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Fett und Feuchtigkeit: was in welche Schicht der Hautbarriere gehört

Kurz gesagt

In der Hornschicht sitzen Wasser und Fett an verschiedenen Orten: Das Wasser wird vor allem in den Hornzellen gebunden, das Fett liegt als geordnete Schichten zwischen ihnen und als Hauttalg obenauf. Deshalb ersetzen sich Feuchtigkeit und Fett nicht: Fett bringt kein Wasser mit, und Wasser hält ohne Fett nicht lange. Pflege wirkt entsprechend in Schichten: Feuchthaltemittel binden Wasser in den oberen Lagen, Öle füllen die Lücken zwischen den obersten Hornzellen, Wachse und Buttern bremsen als Film obenauf die Verdunstung. Tiefer als in die oberen Lagen der Hornschicht dringen Pflanzenöle nach Messungen nicht ein.

„Spendet Feuchtigkeit“ steht auf der einen Tube, „reichhaltige Fettpflege“ auf der anderen. Wer trockene Haut hat, fragt sich, was davon die Haut eigentlich braucht und wo das Aufgetragene hingeht. Die Grundlagen, also das Bild von Ziegeln und Mörtel und die vier Bausteine der Barriere, stehen unter Die Hautbarriere einfach erklärt. Diese Seite geht eine Ebene tiefer: wie dick die Schichten sind, wo genau Wasser und Fett sitzen, was Waschen daran ändert und welcher Pflegebaustein in welche Schicht gehört.

Die Schichten von außen nach innen

Die Hornschicht ist dünn und unterschiedlich dick. Mit konfokaler Raman-Spektroskopie, die den Wassergehalt in verschiedenen Tiefen misst, schätzten Forschende ihre Dicke an der Wange auf 16,8 Mikrometer, am Unterarm auf 22,6, am Handrücken auf 29,3 und an der Handfläche auf 173,0 Mikrometer (Egawa et al. 2007). Darüber liegt ein dünner Oberflächenfilm, darunter die lebende Oberhaut.

Schicht Woraus sie besteht Was sie für Wasser und Fett bedeutet
Oberflächenfilm Hauttalg aus den Talgdrüsen, Schweiß, abgelöste Zellreste Talg enthält vor allem Wachsester und Squalen; an Handflächen und Fußsohlen gibt es keine Talgdrüsen
Hornschicht: Hornzellen abgestorbene, flache Zellen voller Keratin, mit festem Eiweißmantel Hier wird Wasser gebunden, durch den natürlichen Feuchthaltefaktor (NMF)
Hornschicht: Zwischenräume geordnete Fettschichten aus Ceramiden, Cholesterin und freien Fettsäuren bremsen den Durchtritt von Wasser; einziger durchgehender Weg durch die Hornschicht
Grenze zur lebenden Oberhaut dicht verbundene Zellen hier springt der Wassergehalt deutlich nach oben
lebende Oberhaut Zellen mit Zellkern, Wasserkanäle in den Membranen wasserreich; hier entstehen Hornzellen, NMF-Vorstufen und Barrierefette

Quellen: Talg (Smith & Thiboutot 2008); NMF und Fettschichten (Rawlings & Harding 2004), (Bouwstra et al. 2023); Grenzschicht und Wasserkanäle (Verdier-Sévrain & Bonté 2007), (Warner et al. 1988).

Wo das Wasser sitzt

In den lebenden Zellen ist der Wassergehalt hoch und annähernd gleich. An der Grenze zur Hornschicht fällt er sprunghaft ab, und durch die Hornschicht hindurch nimmt er nach außen ungefähr gleichmäßig weiter ab. Das zeigten schon Messungen an schockgefrorener Haut; die Autoren folgerten, dass der Wasserverlust vor allem vom Übertritt des Wassers in die Fettbereiche bestimmt wird (Warner et al. 1988). An der Grenze zur Hornschicht liegen außerdem dicht schließende Zellverbindungen, in der lebenden Oberhaut Wasserkanäle in den Zellmembranen, die Aquaporine (Verdier-Sévrain & Bonté 2007).

Gebunden wird das Wasser in der Hornschicht vom natürlichen Feuchthaltefaktor. Das ist ein Gemisch kleiner, wasserlöslicher Stoffe, das in den Hornzellen entsteht, wenn das Eiweiß Filaggrin abgebaut wird (Rawlings & Harding 2004). Mit Raman-Messungen lassen sich seine wichtigsten Bestandteile in verschiedenen Tiefen verfolgen: Aminosäuren wie Serin, Glycin, Arginin und Alanin, dazu Pyrrolidoncarbonsäure und Urocaninsäure; aus dem Schweiß kommen Milchsäure und Harnstoff dazu (Caspers et al. 2001). Auch Glycerin kommt als hauteigenes Feuchthaltemittel in der Hornschicht vor (Verdier-Sévrain & Bonté 2007).

Der Feuchthaltefaktor nimmt nach innen zu, und Waschen trägt ihn ab: In einer Untersuchung mit Klebestreifen fanden Forschende in tieferen Lagen mehr davon. Das Herauslösen von Fett zusammen mit Einweichen in Wasser führte zu einem größeren Verlust als jede der beiden Maßnahmen allein (Robinson et al. 2010). Das passt zu der Erfahrung, dass ein langes heißes Bad mit viel Seife die Haut danach trockener zurücklassen kann als eine kurze Dusche. Wie sich das anfühlt und was hilft, beschreibt Warum spannt die Haut nach dem Duschen?

Wasser ist dabei nicht nur für das Gefühl wichtig. Die Hornschicht reift nur bei ausreichender Feuchte richtig aus, und die Enzyme, die die Verbindungen zwischen den obersten Hornzellen lösen, brauchen freies Wasser. Fehlt es, lösen sich die Zellen nicht mehr einzeln, sondern in sichtbaren, pudrigen Schuppen (Harding et al. 2000), (Verdier-Sévrain & Bonté 2007).

Wo das Fett sitzt: drei verschiedene Fette

„Hautfett“ ist kein einheitlicher Stoff. In und auf der Hornschicht gibt es drei Fettsysteme mit verschiedenen Aufgaben.

  • Die Fettschichten zwischen den Hornzellen: Ceramide, Cholesterin und freie Fettsäuren bilden parallel zur Hautoberfläche gestapelte Lamellen. Röntgenmessungen zeigen zwei Anordnungen mit Wiederholungsabständen von etwa 13 und 6 Nanometern; die Fettketten sind überwiegend sehr dicht gepackt, in der sogenannten orthorhombischen Anordnung (Bouwstra et al. 2023). Weil das Wasser um die Hornzellen herum einen langen, verwinkelten Weg nehmen muss, bremst schon dieser Umweg die Verdunstung (Rawlings & Harding 2004). Was Ceramide sind und was Öle dazu beitragen können, vertieft Ceramide und Pflanzenöle: was Öle für die Hautbarriere leisten.
  • Der Fettmantel der Hornzellen: An der Eiweißhülle jeder Hornzelle ist eine einzelne Lage Fett fest gebunden, darunter Ceramide. Sie dient als Vorlage, an der sich die Lamellen parallel zur Zelloberfläche ausrichten (Bouwstra et al. 2023).
  • Der Hauttalg: Er kommt aus den Talgdrüsen und überzieht die Oberfläche. Kennzeichnend für ihn sind Wachsester und Squalen. Talgdrüsen gibt es fast überall, nur nicht an Handflächen und Fußsohlen (Smith & Thiboutot 2008). Warum Hände deshalb schneller austrocknen, steht unter Warum Hände schneller austrocknen als andere Haut.

Zusammengehalten werden die Hornzellen außerdem von Eiweißnieten, den Korneodesmosomen, und von ihrer verzahnten Form (Harding et al. 2000). Die Fettschichten sind also Dichtung und Kitt zugleich, aber nicht das einzige, was die Hornschicht zusammenhält.

Was Pflege in welcher Schicht tut

Pflege kann die eigene Barriere nicht ersetzen. Sie kann aber an den Stellen ansetzen, an denen Wasser verloren geht. Die Tabelle ordnet die üblichen Bausteine den Schichten zu.

Baustein Beispiele in der Inhaltsstoffliste Wo er wirkt Was er tut, was nicht
Wasser Aqua, Aloe Barbadensis Leaf Juice Oberfläche, oberste Lagen lässt die Hornschicht kurz aufquellen; verdunstet ohne Film rasch wieder
Feuchthaltemittel Glycerin, Urea, Milchsäure obere Hornschicht binden Wasser, ähnlich wie der hauteigene Feuchthaltefaktor; halten es ohne Film nicht dauerhaft
Öle (Emollienzien) Pflanzenöle, Jojobaöl Oberfläche und oberste Lagen der Hornschicht machen raue Stellen glatt, bilden einen teilweise durchlässigen Film
Wachse, Buttern, Vaseline (Okklusiva) Cera Alba, Butyrospermum Parkii Butter, Petrolatum auf der Oberfläche bremsen als dichterer Film die Verdunstung; bringen kein Wasser mit
hautgleiche Fette Ceramide, Cholesterin, Fettsäuren Zwischenräume der Hornschicht können sich in die Lamellen einfügen; es kommt auf die Mischung an

Einordnung nach den Quellen im Text: Aufquellen (Egawa et al. 2007); Eindringtiefe und Abdichtung von Ölen und Vaseline (Patzelt et al. 2012); Feuchthaltefaktor (Rawlings & Harding 2004). Die Einteilung in Feuchthaltemittel, Emollienzien und Okklusiva erklärt Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien; ob Glycerin die Haut austrocknet, Trocknet Glycerin die Haut aus?

Zur Eindringtiefe gibt es eine klare Messung: Vier Pflanzenöle und Paraffinöl gelangten bei sechs Freiwilligen nur in die ersten, obersten Lagen der Hornschicht. Bis auf Jojobaöl senkten alle Öle den Wasserverlust ähnlich stark, Vaseline am stärksten (Patzelt et al. 2012). Öle wirken also als halbdichter Film und als Glättung der obersten Lagen, nicht in der Tiefe. Wie dicht ein Film abschließen sollte, beschreibt Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.

Die Reihenfolge: wässrig vor fettig

Aus der Lage der Schichten folgt eine einfache Regel: zuerst Wasser in die Hornschicht, dann Fett darüber. Nach einer Dusche oder einem Bad ist die Hornschicht vollgesogen; in der Raman-Messung vergrößerten 90 Minuten Wasserkontakt ihre scheinbare Dicke bis auf das Doppelte (Egawa et al. 2007). Dieses Wasser verdunstet in den Minuten danach. Ein Film aus Öl, Butter oder Wachs, aufgetragen auf die noch leicht feuchte Haut, hält einen Teil davon länger.

  1. Kurz und lauwarm waschen, Seife nur dort, wo es nötig ist.
  2. Die Haut nur abtupfen, nicht trocken rubbeln.
  3. Im Gesicht oder auf größeren Flächen nach Wunsch eine wässrige Pflege auftragen, etwa das Aloe Vera Serum 99,6%.
  4. Darüber einen Fettfilm: wenige Tropfen Öl im Gesicht, zum Beispiel das Faceoil - Lavendel, am Körper die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, an den Händen die Feste Handcreme – Bienenwachs.

Wie schnell das nach dem Duschen passieren sollte, steht unter Wie schnell nach dem Duschen eincremen? Die 3-Minuten-Regel, das Kombinieren von Serum und fester Creme unter Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren. Eine abendliche Variante mit besonders dichtem Abschluss ist Slugging und Skin Flooding: was dahintersteckt und wie es mit wasserfreier Pflege geht. Wann die fettreichere und wann die wasserreichere Creme passt, vergleicht Fettcreme oder Feuchtigkeitscreme? Was trockene Haut braucht, und welchen Anteil die Raumluft hat, Luftfeuchtigkeit und Haut.

Wann ärztlichen Rat holen?

Schuppt die Haut trotz dieser Routine über Wochen stark, reißt sie ein, blutet, nässt oder juckt sie deutlich, lass sie ärztlich ansehen. Hinter anhaltend trockener Haut können Hauterkrankungen oder innere Ursachen stecken, die Kosmetik nicht behandelt.

Häufige Fragen

Kann man der Haut von außen Feuchtigkeit geben?
Kurzfristig ja: Wasser und Feuchthaltemittel lassen die oberen Lagen der Hornschicht aufquellen. Damit das Wasser bleibt, braucht es einen Fettfilm darüber; sonst verdunstet es wieder.

Spendet ein Öl Feuchtigkeit?
Nein. Öl enthält kein Wasser. Es verringert, wie schnell vorhandenes Wasser verdunstet, und macht die Oberfläche geschmeidig. Am meisten bringt es auf leicht feuchter Haut.

Wie tief dringt Öl in die Haut ein?
Nach Messungen mit Lasermikroskopie nur in die obersten Lagen der Hornschicht. Das ist kein Mangel: Dort sitzt die Verdunstungsbremse, die es braucht.

Warum schuppt trockene Haut?
Die Enzyme, die die Verbindungen zwischen den obersten Hornzellen lösen, brauchen Wasser. Ist die Hornschicht zu trocken, lösen sich die Zellen in sichtbaren Schuppen statt einzeln und unbemerkt.

Warum fühlt sich die Haut nach einem langen Bad trockener an als vorher?
Langes Einweichen und Seife lösen Fett und wasserbindende Stoffe aus den oberen Lagen. Danach verdunstet das aufgenommene Wasser, und es fehlt an Stoffen, die es halten.

Wie dick ist die Hornschicht?
Im Gesicht um 17, am Unterarm um 23 und am Handrücken um 29 Mikrometer, an der Handfläche ein Vielfaches davon, nach einer Messung rund 173 Mikrometer.

Brauchen Hände mehr Fett als das Gesicht?
Handflächen haben keine Talgdrüsen und werden oft gewaschen. Ihnen fehlt der Talgfilm, den die Haut anderswo selbst bildet. Deshalb lohnt dort ein Fettfilm nach dem Waschen besonders.

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Für die Schichtpflege aus Wasser und Fett; die Inhaltsstoffe stehen vollständig auf den Produktseiten.

  • Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml, 9,90 €: die wässrige Schicht für Gesicht, Körper und Haare, aus Aloe-Saft, mit Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat.
  • Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanföl mit ätherischem Lavendelöl; als Fettfilm über dem Serum im Gesicht.
  • Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: wasserfrei, mit Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl und Sheabutter; für den Körper nach dem Duschen.
  • Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: wasserfrei, aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, ohne ätherische Öle; für die Hände nach dem Waschen.

Nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden und die Anwendung beenden, wenn die Haut reagiert. Das Serum nicht in die Augen bringen.

Mehr dazu: Shea-, Kakao- oder Mangobutter? Pflanzenbuttern im Vergleich

Aus dem Blog: Gesicht und Lippen durch den Winter: Routine für jeden Tag

Quellen

  1. Egawa M, Hirao T, Takahashi M (2007): In vivo estimation of stratum corneum thickness from water concentration profiles obtained with Raman spectroscopy. Acta Dermato-Venereologica 87(1): 4–8. https://doi.org/10.2340/00015555-0183
  2. Warner RR, Myers MC, Taylor DA (1988): Electron probe analysis of human skin: determination of the water concentration profile. Journal of Investigative Dermatology 90(2): 218–224. https://doi.org/10.1111/1523-1747.ep12462252
  3. Caspers PJ, Lucassen GW, Carter EA, Bruining HA, Puppels GJ (2001): In vivo confocal Raman microspectroscopy of the skin: noninvasive determination of molecular concentration profiles. Journal of Investigative Dermatology 116(3): 434–442. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.2001.01258.x
  4. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatologic Therapy 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  5. Harding CR, Watkinson A, Rawlings AV, Scott IR (2000): Dry skin, moisturization and corneodesmolysis. International Journal of Cosmetic Science 22(1): 21–52. https://doi.org/10.1046/j.1467-2494.2000.00001.x
  6. Robinson M, Visscher M, Laruffa A, Wickett R (2010): Natural moisturizing factors (NMF) in the stratum corneum (SC). I. Effects of lipid extraction and soaking. Journal of Cosmetic Science 61(1): 13–22. PMID 20211113. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20211113/
  7. Verdier-Sévrain S, Bonté F (2007): Skin hydration: a review on its molecular mechanisms. Journal of Cosmetic Dermatology 6(2): 75–82. https://doi.org/10.1111/j.1473-2165.2007.00300.x
  8. Bouwstra JA, Nădăban A, Bras W, McCabe C, Bunge A, Gooris GS (2023): The skin barrier: An extraordinary interface with an exceptional lipid organization. Progress in Lipid Research 92: 101252. https://doi.org/10.1016/j.plipres.2023.101252
  9. Smith KR, Thiboutot DM (2008): Thematic review series: skin lipids. Sebaceous gland lipids: friend or foe? Journal of Lipid Research 49(2): 271–281. https://doi.org/10.1194/jlr.R700015-JLR200
  10. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Research and Technology 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x