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Trockene Finger: Warum Seiten und Tüten nicht mehr greifen

Kurz gesagt

Trockene Fingerkuppen rutschen, weil Greifen Reibung braucht und die Reibung der Haut von ihrer Feuchte abhängt: Eine trockene Hornschicht ist hart, liegt nur an wenigen Punkten an und gleitet über Papier und Folie. Etwas Feuchtigkeit macht sie weicher und griffiger; zu viel Wasser oder ein frischer Fettfilm lässt sie wieder rutschen. Sofort hilft es, die Kuppen anzuhauchen. Auf Dauer hilft es, die Fingerkuppen abends zu pflegen und tagsüber nur sehr dünn einzucremen.

Warum trockene Fingerkuppen rutschen

Die Haut der Fingerkuppen trägt feine Leisten, die Linien des Fingerabdrucks. Auf ihnen sitzen die Poren der Schweißdrüsen. Eine Übersichtsarbeit beschreibt, was daraus folgt: Im trockenen Zustand verhält sich die Hornschicht wie ein harter, glasartiger Kunststoff. Die Leisten berühren die Unterlage nur mit ihren höchsten Stellen, die echte Kontaktfläche ist klein, die Reibung niedrig. Nimmt die Hornschicht Feuchtigkeit auf, wird sie weich. Die Leisten schmiegen sich an, die Kontaktfläche wächst und mit ihr die Reibung (Adams et al. 2013).

Messungen auf glattem Glas zeigen die Größenordnung. Beim ersten Kontakt lag der Reibungswert einer Fingerkuppe bei rund 0,2. Blieb der Finger liegen, sammelte sich Schweiß im Kontakt, und der Wert stieg innerhalb einiger zehn Sekunden auf etwa 3. Kam zusätzlich Wasser dazu, fiel er wieder auf rund ein Drittel (Adams et al. 2013).

Es gibt also ein Optimum. In einem Greifversuch war die nötige Griffkraft bei einer mittleren Feuchte der Fingerkuppen am kleinsten (André et al. 2010). Mit trockener Haut kommt ein Kontakt eher ins Rutschen (André et al. 2011).

Papier, Folie, Karten: Was wo passiert

Papier ist porös. Es nimmt den Schweiß der Kuppe auf; die Reibung sinkt deshalb mit der Dauer des Kontakts leicht. Glatte, dichte Flächen wie Glas oder der Kunststoff Polypropylen lassen die Feuchte nicht weg. Dort steigt die Reibung im Lauf einiger zehn Sekunden (Adams et al. 2013). Ein kurzer Griff mit trockener Kuppe hat davon wenig. Die Tabelle überträgt das auf den Alltag; für die einzelnen Gegenstände gemessen wurde es nicht.

Situation Warum es rutscht Was sofort hilft Was auf Dauer hilft
Buch- und Zeitungsseiten umblättern Papier saugt die wenige Feuchte auf; die harte Hornschicht gleitet über das Blatt Kuppe anhauchen oder am Fingeranfeuchter befeuchten Kuppen abends pflegen, tagsüber sehr dünn eincremen
Obst- und Müllbeutel öffnen Die Folienlagen haften aneinander; der trockenen Kuppe fehlt die Reibung, um sie zu verschieben Kuppen anhauchen, dann die Öffnung zwischen den Fingern rollen Nach dem Händewaschen gut abtrocknen und dünn eincremen
Geldscheine und Belege zählen Glattes Papier; jedes Blatt nimmt etwas Feuchte mit Fingeranfeuchter oder Blattwender aus Gummi Pflege nach der Arbeit, nicht davor
Spielkarten mischen und geben Beschichtete, glatte Oberfläche Hände kurz anfeuchten und abtrocknen Am Spielabend früh und dünn eincremen
Wischen auf dem Display Hier zählt weniger die Reibung als der elektrische Kontakt Kuppe anhauchen Siehe Fingerabdruck wird nicht erkannt: Liegt es an trockenen Fingern?

Warum es mit den Jahren und im Winter zunimmt

Viele bemerken das Rutschen erst ab der Lebensmitte. Dazu passt eine Untersuchung mit 66 gesunden Erwachsenen zwischen 22 und 86 Jahren: Ab etwa 50 Jahren wurde die Haut der Fingerkuppen auf einer glatten Unterlage rutschiger, und die Teilnehmenden griffen fester zu. Als möglichen Grund nennen die Autoren die geringere Feuchte der Haut im Alter (Cole et al. 1999). Was sich in der Haut ändert, steht unter Warum werden Hände im Alter trockener?.

Dazu kommt alles, was die Kuppen austrocknet. Eine Übersicht über Reibungsmessungen an der Haut fasst zusammen: Mehr Feuchte in der Haut, durch Wasser oder Feuchtigkeitspflege, erhöht den Reibungswert; Alkohol senkt ihn. Die Messwerte hängen von Körperstelle und Messgerät ab (Sivamani et al. 2003). Für den Alltag heißt das: Heizungsluft im Winter, häufiges Waschen, alkoholische Händedesinfektion und die Arbeit mit Papier machen die Kuppen glatter. Mehr dazu unter Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen: Was hilft?, Händedesinfektion und Handcreme: Was kommt zuerst? und Trockene Hände durch Papier, Karton und Kreide: Woran liegt es?.

Was sofort hilft

Alle schnellen Mittel bringen eine kleine Menge Feuchte in die oberste Hautschicht. Die Kuppe soll leicht feucht sein, nicht nass.

  • Anhauchen: Warme Atemluft enthält Wasserdampf. Zwei, drei Atemzüge auf die Kuppen reichen oft für die nächste Seite oder den nächsten Beutel.
  • Fingeranfeuchter: Im Bürobedarf gibt es kleine Dosen mit einem feuchten Schwamm oder einer Paste für das Zählen und Blättern.
  • Anfeuchten und abtrocknen: Halt die Fingerspitzen kurz unter Wasser und trockne sie ab. Die Haut ist danach für kurze Zeit griffiger; tropfnasse Finger rutschen wieder.
  • Finger anlecken: Es funktioniert aus demselben Grund, ist aber unhygienisch, vor allem bei Geld und geliehenen Büchern. Anhauchen leistet dasselbe.

Was auf Dauer hilft

Frisch eingecremte Finger greifen nicht besser: Ein frischer Film aus Wachs und Öl wirkt zwischen Haut und Papier eher wie ein Schmiermittel und hinterlässt Spuren auf der Seite. Der Nutzen liegt davor. Ein Fettfilm verringert die Verdunstung von Wasser aus der Haut, und Kuppen, die weniger austrocknen, bleiben geschmeidiger. Ob eine Creme die Reibung der Kuppen messbar verändert, haben wir nicht untersucht.

  1. Abends reichhaltig: Gib vor dem Schlafen eine etwas dickere Schicht auf die Kuppen und die Haut um die Nägel und massier sie ein.
  2. Tagsüber sehr dünn: Nimm so wenig, dass die Kuppen nach dem Einmassieren nicht glänzen, und warte ein paar Minuten, bevor du Papier anfasst. Die Technik beschreibt Handpflege im Büro, ohne dass die Tastatur fettig wird.
  3. Nach dem Händewaschen: Trockne auch die Fingerspitzen gut ab und creme dünn ein.
  4. Feuchte und Film trennen: Ein wässriges Produkt wie ein Aloe-Vera-Serum bringt Wasser auf die Haut und hinterlässt keinen Fettfilm. Das Wasser verdunstet wieder, wenn nichts darüber liegt. Die Reihenfolge erklärt Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Wann ärztlichen Rat holen?

Trockene, glatte Fingerkuppen haben meist eine einfache Ursache. Lass es ärztlich abklären, wenn dir Dinge aus der Hand fallen, obwohl die Haut nicht trocken ist, wenn Finger taub sind oder kribbeln, wenn die Kraft nachlässt oder die Hände zittern. Dann geht es nicht um die Haut. Dasselbe gilt für Risse an den Kuppen, die bluten oder sich nicht schließen, und für Haut, die sich stark schält, rötet oder Bläschen bildet. Auf offene Stellen gehört keine Kosmetik.

Häufige Fragen

Warum lecken so viele Menschen den Finger an, bevor sie umblättern?
Weil eine leicht feuchte Fingerkuppe mehr Reibung am Papier hat als eine trockene. Hygienischer ist es, die Kuppe anzuhauchen oder einen Fingeranfeuchter zu benutzen.

Hilft Handcreme, damit trockene Finger wieder greifen?
Nicht im Moment des Eincremens: Ein frischer Fettfilm macht die Kuppen eher glatter. Pflege gehört in den Abend und tagsüber in sehr dünner Schicht auf die Haut. Sie schützt die Kuppen vor dem Austrocknen; eine Wirkung auf den Griff versprechen wir nicht.

Warum bekomme ich dünne Tüten und Müllbeutel nicht auf?
Die Folienlagen haften aneinander. Um sie zu trennen, verschiebst du sie gegeneinander, und dafür braucht die Kuppe Reibung. Hauch die Kuppen an und roll die Öffnung zwischen den Fingern.

Ab welchem Alter werden die Fingerkuppen rutschiger?
In einer Untersuchung mit 66 Erwachsenen nahm die Rutschigkeit der Haut auf glatter Unterlage ab etwa 50 Jahren zu. Das ist das Ergebnis einer einzelnen Studie und keine feste Grenze.

Sind nasse Finger besser als trockene?
Nein. Am besten greift eine leicht feuchte Kuppe. In Messungen auf Glas sank die Reibung auf etwa ein Drittel, sobald zusätzlich Wasser dazukam. Trockne die Finger deshalb nach dem Anfeuchten ab.

Bei forpeople

Unsere Produkte sind Pflege und kein Griffmittel: Ob sie die Reibung der Fingerkuppen verändern, haben wir nicht gemessen. Laut Produkthinweis werden sie nicht auf verletzter oder gereizter Haut angewendet.

Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung. Mehr dazu: Rissige Fingerkuppen im Winter: Ursachen und Pflege · Chalk beim Klettern: Was Magnesia mit der Haut macht · Fingerabdruck wird nicht erkannt: Liegt es an trockenen Fingern?

Aus dem Blog: Aloe Vera Serum: Wofür es wirklich gut ist – und was es nicht kann

Quellen

  1. Adams MJ, Johnson SA, Lefèvre P, Lévesque V, Hayward V, André T, Thonnard JL (2013): Finger pad friction and its role in grip and touch. Journal of the Royal Society Interface 10(80): 20120467. https://doi.org/10.1098/rsif.2012.0467
  2. André T, Lefèvre P, Thonnard JL (2010): Fingertip moisture is optimally modulated during object manipulation. Journal of Neurophysiology 103(1): 402–408. https://doi.org/10.1152/jn.00901.2009
  3. André T, Lévesque V, Hayward V, Lefèvre P, Thonnard JL (2011): Effect of skin hydration on the dynamics of fingertip gripping contact. Journal of the Royal Society Interface 8(64): 1574–1583. https://doi.org/10.1098/rsif.2011.0086
  4. Cole KJ, Rotella DL, Harper JG (1999): Mechanisms for age-related changes of fingertip forces during precision gripping and lifting in adults. Journal of Neuroscience 19(8): 3238–3247. https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.19-08-03238.1999
  5. Sivamani RK, Goodman J, Gitis NV, Maibach HI (2003): Coefficient of friction: tribological studies in man – an overview. Skin Research and Technology 9(3): 227–234. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2003.02366.x