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Rissige Fingerkuppen im Winter: Ursachen und Pflege

Kurz gesagt

Fingerkuppen reißen im Winter so leicht ein, weil dort eine besonders dicke Hornschicht ohne Talgdrüsen auf Kälte, trockene Heizungsluft, häufiges Waschen und ständigen Druck beim Greifen trifft. Trocknet diese dicke Schicht aus, verliert sie ihre Geschmeidigkeit und reißt bei Belastung, oft seitlich am Nagel oder quer über die Kuppe. Vorbeugen kannst du, indem du die Kuppen gezielt mit einer fett- oder wachshaltigen Pflege versorgst, vor allem nach dem Waschen und abends, und sie draußen vor Kälte schützt. Blutende, stark schmerzende oder gerötete Risse gehören ärztlich angeschaut.

Warum gerade die Fingerkuppen?

Die Haut an Handfläche und Fingerkuppen ist anders gebaut als am Handrücken. Ihre Hornschicht ist um ein Vielfaches dicker: In einer Messung mit Raman-Spektroskopie lag die Hornschicht der Handfläche im Mittel bei 173 Mikrometern, am Handrücken bei 29,3 und an der Wange bei 16,8 Mikrometern (Egawa et al. 2007). Diese dicke Schicht schützt beim Greifen. Sie ist aber nur dann elastisch, wenn sie genug Wasser und Fette enthält.

Genau daran fehlt es an den Kuppen. Talgdrüsen gibt es fast überall am Körper, nicht aber an Handflächen und Fußsohlen (Smith & Thiboutot 2008). Die Innenseite der Finger bekommt also keinen hauteigenen Fettfilm von innen nach. Was Wasser, Seife und Kälte an Fetten abtragen, muss von außen ersetzt werden. Warum das die ganze Hand betrifft, erklärt Warum Hände schneller austrocknen. Auf dieser Seite geht es um die Kuppen selbst.

Dazu kommt die Mechanik. Die Kuppen drücken, ziehen, tippen und greifen den ganzen Tag. Wo sich die Haut über dem Nagelrand biegt oder an der Seite des Nagels spannt, entsteht bei jeder Bewegung Zug. Eine geschmeidige Hornschicht gibt nach. Eine trockene, harte reißt ein.

Was der Winter dazu beiträgt

Kalte Außenluft enthält wenig Wasser, und wenn sie drinnen aufgeheizt wird, sinkt die relative Luftfeuchte weiter. Eine Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass niedrige Luftfeuchte und niedrige Temperaturen die Barrierefunktion der Haut insgesamt verringern und sie anfälliger für mechanische Belastung machen (Engebretsen et al. 2016). Mechanische Belastung ist an den Fingerkuppen der Normalfall.

Wie aus Trockenheit ein Riss wird, haben Materialforscher an isolierter Hornschicht gemessen. Beim Austrocknen zieht sich die Hornschicht zusammen, und es bauen sich Zugspannungen auf, in den Versuchen bis zu etwa 3 Megapascal über acht Stunden, abhängig von Vorbehandlung und Umgebungsfeuchte. Tenside erhöhten diese Spannungen, Glycerin senkte sie. Die Autoren beschreiben diese Trocknungsspannung als mechanische Triebkraft für Schäden an trockener Haut (Levi et al. 2010). Übertragen auf den Alltag: Waschen und trockene Luft erhöhen die Spannung in der Haut, Pflege senkt sie.

Was im Winter allgemein hilft, steht in Trockene Haut im Winter. Warum auch eine wasserfreie Creme nicht vor Erfrierungen schützt, erklärt Kälteschutzcreme: wasserfrei, aber kein Frostschutz.

Typische Stellen und Auslöser

Wo es reißt Häufiger Auslöser Was du konkret tun kannst
Seitlich am Nagel (Nagelwall) Waschen, Nagelhaut zupfen, Zug beim Greifen Nagelhaut und Nagelrand nach dem Waschen mit eincremen; nicht abreißen
Quer über die Daumen- und Zeigefingerkuppe Kälte, Papier, Karton, Werkzeug Handschuhe draußen und bei Arbeiten mit Karton oder Holz; abends Salbe
Kuppe mit dicker Hornhaut Gitarre, Klettern, Handarbeit Hornhaut glatt halten statt abschneiden, Kanten vorsichtig feilen
Alle Kuppen gleichzeitig Viel Wasser und Seife, Desinfektionsmittel Nach jedem Waschen eine kleine Menge Pflege; bei Nassarbeit Handschuhe

Für Instrumente und Sport gibt es eigene Seiten: Fingerkuppen beim Gitarrespielen pflegen und Hornhaut an den Fingerkuppen beim Klettern. Für Werkstatt und Garten: Handpflege bei Handwerk und Gartenarbeit.

Eine Routine für die Fingerkuppen

Die Hornschicht braucht Wasser, damit ihre Reifung und das Abschilfern der obersten Zellen normal ablaufen. Werden diese Abläufe durch Umwelteinflüsse gestört, wird die Haut trocken und schuppig (Rawlings & Harding 2004). Fettige Pflege auf leicht feuchter Haut hält dieses Wasser besser fest als auf völlig trockener (Sethi et al. 2016). Daraus ergibt sich eine einfache Routine:

  1. Nach dem Waschen: Hände lauwarm waschen, abtupfen und eine kleine Menge Pflege gezielt auf Kuppen und Nagelränder geben. Mit dem Daumen der anderen Hand einmassieren.
  2. Tagsüber: Eine kleine Dose in der Jacken- oder Hosentasche. Eine feste Creme lässt sich mit der Kuppe direkt aus der Dose aufnehmen, ohne dass etwas ausläuft. Praktisch ist auch ein Lippenpflegestift: Mit ihm lässt sich Pflege punktgenau auf eine einzelne Kuppe streichen.
  3. Abends: Eine reichhaltigere Salbe etwas dicker auf die Kuppen geben. Wer mag, zieht dünne Baumwollhandschuhe darüber, damit der Film über Nacht liegen bleibt. Mehr dazu unter Handmaske über Nacht.
  4. Draußen: Handschuhe bei Kälte und Wind, auch für kurze Wege.
  5. Hornhaut: Nicht mit Schere oder Klinge abschneiden. Harte Kanten nach dem Duschen, wenn die Haut weich ist, vorsichtig mit einer feinen Feile glätten.

Wenn deine Hände insgesamt trotz Pflege trocken bleiben, lohnt ein Blick auf Trockene Hände trotz Eincremen. Die Nagelhaut hat eine eigene Seite: Trockene, eingerissene Nagelhaut.

Was du besser lässt

  • Heißes Wasser zum „Aufwärmen“ der Hände nach dem Draußensein. Lauwarm reicht.
  • Einrisse aufziehen, Hautfetzen abreißen oder mit den Zähnen bearbeiten.
  • Offene oder blutende Stellen eincremen. Sie gehören sauber gehalten; siehe den Abschnitt zu ärztlichem Rat.
  • Häufiges Desinfizieren ohne Anlass. Wo es nötig ist, danach eincremen, sobald die Hände trocken sind.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

Trockene, raue Kuppen sind im Winter häufig und meist mit Pflege gut in den Griff zu bekommen. Lass dich ärztlich beraten, wenn:

  • Risse über Wochen immer wieder aufgehen oder trotz konsequenter Pflege nach zwei bis drei Wochen nicht zugehen,
  • Risse bluten oder stark schmerzen, sodass du im Alltag eingeschränkt bist,
  • die Haut um einen Riss gerötet, geschwollen oder warm ist oder sich Eiter zeigt,
  • sich zusätzlich Bläschen, nässende Stellen oder Veränderungen an den Nägeln zeigen,
  • die Beschwerden mit deiner Arbeit zusammenhängen; dann auch den Betriebsarzt oder die Betriebsärztin fragen.

Hinter solchen Veränderungen kann eine Hauterkrankung stecken. Die Einordnung gehört in ärztliche Hände, eine Pflegecreme ersetzt sie nicht.

Häufige Fragen

Warum reißen meine Fingerkuppen jeden Winter ein?
An den Kuppen ist die Hornschicht besonders dick und es gibt keine Talgdrüsen. Kälte, trockene Heizungsluft und Waschen trocknen diese Schicht aus, und beim Greifen reißt sie dann ein. Regelmäßige Pflege nach dem Waschen und abends beugt vor.

Was hilft schnell bei rissigen Fingerkuppen?
Abends eine fett- oder wachshaltige Salbe auftragen und über Nacht wirken lassen, eventuell mit Baumwollhandschuhen. Tagsüber nach jedem Waschen eine kleine Menge nachcremen.

Soll ich die harte Haut an der Kuppe abschneiden?
Nein. Schneiden hinterlässt Kanten, die leichter einreißen. Glätte harte Stellen nach dem Duschen vorsichtig mit einer feinen Feile und pflege sie danach.

Hilft Handcreme, wenn der Riss schon da ist?
Auf geschlossene, trockene und raue Stellen ja; sie hält die Haut drumherum geschmeidig. Offene, blutende Risse gehören nicht eingecremt. Wenn sie nicht zugehen, frag ärztlich nach.

Warum reißt die Haut ausgerechnet seitlich am Nagel?
Dort biegt und spannt sich die Haut bei jeder Greifbewegung, und die dünne Nagelhaut trocknet schnell aus. Creme Nagelränder deshalb gezielt mit ein.

Bei forpeople

Für die Kuppen eignen sich Pflegeprodukte ohne Wasser, die einen Film bilden. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht laut INCI aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt und enthält keinen zugesetzten Duft. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) basiert auf Candelillawachs und duftet nach Zitrone und Bergamotte. Für die Nacht gibt es die weichere Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €); sie enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle, deshalb vorher die Allergie-Hinweise lesen. Als Stift für einzelne Kuppen passt die Lippenpflege - Zitronengras (5 g, 4,90 €). Wer eine Dose zu Hause und eine unterwegs haben möchte, nimmt das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) (16,90 €). Mehr dazu: Trockene Fingerknöchel · Haut an den Fingern pellt sich · Rissige Hände vom Waschen · Feste Creme richtig auftragen

Quellen

  1. Egawa M, Hirao T, Takahashi M (2007): In vivo estimation of stratum corneum thickness from water concentration profiles obtained with Raman spectroscopy. Acta Derm Venereol 87(1): 4–8. https://doi.org/10.2340/00015555-0183
  2. Smith KR, Thiboutot DM (2008): Thematic review series: skin lipids. Sebaceous gland lipids: friend or foe? J Lipid Res 49(2): 271–281. https://doi.org/10.1194/jlr.R700015-JLR200
  3. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. J Eur Acad Dermatol Venereol 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
  4. Levi K, Weber RJ, Do JQ, Dauskardt RH (2010): Drying stress and damage processes in human stratum corneum. Int J Cosmet Sci 32(4): 276–293. https://doi.org/10.1111/j.1468-2494.2009.00557.x
  5. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  6. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427