Warum Spülen die Hände rau macht
Spülmittel ist dafür gemacht, Fett von Tellern zu lösen. Die Tenside darin unterscheiden nicht zwischen Bratfett und Hautfett. Aus der Forschung zu Reinigungsprodukten ist bekannt, dass aggressive Tenside Proteine und Fette der Haut angreifen. Die Folgen sind Spannungsgefühl, Trockenheit und eine geschwächte Barriere (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Wie stark, hängt von der Art des Tensids ab. Manche gelten als milder, weil sie weniger mit den Hautproteinen reagieren.
Dazu kommt der pH-Wert. Lösungen mit pH 10 ließen in Versuchen die Hornschicht aufquellen und veränderten ihre Fette, auch ganz ohne Tenside (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Viele Allzweck- und Fettlösereiniger sind alkalisch. Schon Leitungswasser, das in Europa meist einen pH-Wert um 8 hat, hebt den pH-Wert der Haut an; nach Messungen dauert es bis zu sechs Stunden, bis er wieder bei seinem natürlichen Wert unter 5 liegt (Lambers et al. 2006). Wer mehrmals am Tag spült und putzt, gibt der Haut also kaum Pause. Was die Hautbarriere ausmacht, erklärt Die Hautbarriere einfach erklärt.
Heißes Wasser macht es schlimmer
Viele spülen heiß, weil Fett dann besser abgeht. Für die Haut ist das ungünstig. In einer Studie wurde eine Tensidlösung bei 4, 20 und 40 °C auf die Unterarme aufgetragen. Je wärmer die Lösung, desto stärker war die Reizung, gemessen unter anderem am Wasserverlust der Haut (Berardesca et al. 1995). Eine zweite Studie tauchte die Unterarme zweimal täglich für zehn Minuten in Seifenlösung. Bei 40 °C verlor die Haut danach deutlich mehr Wasser als bei 20 °C. Reines Wasser veränderte in diesem kurzen Versuch keinen der gemessenen Werte (Ohlenschlaeger et al. 1996).
Für den Alltag heißt das: Nicht das Wasser allein, sondern die Kombination aus Reinigungsmittel und Wärme belastet die Haut. Lauwarmes Wasser ist ein einfacher Kompromiss. Warum Hände überhaupt schneller austrocknen als andere Haut, steht unter Warum Hände schneller austrocknen.
Handschuhe: der eigentliche Schutz
Im Arbeitsschutz ist das klar geregelt. Die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 401 spricht von Feuchtarbeit, wenn jemand regelmäßig mehr als zwei Stunden am Tag Hautkontakt mit Wasser hat oder die Hände mindestens 15 Mal täglich wäscht. Sie unterscheidet Hautschutzmittel, die vor einer belastenden Tätigkeit aufgetragen werden, von Hautpflegemitteln, die danach auf saubere Haut kommen. Hautschutzmittel dürfen Schutzhandschuhe nur in bestimmten Fällen ersetzen (TRGS 401). Eine Handcreme ist ein Pflegemittel. Sie gehört nach dem Spülen auf die Haut, nicht statt eines Handschuhs.
Auch Handschuhe haben einen Haken: Sie halten Schweiß und Wärme zurück. Auf gesunder Haut änderte das Tragen dichter Handschuhe über kürzere Zeit die Barriere nicht messbar, auf schon gereizter Haut verschlechterte es sie (Ramsing & Agner 1996). Nach vier Stunden war die Hornschicht aufgequollen, drei Stunden später wieder normal (Wetzky et al. 2009). Die TRGS 401 empfiehlt deshalb Unterziehhandschuhe aus schweißaufnehmendem Material, einen Wechsel, wenn der Handschuh innen feucht wird, und nach dem Ausziehen nur abtrocknen statt waschen (TRGS 401). Für den Haushalt passen Spülhandschuhe mit Baumwolleinlage oder dünne Baumwollhandschuhe darunter. Wer auf Latex reagiert, nimmt Nitril. Mehr dazu unter Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen?.
Was bei welcher Hausarbeit hilft
| Tätigkeit | Belastung | Was hilft |
|---|---|---|
| Abwasch von Hand | Tenside, warmes Wasser, oft 15–30 Minuten | Spülhandschuhe mit Baumwolleinlage, lauwarm, Spülmittel sparsam dosieren |
| Putzen mit Allzweck- oder Fettlösereiniger | Tenside, teils alkalisch | immer Handschuhe, Reiniger nicht mit bloßer Hand verteilen |
| Bad- und Kalkreiniger | Säuren | Handschuhe, Hinweise auf dem Etikett beachten |
| Kurz etwas abspülen | Wasser, wenig Tensid | danach abtrocknen, zwischendurch eincremen |
| Gemüse putzen, Kartoffeln schälen | Wasser, Pflanzensäfte, Reibung | danach waschen, abtrocknen, eincremen |
| Fensterputzen, Boden wischen | langes Arbeiten im Putzwasser | Handschuhe, Wasser nicht zu heiß |
Quellen der Tabelle: Ananthapadmanabhan et al. 2004, Berardesca et al. 1995, TRGS 401. Bei Arbeiten mit Erde und Werkzeug gelten ähnliche Regeln; sie stehen unter Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit.
Richtig pflegen nach dem Spülen
- Spül Reste von Spülmittel oder Reiniger mit klarem, lauwarmem Wasser ab.
- Trockne die Hände gründlich, auch zwischen den Fingern und an den Fingerkuppen.
- Creme sofort ein, solange die Haut noch warm ist. Eine erbsengroße Menge reicht für beide Hände; an rauen Stellen etwas mehr.
- Stell die Handcreme dorthin, wo du spülst. Was in Reichweite steht, wird auch benutzt.
- Nach einem langen Putztag lohnt eine dickere Schicht über Nacht; wie das geht, steht unter Handmaske über Nacht.
Die TRGS 401 sieht Pflegemittel in Pausen und am Ende der Arbeit vor (TRGS 401). Im Haushalt heißt das: nach dem Abwasch und nach dem Putzen, nicht erst abends. Wie du eine feste Creme aufträgst, steht unter Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?. Wer viel Hände wäscht, findet mehr unter Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen und Stückseife oder Flüssigseife.
Wann ärztlicher Rat nötig ist
Raue, trockene Hände nach Hausarbeit sind häufig und lassen sich meist mit Handschuhen und Pflege in den Griff bekommen. Hol ärztlichen Rat ein, wenn die Haut trotz Handschuhen und Pflege über Wochen gerötet, rissig oder schuppig bleibt, wenn sie nässt, blutet, Bläschen bildet oder schmerzt, oder wenn die Beschwerden immer an denselben Stellen nach einem bestimmten Reiniger auftreten.
Häufige Fragen
Reicht es, nach dem Spülen einzucremen?
Es hilft, ersetzt aber keinen Handschuh. Die Creme gibt der Haut Fett zurück; während der Arbeit schützt sie nicht vor Spülmittel und heißem Wasser.
Soll ich vor dem Spülen eincremen?
Unter Handschuhen ist eine dünne Schicht möglich. Ohne Handschuh wäscht das Spülmittel die Creme sofort wieder ab. Besser ist Pflege danach.
Ist die Spülmaschine besser für die Hände?
Für die Haut ja, weil die Hände kaum mit Spülwasser in Berührung kommen. Nur beim Vorspülen und Ausräumen haben sie kurz Kontakt.
Ist kaltes Wasser besser als warmes?
Für die Haut ist kühleres Wasser schonender. Weil Fett in kaltem Wasser schlechter abgeht, ist lauwarm ein guter Kompromiss.
Welche Handschuhe sind die richtigen?
Spülhandschuhe mit Baumwolleinlage oder dünne Baumwollhandschuhe darunter. Ist der Handschuh innen feucht, wechselst du ihn oder lässt ihn trocknen.
Bei forpeople
Unsere festen Handcremes sind wasserfrei und passen in eine kleine Dose am Spülbecken. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) enthält laut INCI Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt und keine zugesetzten ätherischen Öle. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) basiert auf Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl und duftet nach Zitrone und Bergamotte. Ist die Dose leer, füllst du sie mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs oder dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte (je 7,90 €) nach. Für eine Dose in der Küche und eine im Bad gibt es das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) (16,90 €). Für die Nacht eignet sich die weichere Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €). Mehr dazu: Handcreme zum Nachfüllen · Trotz Eincremen trocken? · Rissige Fingerkuppen im Winter · Wasserfreie Kosmetik
Quellen
- Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17(Suppl 1): 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
- Berardesca E, Vignoli GP, Distante F, Brizzi P, Rabbiosi G (1995): Effects of water temperature on surfactant-induced skin irritation. Contact Dermatitis 32(2): 83–87. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1995.tb00751.x
- Ohlenschlaeger J, Friberg J, Ramsing D, Agner T (1996): Temperature dependency of skin susceptibility to water and detergents. Acta Derm Venereol 76(4): 274–276. https://doi.org/10.2340/0001555576274276
- Ramsing DW, Agner T (1996): Effect of glove occlusion on human skin. (I). Short-term experimental exposure. Contact Dermatitis 34(1): 1–5. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1996.tb02102.x
- Wetzky U, Bock M, Wulfhorst B, John SM (2009): Short- and long-term effects of single and repetitive glove occlusion on the epidermal barrier. Arch Dermatol Res 301(8): 595–602. https://doi.org/10.1007/s00403-009-0980-4
- Ausschuss für Gefahrstoffe (2022): TRGS 401 Gefährdung durch Hautkontakt – Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen. Ausgabe Oktober 2022, GMBl 2022 S. 895–926, zuletzt geändert GMBl 2024 S. 769. https://www.baua.de/DE/Angebote/Regelwerk/TRGS/TRGS-401.html
- Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P (2006): Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. Int J Cosmet Sci 28(5): 359–370. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x




















