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Trockene, eingerissene Nagelhaut: richtig pflegen

Kurz gesagt

Trockene, eingerissene Nagelhaut pflegst du am besten, indem du sie nach jedem Händewaschen und abends gezielt mit einem Öl oder einer wachshaltigen Salbe einmassierst, statt sie zu schneiden oder zurückzuschieben. Die Nagelhaut ist ein dünner Hornsaum, der den Spalt zwischen Nagel und Haut abdichtet; wird sie trocken, reißt sie ein und es entstehen Niednägel. Einen Niednagel solltest du nicht abreißen, sondern mit einer sauberen, kleinen Schere oder Hautzange knapp am Ansatz abschneiden, ohne in die lebende Haut zu schneiden. Wird die Haut am Nagelrand rot, warm, geschwollen oder eitrig, gehört sie ärztlich angeschaut.

Was die Nagelhaut ist und wozu sie da ist

Der Nagel sitzt in einem Rahmen aus Hautfalten. Die hintere Falte, der Nagelwall, liegt über der Nagelwurzel. Ihre Unterseite heißt Eponychium und bildet die Kutikula, also die eigentliche Nagelhaut (Haneke 2015). Diese Kutikula wächst als dünner, verhornter Saum auf die Nagelplatte hinaus und dichtet den Übergang zwischen Haut und Nagel ab.

Weil die Nagelhaut aus Hornsubstanz besteht, verhält sie sich wie die oberste Hautschicht: Mit genug Wasser und Fett ist sie weich und elastisch, ausgetrocknet wird sie spröde, steht ab und reißt. Umgangssprachlich wird alles, was am Nagelrand absteht, Nagelhaut genannt. Gemeint sind drei verschiedene Dinge:

Begriff Was es ist Wie du damit umgehst
Nagelhaut (Kutikula) Dünner Hornsaum, der vom Nagelwall auf den Nagel wächst Pflegen, nicht wegschneiden; höchstens nach dem Duschen vorsichtig mit einem Tuch zurückschieben
Nagelwall Lebende Hautfalte um den Nagel Mit eincremen; nie schneiden oder zupfen
Niednagel (auch Nietnagel) Abstehender Hautstreifen seitlich oder hinten am Nagelwall, kein Stück Nagel Nicht abreißen; knapp am Ansatz abschneiden, danach pflegen

Warum die Nagelhaut so schnell austrocknet

Die Nagelhaut ist dünn und liegt genau dort, wo Wasser und Seife bei jedem Händewaschen hinkommen, aber beim Eincremen oft nicht. Tenside lösen beim Waschen Fette aus der Hornschicht und reagieren mit ihren Eiweißen; alkalische Lösungen lassen die Hornschicht zusätzlich quellen (Ananthapadmanabhan et al. 2004). Hornschicht nimmt im Wasser stark Wasser auf: In einer Messung war sie nach 90 Minuten Befeuchtung bis zu doppelt so dick wie vorher (Egawa et al. 2007). Beim anschließenden Trocknen verliert sie dieses Wasser wieder, und genau dieser Wechsel aus Aufquellen und Austrocknen macht die dünne Nagelhaut rissig.

Weitere Auslöser sind Kälte und Heizungsluft, Spülen und Putzen ohne Handschuhe, Nagellackentferner, Papier und Karton sowie das Zupfen und Knibbeln an abstehender Haut. Wer viel mit Wasser arbeitet, findet mehr in Rissige Hände vom Waschen und Raue Hände vom Spülen.

So pflegst du trockene Nagelhaut

Die Hornschicht braucht Wasser, damit sie geschmeidig bleibt und die obersten Zellen normal abschilfern; ist sie zu trocken, wird sie rau und schuppig (Rawlings & Harding 2004). Fette und Öle halten dieses Wasser am besten fest, wenn sie auf leicht feuchte Haut kommen (Sethi et al. 2016). Daraus ergibt sich eine einfache Routine:

  1. Nach dem Händewaschen: Hände abtupfen, dann eine kleine Menge Handcreme oder Salbe mit dem Daumen gezielt in Nagelhaut und Nagelwall einmassieren. Kreisende Bewegungen, jeder Finger ein paar Sekunden.
  2. Abends: Einen Tropfen Öl auf jede Nagelhaut geben und einmassieren. Danach eine dünne Schicht Salbe darüber, damit das Öl nicht sofort verdunstet oder abgerieben wird.
  3. Einmal pro Woche: Nach dem Duschen, wenn die Nagelhaut weich ist, sie mit einem weichen Tuch vorsichtig zurückschieben. Nicht mit Metallstäbchen kratzen.
  4. Im Alltag: Beim Spülen und Putzen Handschuhe tragen. Nicht an der Nagelhaut zupfen oder beißen.

Wie viel Creme du nimmst und wie du eine feste Creme verteilst, steht in Feste Creme richtig auftragen. Für eine intensivere Pflege über Nacht: Handmaske über Nacht.

Öl, Salbe oder Handcreme?

Pflege Stärke Wann sinnvoll
Reines Öl (z. B. Jojoba-, Mandel-, Arganöl) Verteilt sich gut in kleinen Rillen, macht die Hornschicht geschmeidig Abends, als erste Schicht
Wachshaltige Salbe Bildet einen Film, der länger liegen bleibt Abends über dem Öl oder allein auf sehr trockenen Stellen
Feste Handcreme Praktisch unterwegs, gezielt mit der Fingerkuppe aufzutragen Tagsüber nach jedem Händewaschen

Jojobaöl ist chemisch ein flüssiges Wachs und wird nur langsam ranzig; mehr dazu unter Jojobaöl: warum es ein flüssiges Wachs ist. Wie du erkennst, ob ein Öl noch frisch ist, zeigt Ranziges Hautöl erkennen.

Niednägel: abschneiden, nicht abreißen

Ein Niednagel ist ein schmaler Hautstreifen, der sich vom Nagelwall löst und absteht. Reißt du daran, reißt der Streifen oft bis in die lebende Haut weiter ein. Besser:

  1. Hände waschen, die Stelle kurz weich werden lassen.
  2. Mit einer sauberen, kleinen Nagelschere oder Hautzange den abstehenden Teil knapp am Ansatz abschneiden. Nur das tote, abstehende Stück, nicht in die rosige Haut.
  3. Danach die Stelle mit einer Salbe oder Handcreme einmassieren, damit die Ränder nicht erneut austrocknen und abstehen.

Ist die Stelle schon offen oder blutet sie, creme sie nicht ein, sondern halte sie sauber und lass sie in Ruhe. Wiederkehrende Niednägel sind fast immer ein Zeichen, dass die Nagelhaut zu trocken ist. Dann hilft die Pflegeroutine oben mehr als jedes Schneiden.

Wann ärztlicher Rat sinnvoll ist

  • Der Nagelwall ist gerötet, geschwollen, warm, pocht oder schmerzt deutlich.
  • Es zeigt sich Eiter oder die Rötung breitet sich aus.
  • Die Stelle wird nach einigen Tagen nicht besser.
  • Die Nagelhaut fehlt ganz, der Nagel verändert Farbe, Form oder Oberfläche.
  • Die Beschwerden kommen immer wieder, obwohl du konsequent pflegst.

Das sind keine Fälle für eine Pflegecreme, sondern für eine ärztliche Untersuchung.

Häufige Fragen

Darf ich die Nagelhaut abschneiden?
Besser nicht. Die Nagelhaut dichtet den Übergang zwischen Nagel und Haut ab. Schneiden hinterlässt raue Kanten, die schneller wieder einreißen. Pflege sie stattdessen und schiebe sie nach dem Duschen höchstens vorsichtig zurück.

Darf ich einen Niednagel abschneiden?
Ja, das ist besser als Abreißen. Schneide nur den abstehenden, toten Teil mit einer sauberen Schere knapp am Ansatz ab und creme die Stelle danach ein.

Was hilft gegen trockene Nagelhaut über Nacht?
Ein Tropfen Öl auf jede Nagelhaut, darüber eine dünne Schicht wachshaltige Salbe. Wer mag, trägt Baumwollhandschuhe darüber.

Ist Nagelöl besser als Handcreme?
Nicht besser, sondern anders. Öl verteilt sich gut in den feinen Rillen, eine Salbe oder feste Creme hält länger. Kombiniert wirken beide am besten.

Kann ich einen Lippenpflegestift für die Nagelhaut nehmen?
Ja. Ein Stift auf Wachsbasis lässt sich punktgenau auftragen und passt in jede Tasche.

Bei forpeople

Für die Abendpflege eignet sich die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) mit Oliven-, Mandel- und Rizinusöl, Bienenwachs, Lärchenharz und Propolis; bei Empfindlichkeit gegenüber Harz oder Propolis vorher die Allergie-Hinweise lesen. Tagsüber passt die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €), laut INCI ohne zugesetzten Duft. Als Öl für die Nagelhaut bieten wir kaltgepresste Einzelöle ohne Zusätze an: Jojobaöl – kaltgepresst (100 ml, 16,90 €), Mandelöl – kaltgepresst (100 ml, 14,90 €) und Arganöl – kaltgepresst (50 ml, 19,90 €). Mehr dazu: Rissige Fingerkuppen im Winter · Haut an den Fingern pellt sich · Trockene Hände trotz Eincremen · Hygiene bei wasserfreier Kosmetik

Quellen

  1. Haneke E (2015): Anatomy of the nail unit and the nail biopsy. Semin Cutan Med Surg 34(2): 95–100. https://doi.org/10.12788/j.sder.2015.0143
  2. Ananthapadmanabhan KP, Moore DJ, Subramanyan K, Misra M, Meyer F (2004): Cleansing without compromise: the impact of cleansers on the skin barrier and the technology of mild cleansing. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 16–25. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1002.x
  3. Egawa M, Hirao T, Takahashi M (2007): In vivo estimation of stratum corneum thickness from water concentration profiles obtained with Raman spectroscopy. Acta Derm Venereol 87(1): 4–8. https://doi.org/10.2340/00015555-0183
  4. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  5. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427