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Vor oder nach dem Klettern eincremen?

Kurz gesagt

Creme deine Hände nach dem Klettern ein, nicht direkt davor. Ein frischer Fettfilm auf den Fingerkuppen fühlt sich am Griff in der Praxis rutschig an, verklumpt das Chalk und hinterlässt Rückstände an den Griffen. Nach der Session, abends und an Ruhetagen hat die Pflege dagegen Zeit einzuziehen und hält die Haut bis zum nächsten Klettertag geschmeidig. Wer am Klettertag selbst pflegen möchte, cremt am Morgen dünn ein und wäscht sich vor der Session die Hände.

Warum nicht direkt vor dem Klettern

Kletternde brauchen an den Fingerkuppen vor allem Reibung. Die hängt von vielen Dingen ab: Gestein oder Kunstgriff, Druck, Temperatur und der Feuchtigkeit der Haut. Laborstudien zur Reibung von Haut zeigen, dass Wasser und Cremes die Reibung messbar verändern (Sivamani et al. 2003). Eine Studie zum Halten von Gegenständen fand, dass Menschen bei einer mittleren Hautfeuchte am wenigsten Kraft zum Festhalten brauchten, nicht bei sehr trockener und nicht bei sehr feuchter Haut (André et al. 2010).

Wie sich eine frisch aufgetragene Creme am Klettergriff auswirkt, hat nach unserem Kenntnisstand niemand gemessen. Die Erfahrung vieler Kletternder ist eindeutig: Direkt nach dem Eincremen fühlen sich Griffe rutschig an, das Chalk bildet Klümpchen, und auf den Griffen bleibt ein Film zurück, der auch für die nächsten Kletternden unangenehm ist. Deshalb gehört die Creme nicht in die Zeit kurz vor der Session.

Timing im Überblick

Zeitpunkt Was du tust Warum
Abend vor dem Klettertag Hände waschen, eincremen, etwas mehr als tagsüber die Pflege hat über Nacht Zeit einzuziehen
Morgen des Klettertags dünn eincremen, wenn die Hände spannen bis zur Session ist der Film eingezogen oder abgetragen
Kurz vor der Session Hände mit Wasser und milder Seife waschen, gut abtrocknen Cremereste und Hautfett entfernen, damit das Chalk gut haftet
Während der Session nicht eincremen; Chalk sparsam, Hände zwischendurch nicht in Wasser tauchen Grip erhalten, Haut nicht aufweichen
Direkt danach Chalk abwaschen, trocken tupfen, dünn eincremen Chalk zieht sonst weiter Feuchtigkeit aus der Haut
Abends eine dickere Schicht, bei Bedarf dünne Baumwollhandschuhe die Hände ruhen, die Pflege bleibt länger auf der Haut
Ruhetag mehrmals am Tag eincremen, abends reichlich die Haut kann sich ohne Chalk und Reibung erholen

Die Zeitpunkte sind Erfahrungswerte aus der Kletterpraxis. Wie schnell eine Creme einzieht, hängt von der Menge, der Rezeptur und deiner Haut ab. Feste Cremes lassen sich besonders dünn dosieren; wie das geht, steht unter Feste Creme richtig auftragen. Wie lange ein Film überhaupt auf der Haut bleibt, erklärt Wie lange hält ein Pflegefilm?.

Direkt nach dem Klettern

Nach der Session ist die Haut an den Fingern trocken vom Chalk und von der Reibung beansprucht. Chalk bindet Feuchtigkeit; eine Laborstudie beschreibt, dass es die Haut trocknet und steifer macht (Li et al. 2001). Wasch das Chalk mit lauwarmem Wasser ab, tupfe die Hände trocken und trag dann eine dünne Schicht auf. Am besten wirkt ein fetthaltiger Film auf leicht feuchter Haut: Er hält die Feuchtigkeit, die noch in der Hornschicht ist (Sethi et al. 2016). Warum ein Film aus Wachs und Öl die Verdunstung bremst, steht unter Okklusion und transepidermaler Wasserverlust.

Offene, eingerissene oder blutende Stellen cremst du nicht ein. Halte sie sauber und deck sie ab. Wie du mit abgerissener Hornhaut umgehst, steht unter Hornhaut an den Fingerkuppen beim Klettern.

Nachtpflege

Der Abend ist der wichtigste Zeitpunkt. Messungen über 24 Stunden zeigen, dass der Wasserverlust über die Haut abends und nachts höher ist als am Morgen (Yosipovitch et al. 1998). Gleichzeitig beanspruchst du die Hände im Schlaf kaum, die Creme wird nicht abgewischt und bleibt länger auf der Haut. Nimm abends etwas mehr als tagsüber und massiere die Creme besonders in Fingerkuppen, Nagelränder und Beugefalten ein. Dünne Baumwollhandschuhe halten die Pflege an den Händen und schützen die Bettwäsche. Glänzen die Hände am Morgen noch stark, war es zu viel.

Ruhetage

An Tagen ohne Klettern kannst du großzügiger pflegen. Creme nach jedem Händewaschen dünn nach, denn häufiges Waschen trocknet die Hände zusätzlich aus. Mehr dazu unter Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen. Ruhetage sind auch ein guter Zeitpunkt, um dicke Hornhautränder zu feilen, damit sie bis zur nächsten Session wieder fest sind. Wie Chalk die Haut beansprucht, liest du unter Chalk beim Klettern: Was Magnesia mit der Haut macht.

Welche Pflege sich eignet

  • Fetthaltig statt wässrig: Eine Creme aus Wachsen, Buttern und Ölen legt einen Film auf, der die Verdunstung verringert. Bei wasserreichen Lotionen verdunstet zuerst das Wasser; auf der Haut bleibt der kleinere Fettanteil.
  • Dünn dosierbar: Nach der Session und tagsüber reicht wenig. Eine feste Creme gibt nur ab, was du über die Haut streichst.
  • Handlich: Eine Dose passt in die Klettertasche und läuft nicht aus.
  • Duft nach Wunsch: Ätherische Öle bringen Duft und deklarationspflichtige Duftstoffbestandteile mit. Wer empfindlich reagiert, wählt eine Creme ohne. Mehr dazu unter Ohne Duft und ätherische Öle.

Wenn deine Haut auf ein Produkt mit Rötung oder Brennen reagiert, beende die Anwendung. Bleiben Risse trotz Pflege über Wochen bestehen oder werden Stellen rot, warm und schmerzhaft, lass sie ärztlich ansehen.

Häufige Fragen

Wie lange vor dem Klettern sollte ich nicht mehr eincremen?
Das hängt von Menge und Creme ab. Viele Kletternde cremen am Morgen dünn ein und waschen sich vor der Session die Hände. Direkt davor cremst du nicht ein.

Reicht es, nur nach dem Klettern einzucremen?
Nach dem Klettern und am Abend sind die wichtigsten Zeitpunkte. An Ruhetagen darfst du öfter pflegen.

Macht Eincremen die Hornhaut zu weich?
Nicht, wenn du nach dem Klettern und abends pflegst. Die Creme soll die Hornhaut geschmeidig halten, damit sie nicht spröde wird und einreißt. Aufgeweicht wird Haut vor allem durch langes Wasser, etwa ein Bad direkt vor dem Klettern.

Was mache ich bei offenen Stellen?
Nicht eincremen, sauber halten, abdecken und die Stelle schonen. Wird sie rot, warm oder schmerzhaft, lass sie ärztlich ansehen.

Kann ich während einer langen Session zwischendurch eincremen?
Besser nicht. Ein frischer Fettfilm macht Griffe rutschig und verklumpt das Chalk. Pflege nach der Session.

Bei forpeople

Für die Pflege nach dem Klettern sind zwei feste Handcremes gedacht. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (9,90 €) enthält laut Inhaltsstoffliste Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut-Extrakt und Aloe-Extrakt und keine ätherischen Öle. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (9,90 €) basiert auf Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl; ihren Duft bringen Zitronen- und Bergamotteöl mit den deklarierten Duftstoffbestandteilen Limonene, Geraniol, Citral und Linalool. Beide sind wasserfrei. Die leere Dose füllst du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs oder dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte nach (je 7,90 €). Für Klettertasche und Nachttisch gibt es jeweils zwei Cremes im Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) und im Handpflege-Set vegan – gegen trockene Hände (2× Bergamotte) (je 16,90 €). Mehr über beide Cremes beim Klettern steht in den Blogartikeln Handpflege für Kletterer und Vegane Handpflege für Kletterer.

Mehr dazu: Chalk und Haut · Hornhaut an den Fingerkuppen · Candelillawachs oder Bienenwachs · Handcreme zum Nachfüllen

Quellen

  1. Sivamani RK, Goodman J, Gitis NV, Maibach HI (2003): Coefficient of friction: tribological studies in man – an overview. Skin Research and Technology 9(3): 227–234. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2003.02366.x
  2. André T, Lefèvre P, Thonnard JL (2010): Fingertip moisture is optimally modulated during object manipulation. Journal of Neurophysiology 103(1): 402–408. https://doi.org/10.1152/jn.00901.2009
  3. Li FX, Margetts S, Fowler I (2001): Use of 'chalk' in rock climbing: sine qua non or myth? Journal of Sports Sciences 19(6): 427–432. https://doi.org/10.1080/026404101300149375
  4. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  5. Yosipovitch G, Xiong GL, Haus E, Sackett-Lundeen L, Ashkenazi I, Maibach HI (1998): Time-dependent variations of the skin barrier function in humans: transepidermal water loss, stratum corneum hydration, skin surface pH, and skin temperature. Journal of Investigative Dermatology 110(1): 20–23. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.1998.00069.x