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Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt

Kurz gesagt

Ein Film aus Wachsen, Buttern oder Ölen schützt die Haut vor dem Austrocknen, weil er die Verdunstung von Wasser aus der obersten Hautschicht bremst. Fachleute nennen diesen Effekt Okklusion, die Wasserabgabe durch die Haut heißt transepidermaler Wasserverlust, kurz TEWL. Je dichter der Film, desto weniger Wasser verdunstet. Ein dünner, teilweise durchlässiger Film reicht im Alltag meist aus und fühlt sich angenehmer an als ein vollständig dichter.

Was transepidermaler Wasserverlust bedeutet

Haut gibt ständig Wasser ab, auch wenn du nicht schwitzt. Das Wasser wandert aus den feuchteren, tieferen Schichten nach außen und verdunstet an der Oberfläche. Diesen stillen Verlust nennt man transepidermalen Wasserverlust. Gebremst wird er vor allem von der Hornschicht, der obersten Lage der Haut. Dort liegen abgestorbene, flache Zellen, zwischen denen geordnete Fettschichten sitzen. Diese Lipide und der lange, verwinkelte Weg durch viele Zelllagen halten das Wasser zurück (Rawlings & Harding 2004). Wie diese Schicht aufgebaut ist, erklären wir unter Die Hautbarriere einfach erklärt.

Wird die Hornschicht durch häufiges Waschen, trockene Heizungsluft oder Kälte strapaziert, steigt der Wasserverlust. Die Haut fühlt sich dann gespannt, rau und schuppig an. Genau hier setzt ein schützender Film an: Er ersetzt die Hornschicht nicht, er verringert aber die Verdunstung an ihrer Oberfläche.

Wie man TEWL misst

In Studien wird der transepidermale Wasserverlust mit einer Messsonde bestimmt, die auf die Haut aufgesetzt wird. Sensoren in der Sonde erfassen, wie sich die Dichte des Wasserdampfs über der Haut verändert. Daraus ergibt sich, wie viel Wasser pro Fläche und Zeit durch die Hornschicht nach außen gelangt. Es gibt offene, unbelüftete und Kondensator-Messkammern (Alexander et al. 2018).

Die Messung ist empfindlich. Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur und Luftzug verändern das Ergebnis, ebenso Schweiß, Hauttemperatur und die Körperstelle. Deshalb wird unter kontrollierten Bedingungen gemessen, oft nach einer Ruhezeit im klimatisierten Raum (Alexander et al. 2018). Für die Kosmetikforschung gibt es eigene Leitlinien, weil die Methode auch genutzt wird, um Aussagen über Pflegeprodukte zu prüfen (Rogiers 2001). Einzelne Messwerte verschiedener Studien lassen sich deshalb nur vorsichtig vergleichen.

Welche Stoffe einen Film bilden

Okklusiv wirken fettende Stoffe, die nicht wasserlöslich sind und auf der Hautoberfläche liegen bleiben. In der Naturkosmetik sind das vor allem Wachse, feste Pflanzenbuttern und Öle. In der klassischen Kosmetik kommen Vaseline, Paraffinöl, Lanolin und Silikone hinzu. Alle diese Stoffe verringern die Verdunstung, aber unterschiedlich stark.

Stoffgruppe Beispiele Konsistenz Filmwirkung
Wachse Bienenwachs, Candelillawachs fest, schmelzen erst deutlich über Hauttemperatur bilden einen festen, gut haftenden Film und geben Cremes ihre Festigkeit
Pflanzenbuttern Sheabutter, Kakaobutter fest bis weich, schmelzen nahe Hauttemperatur legen sich als geschmeidige Schicht auf die Haut
Pflanzenöle Sonnenblumenöl, Olivenöl, Jojobaöl flüssig bilden einen dünnen, teilweise durchlässigen Film
Mineralische Fette Vaseline, Paraffinöl salbenartig bzw. flüssig Vaseline gilt als besonders dichter Film, Paraffinöl als deutlich schwächer

Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt eine Untersuchung an sechs gesunden Freiwilligen: Vier Pflanzenöle und Paraffinöl drangen nur in die obersten Lagen der Hornschicht ein. Die Öle senkten den Wasserverlust ähnlich stark, mit Ausnahme von Jojobaöl, das in diesem Versuch weniger okklusiv war. Die stärkste Okklusion zeigte Vaseline. Die Autorinnen und Autoren beschreiben die Wirkung der Öle als Teilokklusion (Patzelt et al. 2012). In einer Übersichtsarbeit wird für Vaseline ab einer Konzentration von 5 % eine Verringerung des Wasserverlusts um mehr als 98 % angegeben (Sethi et al. 2016).

Vaseline wirkt übrigens nicht einfach wie eine Plastikfolie. In einem älteren Versuch verteilte sie sich in den Zwischenräumen der Hornschicht, statt nur obenauf zu liegen, und behinderte die Erholung der Hornschicht nach einer künstlichen Störung nicht (Ghadially et al. 1992). Welcher Stoff für dich passt, ist deshalb weniger eine Frage von gut oder schlecht als eine Frage von Hautgefühl, Einsatzort und persönlicher Vorliebe. Mehr zu den beiden Wachsen findest du unter Bienenwachs in der Hautpflege und Candelillawachs oder Bienenwachs, zu Jojobaöl unter Jojobaöl: ein flüssiges Wachs.

Voll- oder Teilokklusion: der Unterschied

Bei Vollokklusion kann praktisch kein Wasser mehr entweichen. Das passiert unter einem Gummihandschuh, einer Folie oder einem Pflaster, das stundenlang auf der Haut klebt. Das Wasser staut sich, die Hornschicht quillt auf, die Haut wird weich und schrumpelig wie nach einem langen Bad. Für den Alltag ist das nicht das Ziel.

Bei Teilokklusion verdunstet weiter etwas Wasser, nur langsamer. Das ist der typische Effekt von Pflanzenölen, Buttern und dünn aufgetragenen Wachscremes. Die Haut kann weiter Wasserdampf abgeben, verliert aber weniger Feuchtigkeit. Genau das willst du, wenn Hände, Füße oder Schienbeine zu trockener Haut neigen.

Ein Film bringt kein Wasser in die Haut, er hält nur das vorhandene zurück. Deshalb wirkt er am besten auf leicht feuchter Haut, etwa direkt nach dem Händewaschen oder Duschen (Sethi et al. 2016). Wasserhaltige Cremes kombinieren dafür oft Feuchthaltemittel mit Fetten. Wie die drei Bausteine zusammenspielen, liest du unter Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.

Warum sich zu viel Film fettig anfühlt

Die Haut nimmt nur eine begrenzte Menge Fett auf. Was darüber hinaus aufgetragen wird, bleibt an der Oberfläche liegen. Das glänzt, hinterlässt Spuren auf Papier und Bildschirm und fühlt sich schwer an. Dichte Filmbildner wie Vaseline gelten deshalb als kosmetisch weniger angenehm, ein fettiges Hautgefühl ist einer der häufigsten Nachteile okklusiver Stoffe (Sethi et al. 2016).

Bei festen, wasserfreien Cremes kommt hinzu, dass sie hoch konzentriert sind. Es fehlt das Wasser, das in einer klassischen Creme einen großen Teil ausmacht und beim Einreiben verdunstet. Eine kleine Menge reicht. Streich zwei-, dreimal über die feste Creme, wärme sie zwischen den Händen an und massiere sie ein. Wenn nach einigen Minuten noch Glanz bleibt, war es zu viel. Den Unterschied zwischen fester Creme und Tube beschreiben wir unter Feste Creme oder Tube?, das Prinzip ohne Wasser unter Wasserfreie Kosmetik.

So bekommst du den Film dosiert hin:

  • Tagsüber: sehr dünn auftragen, vor allem auf Handrücken und Knöchel.
  • Abends und nachts: etwas mehr, gern an Füßen und Fersen mit Baumwollsocken darüber.
  • Nach dem Waschen: Hände nur leicht abtupfen und dann eincremen.
  • Bei Kälte: vor dem Rausgehen eincremen, nicht erst danach. Mehr dazu unter Trockene Haut im Winter.

Häufige Fragen

Ist Okklusion schlecht für die Haut?
Nein, eine teilweise Okklusion ist der Grundmechanismus vieler Pflegeprodukte. Problematisch wird es erst bei stundenlanger Vollokklusion unter Folie oder Handschuhen, weil die Haut dann aufquillt.

Kann die Haut unter einem Wachsfilm noch atmen?
Haut atmet nicht wie eine Lunge. Sie gibt aber Wasserdampf ab. Ein dünner Film aus Wachsen, Buttern und Ölen bremst diese Abgabe, stoppt sie aber nicht vollständig.

Ist Vaseline besser als Pflanzenöl?
Vaseline bildet einen dichteren Film als Pflanzenöle (Patzelt et al. 2012). Sie fühlt sich aber auch fettiger an. Welcher Stoff passt, hängt von Einsatzort und Vorliebe ab.

Muss ich vor einer wasserfreien Creme die Haut befeuchten?
Es hilft. Auf leicht feuchter Haut hält der Film das Wasser zurück, das gerade da ist. Auf ganz trockener Haut funktioniert er auch, die Haut wirkt dann aber langsamer geschmeidig.

Woran merke ich, dass ich zu viel aufgetragen habe?
Wenn die Haut nach fünf bis zehn Minuten noch glänzt oder klebt. Dann beim nächsten Mal weniger nehmen.

Bei forpeople

Unsere festen Cremes sind wasserfrei und bestehen aus Wachsen, Buttern und Ölen. Sie legen einen Film auf die Haut, der die Verdunstung verringert. Mit einem Refiller füllst du die Dose nach.

Quellen

  1. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatol Ther 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  2. Alexander H, Brown S, Danby S, Flohr C (2018): Research Techniques Made Simple: Transepidermal Water Loss Measurement as a Research Tool. J Invest Dermatol 138(11): 2295–2300.e1. https://doi.org/10.1016/j.jid.2018.09.001
  3. Rogiers V, EEMCO Group (2001): EEMCO guidance for the assessment of transepidermal water loss in cosmetic sciences. Skin Pharmacol Appl Skin Physiol 14(2): 117–128. https://doi.org/10.1159/000056341
  4. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Res Technol 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  5. Ghadially R, Halkier-Sorensen L, Elias PM (1992): Effects of petrolatum on stratum corneum structure and function. J Am Acad Dermatol 26(3 Pt 2): 387–396. https://doi.org/10.1016/0190-9622(92)70060-s
  6. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427