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Die Hautbarriere einfach erklärt

Kurz gesagt

Die Hautbarriere ist die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht: ein dünner Verbund aus abgestorbenen Hornzellen und Fetten, der Wasser im Körper hält und Stoffe von außen abhält. Man kann sie sich wie eine Mauer vorstellen, bei der die Hornzellen die Ziegel sind und die Fette zwischen ihnen der Mörtel. Dazu kommen wasserbindende Stoffe in den Zellen und ein leicht saurer Oberflächen-pH. Waschen, Kälte, trockene Luft und Reibung strapazieren diese Schicht im Alltag.

Die Hornschicht: dünn, aber entscheidend

Die Oberhaut erneuert sich ständig. In ihren unteren Lagen entstehen neue Zellen, die langsam nach oben wandern. Unterwegs verändern sie sich, flachen ab, verlieren ihren Zellkern und werden zu sogenannten Hornzellen (Korneozyten). An der Oberfläche bilden sie in vielen Lagen die Hornschicht, das Stratum corneum. Ganz oben lösen sich einzelne Zellen unmerklich ab, von unten rücken neue nach (Nemes & Steinert 1999).

Obwohl sie so dünn ist, übernimmt die Hornschicht die meisten Schutzaufgaben der Haut. Die wichtigste ist die Durchlässigkeitsbarriere: Sie bremst die Verdunstung von Wasser aus dem Körper. Außerdem hält sie viele Stoffe, Reizstoffe und Mikroorganismen ab und federt mechanische Belastung ab (Elias 2005).

Das Ziegel-Mörtel-Modell

Um den Aufbau zu erklären, wird oft das Bild einer Ziegelmauer benutzt. Die Hornzellen sind die Ziegel. Jede ist von einer sehr widerstandsfähigen Hülle aus vernetzten Eiweißen umgeben, an der außen eine Schicht aus Fettmolekülen hängt. Zwischen den Zellen liegen geordnete Fettschichten, der Mörtel. Zusammen machen Zellen und Fette die Hornschicht weitgehend wasserundurchlässig (Nemes & Steinert 1999).

Wasser, das nach außen will, muss einen langen, verwinkelten Weg um die Ziegel herum nehmen. Auch dieser Umweg verlangsamt den Wasserverlust (Rawlings & Harding 2004). Wie man diesen Verlust misst und wie ein Pflegefilm ihn verringert, erklären wir unter Okklusion und transepidermaler Wasserverlust.

Die vier Bausteine im Überblick

Baustein Woraus er besteht Aufgabe
Hornzellen („Ziegel“) flache, abgestorbene Zellen mit fester Eiweißhülle geben Stabilität, verlängern den Weg des Wassers
Lipide („Mörtel“) Ceramide, Cholesterin, freie Fettsäuren dichten die Zwischenräume ab und bremsen die Verdunstung
Natürlicher Feuchthaltefaktor (NMF) wasserlösliche kleine Moleküle, unter anderem Aminosäuren, Milchsäure, Harnstoff binden Wasser in den Hornzellen
Säureschutzmantel leicht saurer pH-Wert an der Hautoberfläche steuert Vorgänge in der Hornschicht, begünstigt die hauteigene Mikroflora

Lipide: Ceramide, Cholesterin, Fettsäuren

Die Fette zwischen den Hornzellen haben eine besondere Zusammensetzung. Laut einer Übersichtsarbeit bestehen sie zu etwa 50 % aus Ceramiden, zu 25 % aus Cholesterin und zu 15 % aus freien Fettsäuren (Feingold 2007). Die Haut bildet sie selbst: Kleine Speicherkörperchen in den lebenden Zellen geben Vorstufen in die Zwischenräume ab, wo Enzyme daraus die fertigen Fettschichten machen. Diese Lipide sind nicht dasselbe wie der Talg aus den Talgdrüsen, der die Hautoberfläche zusätzlich mit einem dünnen Fettfilm überzieht.

Natürlicher Feuchthaltefaktor

In den Hornzellen selbst sitzt ein Gemisch kleiner, wasserlöslicher Stoffe, der natürliche Feuchthaltefaktor, kurz NMF (natural moisturizing factor). Er entsteht, wenn ein Eiweiß namens Filaggrin in der Hornschicht abgebaut wird, und bindet Wasser (Rawlings & Harding 2004). Dass die Hornschicht ausreichend feucht bleibt, ist wiederum Voraussetzung dafür, dass sie sich normal erneuert und die obersten Zellen sich gleichmäßig lösen. Trocknet sie stark aus, lösen sich die Zellen in Schuppen statt einzeln ab.

Säureschutzmantel

Die Hautoberfläche ist leicht sauer. In einer Studie mit 330 Personen lag der pH-Wert am Unterarm nach 24 Stunden ohne Duschen und ohne Kosmetik im Mittel unter 5, die Autorinnen und Autoren schätzen den natürlichen Wert auf durchschnittlich 4,7 (Lambers et al. 2006). Leitungswasser hat in Europa meist einen pH-Wert um 8 und kann den pH der Haut nach derselben Studie bis zu sechs Stunden lang anheben. Auch Seifen verändern ihn. Danach kehrt er von selbst zurück.

Was die Hautbarriere im Alltag strapaziert

  • Häufiges Waschen: Tenside in Seifen und Waschgelen lösen Fett, und sie lösen dabei auch Lipide aus der Hornschicht. Manche Tenside greifen zusätzlich die Eiweiße der Hornzellen an. Das kann zu Spannungsgefühl und Trockenheit nach dem Waschen führen. Auch ein hoher pH-Wert der Waschlösung lässt die Hornschicht aufquellen (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Mehr dazu unter Rissige Hände vom Waschen.
  • Heißes Wasser und langes Duschen: Warmes Wasser löst Fette leichter als kaltes. Kurz und lauwarm duschen schont die Haut.
  • Kälte und trockene Luft: Niedrige Luftfeuchtigkeit und niedrige Temperaturen verringern die Barrierefunktion und machen die Haut anfälliger für mechanische Belastung (Engebretsen et al. 2016). Im Winter kommt die Heizungsluft dazu. Tipps dazu unter Trockene Haut im Winter.
  • Reibung und Druck: Werkzeuge, Handschuhe, Schuhe oder Kleidung reiben immer an denselben Stellen. An den Füßen reagiert die Haut darauf mit Hornhaut, siehe Hornhaut kommt immer wieder.
  • Stundenlange Nässe: Wer viel mit Wasser arbeitet oder lange Handschuhe trägt, weicht die Hornschicht auf. Danach trocknet sie besonders schnell aus.

Nicht jede Körperstelle ist gleich gut geschützt. Hände und Füße sind besonders gefordert, weil sie viel gewaschen, gerieben und belastet werden und weil an Handflächen und Fußsohlen keine Talgdrüsen sitzen. Warum das so ist, erklären wir unter Warum Hände schneller austrocknen und Warum Fersenhaut einreißt. Auch die Lippen haben eine sehr dünne Hornschicht, dazu mehr unter Warum Lippen so schnell austrocknen.

Wie Pflege die Hornschicht unterstützt

Pflege kann die Hornschicht nicht ersetzen. Sie kann aber die Bedingungen verbessern, unter denen die Haut ihre Barriere selbst in Ordnung hält. Drei Ansätze haben sich bewährt:

Für die Füße gibt es die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei, für die Hände unterwegs die vegane Feste Handcreme – Bergamotte. Wenn deine Haut trotz Pflege dauerhaft stark schuppt, rissig ist oder schmerzt, lass sie ärztlich ansehen. Kosmetik pflegt, sie behandelt keine Hauterkrankungen.

Häufige Fragen

Wie dick ist die Hornschicht?
Sie ist sehr dünn, meist dünner als ein Blatt Papier. An Handflächen und Fußsohlen ist sie deutlich dicker als etwa im Gesicht oder an den Augenlidern.

Kann man die Hautbarriere „aufbauen“?
Die Barriere bildet die Haut selbst, laufend und von innen. Pflege kann sie vor dem Austrocknen schützen und die Verdunstung verringern. Sie ersetzt aber keine eigenen Hautlipide.

Warum spannt die Haut nach dem Duschen?
Wasser und Tenside haben Fette von der Oberfläche und aus der Hornschicht gelöst, und das Wasser in der obersten Schicht verdunstet schnell. Eincremen direkt nach dem Abtrocknen hilft.

Ist Seife schlecht für die Hautbarriere?
Nicht grundsätzlich. Seife ist alkalisch und löst Fett. Bei normaler Haut und normaler Waschfrequenz stellt sich der pH-Wert von selbst wieder ein. Wer sehr oft wäscht, sollte danach eincremen.

Was ist der Unterschied zwischen Talg und Hautlipiden?
Hautlipide sitzen zwischen den Hornzellen und bilden den „Mörtel“. Talg kommt aus den Talgdrüsen und bildet einen zusätzlichen Fettfilm auf der Oberfläche.

Bei forpeople

Quellen

  1. Nemes Z, Steinert PM (1999): Bricks and mortar of the epidermal barrier. Exp Mol Med 31(1): 5–19. https://doi.org/10.1038/emm.1999.2
  2. Elias PM (2005): Stratum corneum defensive functions: an integrated view. J Invest Dermatol 125(2): 183–200. https://doi.org/10.1111/j.0022-202X.2005.23668.x
  3. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  4. Feingold KR (2007): Thematic review series: skin lipids. The role of epidermal lipids in cutaneous permeability barrier homeostasis. J Lipid Res 48(12): 2531–2546. https://doi.org/10.1194/jlr.R700013-JLR200
  5. Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P (2006): Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. Int J Cosmet Sci 28(5): 359–370. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x
  6. Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
  7. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. J Eur Acad Dermatol Venereol 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301