Welche INCI-Namen auf Mineralöl hinweisen
Mineralölprodukte in Kosmetik müssen in der Inhaltsstoffliste genannt werden. Das BfR nennt als typische INCI-Bezeichnungen die folgenden vier (BfR 2018):
| INCI-Name | Was es ist | Beschaffenheit |
|---|---|---|
| Paraffinum Liquidum | Flüssiges, gereinigtes Mineralöl (medizinisches Weißöl) | flüssig |
| Paraffin | Festes Paraffinwachs | fest |
| Cera Microcristallina | Mikrokristallines Wachs | fest, geschmeidig |
| Petrolatum | Vaseline (weiß oder gelb, Petroleum Jelly), ein Gemisch aus mindestens einem Mineralöl und einem Mineralwachs | salbenartig |
Je nach Produkt kann der Mineralölanteil laut BfR zwischen 1 und 99 % liegen. Steht einer dieser Namen weit vorne, macht er einen großen Teil der Creme aus, denn die Liste ist nach Gewicht geordnet (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19). Wie du eine Liste allgemein liest, erklärt INCI-Liste lesen.
MOSH und MOAH: zwei Begriffe, die du kennen solltest
Mineralöle sind komplexe Gemische aus Kohlenwasserstoffen. Fachleute unterscheiden gesättigte Kohlenwasserstoffe, kurz MOSH, und aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz MOAH. Unter den MOAH können potenziell krebserregende Stoffe wie polyzyklische aromatische Verbindungen sein. Deshalb werden Mineralöle für Kosmetik stark gereinigt, sodass der MOAH-Anteil sinkt (BfR 2018).
Die Kosmetikverordnung regelt das über Verbote: Zahlreiche Erdöldestillate und Paraffinöle stehen in Anhang II, der Liste verbotener Stoffe, entweder „falls der Gehalt an DMSO-Extrakt > 3 Gew.-% beträgt“ oder „außer der Raffinationshergang ist vollständig bekannt und es ist nachweisbar, dass der Ausgangsstoff nicht karzinogen ist“ (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Anhang II). Erlaubt sind also nur gereinigte Qualitäten, deren Herkunft und Reinheit belegt ist.
Zwei Sichtweisen im Vergleich
Die Diskussion wirkt oft widersprüchlich, weil unterschiedliche Stellen unterschiedliche Fragen stellen. Die folgende Übersicht stellt die Positionen nebeneinander.
| Stelle | Kernaussage | Worauf sie sich bezieht |
|---|---|---|
| BfR, Stellungnahme 008/2018 | MOSH werden über die Haut kaum aufgenommen; bei Anwendung auf der Haut sind nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten | Hochraffinierte Mineralöle in Arzneimittelqualität in Kosmetik |
| BfR, Lippenpflege | Orale Aufnahme beachten; Empfehlung von Cosmetics Europe, nur bestimmte Mineralölqualitäten mit Lebensmittel-Grenzwert (ADI) zu verwenden | Lippenpflegeprodukte, die teilweise verschluckt werden |
| Übersichtsarbeit zur Hautaufnahme | Keine Hinweise, dass Mineralöle und Wachse aus Kosmetik durch die Haut in den Körper gelangen | 13 Studien; die Autorinnen und Autoren arbeiten überwiegend für Kosmetikhersteller und -verbände (Petry et al. 2017) |
| EFSA, 2023 | Genotoxizität und Kanzerogenität werden mit MOAH mit drei und mehr aromatischen Ringen in Verbindung gebracht; für die Aufnahme über die Nahrung sieht die EFSA eine mögliche Besorgnis | Mineralölkohlenwasserstoffe in Lebensmitteln, nicht in Kosmetik (EFSA CONTAM Panel 2023) |
| Öko-Test, Handcremes 2025 | Wer Paraffine deklariert, wird auf MOAH untersucht; mehr als 10 mg/kg MOAH führt zur Abwertung um zwei Noten | Vorsorge aus Verbrauchersicht; Grenze von Öko-Test selbst festgelegt (Öko-Test 2025) |
Das BfR hat auch eigene Proben untersucht. Die höchsten MOAH-Gehalte, etwa 1 bis 4,5 %, fanden sich in vier Produkten, in denen Petrolatum als einziger Mineralöl-Bestandteil oder weit vorne stand; in vier Vaselinen lagen sie zwischen 1,7 und 5 %. Die übrigen mineralölhaltigen Produkte lagen zwischen 0,007 und 0,3 %. In zehn Produkten ohne mineralölbasierte Inhaltsstoffe waren MOSH und MOAH in der Regel nicht nachweisbar; einzelne Proben zeigten Spuren, die zum Beispiel aus Pflanzenölen oder aus der Herstellung stammen können (BfR 2018). Das zeigt zweierlei: Die Qualität des Mineralöls macht einen Unterschied, und „ohne Mineralöl“ in der Rezeptur heißt nicht automatisch „null Kohlenwasserstoffe“ in der Analyse.
Was die Inhaltsstoffliste zeigt und was nicht
Die Inhaltsstoffliste nennt nur Stoffe, die absichtlich eingesetzt werden. Verunreinigungen von Rohstoffen gelten nicht als Bestandteile und stehen deshalb nicht darauf (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 19 Abs. 1 Buchst. g). MOAH-Gehalte kannst du auf der Packung also nicht ablesen; sie lassen sich nur im Labor bestimmen. Was du ablesen kannst: ob überhaupt Mineralöl eingesetzt wurde und an welcher Stelle es steht.
Bei Aussagen wie „ohne Mineralöl“ oder „frei von Paraffinen“ gelten die gemeinsamen Kriterien für Werbeaussagen: Eine Aussage darf keinen besonderen Nutzen vorgeben, der nur in der Erfüllung gesetzlicher Mindestanforderungen besteht, und einem Produkt keine einzigartige Eigenschaft zuschreiben, wenn ähnliche Produkte sie ebenso haben (Verordnung (EU) Nr. 655/2013, Anhang, Nr. 1.3 und 4.2). In der Naturkosmetik ist der Verzicht selbstverständlich: Nach den NATRUE-Kriterien zählen Stoffe mineralischen Ursprungs nur dann als natürlich, wenn sie anorganisch sind; Mineralöl ist ausdrücklich ausgenommen (NATRUE 2021, Abschnitt 3.1). Einen Überblick über die Standards gibt Naturkosmetik erklärt.
Pflege ohne Mineralöl: was es gibt
Wasserfreie Handcremes und Salben ohne Mineralöl bestehen meist aus Pflanzenölen, Pflanzenbutter und Wachsen wie Bienen- oder Candelillawachs. Sie legen ebenfalls einen Film auf die Haut, der die Verdunstung verringert. Vaseline schließt die Haut stärker ab als eine Salbe aus Bienenwachs und Pflanzenöl; was das für die Wahl bedeutet, steht unter Vaseline oder Bienenwachs-Salbe. Ein Punkt, auf den du achten solltest: Pflanzenöle können mit der Zeit oxidieren und ranzig werden. Lagere pflanzliche Pflege deshalb kühl und dunkel und achte auf den Geruch (Ranziges Hautöl erkennen). Wie sich Wachse unterscheiden, erklärt Candelillawachs oder Bienenwachs, die Kriterien für feste Handcremes Feste Handcreme: worauf achten.
Häufige Fragen
Ist Paraffin in Handcreme bedenklich?
Das BfR erwartet bei hochraffinierten Mineralölen in Kosmetik, die auf die Haut aufgetragen wird, nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Risiken. Verbrauchertests bewerten MOAH-Rückstände aus Vorsorge strenger. Ob du Mineralöl nutzen möchtest, ist deine Entscheidung.
Kann ich MOAH auf der Packung erkennen?
Nein. Verunreinigungen stehen nicht in der Inhaltsstoffliste. Du erkennst nur, ob Mineralöl als Bestandteil eingesetzt wurde.
Ist Vaseline dasselbe wie Mineralöl?
Vaseline (INCI: Petrolatum) ist ein Gemisch aus mindestens zwei Mineralölkomponenten, einem Öl und einem Wachs. Sie zählt also zu den Mineralölprodukten.
Warum steht auf manchen Handcremes „ohne Mineralöl“?
Weil viele Menschen danach suchen. Bei Naturkosmetik ist der Verzicht aber ohnehin Standard; die Angabe ist dann keine Besonderheit des einzelnen Produkts.
Gilt das auch für Lippenpflege?
Bei Lippenpflege wird ein Teil verschluckt. Das BfR empfiehlt Herstellern deshalb, die Empfehlung von Cosmetics Europe zu bestimmten Mineralölqualitäten einzuhalten. Mehr zu Lippen steht unter Warum trocknen Lippen so schnell aus?.
Bei forpeople
Unsere festen Cremes und Salben enthalten laut INCI kein Mineralöl; sie bestehen aus Pflanzenölen, teils Pflanzenbutter und Bienen- oder Candelillawachs. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) enthält Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl sowie Johanniskraut- und Aloe-Extrakt, die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) Candelillawachs, Jojoba-, Oliven- und Hanföl, Sheabutter sowie Zitronen- und Bergamotteöl. Weicher sind die Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel (50 g, 12,90 €) mit Oliven-, Mandel- und Rizinusöl, Bienenwachs, Lärchenharz, Propolis und ätherischen Ölen und die SOS Pechsalbe – Lärchenharz im Glastiegel (50 g, 16,90 €) aus Olivenöl, Lärchenharz und Bienenwachs. Wer auf Harz oder Propolis empfindlich reagiert, liest vorher Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?. Für den Körper gibt es die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €). Mehr dazu: Wasserfreie Kosmetik · Was bedeutet Bio bei Handcreme? · Wie Handcreme-Tests messen · Okklusion und TEWL
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2018): Hochraffinierte Mineralöle in Kosmetika: Gesundheitliche Risiken sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 008/2018 vom 27. Februar 2018. https://doi.org/10.17590/20180219-123914
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 19 und Anhang II. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM), Schrenk D, Bignami M, Bodin L et al. (2023): Update of the risk assessment of mineral oil hydrocarbons in food. EFSA J 21(9): e08215. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2023.8215
- Petry T, Bury D, Fautz R, Hauser M, Huber B, Markowetz A et al. (2017): Review of data on the dermal penetration of mineral oils and waxes used in cosmetic applications. Toxicol Lett 280: 70–78. https://doi.org/10.1016/j.toxlet.2017.07.899
- Öko-Test (2025): Handcremes im Test: Bekannte Marken enttäuschen. oekotest.de, 22.10.2025, Abschnitte „Testverfahren“ und „Bewertungslegende“. https://www.oekotest.de/kosmetik-wellness/handcremes-im-test-bekannte-marken-enttauschen_15126_1.html
- Europäische Kommission (2013): Verordnung (EU) Nr. 655/2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln, Anhang. ABl. L 190: 31. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
- NATRUE (2021): NATRUE Label criteria: requirements to be met by natural and organic cosmetics, Version 3.9, Abschnitt 3.1. https://natrue.org/uploads/2025/09/EN-NATRUE-Label_Requirements_v3.9-final-version-1.pdf



















