Woher der Name kommt
Das Wort Pech geht auf das lateinische „pix“ zurück, im Althochdeutschen „peh“, im Mittelhochdeutschen „bech“. So steht es im Antrag, mit dem die Pecherei in Niederösterreich in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde (ARGE NÖ Pecherstraße 2010). Gemeint ist dort das frische Harz der Schwarzföhre, also einer Kiefer. Wer es gewann, hieß Pecher oder Pecherin; die Region im Süden Niederösterreichs heißt bis heute Pecherland.
Im heutigen Sprachgebrauch ist „Pech“ mehrdeutig. Es kann das rohe Baumharz meinen, aber auch zähe, dunkle Rückstände aus der Verarbeitung von Holz oder Kohle. Die Unterschiede zwischen Harz, Kolophonium, Terpentin und Holzteer erklärt die Seite Lärchenharz, Kiefernpech, Holzteer: der Unterschied. Eine Pechsalbe im Sinne dieser Seite enthält Harz, keinen Teer.
Die Pecherei: ein Handwerk mit festem Jahresrhythmus
In den Bezirken Mödling, Baden, Wiener Neustadt und Neunkirchen ist die Harzgewinnung seit dem Mittelalter belegt, etwa über Flurnamen, und wurde ab dem 18. Jahrhundert gezielt gefördert (Österreichische UNESCO-Kommission; Bockhorn 2010). Genutzt wurde vor allem die Schwarzföhre (Pinus nigra). Der Antrag beschreibt einen Ertrag von 2,5 bis 4 Kilogramm Harz pro Stamm und Jahr; Wärme und Feuchtigkeit fördern den Harzfluss, Kühle und Trockenheit hemmen ihn (ARGE NÖ Pecherstraße 2010).
Das Arbeitsjahr folgte einem festen Ablauf:
- Winter: Werkzeug vorbereiten, Pechscharten schnitzen, Pecherleitern bauen.
- Februar/März: neue Bäume „anhacken“. Am unteren Stamm wurde die Rinde entfernt und ein Harztopf angebracht.
- April bis Herbst: alle paar Tage „Plätzen“ oder „Hobeln“: Ein schmaler Streifen innerer Rinde wird abgetragen, damit neues Harz austritt. Die Töpfe wurden drei- bis viermal im Jahr geleert.
- Oktober: „Pechscherrn“: Das an der Stammfläche fest gewordene Harz wird abgeschabt.
Ab den 1960er-Jahren ging das Handwerk durch billigere Importe und Ersatzstoffe aus Mineralöl stark zurück. Laut Verzeichniseintrag gibt es heute noch acht Pecherinnen und Pecher in Österreich und einen einzigen verarbeitenden Betrieb, den Pecherhof in Hernstein (Österreichische UNESCO-Kommission).
Lärchenharz: gebohrt statt gehobelt
An der Lärche wird anders gearbeitet. Beim „Tiroler Verfahren“ bohrt der Harzer am Stammfuß schräg nach unten in den Stamm, verschließt das Bohrloch mit einem Holzstopfen und schöpft das gesammelte Harz später mit einem Harzlöffel ab (BOKU). Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft beschreibt einen Bohrkanal von etwa 50 bis 80 Zentimetern Länge und rund 30 Millimetern Durchmesser; je nach Region liefert ein Baum etwa 200 bis 370 Gramm Harz pro Erntejahr, genutzt wird er 10 bis 15 Jahre (Lagoni 2012).
Lärchenharz kommt vor allem aus Kärnten, Südtirol und dem Südwesten der Schweiz. Venedig war bis ins späte 19. Jahrhundert der wichtigste Handelsplatz, daher der Name „Venezianer Terpentin“ für das gereinigte Lärchenharz (Lagoni 2012).
Vom Rohharz zur Salbe
Rohharz ist nicht sauber. Lärchenharz wird deshalb gereinigt, mehrfach gefiltert, leicht erwärmt und durch Abgießen geklärt (Lagoni 2012). Kiefernharz ging früher meist in Harzraffinerien und Pechsiedereien. Dort wurde es destilliert: Heraus kamen flüssiges Terpentinöl und festes Kolophonium, Rohstoffe für Papier, Lacke, Seifen und vieles mehr (ARGE NÖ Pecherstraße 2010). Lärchenharz lässt sich wegen seiner schwerflüchtigen Bestandteile nicht so einfach in diese beiden Fraktionen trennen (BOKU).
| Schritt | Kiefer (Schwarzföhre) | Lärche |
|---|---|---|
| Gewinnung | Rinde streifenweise abtragen („Plätzen“, „Hobeln“), Harz im Topf auffangen | Bohrloch am Stammfuß, mit Holzstopfen verschlossen |
| Ernte | Töpfe drei- bis viermal im Jahr leeren, im Herbst festes Harz abschaben | Harz mit dem Harzlöffel aus dem Bohrkanal schöpfen |
| Reinigung | Sieden und Filtern in der Pechsiederei | filtern, leicht erwärmen, abgießen |
| Weiterverarbeitung | Destillation zu Terpentinöl und Kolophonium | meist als gereinigtes Harz („Venezianer Terpentin“) verwendet |
| Typische Konsistenz | kristallisiert an der Luft, wird fest | bleibt zähflüssig, kristallisiert wenig |
Für eine Salbe wird das gereinigte Harz in warmem Öl gelöst und mit Wachs gebunden. Das Prinzip ist das jeder wasserfreien Salbe: Öl und Wachs bilden die Grundlage, das Harz gibt Duft, Farbe und eine etwas klebrige, zähe Textur. Wie sich Salbe, Balsam und feste Creme unterscheiden, steht unter Salbe, Balsam, Butter, feste Creme. Wer selbst rühren möchte, findet Grundverhältnisse von Wachs und Öl unter Feste Creme selber machen.
Pechsalbe heute: Kosmetik oder Arzneimittel?
Das Wort Pechsalbe ist nicht geschützt. Im Handel gibt es kosmetische Pechsalben und Arzneimittel mit Harzbestandteilen. Ein kosmetisches Mittel ist nach EU-Recht dazu bestimmt, die Haut zu reinigen, zu schützen, in gutem Zustand zu halten oder ihr Aussehen zu verändern (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 2). Arzneimittel tragen dagegen eine Zulassungsnummer und haben eine Packungsbeilage. Was das im Einzelnen heißt, erklärt Ist Pechsalbe dasselbe wie Zugsalbe?.
Eine kosmetische Pechsalbe pflegt trockene, raue und beanspruchte Haut und legt einen Schutzfilm aus Öl, Wachs und Harz auf. Wie dieser Film die Verdunstung verringert, beschreibt Okklusion und TEWL. Auf verletzte oder gereizte Haut gehört sie nicht.
Harz selbst sammeln?
Viele Rezepte beginnen mit „Harz im Wald sammeln“. Dabei gilt: Der Wald und seine Bäume gehören jemandem. Frag die Waldbesitzerin, den Waldbesitzer oder die Forstverwaltung, bevor du etwas mitnimmst, und ritze keine Bäume an. Harzungsstellen machen Bäume anfälliger für Schädlinge und können das Holz entwerten (BOKU). Nimm höchstens kleine Mengen bereits ausgetretenen, festen Harzes, und nur mit Erlaubnis.
Baumharz kann außerdem Kontaktallergien auslösen. Bevor du Harz auf die Haut bringst, lies Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?. Selbstgemachtes ist nur für den Eigengebrauch gedacht; wer eine Salbe weitergibt oder verkauft, braucht nach der Kosmetikverordnung unter anderem eine Sicherheitsbewertung (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Artikel 10).
Häufige Fragen
Warum heißt Pechsalbe so?
Weil sie Baumharz enthält, das im Alpenraum und in Niederösterreich traditionell „Pech“ heißt. Das Wort stammt vom lateinischen „pix“.
Ist in Pechsalbe Teer?
In einer Harzsalbe nicht. Harz tritt aus dem lebenden Baum aus. Teer entsteht erst, wenn Holz unter Luftabschluss stark erhitzt wird. Das sind zwei verschiedene Stoffe.
Aus welchem Harz ist Pechsalbe?
Traditionell aus Kiefern- oder Lärchenharz, manchmal aus Fichtenharz. Welches Harz enthalten ist, steht in der Inhaltsstoffliste, zum Beispiel „Larix Decidua Resin“ für Lärchenharz.
Wird Harz heute noch von Hand gewonnen?
Ja, aber selten. In Niederösterreich arbeiten laut Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes noch acht Pecher, an der Lärche wird in Kärnten, Südtirol und der Schweiz gebohrt.
Riecht Pechsalbe immer stark?
Harz bringt einen würzigen, waldigen Eigengeruch mit. Wie stark er ist, hängt von Harzart und Menge ab.
Bei forpeople
Unsere SOS Pechsalbe – Lärchenharz im Glastiegel (50 g, 16,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Olivenöl, Lärchenharz und Bienenwachs. Außerdem nennt die Liste die Terpene Pinene, Terpinolene, Alpha-Terpinene und Terpineol einzeln. Sie ist ein kosmetisches Mittel und enthält kein Wasser. Für den größeren Bedarf gibt es die SOS Pechsalbe – Lärchenharz in Dose (150 g, 39,90 €). Die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) enthält neben Lärchenharz und Bienenwachs auch Propolis und ätherische Öle aus Mandarine, Rosmarin und Tanne; sie gibt es auch als Bienensalbe – Lärche & Mandarine in Dose (34,90 €). Wer Harz lieber meidet, greift zur Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €). Mehr dazu: Pechsalbe oder Zugsalbe · Harz, Pech, Holzteer · Allergie auf Harz und Propolis · Wasserfreie Kosmetik · INCI-Liste lesen
Quellen
- Österreichische UNESCO-Kommission: Pecherei in Niederösterreich. Österreichisches Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (abgerufen 30.09.2026). https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/verzeichnis/element/pecherei-in-niederoesterreich
- ARGE NÖ Pecherstraße (2010): Bewerbungsformular „Pecherei in Niederösterreich, Harzgewinnung und Verarbeitung“ für das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Österreichische UNESCO-Kommission. https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Kultur/IKE/IKE-DB/files/337.doc
- Bockhorn O (2010): Gutachten zu „Pecherei in Niederösterreich“ (Antrag auf Aufnahme in das österreichische Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes), Wien, 6. November 2010. https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Kultur/IKE/IKE-DB/files/338.pdf
- Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) (o. J.): Steckbrief Harz, Pech, Balsam. https://boku.ac.at/fileadmin/data/H03000/H91000/H91300/Forschung/Steckbrief_Harz.pdf
- Lagoni N (2012): Vom Lärchenharz zum Terpentin bis Lärchenöl. LWF Wissen 69: 79–81. Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/biodiversitaet/dateien/vom_laerchenharz_w69.pdf
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Artikel 2 und 10. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj



















