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Hornhaut an den Fingerkuppen beim Klettern pflegen

Kurz gesagt

Hornhaut an den Fingerkuppen ist beim Klettern ein Schutz: Sie soll fest, gleichmäßig und elastisch sein – nicht so dick, dass sie an Kanten hängen bleibt und abreißt, und nicht so dünn, dass die Haut darunter empfindlich wird. Dafür brauchst du zwei Dinge: dicke Ränder und harte Buckel regelmäßig glatt feilen und die Haut nach dem Klettern eincremen, damit sie nicht spröde wird. Offene oder eingerissene Stellen cremst du nicht ein, sondern hältst sie sauber, deckst sie ab und lässt sie in Ruhe.

Warum sich an den Fingern Hornhaut bildet

Die oberste Hautschicht, die Hornschicht, besteht aus abgestorbenen, flachen Zellen und erneuert sich laufend. Wo Haut immer wieder gedrückt und gerieben wird, bildet sie mehr Zellen und die Schicht wird dicker. Beim Klettern sind das die Fingerkuppen, die Beugefalten der Finger und die Stellen unter den Fingergrundgelenken. Diese Verdickung ist normal und erwünscht: Sie verteilt Druck und schützt vor Abrieb.

Verdickte Haut hat aber andere Eigenschaften als normale Haut. Eine Untersuchung an Fußsohlen zeigte, dass Hornhautstellen deutlich weniger Feuchtigkeit enthielten, weniger elastisch und rauer waren als die umgebende Haut (Hashmi et al. 2015). Die Studie betrifft Füße, der Befund passt aber zu dem, was Kletternde an den Händen erleben: Dicke, trockene Hornhaut wird starr. Warum das an der Ferse zu Rissen führt, erklärt Warum Fersenhaut so dick wird und einreißt; warum Hornhaut nach dem Abtragen wiederkommt, Hornhaut kommt immer wieder.

Zu dick, zu dünn oder genau richtig?

Zustand Woran du es merkst Was du tust
Zu dick harte, gelbliche Buckel oder Ränder, die über die Haut hinausstehen; an Leisten und Zangengriffen bleibt die Kante hängen Buckel und Ränder glatt feilen, bis sie in die umgebende Haut übergehen
Zu trocken Haut fühlt sich hart und rau an, kleine Risse an den Rändern, Chalk lässt sich kaum abwaschen nach dem Klettern und abends eincremen, auf viel Flüssigchalk verzichten
Zu dünn Fingerkuppen glänzen, sind rosa und empfindlich, Griffe brennen Pause oder leichtere Routen, nicht weiter feilen, eincremen
Zu weich Haut quillt, etwa nach langem Duschen oder bei viel Schweiß, und schiebt sich an Griffen nicht direkt nach dem Duschen klettern, Schweiß mit Chalk binden
Genau richtig fest, gleichmäßig, ohne Ränder, lässt sich leicht eindrücken und federt zurück Pflege beibehalten, nur bei Bedarf feilen

Die Tabelle beschreibt Erfahrungen aus der Kletterpraxis, keine Messwerte. Jede Haut reagiert etwas anders, und dieselbe Hand kann an verschiedenen Fingern unterschiedlich aussehen.

Feilen und schleifen: So gehst du vor

  1. Auf trockener Haut arbeiten: Feile Hornhaut, wenn sie trocken ist, nicht direkt nach dem Duschen. Aufgeweichte Haut lässt sich schlecht kontrollieren, und du nimmst leicht zu viel weg.
  2. Feines Werkzeug nehmen: Eine feine Hornhautfeile, ein feiner Schleifschwamm oder feines Schleifpapier. Grobe Raspeln, Hobel und Klingen sind für die Finger ungeeignet.
  3. Nur Buckel und Ränder: Feile die Stellen, die über die Haut hinausstehen, bis der Übergang glatt ist. Die Hornhaut selbst bleibt als Schutz erhalten.
  4. In eine Richtung, mit wenig Druck: Lieber öfter kurz als einmal viel.
  5. Danach eincremen: Frisch geglättete Haut trocknet schnell aus. Eine dünne Schicht Creme hält sie geschmeidig.

Wie oft du feilen musst, hängt davon ab, wie viel du kletterst. Viele Kletternde prüfen ihre Finger nach jeder Session und feilen einmal pro Woche nach. Feilen ersetzt nicht die Pflege, und Pflege ersetzt nicht das Feilen: Das eine hält die Hornhaut gleichmäßig, das andere elastisch.

Pflege gegen spröde Hornhaut

Die Hornschicht bleibt nur geschmeidig, wenn sie genug Wasser enthält. Eine Untersuchung an einzelnen Hornzellen zeigte, dass die Zellen mit mehr Feuchtigkeit nachgiebiger wurden und mehr Dehnung aushielten, bevor sie sich dauerhaft verformten (Évora et al. 2024). Wie viel Wasser die Hornschicht halten kann, hängt von ihren Lipiden und wasserbindenden Stoffen ab (Rawlings & Harding 2004). Chalk wirkt dem entgegen: Es trocknet die Haut, und trockene Haut wird weniger nachgiebig (Li et al. 2001). Was Chalk genau mit der Haut macht, steht unter Chalk beim Klettern: Was Magnesia mit der Haut macht.

Eine Creme aus Wachsen und Ölen legt nach dem Klettern einen Film auf, der die Verdunstung verringert. So verliert die Hornhaut über Nacht weniger Wasser. Wichtig ist das Timing: nach der Session und abends, nicht direkt vor dem Klettern. Die Gründe stehen unter Vor oder nach dem Klettern eincremen?. Wie du feste Creme dünn und gleichmäßig aufträgst, erklärt Feste Creme richtig auftragen.

Weiche die Hände vor dem Klettern nicht lange ein. In einer Laborstudie erwärmte sich zuvor gewässerte Haut unter wiederholter Reibung schneller als trockene, was die Autorinnen und Autoren als höheres Risiko für Reibungsblasen deuten (Kirkham et al. 2014). Die Studie betrifft die Ferse, das Prinzip gilt aber auch für Finger: Aufgeweichte Haut verträgt Reibung schlechter.

Offene Stellen und abgerissene Haut

Reißt ein Stück Hornhaut ab, bleibt oft ein Rand aus loser Haut und darunter eine empfindliche oder offene Stelle. Hier gilt:

  • Nicht eincremen: Creme gehört nicht auf offene oder verletzte Haut. Das steht auch in den Sicherheitshinweisen der meisten Pflegeprodukte.
  • Sauber halten: Mit klarem Wasser reinigen und vorsichtig trocknen.
  • Lose Ränder kürzen: Überstehende, lose Haut mit einer sauberen Nagelschere knapp abschneiden, damit sie nicht an Griffen hängen bleibt und weiter einreißt. Nicht in die gesunde Haut schneiden.
  • Abdecken und Pause: Mit einem Pflaster oder Tape abdecken und die Stelle nicht belasten, bis sie geschlossen ist.
  • Ärztlich ansehen lassen: wenn die Stelle stark gerötet, geschwollen, warm oder schmerzhaft wird, eitert oder sich nach einigen Tagen nicht bessert.

Ist die Haut wieder geschlossen, cremst du die Umgebung wie gewohnt ein und feilst den Rand erst, wenn er wirklich trocken und fest ist.

Häufige Fragen

Soll ich meine Hornhaut an den Fingern ganz entfernen?
Nein. Die Hornhaut schützt die Fingerkuppen beim Klettern. Feile nur Buckel und Ränder, die über die Haut hinausstehen.

Macht Eincremen die Hornhaut zu weich zum Klettern?
Nicht, wenn du nach dem Klettern und abends eincremst. Die Pflege soll die Hornhaut elastisch halten, nicht aufweichen. Direkt vor dem Klettern cremst du nicht ein.

Womit feile ich am besten?
Mit einer feinen Hornhautfeile, einem feinen Schleifschwamm oder feinem Schleifpapier. Wichtig ist, dass du wenig Druck ausübst und nur überstehende Stellen bearbeitest.

Warum reißt meine Hornhaut immer an derselben Stelle?
Meist ist dort ein dicker Rand entstanden, der an Griffen hängen bleibt, oder die Haut ist an dieser Stelle besonders trocken. Feile den Rand glatt und creme die Stelle nach jeder Session ein.

Kann ich mit einer frisch eingerissenen Stelle weiterklettern?
Besser nicht. Deck die Stelle ab und gönn ihr Pause. Wenn du trotzdem kletterst, dann nur Routen, die die Stelle nicht belasten.

Bei forpeople

Für die Pflege nach dem Klettern gibt es zwei feste Handcremes. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (9,90 €) enthält laut Inhaltsstoffliste Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut-Extrakt und Aloe-Extrakt, ohne ätherische Öle. Die vegane Feste Handcreme – Bergamotte (9,90 €) basiert auf Candelillawachs, Jojobaöl, Olivenöl, Sheabutter und Hanföl und duftet nach Zitronen- und Bergamotteöl. Beide sind wasserfrei und kommen in einer Dose, die du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs oder dem Feste Handcreme Refiller – Bergamotte nachfüllst (je 7,90 €). Wer eine Dose für die Klettertasche und eine für zu Hause möchte, nimmt das Handpflege-Set – gegen raue, rissige Hände (2× feste Handcreme) oder das Handpflege-Set vegan – gegen trockene Hände (2× Bergamotte) (je 16,90 €). Mehr über Handpflege beim Klettern steht in den Blogartikeln Handpflege für Kletterer und Vegane Handpflege für Kletterer.

Mehr dazu: Chalk und Haut · Vor oder nach dem Klettern eincremen? · Candelillawachs oder Bienenwachs · Wie lange hält ein Pflegefilm?

Quellen

  1. Hashmi F, Nester C, Wright C, Newton V, Lam S (2015): Characterising the biophysical properties of normal and hyperkeratotic foot skin. Journal of Foot and Ankle Research 8: 35. https://doi.org/10.1186/s13047-015-0092-7
  2. Évora AS, Zhang Z, Johnson SA, Adams MJ (2024): The effects of hydration on the topographical and mechanical properties of corneocytes. Journal of the Mechanical Behavior of Biomedical Materials 150: 106296. https://doi.org/10.1016/j.jmbbm.2023.106296
  3. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatologic Therapy 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  4. Li FX, Margetts S, Fowler I (2001): Use of 'chalk' in rock climbing: sine qua non or myth? Journal of Sports Sciences 19(6): 427–432. https://doi.org/10.1080/026404101300149375
  5. Kirkham S, Lam S, Nester C, Hashmi F (2014): The effect of hydration on the risk of friction blister formation on the heel of the foot. Skin Research and Technology 20(2): 246–253. https://doi.org/10.1111/srt.12136