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Kann Gesichtsöl die Gesichtscreme ersetzen?

Kurz gesagt

Ein Gesichtsöl kann die Creme ersetzen, wenn deine Haut vor allem Fett braucht; Wasser und Feuchthaltemittel bringt es nicht mit. Eine Creme ist eine Emulsion aus Wasser, Öl und meist Feuchthaltemitteln, ein Öl ist nur die Fettphase davon. Es macht die Haut geschmeidig und bremst die Verdunstung, liefert aber selbst keine Feuchtigkeit. Öl allein reicht oft abends und auf noch feuchter Haut. Spannt die Haut trotzdem, gehört etwas Wässriges darunter.

Was in einer Creme steckt und was in einem Öl

Die meisten Cremes und Lotionen sind Emulsionen: Wasser und Öl, die ein Emulgator zusammenhält. Eine Übersichtsarbeit zu Feuchtigkeitspflege nennt die Emulsion die vorherrschende Form solcher Produkte (Sethi et al. 2016). In der Wasserphase lösen sich Feuchthaltemittel wie Glycerin. Sie ziehen Wasser an und binden es in der Hornschicht. Weil Wasser enthalten ist, braucht eine Creme in der Regel eine Konservierung. Mehr dazu unter Emulgatoren in Kosmetik: wozu sie dienen.

Ein Gesichtsöl besteht nur aus Fetten: aus einem Pflanzenöl oder einer Mischung mehrerer, manchmal mit etwas ätherischem Öl für den Duft. Wasser, Feuchthaltemittel und Emulgator fehlen. Ohne Wasser ist auch keine Konservierung gegen Keime nötig. Altern kann ein Öl trotzdem: Es oxidiert mit der Zeit und riecht dann ranzig, siehe Ranziges Hautöl erkennen: Geruch, Ursachen, Lagerung.

Spendet ein Öl Feuchtigkeit?

Im strengen Sinn nein. Feuchtigkeit heißt Wasser in der Hornschicht, und ein Öl enthält keines. Wie gut die Hornschicht Wasser hält, hängt nach einer Übersichtsarbeit an drei Dingen: an den Lipiden zwischen den Hornzellen, am langen, verschlungenen Weg durch die Zelllagen und am natürlichen Feuchthaltefaktor, einem Gemisch wasserlöslicher Stoffe in den Hornzellen (Rawlings & Harding 2004).

Ein Öl tut auf der Haut zwei andere Dinge.

  • Es bremst die Verdunstung. In einer Untersuchung mit sechs Freiwilligen drangen vier Pflanzenöle und Paraffinöl nur in die obersten Lagen der Hornschicht ein. Der Wasserverlust über die Haut sank bei den Pflanzenölen, außer bei Jojobaöl, ähnlich wie bei Paraffinöl; am dichtesten war Vaseline. Die Forschenden sprechen von einer Halbokklusion (Patzelt et al. 2012). Eine zweite Arbeit kam mit einem anderen Messverfahren zum gleichen Bild: Paraffinöl und zwei Pflanzenöle ließen die Hornschicht um 10 bis 20 Prozent quellen, Vaseline um 40 bis 60 Prozent. Das Quellen diente dort als Maß dafür, wie stark ein Film die Haut abschließt (Stamatas et al. 2008).
  • Es glättet. Öle und andere Lipide machen die Haut weicher, beweglicher und glatter (Sethi et al. 2016). Das spürst du sofort, auch wenn sich am Wassergehalt noch nichts geändert hat.

Ein Öl hält also Wasser fest, das schon da ist. Wasser, das fehlt, ersetzt es nicht. Wie ein Film die Verdunstung bremst, erklärt die Seite Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.

Was die Creme leistet und was das Öl davon übernimmt

Die Übersicht geht von den Aufgaben aus, nicht von den Zutaten. Die dritte Spalte zeigt, wo ein Öl allein eine Lücke lässt, die vierte, wie du sie schließt.

Aufgabe Creme (Emulsion) Öl allein So schließt du die Lücke
Wasser auf die Haut bringen ja, über die Wasserphase nein Öl auf die noch feuchte Haut geben oder ein wässriges Serum darunter
Wasser in der Hornschicht binden meist, über Feuchthaltemittel wie Glycerin nein ein Serum mit wasserbindenden Stoffen darunter
Verdunstung bremsen je nach Fettanteil ja, teilweise meist keine Lücke; an sehr trockenen Stellen etwas Reichhaltigeres mit Wachs oder Butter
Glätten und geschmeidig machen ja ja keine Lücke
Lichtschutz nur mit ausgewiesenem Lichtschutzfaktor nein Sonnenschutz als eigene, letzte Schicht
Emulgator und Konservierung in der Regel nötig nicht nötig keine Lücke; Flasche verschlossen, kühl und dunkel lagern

Die Tabelle beschreibt Produktarten allgemein. Was ein einzelnes Produkt enthält, zeigt seine Inhaltsstoffliste. Die Bausteine im Einzelnen stehen unter Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.

Wann Öl allein reicht und wann nicht

Die folgende Einteilung ist ein Erfahrungswert, kein Messwert. Sie richtet sich nach dem, was du spürst, nicht nach einem Hauttyp.

Öl allein reicht oft,

  • wenn deine Haut nach dem Waschen nicht spannt,
  • wenn du es abends aufträgst und leichter Glanz nicht stört,
  • wenn die Haut noch feucht ist. Filmbildende Stoffe wirken am stärksten auf leicht angefeuchteter Haut (Sethi et al. 2016). Tupf das Gesicht nach dem Waschen deshalb nur leicht ab.

Öl allein reicht meist nicht,

  • wenn die Haut trotz Öl spannt oder rau bleibt. Dann fehlt Wasser, nicht Fett.
  • wenn Kälte und trockene Heizungsluft dazukommen.
  • wenn du tagsüber draußen bist. Ein Öl hat keinen Lichtschutzfaktor.

Serum und Öl: der Ablauf in Kürze

Wer die Wasserphase der Creme ersetzen will, legt etwas Wässriges unter das Öl. Aloe gehört zu den wasserbindenden Zutaten. In einer Studie mit 20 Frauen erhöhten Zubereitungen mit gefriergetrocknetem Aloe-Extrakt den Wassergehalt der Hornschicht; den Wasserverlust über die Haut veränderten sie nicht (Dal'Belo et al. 2006). Untersucht wurden Zubereitungen mit Extrakt am Unterarm, kein pures Serum im Gesicht. Die Arbeitsteilung passt dazu: Das Wässrige bringt und bindet Wasser, der Ölfilm darüber bremst die Verdunstung.

  1. Wasch das Gesicht und tupf es nur leicht ab.
  2. Verteil eine kleine Menge Serum in der Handfläche und klopf sie auf die Haut.
  3. Warte kurz, bis nichts mehr läuft. Die Haut darf noch leicht feucht sein.
  4. Verreib zwei bis drei Tropfen Öl zwischen den Handflächen und leg sie auf.
  5. Morgens folgt bei Sonne der Sonnenschutz als letzte Schicht und in ausreichender Menge, zum Beispiel die Feste Sonnencreme LSF50.

Glänzt die Haut nach einigen Minuten noch deutlich, war es zu viel Öl. Die Einzelheiten, auch zum Mischen in der Handfläche, stehen unter Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Wann ärztlichen Rat holen?

Trockene, spannende Haut ist zunächst ein Pflegethema. Hol ärztlichen Rat, wenn die Haut im Gesicht über Wochen gerötet ist, stark schuppt, brennt oder nässt, wenn sich einzelne Stellen plötzlich verändern oder wenn du auf mehrere Produkte reagierst. Ein Öl oder ein Serum ist dafür keine Behandlung. Trag Pflege nicht auf verletzte oder gereizte Haut auf. Reagiert die Haut auf ein Produkt, beende die Anwendung.

Häufige Fragen

Spendet Gesichtsöl Feuchtigkeit?
Nicht im Sinn von Wasser. Ein Öl enthält weder Wasser noch Feuchthaltemittel. Es bremst die Verdunstung und macht die Haut geschmeidig. Das Wasser muss schon in der Haut sein oder von einem wässrigen Produkt kommen.

Kann ich Gesichtsöl und Creme zusammen verwenden?
Ja. Die Reihenfolge richtet sich nach der Konsistenz: erst das Dünnflüssige, dann das Dickere, zuletzt das Fettreichste. Ein Öl kommt also meist als letzter Pflegeschritt, vor dem Sonnenschutz.

Wie viele Tropfen Öl brauche ich für das Gesicht?
Zwei bis drei Tropfen reichen für das ganze Gesicht, morgens eher ein bis zwei. Glänzt die Haut nach einigen Minuten noch deutlich, nimm beim nächsten Mal weniger.

Meine Haut spannt, obwohl ich Öl benutze. Woran liegt das?
Meist fehlt Wasser, nicht Fett. Gib das Öl auf die noch feuchte Haut oder leg ein wässriges Serum darunter. Hält das Spannen über Wochen an, lass die Haut ärztlich ansehen.

Ersetzt Gesichtsöl eine Tagescreme mit Lichtschutzfaktor?
Nein. Ein Pflanzenöl hat keinen ausgewiesenen Lichtschutzfaktor. Hat bisher deine Tagescreme den Lichtschutz geliefert, brauchst du ihn künftig als eigene, letzte Schicht.

Ich möchte keinen Duft. Welches Öl passt dann?
Ein pures Öl. Jojobaöl besteht laut Inhaltsstoffliste nur aus dem Öl selbst. Das Faceoil - Lavendel enthält ätherisches Lavendelöl; die Liste nennt dazu Linalool und Limonene. Eine Übersicht steht unter Ohne Duft und ätherische Öle: Inhaltsstoffe im Überblick.

Bei forpeople

Eine Gesichtscreme als Emulsion führen wir nicht. Im Sortiment sind die beiden Bausteine getrennt: ein wässriges Serum und Öle.

  • Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: Mischung aus Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanföl mit ätherischem Lavendelöl.
  • Aloe Vera Serum 99,6%, 250 ml, 24,90 €: laut Inhaltsstoffliste Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat. Es ist wasserhaltig und konserviert.
  • Gesichtspflege-Set für trockene, empfindliche Haut, 44,90 €: Aloe Vera Serum und Faceoil Lavendel zusammen.
  • Jojobaöl – kaltgepresst, 100 ml, 16,90 €: ein einzelnes Öl ohne ätherische Öle. In der oben genannten Messung bremste Jojobaöl die Verdunstung nicht so wie die anderen Pflanzenöle.

Für alle vier gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Gesichtsöl bei fettiger Haut: geht das? · Aloe Vera statt Tagescreme: Reicht das Serum allein? · Sonnencreme vor oder nach der Tagespflege? · Kann ich Körperöl auch im Gesicht verwenden?

Aus dem Blog: Pflegeöle für Gesicht & Körper: Welches Öl passt zu welchem Hauttyp? · Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten

Quellen

  1. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  2. Rawlings AV, Harding CR (2004): Moisturization and skin barrier function. Dermatologic Therapy 17 Suppl 1: 43–48. https://doi.org/10.1111/j.1396-0296.2004.04s1005.x
  3. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Research and Technology 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  4. Stamatas GN, de Sterke J, Hauser M, von Stetten O, van der Pol A (2008): Lipid uptake and skin occlusion following topical application of oils on adult and infant skin. Journal of Dermatological Science 50(2): 135–142. https://doi.org/10.1016/j.jdermsci.2007.11.006
  5. Dal'Belo SE, Gaspar LR, Maia Campos PM (2006): Moisturizing effect of cosmetic formulations containing Aloe vera extract in different concentrations assessed by skin bioengineering techniques. Skin Research and Technology 12(4): 241–246. https://doi.org/10.1111/j.0909-752X.2006.00155.x