Zwei Rechtskategorien: Kosmetik und Arzneimittel
In der EU gelten für kosmetische Mittel und für Arzneimittel getrennte Regeln. Die Kosmetikverordnung sagt ausdrücklich, dass sie nur für kosmetische Mittel gilt und nicht für Arzneimittel, Medizinprodukte oder Biozide. Die Abgrenzung ergibt sich aus dem Ort der Anwendung und aus dem Zweck (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Erwägungsgrund 6).
- Kosmetisches Mittel: Es kommt äußerlich mit Haut, Haaren, Nägeln oder Lippen in Berührung, und zwar ausschließlich oder überwiegend, um sie zu reinigen, zu parfümieren, ihr Aussehen zu verändern, sie zu schützen, sie in gutem Zustand zu halten oder den Körpergeruch zu beeinflussen (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 2).
- Arzneimittel: Nach dem deutschen Arzneimittelgesetz ist das unter anderem ein Stoff, der als Mittel gegen Krankheiten oder krankhafte Beschwerden bestimmt ist oder die Körperfunktionen pharmakologisch beeinflussen soll. Kosmetische Mittel sind davon ausdrücklich ausgenommen (§ 2 AMG, Absatz 1 und Absatz 3 Nummer 3). Die EU-Richtlinie für Humanarzneimittel definiert den Begriff ähnlich (Richtlinie 2001/83/EG, Artikel 1).
Ein Fertigarzneimittel darf in Deutschland nur verkauft werden, wenn es zugelassen ist (§ 21 AMG). Ein kosmetisches Mittel braucht keine Zulassung. Die verantwortliche Person muss aber vor dem Verkauf eine Sicherheitsbewertung erstellen lassen und das Produkt bei der EU-Kommission notifizieren (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 10 und 13).
Was in den beiden Salben steckt
Der Rohstoff einer Pechsalbe ist Baumharz, meist von Lärche oder Kiefer, das aus dem lebenden Baum gewonnen wird. Wie das früher ablief, steht unter Pechsalbe: Herkunft, Name und Herstellung. Die Salbengrundlage besteht aus Pflanzenöl und Wachs.
Ammoniumbituminosulfonat, auch Ichthammol genannt, stammt dagegen aus Schieferöl, also aus Gestein. Eine chemische Analyse zeigt, dass die Substanz nach dem Europäischen Arzneibuch vor allem aus sulfonierten schwefelhaltigen Ringverbindungen des Schieferöls besteht. Sie entsteht, indem das Öl mit Schwefelsäure behandelt und anschließend mit Ammoniak neutralisiert wird (Tiemann et al. 2026). Mit Baumharz hat das chemisch nichts zu tun.
| Merkmal | Kosmetische Pechsalbe | Zugsalbe (Arzneimittel) |
|---|---|---|
| Rechtskategorie | kosmetisches Mittel nach Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 | Arzneimittel nach Arzneimittelgesetz |
| Typischer Rohstoff | Baumharz (z. B. Lärchenharz), Pflanzenöl, Wachs | Ammoniumbituminosulfonat aus Schieferöl |
| Voraussetzung für den Verkauf | Sicherheitsbewertung, Notifizierung, verantwortliche Person | Zulassung durch die Behörde |
| Kennzeichnung | Inhaltsstoffliste (INCI), Name und Anschrift der verantwortlichen Person | Zulassungsnummer „Zul.-Nr.“, Wirkstoff und Stärke, Packungsbeilage „Gebrauchsinformation“ |
| Wofür bestimmt | Haut pflegen, schützen, in gutem Zustand halten | Anwendungsgebiete laut Zulassung und Packungsbeilage |
| Erlaubte Aussagen | nur Merkmale, die das Produkt tatsächlich hat; keine Krankheitsbezüge | nur die zugelassenen Anwendungsgebiete |
Quellen der Tabelle: Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 2, 10, 13, 19 und 20; AMG, §§ 2, 10, 11 und 21; Tiemann et al. 2026.
Warum die Namen verwechselt werden
Beide Namen klingen nach alter Hausapotheke. Auf manchen Webseiten wird Harzsalbe deshalb auch „Zugsalbe“ genannt. Rechtlich ist das nicht dasselbe, und für ein kosmetisches Produkt wäre der Begriff irreführend: Kosmetik darf keine Merkmale oder Funktionen vortäuschen, die sie nicht hat (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 20).
Hinzu kommt, dass das Wort „Pech“ mehrdeutig ist. Im Alpenraum meint es Rohharz, in der Technik auch dunkle Rückstände aus Teer. Den Unterschied erklärt Lärchenharz, Kiefernpech, Holzteer.
So erkennst du auf der Packung, was du kaufst
Die Kennzeichnung verrät die Kategorie auf einen Blick:
- Arzneimittel tragen auf Behältnis und Umverpackung die Bezeichnung mit Stärke und Darreichungsform, eine Zulassungsnummer mit der Abkürzung „Zul.-Nr.“ und eine Chargenbezeichnung „Ch.-B.“ (§ 10 AMG). Dazu gehört eine Packungsbeilage mit der Überschrift „Gebrauchsinformation“ (§ 11 AMG).
- Kosmetische Mittel tragen eine Liste der Bestandteile in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts, mit den international einheitlichen INCI-Namen, dazu Name und Anschrift der verantwortlichen Person (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 19). Wie du diese Liste liest, steht unter INCI-Liste lesen.
Steht auf einer Pechsalbe also „Larix Decidua Resin“ in der Inhaltsstoffliste und keine Zulassungsnummer auf der Dose, hast du ein kosmetisches Mittel vor dir.
Wann eine Pflegesalbe nicht das Richtige ist
Eine kosmetische Salbe ist für trockene, raue und beanspruchte Haut gedacht, die ansonsten intakt ist. Wenn eine Hautstelle schmerzt, anschwillt, sich stark rötet oder nach einigen Tagen nicht besser wird, lass sie ärztlich ansehen. Eine kosmetische Salbe ist dafür nicht gedacht. In den Sicherheitshinweisen unserer Salben steht deshalb: „Nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden“ und „Bei Hautreizungen oder allergischen Reaktionen die Anwendung sofort einstellen und ärztlichen Rat einholen“.
Wer auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis reagiert, sollte Harzsalben grundsätzlich meiden. Hinweise dazu stehen unter Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?.
Häufige Fragen
Ist Pechsalbe ein Arzneimittel?
Das hängt vom Produkt ab. Unsere Pechsalbe ist ein kosmetisches Mittel. Es gibt auch Arzneimittel mit Harzbestandteilen; sie erkennst du an der Zulassungsnummer und der Packungsbeilage.
Enthält Pechsalbe Ichthammol?
Eine Pechsalbe auf Harzbasis nicht. Ammoniumbituminosulfonat stammt aus Schieferöl und ist ein Arzneistoff. In der Inhaltsstoffliste einer Harzsalbe stehen stattdessen Harz, Öl und Wachs.
Kann ich eine Pechsalbe statt einer Zugsalbe verwenden?
Nein. Eine kosmetische Salbe ist kein Ersatz für ein Arzneimittel. Bei Hautproblemen, die über trockene Haut hinausgehen, frag in der Apotheke oder in der Arztpraxis.
Worauf achte ich bei einer kosmetischen Pechsalbe?
Nur auf intakte Haut auftragen, nicht auf verletzte oder gereizte Stellen. Wer auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis allergisch reagiert, verzichtet besser darauf.
Wofür ist eine kosmetische Pechsalbe gedacht?
Für trockene, raue und beanspruchte Haut, etwa an Händen, Ellenbogen oder Fersen. Sie legt einen Pflegefilm aus Öl, Wachs und Harz auf.
Bei forpeople
Die SOS Pechsalbe – Lärchenharz im Glastiegel (50 g, 16,90 €) und die SOS Pechsalbe – Lärchenharz in Dose (150 g, 39,90 €) sind kosmetische Mittel nach der EU-Kosmetikverordnung und im EU-Notifizierungsportal gemeldet. Ihre Inhaltsstoffliste nennt Olivenöl, Lärchenharz und Bienenwachs sowie die Terpene Pinene, Terpinolene, Alpha-Terpinene und Terpineol. Die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) enthält zusätzlich Propolis und ätherische Öle; es gibt sie auch als Bienensalbe – Lärche & Mandarine in Dose (34,90 €). Ohne Harz: die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €). Keines dieser Produkte ist ein Arzneimittel. Mehr dazu: Salbe, Balsam, Butter, feste Creme · Wasserfreie Kosmetik · Pechsalbe: Herkunft und Herstellung · Vaseline oder Bienenwachs-Salbe
Quellen
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Erwägungsgrund 6, Artikel 2, 10, 13, 19 und 20. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln (Arzneimittelgesetz – AMG), §§ 2, 10, 11 und 21, in der geltenden Fassung. https://www.gesetze-im-internet.de/amg_1976/
- Europäisches Parlament und Rat (2001): Richtlinie 2001/83/EG zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel, Artikel 1. ABl. L 311: 67. https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2001/83/oj
- Tiemann O, Schwalb L, Hansen HJ, Aguilera ML, Gröger T, Huy P et al. (2026): Regulatory Challenges for Look-Alike and Sound-Alike Non-Biological Complex Drugs: Molecular Fingerprint Discrimination of Ichthammol Formulations. Mol Pharm 23(1): 139–150. https://doi.org/10.1021/acs.molpharmaceut.5c00679



















