Was bei der Verseifung passiert
Seife ist ein Salz von Fettsäuren. Sie entsteht, wenn tierische oder pflanzliche Fette, etwa Oliven- oder Kokosöl, mit einer starken Base wie Natriumhydroxid reagieren. Mit Natriumhydroxid entsteht feste Seife, mit Kaliumhydroxid weiche oder flüssige (Mijaljica et al. 2022). Chemisch wird dabei jedes Fettmolekül (ein Triglycerid) in drei Fettsäuren und ein Glycerin gespalten; die Fettsäuren verbinden sich mit dem Natrium zur Seife.
Wie viel Lauge ein Fett braucht, beschreibt die Verseifungszahl. Sie gibt an, wie viele Milligramm Kaliumhydroxid nötig sind, um ein Gramm Fett vollständig zu verseifen. Jedes Öl hat seine eigene Zahl. Seifensieder rechnen damit die Laugenmenge für ihr Rezept aus.
| Schritt | Was passiert | Freie Lauge? |
|---|---|---|
| Lauge ansetzen | Natriumhydroxid wird in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit gelöst | ja, stark ätzend |
| Lauge und Öle mischen | die Verseifung beginnt, die Masse dickt an | ja, noch reaktiv |
| In Form gießen, fest werden lassen | der größte Teil der Lauge reagiert in den ersten Tagen | abnehmend |
| Reifen, meist mehrere Wochen | Restreaktion läuft aus, Wasser verdunstet, die Seife wird härter | nein, bei richtiger Rezeptur |
Überfettung: warum etwas Öl übrig bleibt
Handwerkliche Seifen werden meist überfettet. Das heißt: Der Sieder setzt weniger Lauge ein, als rechnerisch für alle Öle nötig wäre. Ein kleiner Teil der Öle bleibt dann unverseift in der Seife. Das hat zwei Gründe. Erstens ist so sichergestellt, dass die Lauge vollständig verbraucht wird, auch wenn Öle leicht in ihrer Verseifungszahl schwanken. Zweitens bleibt ein Rest Öl im Stück, der das Hautgefühl beim Waschen beeinflusst. Wie hoch die Überfettung ist, steht nicht auf dem Etikett.
Auch das bei der Verseifung entstehende Glycerin bleibt bei handwerklich hergestellter Seife in der Regel im Stück, weil es nicht abgetrennt wird.
Warum Sodium Hydroxide auf der INCI-Liste steht
Die INCI-Liste nennt die Bestandteile in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Zugabe (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Bei Seife gibt es zwei übliche Schreibweisen:
- Ausgangsstoffe: „Olea Europaea Fruit Oil, Cocos Nucifera Oil, Aqua, Sodium Hydroxide …“. Hier siehst du, was in den Topf kam, einschließlich der Lauge.
- Reaktionsprodukte: „Sodium Olivate, Sodium Cocoate …“. In der EU-Datenbank für kosmetische Inhaltsstoffe ist Sodium Olivate als Natriumsalz der Fettsäuren aus Olivenöl eingetragen, Sodium Cocoate entsprechend für Kokosöl, jeweils mit der Funktion „reinigend“ (CosIng).
Beide Schreibweisen beschreiben dieselbe Seife. „Sodium Hydroxide“ in der Liste heißt also nicht, dass Lauge im fertigen Stück ist. Natriumhydroxid ist als Stoff in Kosmetik übrigens geregelt: Anhang III der Kosmetikverordnung (Nr. 15a) nennt Höchstmengen und Warnhinweise für bestimmte Verwendungen, etwa pH-Werte unter 11 bei der Verwendung zur pH-Regulierung. Wie du eine INCI-Liste allgemein liest, erklärt INCI-Liste lesen.
Der pH-Wert: alkalisch, aber nicht ätzend
In einer Untersuchung handelsüblicher Seifen lag die Mehrheit bei pH 9 bis 10 (Tarun et al. 2014). Eine Übersichtsarbeit nennt für Seife allgemein pH 8,5 bis 11 und für synthetische Waschstücke (Syndets) pH 5,5 bis 7 (Mijaljica et al. 2022). Die Hautoberfläche ist dagegen leicht sauer. In einer Studie mit 330 Personen lag der natürliche pH-Wert der Haut im Mittel unter 5. Nach dem Waschen steigt er vorübergehend an; schon Leitungswasser mit einem pH um 8 hob ihn für bis zu sechs Stunden, bevor er zurückging (Lambers et al. 2006).
Seife oder Syndet ist deshalb eine Frage des Hauttyps und der Vorliebe. Fühlt sich deine Haut nach dem Waschen gespannt an, kann eine Pflege danach helfen; mehr dazu unter Rissige Hände vom Waschen und Die Hautbarriere einfach erklärt. Bei Hautreaktionen die Seife nicht weiter verwenden.
Seife selbst sieden: Vorsicht mit der Lauge
Natronlauge ist stark ätzend und kann Haut und Augen schwer schädigen. Wer selbst Seife siedet, trägt Schutzbrille und Handschuhe, arbeitet mit einer genauen Waage und einem Seifenrechner, gibt immer die Lauge ins Wasser und nicht umgekehrt und hält Kinder und Tiere fern. Ein Kurs bei einer erfahrenen Seifensiederin ist für den Einstieg sinnvoll. Selbstgemachte Seife ist für den Eigengebrauch gedacht; wer sie verkauft oder gewerblich abgibt, braucht nach der EU-Kosmetikverordnung unter anderem eine Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 10). Seife enthält außerdem Wasser; warum wasserhaltige Selbstgemachte anders altern als wasserfreie, steht unter Wie lange hält selbstgemachte Creme?.
Häufige Fragen
Ist Naturseife ätzend?
Nein, wenn sie richtig berechnet und ausgereift ist. Die Lauge hat dann vollständig mit den Ölen reagiert. Seife ist alkalisch, aber nicht ätzend.
Warum steht Natronlauge in den Inhaltsstoffen meiner Seife?
Weil die INCI-Liste die Ausgangsstoffe nennt, die bei der Herstellung zugegeben wurden. Im fertigen Stück liegt sie als Seife vor.
Was ist Sodium Olivate?
Das Natriumsalz der Fettsäuren aus Olivenöl, also die eigentliche Seife aus Olivenöl. Manche Hersteller schreiben es so statt „Olivenöl + Natriumhydroxid“.
Warum muss Seife reifen?
Während der Reifezeit läuft die Verseifung aus und Wasser verdunstet. Die Seife wird härter und hält länger. Wie du sie danach lagerst, damit sie nicht matschig wird, steht unter Feste Seife lagern.
Ist Naturseife wasserfrei?
Nein. Zur Herstellung wird die Lauge in Wasser oder einer anderen Flüssigkeit gelöst, und ein Teil davon bleibt im Stück. Die Begriffe erklärt Wasserfrei, wasserarm, anhydrous.
Bei forpeople
Unsere festen Seifen (je 75 g, 8,90 €) sind aus Pflanzenölen und Natronlauge gesiedet, und ihre INCI-Listen nennen die Ausgangsstoffe. Bei der Feste Seife – Lavendel beginnt die Liste mit Olivenöl, Kokosöl, Aqua und Sodium Hydroxide; ebenso bei Feste Seife – Rosmarin & Zitrone, Feste Seife – Eukalyptus & Salbei und Feste Seife mit Peeling – Kaffee & Orange. In der Feste Seife – Lemongrass steht Aloe-Saft (Aloe Barbadensis Leaf Juice) an dritter Stelle vor Sodium Hydroxide, Aqua folgt weiter hinten; hier ersetzt Aloe-Saft also einen Teil des Wassers. Alle Seifen enthalten damit Wasser. Mehrere Sorten gibt es zusammen im Bio-Seifen-Set – 5 Düfte im Vorteilspack (39,90 €). Mehr dazu: Aloe Vera statt Wasser · Feste Seife lagern · Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene · INCI-Liste lesen
Quellen
- Mijaljica D, Spada F, Harrison IP (2022): Skin Cleansing without or with Compromise: Soaps and Syndets. Molecules 27(6): 2010. https://doi.org/10.3390/molecules27062010
- Tarun J, Susan J, Suria J, Susan VJ, Criton S (2014): Evaluation of pH of Bathing Soaps and Shampoos for Skin and Hair Care. Indian J Dermatol 59(5): 442–444. https://doi.org/10.4103/0019-5154.139861
- Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P (2006): Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. Int J Cosmet Sci 28(5): 359–370. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 10, Art. 19 und Anhang III Nr. 15a. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- Europäische Kommission: CosIng – Datenbank kosmetischer Inhaltsstoffe, Einträge SODIUM OLIVATE und SODIUM COCOATE. https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/cosing/




















