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Fettcreme oder Feuchtigkeitscreme? Was trockene Haut braucht

Kurz gesagt

Trockene Haut braucht meist beides: Wasser in der Hornschicht und Fett, das dieses Wasser dort hält. Eine Feuchtigkeitscreme ist in der Regel eine Öl-in-Wasser-Emulsion mit viel Wasser und wasserbindenden Stoffen. Eine Fettcreme enthält mehr Fett als Wasser oder, wie Salben und feste Cremes, gar kein Wasser. Je rauer die Haut, je kälter die Luft und je öfter eine Stelle gewaschen wird, desto mehr spricht für die fettreichere Pflege; im Gesicht und bei Wärme reicht oft eine leichtere. Wasserfreie Pflege gehört auf leicht feuchte Haut oder über ein wässriges Produkt.

Die Frage stellt sich meist im Herbst. Die Heizung läuft, die Hände sind nach dem dritten Händewaschen rau, die Wangen spannen nach dem Weg durch den Wind, und im Bad stehen eine leichte Tagescreme und eine dicke Wintercreme. Welche passt, hängt weniger vom Namen auf der Packung ab als davon, was darin steckt, wo du sie aufträgst und wann.

Was „Fettcreme“ und „Feuchtigkeitscreme“ bedeuten

Beide Wörter sind Alltagsbegriffe, keine festgelegten Fachbegriffe. Gemeint sind meist drei Bauarten, die sich im Verhältnis von Wasser und Fett unterscheiden.

  • Öl-in-Wasser (O/W): Öltröpfchen sind in Wasser verteilt. So sind die meisten Lotionen und leichten Cremes aufgebaut, die als Feuchtigkeitscreme verkauft werden. Eine Übersichtsarbeit nennt für Körperlotionen üblicherweise 75 bis 85 Prozent Wasser, 10 bis 15 Prozent Öl und 5 bis 10 Prozent Feuchthaltemittel wie Glycerin; Handcremes sind danach meist O/W-Emulsionen mit 45 bis 80 Prozent Wasser (Barnes et al. 2021).
  • Wasser-in-Öl (W/O): Wassertröpfchen sind in Öl verteilt, außen liegt das Fett. Fachlich heißen solche Emulsionen ölige Cremes (Barnes et al. 2021). Das ist meist gemeint, wenn „Fettcreme“ auf einer Packung steht. Sie fühlen sich reichhaltiger an und lassen sich schwerer abwaschen.
  • Wasserfrei: Salben, Balsame, feste Cremes und feste Körperbuttern bestehen nur aus Ölen, Buttern und Wachsen. Nach einer gängigen Abgrenzung enthält eine Salbe weniger als 20 Prozent Wasser und flüchtige Stoffe, eine Creme mehr (Barnes et al. 2021).

Eine Emulsion braucht einen Emulgator und wegen des Wassers in der Regel eine Konservierung; wasserfreie Pflege kommt ohne beides aus. Mehr dazu unter Emulgatoren in Kosmetik: Liste, Beispiele, O/W und W/O und Balsam, Salbe, Creme, Butter: Was ist der Unterschied?

Steht „Aqua“ an erster Stelle der Inhaltsstoffliste, ist Wasser der größte Bestandteil. Fehlt Aqua und stehen Wachse, Buttern und Öle vorn, ist das Produkt wasserfrei. Ob O/W oder W/O, verrät die Liste nicht direkt: W/O-Cremes fühlen sich beim Auftragen eher warm an und glänzen, O/W-Cremes eher kühl und matt (Barnes et al. 2021). Die lateinischen Namen übersetzt INCI-Namen auf Deutsch: unsere Inhaltsstoffe übersetzt.

Wasser binden, Wasser halten: was trockener Haut fehlt

Feuchtigkeit meint in der Hautpflege Wasser in der Hornschicht, der obersten Lage der Haut. Dort halten es wasserbindende Stoffe in den Hornzellen und Fette zwischen ihnen. Gehen diese Fette verloren, hält die Hornschicht das Wasser schlechter, und die Haut wird trocken. Pflegeprodukte setzen mit drei Arten von Bausteinen an (Sethi et al. 2016):

  • Feuchthaltemittel wie Glycerin oder Urea ziehen Wasser an, aus tieferen Hautschichten und bei feuchter Luft aus der Umgebung. Dieses Wasser kann aber leicht wieder verdunsten; deshalb werden sie meist mit Okklusiva kombiniert.
  • Okklusiva wie Vaseline, Wachse oder feste Buttern legen einen wasserabweisenden Film auf die Haut und bremsen die Verdunstung, am deutlichsten auf leicht angefeuchteter Haut.
  • Emollienzien, vor allem Öle, machen die Haut weich und glatt.

Eine Feuchtigkeitscreme bringt alle drei mit, eine Fettcreme mehr Fett. Wasserfreie Pflege liefert selbst kein Wasser, sie hält das Wasser, das schon in oder auf der Haut ist. Pflanzenöle dringen nach Messungen nur in die obersten Lagen der Hornschicht ein und verringern den Wasserverlust teilweise; die Forschenden sprechen von Halbokklusion, am dichtesten schloss Vaseline ab (Patzelt et al. 2012). Ausführlich: Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien und Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.

Die wichtigste Regel: Fett allein bringt kein Wasser in die Haut, und Wasser ohne Fettfilm verdunstet bald wieder. Trockene Haut braucht beides, in einem Produkt oder in zwei Schritten.

Wann welche Pflege passt

Eine Übersichtsarbeit nennt drei Kriterien für die Wahl: Körperstelle, Zustand der Haut und persönliche Vorliebe (Barnes et al. 2021). Dazu kommen Jahres- und Tageszeit.

Hautzustand: Spannt die Haut nur kurz nach dem Waschen, sieht aber glatt aus, reicht oft eine leichte, wasserreiche Pflege. Ist sie rau, schuppig oder an Knöcheln und Fersen rissig, fehlt ihr vor allem Fett. Das sind Erfahrungswerte, keine Messgrößen.

Körperstelle: Talgdrüsen, die einen eigenen Fettfilm liefern, gibt es fast überall am Körper, nur nicht an Handflächen und Fußsohlen (Smith & Thiboutot 2008). Salbenartige Grundlagen werden fachlich vor allem für unbehaarte Stellen wie Handflächen und Fußsohlen und für trockene Bereiche an Rumpf, Armen und Beinen empfohlen; auf behaarter Haut empfinden viele sie als unangenehm. Cremes gelten als überall verwendbar, auch im Gesicht (Barnes et al. 2021). Mehr unter Warum Hände schneller austrocknen als andere Haut.

Gesicht: Das Gesicht zählt zu den fettreicheren Hautbereichen. Gesichtspflege ist überwiegend als O/W-Emulsion aufgebaut; auch Pflege für trockene Gesichtshaut kombiniert Wasser, Öl und ein filmbildendes Fett (Barnes et al. 2021). Für trockene Gesichtshaut heißt das meist: eine wässrige Schicht und darüber wenig Fett, im Winter und abends etwas mehr, an Stirn, Nase und Kinn weniger. Mehr unter Kann Gesichtsöl die Gesichtscreme ersetzen?

Jahreszeit: In einer Untersuchung an Frauen verschiedener Altersgruppen enthielt die Hornschicht an Gesicht, Hand und Bein im Winter deutlich weniger Lipide als im Frühjahr und Sommer (Rogers et al. 1996). Dazu kommt trockene Heizungsluft; im Winter spricht deshalb mehr für fettreiche Pflege. Bei Hitze gelten salbenartige Grundlagen als wenig geeignet, weil sie klebrig wirken und Schweiß zurückhalten (Barnes et al. 2021). Vor Frost schützt auch die fetteste Creme nicht. Mehr unter Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft und Kälteschutzcreme: wasserfrei, aber kein Frostschutz.

Tag und Nacht: Messungen über den Tag zeigen, dass die Haut abends und nachts durchlässiger ist als am Morgen (Yosipovitch et al. 1998). Morgens soll Pflege schnell einziehen, abends darf die Schicht dicker sein. Mehr unter Körper eincremen: morgens oder abends?

Situation Was meist passt
Gesicht im Sommer leichte, wasserreiche Pflege, bei Bedarf ein Tropfen Öl
Gesicht im Winter wässrige Schicht, darüber zwei bis drei Tropfen Öl
Hände nach häufigem Waschen Fettcreme oder feste Creme in kleiner Menge
Fersen, Ellenbogen, Schienbeine feste Creme, Salbe oder Körperbutter, gern abends
Körper nach dem Duschen Körperbutter oder Öl auf die noch feuchte Haut; im Sommer auch eine Lotion
Abends, über Nacht reichhaltiger, gern salbenartig

Feste Pflege ist reine Fettpflege: so kombinierst du sie

Feste Cremes, Salben und Körperbuttern ohne Wasser sind im Aufbau Fettpflege, auch wenn „Handcreme“ auf der Dose steht. Wachse bilden den Film und geben die Form, Öle und Buttern machen die Haut geschmeidig. Weil kein Wasser verdunstet, genügt wenig. Wasser bringen sie nicht mit, sie halten es in der Haut. Die Tabelle ordnet unsere Produkte neben andere Pflegearten ein, ohne Rangfolge.

Produkt oder Produktart Aufbau Wasser Typische Anwendung
Feuchtigkeitscreme, Lotion (O/W) Wasser, Öl, Feuchthaltemittel, Emulgator, Konservierung ja, meist größter Bestandteil Gesicht, große Flächen, Sommer
Fettcreme (W/O) Öl außen, Wassertröpfchen innen, Emulgator, meist Konservierung ja, weniger trockene Stellen, Winter
Salbe auf Vaselinebasis Vaseline, Paraffin, teils Wachse nein oder sehr wenig kleine, sehr trockene Stellen
Feste Handcreme – Bienenwachs Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-vera-Extrakt nein Hände, tagsüber in kleiner Menge
Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel Oliven-, Mandel- und Rizinusöl, Bienenwachs, Lärchenharz, Propolis, ätherische Öle nein kleine, sehr trockene Stellen, abends
Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter, Aloe-vera-Extrakt nein Körper nach dem Duschen
Aloe Vera Serum 99,6% 99,6 % Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat, Natriumbenzoat ja, wässrig wässrige Schicht unter Öl oder fester Pflege

Vegan und ebenfalls wasserfrei ist die Feste Handcreme – Bergamotte mit Candelillawachs, Jojobaöl und ätherischen Ölen; für die Füße gibt es die Feste Fußcreme – Rosmarin & Salbei.

Eine wässrige Schicht darunter ergänzt, was fester Pflege fehlt. Die Regel lautet: wässrig vor ölig.

  1. Haut leicht feucht lassen: nach dem Waschen oder Duschen nur abtupfen.
  2. Wässrige Schicht auftragen: etwa das Aloe-Serum, im Gesicht eine mandelgroße Menge. Warten, bis es nicht mehr läuft.
  3. Fett darüber: an den Händen zwei bis drei Striche feste Handcreme, am Körper die Körperbutter, im Gesicht zwei bis drei Tropfen Öl wie Jojobaöl – kaltgepresst.
  4. Einziehen lassen: Glänzt die Haut nach einigen Minuten noch deutlich, war es zu viel.

Aloe gilt als wasserbindende Zutat: In einer Studie mit 20 Frauen erhöhten Cremes mit Aloe-Extrakt den Wassergehalt der Hornschicht, den Wasserverlust veränderten sie nicht (Dal'Belo et al. 2006). Den bremst erst der Fettfilm darüber, und filmbildende Öle gehören auf feuchte Haut (Sethi et al. 2016). Serum und Öl kannst du auch in der Hand verreiben; haltbar ist diese Mischung nicht, also nichts auf Vorrat mischen. Mehr unter Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Wann ärztlichen Rat holen?

Bleibt die Haut trotz regelmäßiger Pflege über Wochen sehr trocken, reißt sie tief ein, blutet oder nässt sie, ist sie stark gerötet oder juckt sie anhaltend, lass das ärztlich abklären. Dann ist die Frage nicht mehr Fett oder Feuchtigkeit. Auf verletzte oder gereizte Haut gehört keine Pflege, solange das nicht ärztlich abgesprochen ist. Mehr unter Juckende Haut im Winter: Duschen, Pflege und wann zum Arzt.

Mehr dazu: Geschenk für trockene Hände · Slugging und Skin Flooding · Ceramide und Pflanzenöle · Fett und Feuchtigkeit: was in welche Schicht der Hautbarriere gehört.

Häufige Fragen

Was ist eine Fettcreme?
Ein Alltagsbegriff, kein Fachbegriff. Meist ist eine Wasser-in-Öl-Creme gemeint, bei der das Fett außen liegt, manchmal auch eine wasserfreie Salbe. Ob Wasser enthalten ist, zeigt die Inhaltsstoffliste.

Fettcreme oder Salbe: Was ist der Unterschied?
Eine Fettcreme im engeren Sinn ist eine Emulsion mit Wasser und braucht deshalb einen Emulgator und meist eine Konservierung. Eine Salbe enthält wenig oder kein Wasser und bleibt länger als Film auf der Haut.

Fettcreme oder Handcreme für trockene Hände?
Viele Handcremes sind leichte Emulsionen mit viel Wasser. Bei rauen Händen, häufigem Waschen und im Winter passt meist eine fettreichere Pflege in kleiner Menge, aufgetragen auf die noch leicht feuchten Hände.

Braucht trockene Gesichtshaut Fett oder Feuchtigkeit?
Meist beides, aber dosiert: eine wässrige Schicht und darüber wenig Öl, abends und im Winter etwas mehr.

Spendet eine wasserfreie Creme Feuchtigkeit?
Im wörtlichen Sinn nicht, sie enthält kein Wasser. Sie bremst aber die Verdunstung und hält so das Wasser, das schon in der Haut ist.

Ist Fettcreme im Sommer sinnvoll?
An Händen und Füßen oft ja, in kleiner Menge. Auf großen Flächen wirkt fette Pflege bei Hitze schnell klebrig; dann reicht eine Lotion oder wenig Öl auf der feuchten Haut.

Bei forpeople

Eine Feuchtigkeitscreme mit Emulgator führen wir nicht. Unsere Cremes, Salben und Körperbuttern sind wasserfrei, also reine Fettpflege; den wässrigen Teil liefert die noch feuchte Haut oder das Aloe-Serum.

Für alle gilt: nicht auf verletzte oder gereizte Haut auftragen, Neues zuerst an einer kleinen Stelle testen, bei einer Hautreaktion absetzen.

Aus dem Blog: Gesicht und Lippen durch den Winter: Routine für jeden Tag

Quellen

  1. Barnes TM, Mijaljica D, Townley JP, Spada F, Harrison IP (2021): Vehicles for Drug Delivery and Cosmetic Moisturizers: Review and Comparison. Pharmaceutics 13(12): 2012. https://doi.org/10.3390/pharmaceutics13122012
  2. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  3. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Research and Technology 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  4. Smith KR, Thiboutot DM (2008): Thematic review series: skin lipids. Sebaceous gland lipids: friend or foe? Journal of Lipid Research 49(2): 271–281. https://doi.org/10.1194/jlr.R700015-JLR200
  5. Rogers J, Harding C, Mayo A, Banks J, Rawlings A (1996): Stratum corneum lipids: the effect of ageing and the seasons. Archives of Dermatological Research 288(12): 765–770. https://doi.org/10.1007/BF02505294
  6. Yosipovitch G, Xiong GL, Haus E, Sackett-Lundeen L, Ashkenazi I, Maibach HI (1998): Time-dependent variations of the skin barrier function in humans: transepidermal water loss, stratum corneum hydration, skin surface pH, and skin temperature. Journal of Investigative Dermatology 110(1): 20–23. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.1998.00069.x
  7. Dal'Belo SE, Gaspar LR, Maia Campos PM (2006): Moisturizing effect of cosmetic formulations containing Aloe vera extract in different concentrations assessed by skin bioengineering techniques. Skin Research and Technology 12(4): 241–246. https://doi.org/10.1111/j.0909-752X.2006.00155.x