Seife ist nicht gleich Seife
Im Alltag heißt alles „Seife“, was schäumt. Chemisch gibt es zwei Gruppen:
- Seife im engeren Sinn entsteht, wenn Öle und Fette mit Lauge reagieren. In der Inhaltsstoffliste stehen dann Öle zusammen mit Sodium Hydroxide (Natronlauge) oder Potassium Hydroxide (Kalilauge), oder schon die fertigen Salze wie Sodium Olivate. Solche Seifen sind alkalisch. Wie die Verseifung abläuft und warum in fertiger Seife keine freie Lauge mehr sein soll, erklärt Ist in Naturseife noch Lauge?.
- Syndets sind Waschmittel aus synthetischen Tensiden. Die meisten Flüssigseifen und Waschlotionen gehören dazu, aber auch manche feste „Waschstücke“. Ihr pH-Wert lässt sich neutral oder leicht sauer einstellen.
Die Form sagt also wenig: Es gibt feste Syndets und flüssige Seifen auf Kalibasis. Wer es genau wissen will, liest die INCI-Liste; wie das geht, steht unter INCI-Liste lesen.
Was das für trockene Hände bedeutet
Die natürliche Hautoberfläche ist sauer. Eine große Messreihe mit 330 Teilnehmenden kam auf einen natürlichen pH-Wert von durchschnittlich etwa 4,7. Seifen und selbst Leitungswasser heben ihn an; nach Wasser allein dauerte es bis zu sechs Stunden, bis er zurückging (Lambers et al. 2006). Alkalische Lösungen mit pH 10 ließen in Versuchen die Hornschicht aufquellen und veränderten ihre Fette, auch ohne Tenside (Ananthapadmanabhan et al. 2004). In einer Studie mit 29 Reinigungsprodukten hing die Hautreizung deutlich mit dem pH-Wert zusammen; die mildesten Produkte waren überwiegend Syndets (Baranda et al. 2002).
Das heißt nicht, dass Syndets automatisch mild sind. Wie stark ein Tensid die Haut austrocknet, hängt davon ab, wie sehr es mit Hautproteinen und -fetten reagiert. Manche Tenside gelten als mild, andere als deutlich reizender (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Umgekehrt enthalten viele Stückseifen pflegende Öle und Butter. Für sehr trockene Hände kann ein milder Syndet die bessere Wahl sein; wer Seife mag und danach eincremt, kommt damit meist gut zurecht.
Stückseife und Flüssigseife im Vergleich
| Merkmal | Klassische Stückseife | Flüssigseife (meist Syndet) |
|---|---|---|
| Tenside | Seifensalze aus verseiften Ölen | synthetische Tenside, oft kombiniert |
| pH-Wert | alkalisch | einstellbar, oft neutral bis leicht sauer |
| Wassergehalt | gering, fest | überwiegend Wasser |
| Konservierung | oft ohne Konservierungsstoffe | wegen des Wassers in der Regel nötig |
| Dosierung | nach Gefühl, oft weniger | ein Pumpstoß, oft mehr als nötig |
| Mikroorganismen auf dem Produkt | häufiger nachweisbar, wenn sie nass liegt | seltener im Produkt, eher außen am Spender |
| Lagerung | muss zwischendurch trocknen | unkompliziert |
Quellen der Tabelle: Ananthapadmanabhan et al. 2004, Baranda et al. 2002, McBride 1984. Warum wasserhaltige Produkte konserviert werden müssen, steht unter Konservierung und Wasser in Kosmetik.
Und was ist mit der Hygiene?
Die häufigste Sorge bei Stückseife: Was auf der nassen Seife lebt, landet beim nächsten Waschen auf den Händen. Untersucht wurde das mehrfach. In einer Studie waren 92 bis 96 Prozent der Proben von benutzten Stückseifen mikrobiologisch positiv, bei Flüssigseifen 8 Prozent. Die Mengen auf den Seifenstücken waren aber gering im Vergleich zu dem, was ohnehin auf Händen lebt, und bei Flüssigseifen fanden sich Keime außen auf dem Spender (McBride 1984). In einem Versuch wuschen sich 16 Personen mit Seifenstücken, die absichtlich stark mit Bakterien versetzt worden waren. Danach war auf keiner Hand einer der Testkeime nachweisbar. Die Autoren sahen beim Händewaschen mit benutzter Stückseife wenig Risiko (Heinze & Yackovich 1988).
Für den Haushalt heißt das: Beide Formen eignen sich zum Händewaschen. Wichtig ist, dass die Stückseife nicht in einer Pfütze liegt, sondern zwischendurch trocknen kann. Wo viele Menschen dieselbe Seife benutzen, etwa in Praxen, gelten eigene Hygieneregeln; dort ist meist ein Spender vorgesehen. Wie Seife trocken bleibt, steht unter Feste Seife wird matschig.
So schonst du die Hände beim Waschen
- Lauwarm statt heiß. Je wärmer eine Tensidlösung, desto stärker reizte sie die Haut im Versuch (Berardesca et al. 1995).
- Wenig Seife. Einmal kurz über das Stück reiben oder ein halber Pumpstoß reicht für normal verschmutzte Hände.
- Gründlich abspülen. Seifenreste auf der Haut trocknen weiter aus.
- Abtupfen statt rubbeln. Auch zwischen den Fingern trocknen.
- Danach eincremen. Am besten gleich, solange die Haut noch warm ist. Eine kleine Menge reicht.
Wer viele Male am Tag wäscht, findet mehr unter Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen. Wer beim Spülen und Putzen raue Hände bekommt, liest Raue Hände vom Spülen. Warum Hände überhaupt so schnell austrocknen, erklärt Warum Hände schneller austrocknen. Bleiben die Hände über Wochen gerötet, rissig oder schmerzhaft, hol ärztlichen Rat ein.
Häufige Fragen
Trocknet Stückseife die Hände mehr aus als Flüssigseife?
Nicht grundsätzlich. Klassische Seife ist alkalisch, viele Flüssigseifen sind neutral oder leicht sauer eingestellt. Wie trocken die Hände werden, hängt aber auch von den Tensiden, der Menge, der Wassertemperatur und dem Eincremen danach ab.
Ist Stückseife unhygienisch?
Auf nasser Stückseife lassen sich Mikroorganismen nachweisen. Studien fanden aber keine Übertragung auf die Hände beim normalen Waschen. Wichtig ist, dass die Seife trocknen kann.
Was bedeutet „pH-hautneutral“?
Meist, dass ein Produkt auf einen leicht sauren pH-Wert um 5,5 eingestellt ist. Klassische Seife kann das nicht sein, weil Seifensalze nur im alkalischen Bereich beständig sind.
Ist Kernseife gut für trockene Hände?
Kernseife ist eine einfache Seife ohne zusätzliche pflegende Öle. Für trockene Hände ist sie keine gute Wahl für jeden Tag.
Brauche ich nach Seife eine Handcreme?
Bei trockenen Händen ja. Jede Waschsubstanz nimmt Fett von der Haut, und eine Creme gibt es zurück.
Bei forpeople
Unsere Seifen sind klassische Seifen aus verseiften Pflanzenölen und damit alkalisch. Die Feste Seife – Lavendel und die Feste Seife – Rosmarin & Zitrone (je 75 g, 8,90 €) enthalten laut INCI unter anderem Oliven- und Kokosöl, Sheabutter, Rizinus-, Sonnenblumen- und Arganöl; die Feste Seife – Lemongrass (75 g, 8,90 €) enthält zusätzlich Aloe-Vera-Saft. Alle drei sind mit ätherischen Ölen beduftet. Fünf Sorten stecken im Bio-Seifen-Set – 5 Düfte im Vorteilspack (39,90 €). Damit die Seife trocknen kann, gibt es die Aluminium-Seifendose mit Abtropfgitter (8,90 €) und den Soapi Magnetseifenhalter für feste Seife (12,95 €). Nach dem Waschen passt die wasserfreie Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €). Mehr dazu: Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene · Die Hautbarriere einfach erklärt · Trotz Eincremen trocken? · Handmaske über Nacht
Quellen
- Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17(Suppl 1): 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
- Baranda L, González-Amaro R, Torres-Alvarez B, Alvarez C, Ramírez V (2002): Correlation between pH and irritant effect of cleansers marketed for dry skin. Int J Dermatol 41(8): 494–499. https://doi.org/10.1046/j.1365-4362.2002.01555.x
- Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P (2006): Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. Int J Cosmet Sci 28(5): 359–370. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x
- Heinze JE, Yackovich F (1988): Washing with contaminated bar soap is unlikely to transfer bacteria. Epidemiol Infect 101(1): 135–142. https://doi.org/10.1017/s0950268800029290
- McBride ME (1984): Microbial flora of in-use soap products. Appl Environ Microbiol 48(2): 338–341. https://doi.org/10.1128/aem.48.2.338-341.1984
- Berardesca E, Vignoli GP, Distante F, Brizzi P, Rabbiosi G (1995): Effects of water temperature on surfactant-induced skin irritation. Contact Dermatitis 32(2): 83–87. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1995.tb00751.x





















