice, and Aloe Ferox Leaf Juice Extract. International Journal of Toxicology 26 Suppl 2: 1–50. https://doi.org/10.1080/10915810701351186
  7. Verordnung (EU) 2018/848 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2018 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen, Artikel 2 und Anhang I. Amtsblatt der EU L 150: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2018/848/oj