Um welche Stoffe es geht
Salben mit Harz können mehrere Bestandteile enthalten, die für Menschen mit Kontaktallergie wichtig sind:
- Kolophonium ist der feste Anteil des Kiefernharzes. Es steckt in vielen Alltagsprodukten, von Pflastern und Medizinprodukten bis zu Kosmetik (Karimian et al. 2026).
- Terpentin ist der flüchtige Anteil des Kiefernharzes und wird in der EU seit 2023 als allergieauslösender Duftstoff eingestuft, der auf der Inhaltsstoffliste genannt werden muss (Verordnung (EU) 2023/1545).
- Lärchenharz („Venezianer Terpentin“) ist ein eigenes Harz. In einer älteren Studie zur Kolophonium-Allergie erwies es sich als nützliche zusätzliche Testsubstanz (Karlberg & Lidén 1985). Das spricht dafür, dass Menschen mit Kolophonium-Allergie auch bei Lärchenharz vorsichtig sein sollten.
- Propolis ist das Kittharz, das Bienen von Pflanzen sammeln und im Stock verbauen (de Groot 2013).
- Bienenwachs kann Spuren von Propolis enthalten. Ob das bei Menschen mit Propolis-Allergie eine Rolle spielt, ist nicht eindeutig geklärt; Reaktionen scheinen selten zu sein (de Groot et al. 2026).
- Terpene und ätherische Öle wie Pinene, Limonene oder Linalool kommen in Harzen und Pflanzenölen natürlich vor. Viele davon müssen ab bestimmten Mengen einzeln deklariert werden.
Wie Harz, Kolophonium, Terpentin und Holzteer zusammenhängen, erklärt Lärchenharz, Kiefernpech, Holzteer: der Unterschied.
Wie häufig sind Reaktionen?
Die Zahlen stammen aus Epikutantests, also Allergietests auf dem Rücken, bei Menschen, die wegen Hautbeschwerden getestet wurden. Sie sagen nichts darüber, wie oft die Allgemeinbevölkerung reagiert.
Kolophonium: Eine Metaanalyse von 73 Studien mit 459.757 Getesteten kommt auf eine gemittelte Häufigkeit von 3,54 Prozent. Bei etwa 39 Prozent dieser positiven Tests wurde ein Bezug zu den Beschwerden der Getesteten gesehen. Die Rate ist über Jahrzehnte stabil geblieben (Karimian et al. 2026).
Propolis: Propolis gehört seit 2019 zur europäischen Standardreihe für Epikutantests. In einer Amsterdamer Auswertung reagierten 9,5 Prozent von 3.134 Getesteten positiv, aber nur 3 Prozent dieser Reaktionen wurden als klinisch relevant eingestuft. Viele positive Tests traten gemeinsam mit Reaktionen auf Perubalsam, Kolophonium, Duftstoff-Mischungen sowie auf oxidiertes Limonen und Linalool auf (Kocabas et al. 2024). Wie oft Propolis reagiert, hängt auch von seiner Herkunft ab.
Bienenwachs: Eine aktuelle Übersicht kommt zu dem Schluss, dass Menschen mit positivem Propolis-Test nicht alle Kosmetika mit Bienenwachs meiden müssen. Reaktionen auf Rückstände von Propolis im Wachs sind nicht ausgeschlossen, aber selten und betreffen vor allem Lippenpflege (de Groot et al. 2026).
Was auf dem Etikett steht
Die Inhaltsstoffliste ist dein wichtigstes Werkzeug. Bestandteile stehen dort in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts, mit ihren INCI-Namen. Wie du die Liste liest, erklärt INCI-Liste lesen.
| Stoff | So steht er in der INCI-Liste | Hinweis |
|---|---|---|
| Kolophonium | Colophonium | eines der häufigeren Kontaktallergene |
| Terpentin aus Kiefern | Turpentine | ab 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, deklarationspflichtig |
| Lärchenharz | Larix Decidua Resin | bei Kolophonium-Allergie vorsichtig sein |
| Propolis | Propolis Extract, Propolis Wax | häufig gemeinsame Reaktionen mit Perubalsam, Kolophonium, Duftstoffen |
| Bienenwachs | Cera Alba, Beeswax | selten Auslöser; Propolisreste möglich |
| Terpene aus Harz und ätherischen Ölen | z. B. Pinene, Terpinolene, Alpha-Terpinene, Terpineol, Limonene, Linalool | ab 0,001 % in Produkten, die auf der Haut bleiben, einzeln deklariert |
Die Pflicht zur Einzelangabe von Terpentin, Pinenen, Terpinolen, Alpha-Terpinen und Terpineol kam mit der Verordnung (EU) 2023/1545. Limonen und Linalool mussten schon vorher angegeben werden. Produkte, die die neuen Regeln noch nicht erfüllen, durften bis zum 31. Juli 2026 in Verkehr gebracht werden (Verordnung (EU) 2023/1545). Mehr zu Duftstoffen unter Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.
Was du bei bekannter oder vermuteter Allergie tun kannst
- Bekannte Allergie: Wenn du weißt, dass du auf Kolophonium, Perubalsam, Propolis oder Duftstoffe reagierst, sprich vor der Anwendung einer Harz- oder Propolissalbe mit deiner Hautärztin oder deinem Allergologen. Nimm am besten die Inhaltsstoffliste mit.
- Vermutete Allergie: Ob eine Kontaktallergie vorliegt, klärt ein Epikutantest in der hautärztlichen Praxis. Selbstdiagnosen sind unzuverlässig.
- Neues Produkt testen: In der Dermatologie gibt es dafür den wiederholten offenen Anwendungstest. Dabei wird ein Produkt zweimal täglich über sieben Tage auf die Innenseite des Unterarms nahe der Ellenbeuge aufgetragen (Hannuksela & Salo 1986). Das ersetzt keinen Allergietest, zeigt dir aber, ob deine Haut ein Produkt im Alltag verträgt.
- Bei einer Reaktion: Anwendung sofort beenden. Wenn Rötung, Brennen oder Bläschen auftreten oder nicht zurückgehen, lass dich ärztlich beraten.
„Natürlich“ heißt nicht automatisch „gut verträglich“: Harze und Propolis sind Naturstoffe und trotzdem bekannte Allergene.
Häufige Fragen
Kann ich Pechsalbe verwenden, wenn ich auf Kolophonium allergisch bin?
Besser nicht ohne ärztliche Rücksprache. Lärchenharz ist zwar kein Kolophonium, wurde aber in Studien zur Kolophonium-Allergie als zusätzliche Testsubstanz genutzt.
Bin ich bei einer Propolis-Allergie auch auf Bienenwachs allergisch?
Nicht zwingend. Eine aktuelle Übersicht sieht keinen Grund, alle Kosmetika mit Bienenwachs zu meiden. Reaktionen durch Propolisreste im Wachs sind aber möglich, vor allem bei Lippenpflege.
Warum stehen Pinene und Terpineol auf meiner Salbe?
Diese Terpene kommen natürlich in Harzen und ätherischen Ölen vor. Seit der Verordnung (EU) 2023/1545 müssen sie ab bestimmten Mengen einzeln genannt werden, damit Menschen mit Duftstoffallergie sie erkennen.
Heißt ein positiver Allergietest, dass ich jede Harzsalbe meiden muss?
Nicht jeder positive Test ist für den Alltag relevant. Was du meiden solltest, besprichst du am besten mit der Praxis, die den Test gemacht hat.
Gibt es Salben ohne Harz und ohne Bienenprodukte?
Ja. Pflanzliche Wachse wie Candelillawachs ersetzen Bienenwachs. Auf Harz und Propolis verzichten viele feste Cremes ganz. Ein Blick in die INCI-Liste zeigt es.
Bei forpeople
Damit du schnell vergleichen kannst, hier unsere Salben und festen Cremes nach ihrer Inhaltsstoffliste. Eine Aussage zur Verträglichkeit bei Allergien machen wir für keines davon; entscheidend ist, wie deine Haut reagiert.
- SOS Pechsalbe – Lärchenharz im Glastiegel (50 g, 16,90 €): Lärchenharz, Bienenwachs, Olivenöl; Pinene, Terpinolene, Alpha-Terpinene, Terpineol. Kein Propolis, keine zusätzlichen ätherischen Öle.
- Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €): Lärchenharz, Propolis, Bienenwachs, Oliven-, Mandel- und Rizinusöl, Alkohol, ätherische Öle aus Mandarine, Rosmarin und Tanne; Limonene, Linalool und die Terpene des Harzes.
- Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €): Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt. Kein Harz, kein Propolis, keine ätherischen Öle.
- Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €): Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter, Aloe-Extrakt. Kein Harz, kein Propolis, keine ätherischen Öle.
- Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €): vegan mit Candelillawachs, ohne Bienenwachs, Harz und Propolis; enthält aber Zitronen- und Bergamotteöl mit Limonene, Geraniol, Citral und Linalool.
Mehr dazu: Ohne Duft und ätherische Öle · Candelillawachs oder Bienenwachs · Pechsalbe oder Zugsalbe · Natron im Deo: wenn die Haut reagiert
Quellen
- Karimian K, Isufi D, Jensen MB, Johansen JD, Schwensen JFB (2026): Prevalence of Contact Allergy to Colophonium in Dermatitis Patients: A Systematic Review and Meta-Analysis. Contact Dermatitis 95(1): 1–16. https://doi.org/10.1111/cod.70153
- de Groot AC (2013): Propolis: a review of properties, applications, chemical composition, contact allergy, and other adverse effects. Dermatitis 24(6): 263–282. https://doi.org/10.1097/DER.0000000000000011
- de Groot AC, Ipenburg NA, Rustemeyer T (2026): Propolis and Beeswax in Cosmetics: A Market Survey and Literature Review on Their Relationship and Role in Allergic Contact Dermatitis. Contact Dermatitis 94(5): 494–503. https://doi.org/10.1111/cod.70108
- Kocabas G, Ipenburg NA, de Groot A, Rustemeyer T (2024): Results of patch testing propolis in the European baseline series: A 4-year retrospective study. Contact Dermatitis 91(5): 375–378. https://doi.org/10.1111/cod.14678
- Karlberg AT, Lidén C (1985): Clinical experience and patch testing using colophony (rosin) from different sources. Br J Dermatol 113(4): 475–481. https://doi.org/10.1111/j.1365-2133.1985.tb02363.x
- Hannuksela M, Salo H (1986): The repeated open application test (ROAT). Contact Dermatitis 14(4): 221–227. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1986.tb01229.x
- Europäische Kommission (2023): Verordnung (EU) 2023/1545 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. ABl. L 188: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1545/oj



















