Die Begriffe: Harz, Balsam, Pech
Harz ist ein Sammelbegriff für pflanzliche Ausscheidungen. In Mitteleuropa werden sie von Schwarzkiefer, Lärche, Fichte und Tanne gewonnen. Als Balsam bezeichnet man zähflüssige Ausscheidungen, die sowohl feste als auch flüchtige Bestandteile haben (BOKU). Frisches Lärchenharz ist ein solcher Balsam.
Pech ist im Pecherhandwerk Niederösterreichs schlicht das Rohharz der Schwarzföhre. Das Wort kommt vom lateinischen „pix“ (ARGE NÖ Pecherstraße 2010). Die Geschichte dieses Handwerks steht unter Pechsalbe: Herkunft, Name und Herstellung. In der Technik heißen aber auch die festen, dunklen Rückstände aus der Destillation von Teer „Pech“. Deshalb ist der Begriff allein nicht eindeutig.
Kolophonium ist der feste Rückstand, der bleibt, wenn aus Kiefernharz die flüchtigen Anteile abdestilliert werden. Die EU-Inhaltsstoffdatenbank CosIng beschreibt es genau so: als Rückstand nach dem Abdestillieren des flüchtigen Öls aus dem Harz von Kiefern und anderen Kieferngewächsen (CosIng). Das abdestillierte, flüchtige Öl ist Terpentinöl.
Holzteer ist etwas ganz anderes. Er entsteht durch trockene Destillation: Holz oder Rinde werden ohne Luftzufuhr so stark erhitzt, dass sich ihre Bestandteile zersetzen. CosIng beschreibt Kiefernholzteer als Produkt der zerstörenden Destillation von Kiefernholz (CosIng). Birkenteer aus Birkenrinde ist einer der ältesten Werkstoffe überhaupt: Neandertaler nutzten ihn als Klebstoff, und Versuche zeigen, dass er sich schon mit einfachsten Mitteln herstellen lässt (Kozowyk et al. 2017).
Die Stoffe im Vergleich
| Stoff | Herkunft | Gewinnung | Aussehen und Geruch | Beispiel für den INCI-Namen |
|---|---|---|---|---|
| Lärchenharz („Venezianer Terpentin“) | Europäische Lärche (Larix decidua) | Bohrloch am Stammfuß, Harz mit dem Harzlöffel geschöpft, gefiltert | klar, gelblich bis grünlich, zähflüssig, aromatisch | Larix Decidua Resin (so auf unseren Salben deklariert) |
| Kiefernharz („Pech“) | vor allem Schwarzkiefer (Pinus nigra) | Rinde streifenweise abgetragen, Harz im Topf aufgefangen | frisch zähflüssig, kristallisiert an der Luft, würzig | je nach Kiefernart, z. B. „Pinus … Resin“ |
| Fichten- und Tannenharz | Fichte, Tanne | heute kaum gewerblich; festes, ausgetretenes Harz wird mit dem Schaber gesammelt („Scharrharz“) | fest, würzig | kein eigener Eintrag in CosIng gefunden |
| Kolophonium | Kiefernharz | Destillation: fester Rückstand | goldgelb, fest | Colophonium |
| Terpentinöl | Kiefernharz | Destillation: flüchtiger Anteil | farblos, flüchtig, aromatisch | Turpentine |
| Holzteer | Holz oder Rinde, z. B. Kiefer, Birke | trockene Destillation unter Luftabschluss | dunkel, zäh, rauchig | z. B. Pinus Palustris Wood Tar |
Quellen der Tabelle: BOKU, Lagoni 2012, CosIng. Wie du Inhaltsstoffnamen allgemein liest, steht unter INCI-Liste lesen.
Lärchenharz: der flüssige Sonderfall
Lärchenharz unterscheidet sich deutlich vom Harz der Kiefer. Die Harzsäuren kristallisieren unter Sauerstoff viel weniger, deshalb bleibt es zähflüssig und verstopft auch den Bohrkanal nicht. Natives Lärchenterpentin enthält nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft etwa 15 bis 20 Prozent ätherische Öle und 50 bis 65 Prozent Harzsäuren, dazu Bitter- und Farbstoffe und Wasser (Lagoni 2012). Wegen seiner schwerflüchtigen Bestandteile lässt es sich nicht so einfach wie Kiefernharz in flüssiges Terpentinöl und festes Kolophonium auftrennen (BOKU).
Kiefernharz, Terpentinöl und Kolophonium
Kiefernharz war über Jahrhunderte ein Industrierohstoff. Aus den beiden Destillationsprodukten entstanden Papier, Lacke und Farben, Seifen, Siegellack, Kitte und vieles mehr (ARGE NÖ Pecherstraße 2010). Noch 1959 wurden in Niederösterreich 480 Waggons Rohharz gewonnen, aus denen rund 340 Waggons Kolophonium und 100 Waggons Terpentinöl entstanden (ARGE NÖ Pecherstraße 2010). Kolophonium kennst du vielleicht als Geigenharz für den Bogen.
In Kosmetik sind Terpentin und Kolophonium heute vor allem wegen ihres Allergiepotenzials ein Thema. Terpentin aus Kiefern gehört seit der Verordnung (EU) 2023/1545 zu den Duftstoffen, die auf der Inhaltsstoffliste genannt werden müssen, sobald sie in Produkten, die auf der Haut bleiben, mehr als 0,001 Prozent ausmachen (Verordnung (EU) 2023/1545). Mehr dazu unter Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis? und Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene.
Holzteer: kein Harz, sondern ein Schwelprodukt
Im Englischen führt der Ausdruck „pine tar“ oft zur Verwechslung, denn er wird für echten Kiefernholzteer benutzt, in Rezepten aber manchmal auch für Kiefernharz. Der Unterschied ist grundlegend:
- Harz tritt aus dem lebenden Baum aus. Es wird gereinigt, Kiefernharz auch destilliert, aber nicht verkohlt.
- Teer entsteht aus totem Holz oder Rinde bei hoher Hitze ohne Luft. Dabei bilden sich neue Stoffe, die im Baum nicht vorkommen.
- Harz riecht würzig nach Wald, Teer rauchig.
- In der EU-Datenbank CosIng ist Kiefernholzteer mit der Funktion „Vergällungsmittel“ geführt (CosIng).
In Pflegesalben aus dem Alpenraum, die „Pech“ im Namen tragen, ist in der Regel Harz gemeint. Sicher sagt es dir nur der INCI-Name: „Resin“ steht für Harz, „Tar“ für Teer.
Welche Harze in Kosmetik stecken können
Neben Baumharzen findest du in Salben oft Propolis, das Kittharz der Bienen; auf der Inhaltsstoffliste steht es zum Beispiel als „Propolis Extract“. Für Propolis gelten ähnliche Allergiehinweise wie für Baumharze, siehe Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?. Harzsalben sind meist wasserfreie Zubereitungen aus Öl und Wachs; was das bedeutet, erklärt Wasserfreie Kosmetik.
Häufige Fragen
Ist Pine Tar dasselbe wie Kiefernharz?
Nein. Pine Tar ist Kiefernholzteer aus der trockenen Destillation von Holz. Kiefernharz tritt aus dem lebenden Baum aus. Beide riechen und verhalten sich anders.
Ist Kolophonium ein Harz?
Es ist der feste Anteil des Kiefernharzes, der nach der Destillation übrig bleibt. Man kann es als gereinigtes, festes Harz verstehen.
Warum ist Lärchenharz flüssiger als Fichtenharz?
Seine Harzsäuren kristallisieren an der Luft deutlich weniger als die anderer Nadelbäume. Deren Harz wird dadurch schneller fest.
Was bedeutet „Venezianer Terpentin“?
So heißt gereinigtes Lärchenharz, weil Venedig lange der wichtigste Handelsplatz dafür war. Es ist nicht dasselbe wie Terpentinöl aus Kiefern.
Enthält Pechsalbe Teer?
Eine Harzsalbe nicht. Ob Teer enthalten ist, erkennst du am INCI-Namen: Teer heißt dort „Tar“.
Bei forpeople
In unseren Salben steckt Lärchenharz, kein Teer und kein Kolophonium. Die SOS Pechsalbe – Lärchenharz im Glastiegel (50 g, 16,90 €) enthält Olivenöl, Lärchenharz und Bienenwachs, dazu werden die Terpene Pinene, Terpinolene, Alpha-Terpinene und Terpineol einzeln deklariert. Dieselbe Rezeptur gibt es als SOS Pechsalbe – Lärchenharz in Dose (150 g, 39,90 €). Die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) kombiniert Lärchenharz mit Propolis und ätherischen Ölen. Ohne Harz kommen die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) und die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) aus. Alle sind kosmetische Mittel zur Pflege trockener, beanspruchter Haut. Mehr dazu: Pechsalbe oder Zugsalbe · Salbe, Balsam, Butter, feste Creme · Candelillawachs oder Bienenwachs · Vaseline oder Bienenwachs-Salbe
Quellen
- Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) (o. J.): Steckbrief Harz, Pech, Balsam. https://boku.ac.at/fileadmin/data/H03000/H91000/H91300/Forschung/Steckbrief_Harz.pdf
- Lagoni N (2012): Vom Lärchenharz zum Terpentin bis Lärchenöl. LWF Wissen 69: 79–81. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/biodiversitaet/dateien/vom_laerchenharz_w69.pdf
- ARGE NÖ Pecherstraße (2010): Bewerbungsformular „Pecherei in Niederösterreich, Harzgewinnung und Verarbeitung“ für das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Österreichische UNESCO-Kommission. https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Kultur/IKE/IKE-DB/files/337.doc
- Europäische Kommission: CosIng – Datenbank kosmetischer Inhaltsstoffe, Einträge COLOPHONIUM (Nr. 33012), TURPENTINE (Nr. 41521), PINUS PALUSTRIS WOOD TAR (Nr. 59487), abgerufen 30.09.2026. https://ec.europa.eu/growth/tools-databases/cosing/
- Kozowyk PRB, Soressi M, Pomstra D, Langejans GHJ (2017): Experimental methods for the Palaeolithic dry distillation of birch bark: implications for the origin and development of Neandertal adhesive technology. Sci Rep 7(1): 8033. https://doi.org/10.1038/s41598-017-08106-7
- Europäische Kommission (2023): Verordnung (EU) 2023/1545 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 hinsichtlich der Kennzeichnung allergieauslösender Duftstoffe in kosmetischen Mitteln. ABl. L 188: 1. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1545/oj



















