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Slugging und Skin Flooding: was dahintersteckt und wie es mit wasserfreier Pflege geht

Kurz gesagt

Slugging bedeutet, abends als letzte Pflegeschicht einen dichten Fettfilm auf das Gesicht zu legen, klassisch Vaseline; Skin Flooding bedeutet, mehrere wässrige Schichten auf die noch feuchte Haut zu geben und sie zum Schluss mit Fett abzuschließen. Beide nutzen dasselbe Prinzip: Wasser in die oberste Hautschicht bringen und seine Verdunstung bremsen. Studien zu den Routinen selbst gibt es nicht, zu ihren Bausteinen schon. Bei trockener Haut in der Heizperiode kann eine solche Abendpflege sinnvoll sein, bei fettiger Haut mit Neigung zu Mitessern eher nicht. Ohne Vaseline geht es mit einem wässrigen Serum und wenigen Tropfen Öl darüber; das schließt weniger dicht ab und fühlt sich leichter an.

Das Thema kommt mit der Heizperiode. Die Wangen spannen nach dem Weg durch den Wind, neben der Nase schuppt die Haut, und in kurzen Videos glänzen Gesichter unter einer dicken Schicht Vaseline. Was davon zu deiner Haut passt, hängt weniger vom Trend ab als davon, was ihr gerade fehlt: Wasser, Fett oder beides.

Was Slugging und Skin Flooding bedeuten

Das englische Wort „slug“ heißt Nacktschnecke; gemeint ist der glänzende Film auf dem Gesicht. Ein Beitrag in einer Fachzeitschrift für Hautmedizin beschreibt Slugging als Trend von der Videoplattform TikTok: Als letzter Schritt der Abendpflege wird eine Salbe auf Vaselinebasis großzügig aufgetragen. Von den 50 ersten Videos zum Stichwort sprach gut ein Drittel Nutzen oder Risiken an, Videos von medizinischem Fachpersonal deutlich häufiger als die von Influencern. Wegen der stark abschließenden Wirkung sehen die Autorinnen und Autoren darin ein mögliches Risiko (Pagani et al. 2022).

Skin Flooding, wörtlich „die Haut fluten“, stammt ebenfalls aus sozialen Medien. Eine feste Definition gibt es nicht; in der Literaturdatenbank PubMed verwendet kein Fachartikel den Begriff (Suche im Oktober 2026). Gemeint ist meist: Gesicht reinigen, nicht trocken reiben, mehrere wässrige Produkte nacheinander auftragen, etwa Wasserspray, Gesichtswasser und ein Serum mit Feuchthaltemitteln wie Glycerin oder Hyaluronsäure, zum Schluss eine Creme oder ein Öl.

Merkmal Slugging Skin Flooding
Schwerpunkt dichter Fettfilm als letzte Schicht mehrere wässrige Schichten auf feuchter Haut
Typische letzte Schicht Vaseline oder eine andere wasserfreie Salbe Creme oder Öl
Tageszeit abends, über Nacht morgens oder abends
Studien zur Routine keine Vergleichsstudien keine

Was dahintersteckt: Wasser binden, Verdunstung bremsen

Die Haut gibt ständig Wasser über die Oberfläche ab, auch ohne Schweiß; Fachleute sprechen vom transepidermalen Wasserverlust. Pflege setzt an zwei Stellen an, ausführlich erklärt unter Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt und Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.

  • Feuchthaltemittel wie Glycerin ziehen Wasser an, aus tieferen Hautschichten und bei feuchter Luft aus der Umgebung. Eine Übersichtsarbeit nennt sie zweischneidig: Sie können den Wasserverlust sogar erhöhen, weil sie Wasser nach oben holen, wo es leicht verdunstet. Deshalb werden sie meist mit Okklusiva kombiniert (Sethi et al. 2016). Für Skin Flooding heißt das: Wässrige Schichten ohne fettigen Abschluss sind nur die halbe Routine.
  • Okklusiva legen einen wasserabweisenden Film auf die Haut, am wirksamsten auf leicht angefeuchteter Haut. Vaseline senkt den Wasserverlust schon ab einem Anteil von 5 Prozent um mehr als 98 Prozent; Lanolin, Mineralöl und Silikone erreichen 20 bis 30 Prozent (Sethi et al. 2016). Pflanzenöle dringen nur in die obersten Lagen der Hornschicht ein und schließen teilweise ab, in einer Messung ähnlich wie Paraffinöl, Jojobaöl weniger; am dichtesten war Vaseline (Patzelt et al. 2012).

Daraus folgt die Reihenfolge für beide Trends: wässrig vor ölig, das Fett auf die noch feuchte Haut. Wie das mit Serum, Öl und fester Creme geht, zeigt Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren; warum trockene Haut meist Wasser und Fett braucht, erklärt Fettcreme oder Feuchtigkeitscreme? Was trockene Haut braucht.

Abends passt beides am besten: Nachts stört der Glanz nicht, und Messungen über 24 Stunden zeigen, dass die Haut abends und nachts durchlässiger ist als am Morgen (Yosipovitch et al. 1998). Aloe gehört zur wässrigen Seite: In einer Studie mit 20 Frauen erhöhten Cremes mit Aloe-Extrakt den Wassergehalt der Hornschicht, den Wasserverlust veränderten sie nicht; die Forschenden vermuten eine feuchthaltende Wirkung (Dal'Belo et al. 2006). Die Verdunstung bremst erst der Film darüber.

Vaseline im Gesicht: was dafür spricht und was dagegen

Für Vaseline spricht ihr dichter Film; in reiner Form ist sie ohne Duft und lange stabil. Wie sie hergestellt wird und wie das Bundesinstitut für Risikobewertung Mineralöl in Kosmetik einordnet, steht unter Vaseline oder Bienenwachs-Salbe: der Unterschied. Gegen eine dicke Schicht im ganzen Gesicht sprechen andere Punkte:

  • Hautgefühl: Als begrenzende Punkte der meisten Okklusiva nennt die Übersicht Geruch, mögliche Allergien und das fettige Gefühl (Sethi et al. 2016). Vaseline färbt außerdem auf Kissen und Haare ab. Mehr dazu unter Fettig oder gepflegt? Warum Cremes fettig wirken.
  • Was darunter liegt, gelangt leichter in die Haut: Nach einer Übersichtsarbeit zur Okklusion kann ein dichter Abschluss die Aufnahme vorher aufgetragener Stoffe erhöhen; außerdem nimmt die Hornschicht mehr Wasser auf, was ihre Schutzfunktion beeinträchtigen kann (Zhai & Maibach 2002). Pflegeprodukte mit Säuren oder Retinoiden lässt du an solchen Abenden deshalb weg; ärztlich verordnete Cremes deckst du nur nach Rücksprache ab.
  • Mitesser: Eine Übersichtsarbeit zu Vaseline ordnet die verbreitete Annahme, Vaseline löse Pickel aus, als Missverständnis ein (Kamrani et al. 2024). Die bekannten Komedogenitäts-Listen bewerten Rohstoffe, ursprünglich in Tierversuchen; am Menschen waren fertige Produkte mit solchen Rohstoffen nicht zwangsläufig selbst komedogen (Draelos & DiNardo 2006). Mehr dazu unter Gesichtsöl bei fettiger Haut: geht das? Eine Zusage für deine Haut ist das nicht.

Wem Slugging eher nicht passt: Fettige Haut, die zu Mitessern neigt, hat schon einen eigenen Fettfilm; ein zusätzlicher dichter Film glänzt dann vor allem. Dasselbe gilt bei Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit. Möglich ist ein Teil-Slugging: Nur trockene Stellen, etwa neben der Nase oder am Kinn, bekommen eine dünne Schicht. Diese Einteilung ist ein Erfahrungswert, kein Messergebnis.

Slugging mit wasserfreier Pflege: so gehst du vor

Unsere Gesichtspflege besteht aus einem wässrigen Serum und aus Ölen. Öle sind wasserfrei und bilden die fettige Schicht, schließen aber weniger dicht ab als Vaseline (Patzelt et al. 2012). Streng genommen ist das die leichtere Form des Slugging. Wer den dichten Film möchte, nimmt als letzte Schicht Vaseline oder eine unparfümierte Fettsalbe aus der Apotheke. Unsere festen Cremes und Salben sind laut Produktseiten für Hände, Füße, Körper und Lippen gedacht, nicht fürs Gesicht.

  1. Reinigen: Make-up und Sonnencreme gründlich entfernen; siehe Abschminken mit Öl: Wie geht das, und welches Öl passt? Danach nur leicht abtupfen.
  2. Wässrige Schicht: Eine mandelgroße Menge Aloe Vera Serum 99,6% auf die Haut klopfen. Für die Skin-Flooding-Variante eine zweite dünne Schicht auftragen, sobald die erste nicht mehr läuft.
  3. Öl, solange die Haut noch feucht ist: Zwei bis drei Tropfen Faceoil - Lavendel oder ein reines Öl wie Jojobaöl – kaltgepresst oder Arganöl – kaltgepresst zwischen den Handflächen verreiben und auf das Gesicht drücken. Mehr zum Arganöl: Arganöl für Haut, Haare und Nägel: so wird es angewendet.
  4. Bei Bedarf dichter abschließen: nur auf einzelne sehr trockene Stellen eine dünne Schicht unparfümierte Fettsalbe.
  5. Lippen: zuletzt eine Lippenpflege, zum Beispiel die Lippenpflege - Zitronengras; siehe Lippen morgens trocken: Hilft Lippenpflege über Nacht?
  6. Am Morgen: Gesicht mit Wasser waschen, danach leichte Pflege und tagsüber Sonnenschutz.

Wie oft: Untersucht ist das nicht. Für den Anfang reichen ein bis zwei Abende pro Woche; bleibt die Haut glatt, ohne mehr Glanz oder Mitesser, kannst du die Abstände verkürzen. Ein möglichst dichter Abschluss jede Nacht ist nicht das Ziel. Neues testest du zuerst an einer kleinen Stelle: Neue Pflege ausprobieren: Wie teste ich an einer kleinen Stelle?

Produkt oder Produktart Zusammensetzung Film Worauf du achtest
Vaseline (Petrolatum) gereinigte Kohlenwasserstoffe aus Erdöl sehr dicht glänzt deutlich, färbt ab
Unparfümierte Fettsalbe aus der Apotheke je nach Produkt Vaseline, Paraffin, Wachse oder Wollwachs dicht, je nach Rezeptur Inhaltsstoffliste lesen
Faceoil - Lavendel Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanföl, Lavendelöl teilweise, wie Pflanzenöle allgemein duftet; enthält laut Inhaltsstoffliste Linalool und Limonene
Jojobaöl – kaltgepresst nur Jojobaöl, chemisch ein flüssiges Wachs in einer Messung geringer als bei anderen Ölen dünnflüssig, ohne zugesetzten Duft
Arganöl – kaltgepresst nur Arganöl teilweise, wie Pflanzenöle allgemein ohne ätherische Öle; laut Produktseite fürs Gesicht abends
Aloe Vera Serum 99,6% (wässrige Schicht) Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat, Natriumbenzoat keiner ohne Parfum und ätherische Öle; braucht Öl darüber

Grundlage: Inhaltsstofflisten der Produkte, Sethi et al. 2016 und Patzelt et al. 2012. Die Spalte „Film“ beschreibt Stoffgruppen, keine Messung der einzelnen Produkte.

Wann ärztlichen Rat holen?

Slugging und Skin Flooding sind Pflege, keine Behandlung. Hol ärztlichen Rat, wenn die Haut trotz Pflege über Wochen sehr trocken bleibt, wenn sie gerötet ist, brennt, juckt, nässt oder einreißt, wenn sich um Mund, Nase oder Augen kleine rote Knötchen bilden oder wenn du Akne, Rosazea oder ein Ekzem vermutest. Bei Neurodermitis und anderen Hauterkrankungen sprichst du eine neue Schichtroutine vorher in der Hautarztpraxis ab, vor allem bei verordneten Cremes: Unter einem dichten Film können sie stärker in die Haut gelangen (Zhai & Maibach 2002). Auf verletzte oder gereizte Haut gehört keine Schicht. Reagiert die Haut auf ein Produkt, setz es ab.

Mehr dazu: Komedogene Öle: woher die Skala kommt.

Häufige Fragen

Was heißt Slugging auf Deutsch?
Eine eingeführte deutsche Bezeichnung gibt es nicht. „Slug“ ist die Nacktschnecke; gemeint ist der glänzende Film, den eine dicke Schicht Vaseline auf dem Gesicht hinterlässt.

Was ist der Unterschied zwischen Skin Flooding und Slugging?
Skin Flooding setzt auf mehrere wässrige Schichten, Slugging auf den dichten Fettfilm am Schluss. Beides lässt sich kombinieren: erst wässrig, dann fettig.

Ist Vaseline im Gesicht schädlich?
Pauschal nein; wie das Bundesinstitut für Risikobewertung Vaseline einordnet, steht unter Vaseline oder Bienenwachs-Salbe. Nachteile sind das fettige Gefühl und dass sie abfärbt.

Wie oft sollte ich Slugging machen?
Dazu gibt es keine Studien. Beginne mit ein bis zwei Abenden pro Woche und beobachte die Haut zwei bis drei Wochen. Glänzt sie morgens stark oder bilden sich mehr Mitesser, mach längere Pausen oder lass es.

Verstopft Slugging die Poren?
Für Vaseline selbst ist das nicht belegt; eine Übersichtsarbeit hält die Annahme für ein Missverständnis (Kamrani et al. 2024). Unter dem Film bleibt aber auch, was darunter liegt, etwa Reste von Make-up. Wer zu Mitessern neigt, beschränkt sich auf trockene Stellen.

Kann ich Bienensalbe oder feste Handcreme fürs Gesicht nehmen?
Dafür sind sie nicht gedacht. Laut Produktseite ist unsere Bienensalbe für trockene Stellen an Händen, Fersen und Ellenbogen und als dünne Pflege für die Lippen bestimmt; sie enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle. Die festen Cremes sind für Hände, Füße und Körper gemacht. Fürs Gesicht nimmst du Öl oder, für einen dichteren Film, eine unparfümierte Fettsalbe.

Funktioniert das Prinzip auch an Händen und Füßen?
Ja, dort stört ein dichter Film über Nacht meist weniger. Wie das mit Baumwollhandschuhen geht: Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.

Bei forpeople

Eine Salbe fürs Gesicht führen wir nicht. Für die leichtere, wasserfreie Form des Slugging passen diese Produkte, deren Produktseiten das Gesicht beziehungsweise die Lippen nennen:

  • Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml, 9,90 €: die wässrige Schicht; wasserhaltig und konserviert, ohne Parfum und ätherische Öle.
  • Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: fünf Öle mit Lavendelöl; laut Produktseite als zweiter Schritt nach dem Aloe-Serum, auch abends.
  • Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: pur, ohne zugesetzten Duft, für Gesicht, Körper und Haare.
  • Lippenpflege - Zitronengras, 5 g, 4,90 €: Bienenwachs, Sonnenblumenöl und Sheabutter, mit ätherischem Zitronengrasöl.

Für alle gilt: nicht auf verletzte oder gereizte Haut auftragen, Neues zuerst an einer kleinen Stelle testen, bei einer Hautreaktion absetzen.

Mehr dazu: Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft

Aus dem Blog: Gesicht und Lippen durch den Winter: Routine für jeden Tag

Quellen

  1. Pagani K, Lukac D, Martinez R, Jablon K, McGee JS (2022): Slugging: TikTok™ as a source of a viral “harmless” beauty trend. Clinics in Dermatology 40(6): 810–812. https://doi.org/10.1016/j.clindermatol.2022.08.005
  2. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  3. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Research and Technology 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  4. Yosipovitch G, Xiong GL, Haus E, Sackett-Lundeen L, Ashkenazi I, Maibach HI (1998): Time-dependent variations of the skin barrier function in humans: transepidermal water loss, stratum corneum hydration, skin surface pH, and skin temperature. Journal of Investigative Dermatology 110(1): 20–23. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.1998.00069.x
  5. Dal'Belo SE, Gaspar LR, Maia Campos PM (2006): Moisturizing effect of cosmetic formulations containing Aloe vera extract in different concentrations assessed by skin bioengineering techniques. Skin Research and Technology 12(4): 241–246. https://doi.org/10.1111/j.0909-752X.2006.00155.x
  6. Zhai H, Maibach HI (2002): Occlusion vs. skin barrier function. Skin Research and Technology 8(1): 1–6. https://doi.org/10.1046/j.0909-752x.2001.10311.x
  7. Kamrani P, Hedrick J, Marks JG, Zaenglein AL (2024): Petroleum jelly: A comprehensive review of its history, uses, and safety. Journal of the American Academy of Dermatology 90(4): 807–813. https://doi.org/10.1016/j.jaad.2023.06.010
  8. Draelos ZD, DiNardo JC (2006): A re-evaluation of the comedogenicity concept. Journal of the American Academy of Dermatology 54(3): 507–512. https://doi.org/10.1016/j.jaad.2005.11.1058