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Chalk beim Klettern: Was Magnesia mit der Haut macht

Kurz gesagt

Chalk (Magnesia) nimmt Schweiß und Feuchtigkeit von der Hautoberfläche auf und macht die Finger trocken – das ist beim Klettern gewollt, trocknet die Haut der Hände aber auf Dauer aus. Ob Chalk die Reibung am Griff wirklich erhöht, ist in Studien nicht eindeutig: Eine Laborstudie fand weniger Reibung, eine andere mehr, eine dritte keinen Unterschied, aber längeres Hängen. Für die Haut gilt: so wenig Chalk wie nötig, nach der Session gründlich entfernen und die Hände danach eincremen.

Was Chalk ist

Kletter-Chalk ist Magnesiumcarbonat, genauer meist ein wasserhaltiges basisches Magnesiumcarbonat, das unter dem Namen Magnesia alba gehandelt wird. Messungen in Kletterhallen zeigen, dass der Staub dort praktisch vollständig aus diesem Stoff besteht (Weinbruch et al. 2008). Chalk gibt es in verschiedenen Formen:

  • Pulver im Chalkbag, zum direkten Eintauchen der Finger.
  • Block, den du selbst zerdrückst.
  • Chalkball, Pulver in einem feinen Stoffsäckchen.
  • Flüssigchalk, Magnesia in einer schnell verdunstenden Flüssigkeit, in der untersuchten Variante Ethanol (Weinbruch et al. 2012).

Was Chalk mit der Haut macht

Magnesia saugt Feuchtigkeit auf. Auf den Fingern bindet es Schweiß, aber es entzieht auch der obersten Hautschicht Wasser. Die Hornschicht wird dadurch trockener und steifer. Genau das nennen die Autoren einer Laborstudie als einen Grund, warum Chalk die Reibung sogar verringern kann: Trockene Haut gibt weniger nach und schmiegt sich schlechter an die Oberfläche an. Dazu kommt, dass die Körner selbst eine rutschige Schicht bilden können (Li et al. 2001).

Trockene, steife Hornhaut gibt bei Zug und Druck weniger nach und reißt leichter ein, besonders an den Fingerkuppen und in den Beugefalten. Die Hornschicht hält Wasser dann gut, wenn sie selbst ausreichend Feuchtigkeit und Lipide hat. Was die Hand von anderer Haut unterscheidet, steht unter Warum Hände schneller austrocknen; wie die oberste Hautschicht Wasser hält, unter Die Hautbarriere einfach erklärt.

Flüssigchalk enthält zusätzlich Alkohol, der die Haut weiter trocknen kann. Wer viel Flüssigchalk nutzt, merkt das oft an stumpfen, rauen Fingern.

Hilft Chalk beim Grip? Was Studien zeigen

Kletternde verwenden Chalk, um Schweiß zu binden und besser zu halten. Die Studienlage dazu ist gemischt:

Studie Aufbau Ergebnis
Li et al. 2001 15 Personen, Fingerkuppen auf Sandstein, Granit und Schiefer, mit und ohne Chalk, trocken und feucht Chalk verringerte die Reibung; Wasser hatte keinen deutlichen Einfluss
Amca et al. 2012 11 erfahrene Kletternde hingen an Griffen auf einem kippbaren Brett, Sandstein und Kalk Chalk erhöhte die Reibung, um 18,7 % auf Kalk und 21,6 % auf Sandstein
Kilgas et al. 2016 19 Kletternde, Kletterzug und anschließendes Hängen, mit und ohne Chalk kein Unterschied in der Reibung, aber längeres Hängen mit Chalk: im Mittel 62,9 statt 49,3 Sekunden
Bacon et al. 2018 9 Freizeitkletternde, Klimmzüge mit Gewichtsentlastung an offenen und Zangengriffen mit Chalk mehr Wiederholungen bei beiden Griffarten

Die Studien unterscheiden sich stark in Aufbau, Gestein und Messmethode. Ein gemeinsamer Nenner lässt sich trotzdem ableiten. Eine Studie zum Halten von Gegenständen fand, dass die nötige Griffkraft bei einer mittleren, „passenden“ Hautfeuchte am geringsten war, nicht bei möglichst trockener Haut (André et al. 2010). Chalk hilft also vor allem gegen zu viel Schweiß. Mehr Chalk auf schon trockener Haut bringt keinen Vorteil und belastet die Haut zusätzlich.

Chalkstaub in der Halle

In neun Kletterhallen lag die Feinstaubbelastung (PM10) im Mittel bei 200 bis 500 Mikrogramm pro Kubikmeter, in Zeiten mit viel Betrieb bei 1.000 bis 4.000. Die Werte blieben unter den damaligen deutschen Arbeitsplatzgrenzwerten, lagen aber deutlich über denen von Schulen und normalen Sporthallen (Weinbruch et al. 2008). In einer Folgestudie senkte nur Flüssigchalk die Staubmenge ähnlich stark wie ein Chalkverbot; Chalkbälle, Blöcke und grobes Pulver änderten wenig (Weinbruch et al. 2012). Für die Haut ist Flüssigchalk wegen des Alkohols dagegen eher austrocknender. Es lohnt sich, beides abzuwägen, zum Beispiel Flüssigchalk als Grundlage und nur bei Bedarf etwas Pulver.

Nach der Session: Chalk runter, Pflege drauf

Chalk, das stundenlang auf der Haut bleibt, zieht weiter Feuchtigkeit. Deshalb gehört das Entfernen zur Routine.

  1. Abklopfen und abbürsten: Grobes Chalk über dem Chalkbag abklopfen.
  2. Lauwarm waschen: Mit einer milden Seife und nicht zu heißem Wasser. Heißes Wasser und langes Schrubben lösen zusätzlich Hautfett. Warum häufiges Waschen die Hände austrocknet, erklärt Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen.
  3. Trocken tupfen: Nicht rubbeln, besonders nicht an eingerissenen Stellen.
  4. Eincremen: Eine dünne Schicht Creme aus Wachsen und Ölen auf Fingerkuppen, Handflächen und Handrücken, am besten auf die noch leicht feuchte Haut. Wann welche Menge sinnvoll ist, steht unter Vor oder nach dem Klettern eincremen?.
  5. Abends nachlegen: Vor dem Schlafen eine etwas dickere Schicht.

Ein Film aus Wachsen und Ölen verringert die Verdunstung aus der Haut, bis du wieder in die Halle gehst. Das Prinzip erklärt Okklusion und transepidermaler Wasserverlust. Wie du Hornhaut an den Fingern pflegst und feilst, steht unter Hornhaut an den Fingerkuppen beim Klettern.

Wann du vorsichtig sein solltest

Offene, eingerissene oder blutende Stellen gehören weder in den Chalkbag noch unter eine Creme. Halte sie sauber, deck sie ab und gönn ihnen Pause. Wenn eine Stelle stark gerötet, geschwollen, warm oder schmerzhaft wird oder sich nach einigen Tagen nicht bessert, lass sie ärztlich ansehen. Reagiert deine Haut auf Chalk oder Flüssigchalk mit Rötung oder Brennen, setz das Produkt ab.

Häufige Fragen

Trocknet Chalk die Haut dauerhaft aus?
Chalk entzieht der Oberfläche Feuchtigkeit, solange es auf der Haut ist. Wenn du es nach dem Klettern abwäschst und die Hände eincremst, erholt sich die Hornschicht zwischen den Sessions.

Ist Flüssigchalk hautfreundlicher als Pulver?
Nicht unbedingt. Flüssigchalk staubt weniger, enthält aber meist Alkohol, der die Haut zusätzlich trocknet. Welche Form du nutzt, ist ein Abwägen zwischen Hallenluft und Hautgefühl.

Soll ich vor dem Chalken eincremen?
Nein, nicht direkt davor. Ein frischer Fettfilm verklumpt das Chalk und kann an Griffen Rückstände hinterlassen. Creme nach dem Klettern und am Abend.

Warum fühlen sich meine Hände nach dem Waschen stumpf an?
Chalk und Seife haben Fett und Feuchtigkeit von der Oberfläche genommen. Das ist der Moment für eine dünne Schicht Creme.

Hilft mehr Chalk bei sehr trockenen Fingern?
Nein. Chalk bindet Feuchtigkeit. Wenn die Finger ohnehin trocken sind, bringt zusätzliches Chalk keinen Halt, sondern macht die Haut noch steifer.

Bei forpeople

Für die Pflege nach dem Klettern sind die festen Handcremes gedacht. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (9,90 €) besteht laut Inhaltsstoffliste aus Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut-Extrakt und Aloe-Extrakt und enthält keine ätherischen Öle. Die Feste Handcreme – Bergamotte (9,90 €) ist vegan, mit Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl; ihr Duft kommt aus Zitronen- und Bergamotteöl. Beide sind wasserfrei und lassen sich in dünner Schicht auftragen. Wenn die Dose leer ist, füllst du sie mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs oder dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte nach (je 7,90 €). Zum Waschen nach der Session passt eine feste Seife wie die Feste Seife – Rosmarin & Zitrone (8,90 €); Seifen enthalten Wasser und sind nicht wasserfrei. Mehr über Handpflege beim Klettern findest du in den Blogartikeln Handpflege für Kletterer und Vegane Handpflege für Kletterer.

Mehr dazu: Vor oder nach dem Klettern eincremen? · Hornhaut an den Fingerkuppen · Candelillawachs oder Bienenwachs · Handpflege bei Handwerk und Garten

Quellen

  1. Li FX, Margetts S, Fowler I (2001): Use of 'chalk' in rock climbing: sine qua non or myth? Journal of Sports Sciences 19(6): 427–432. https://doi.org/10.1080/026404101300149375
  2. Amca AM, Vigouroux L, Aritan S, Berton E (2012): The effect of chalk on the finger-hold friction coefficient in rock climbing. Sports Biomechanics 11(4): 473–479. https://doi.org/10.1080/14763141.2012.724700
  3. Kilgas MA, Drum SN, Jensen RL, Phillips KC, Watts PB (2016): The Effect of Magnesium Carbonate (Chalk) on Geometric Entropy, Force, and Electromyography During Rock Climbing. Journal of Applied Biomechanics 32(6): 553–557. https://doi.org/10.1123/jab.2016-0009
  4. Bacon NT, Ryan GA, Wingo JE, Richardson MT, Pangallo T, Bishop PA (2018): Effect of Magnesium Carbonate Use on Repeated Open-Handed and Pinch Grip Weight-Assisted Pull-Ups. International Journal of Exercise Science 11(4): 479–492. PMID 29541333. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29541333/
  5. Weinbruch S, Dirsch T, Ebert M, Hofmann H, Kandler K (2008): Dust exposure in indoor climbing halls. Journal of Environmental Monitoring 10(5): 648–654. https://doi.org/10.1039/b719344k
  6. Weinbruch S, Dirsch T, Kandler K, Ebert M, Heimburger G, Hohenwarter F (2012): Reducing dust exposure in indoor climbing gyms. Journal of Environmental Monitoring 14(8): 2114–2120. https://doi.org/10.1039/c2em30289f
  7. André T, Lefèvre P, Thonnard JL (2010): Fingertip moisture is optimally modulated during object manipulation. Journal of Neurophysiology 103(1): 402–408. https://doi.org/10.1152/jn.00901.2009