Morgens spannt die Haut im Gesicht, die Lippen sind rau, und an den Schienbeinen zeigen sich feine Schuppen, obwohl du am Abend eingecremt hast. Draußen ist es nasskalt, drinnen läuft seit Wochen die Heizung. Dass beides zusammenhängt, ist gut untersucht. Wie stark, und was sich dagegen tun lässt, ist die Frage dieser Seite.
Relative und absolute Luftfeuchte: warum Heizungsluft trocken ist
Luft kann umso mehr Wasserdampf aufnehmen, je wärmer sie ist. Die absolute Luftfeuchte gibt an, wie viel Wasserdampf tatsächlich in der Luft steckt; die relative Luftfeuchte, wie viel Prozent der bei dieser Temperatur möglichen Menge das sind. Angegeben wird meist die relative Feuchte; sie zeigt, wie weit die Luft von der Sättigung entfernt ist, und damit, wie leicht Wasser verdunstet. Eine Übersichtsarbeit zu Klima und Haut erklärt die Begriffe ausführlich (Engebretsen et al. 2016).
Im Winter enthält die Außenluft wenig Wasserdampf, auch wenn sie sich feucht anfühlt. Kommt sie beim Lüften herein und wird auf Zimmertemperatur erwärmt, bleibt die Wassermenge gleich, die relative Feuchte fällt aber stark. Wie stark, lässt sich mit einer in der Meteorologie gebräuchlichen Näherungsformel berechnen (Alduchov & Eskridge 1996):
| Außenluft | relative Feuchte draußen | nach Erwärmen auf 21 °C | nach Erwärmen auf 19 °C |
|---|---|---|---|
| −10 °C | 85 % | etwa 10 % | etwa 11 % |
| −5 °C | 85 % | etwa 14 % | etwa 16 % |
| 0 °C | 85 % | etwa 21 % | etwa 24 % |
| 5 °C | 85 % | etwa 30 % | etwa 34 % |
| 10 °C | 80 % | etwa 40 % | etwa 45 % |
Die Werte sind eigene Beispielrechnungen. Sie zeigen den reinen Effekt des Aufheizens. In einer bewohnten Wohnung kommt Feuchte aus Atem, Kochen, Duschen, Pflanzen und Wäsche hinzu; gemessene Werte liegen deshalb meist höher. Zwei Folgen lassen sich trotzdem ablesen: Je kälter es draußen ist, desto trockener wird die Raumluft, und ein etwas kühlerer Raum ist bei gleicher Wassermenge etwas feuchter. Auf ähnliche Weise entsteht die sehr trockene Luft im Flugzeug; dazu Trockene Haut im Flugzeug: Ursachen und was hilft.
Was trockene Luft mit der Haut macht
Die Hornschicht, die oberste Lage der Haut, nimmt Wasser aus dem Körperinneren auf und gibt es an die Umgebung ab. Ist die Luft trocken, verdunstet mehr, und die Hornschicht wird spröder. Wie diese Schicht aufgebaut ist, erklärt Die Hautbarriere einfach erklärt. Was einzelne Studien zeigen:
| Studie | Bedingungen | Ergebnis |
|---|---|---|
| Egawa et al. 2002 | gesunde Haut an Unterarm und Wange, 3 bzw. 6 Stunden in trockener Luft | Der Wassergehalt der Hornschicht sank schon nach 3 Stunden; die Hautoberfläche wurde messbar rauer (Egawa et al. 2002) |
| Sunwoo et al. 2006 | 16 junge Männer, 25 °C, relative Feuchte 50, 30 und 10 % | Ab 30 % und darunter wurden Augen und Haut trocken, bei 10 % auch die Nasenschleimhaut; die Talgbildung blieb unverändert (Sunwoo et al. 2006) |
| Denda et al. 1998 | Mäuse, zwei Wochen unter 10 % gegen über 80 % relative Feuchte | In trockener Luft passte sich die Haut an: dickere Hornschicht, mehr Hautfette, 31 % weniger Wasserverlust (Denda et al. 1998) |
| Sato et al. 2002 | Mäuse, plötzlicher Wechsel von sehr feuchter in trockene Luft | Wasserverlust innerhalb von 2 Tagen 6- bis 7-mal so hoch, nach 7 Tagen wieder normal; der Wechsel von normaler in trockene Luft änderte nichts (Sato et al. 2002) |
Daraus ergibt sich ein differenziertes Bild. Kurzfristig trocknet trockene Luft die Hautoberfläche aus und macht sie rauer. Längerfristig kann sich die Haut, zumindest im Tierversuch, an trockene Luft anpassen; schwer tut sie sich mit plötzlichen Wechseln. Eine Übersichtsarbeit kommt für den Menschen zu dem Schluss, dass niedrige Luftfeuchte und Kälte die Barrierefunktion verringern und die Haut empfänglicher für mechanische Belastung und Reizstoffe machen (Engebretsen et al. 2016). Eine zweite Übersicht nennt die Datenlage insgesamt uneinheitlich, beschreibt aber, dass trockene, klimatisierte Räume mit trockener Haut einhergehen und Befeuchtung mit feinem Nebel den Wassergehalt der Hornschicht erhöhte (Goad & Gawkrodger 2016).
Welche Stellen im Winter besonders betroffen sind und warum, zeigt Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft. Für das Wasser beim Duschen, die andere große Winterbelastung, gibt es eine eigene Seite: Hartes Wasser und trockene Haut.
Wie feucht sollte die Raumluft sein?
Das Umweltbundesamt empfiehlt für Innenräume eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent, damit das Schimmelrisiko möglichst gering bleibt, und rät zu einem einfachen Hygrometer (Umweltbundesamt 2024). Als Obergrenze auf Dauer nennt es 65 bis 70 Prozent (Umweltbundesamt 2013). Die Empfehlung zielt also auf das Gebäude, passt aber auch zur Haut: In den Versuchen von Sunwoo wurden Augen und Haut erst ab 30 Prozent und darunter trocken.
So misst du sinnvoll: Das Hygrometer gehört in den Raum, in dem du dich lange aufhältst, also Wohn- oder Schlafzimmer, nicht direkt an die Heizung, ans Fenster oder in den Dampf aus dem Bad. Lies es zu verschiedenen Tageszeiten ab, etwa morgens vor dem Lüften und abends. Das ist unsere praktische Empfehlung, keine Messvorschrift.
Weniger lüften? Nein. Lüften senkt im Winter kurzfristig die Feuchte, weil trockene Außenluft hereinkommt, es führt aber auch Feuchte ab, die sonst an kalten Wänden Schimmel begünstigt. Kurz und kräftig lüften bleibt richtig; die Haut schützt du besser mit Pflege als mit geschlossenen Fenstern.
Luft befeuchten: was hilft und worauf du achtest
Liegt die Feuchte über Wochen deutlich unter 40 Prozent, kannst du gegensteuern:
- Nicht überheizen. Ein, zwei Grad weniger heben die relative Feuchte etwas, wie die Tabelle oben zeigt.
- Feuchtequellen nutzen, mit Blick aufs Hygrometer. Wäsche, Pflanzen und Kochen geben Wasser an die Luft ab. Steigt die Feuchte dauerhaft über 60 Prozent oder beschlagen Fenster und kalte Ecken, ist es zu viel.
- Luftbefeuchter. Es gibt Geräte, die Wasser über eine Matte verdunsten, solche, die es verdampfen, und Vernebler, die feine Tröpfchen in die Luft geben. Für Geräte im Haushalt, die ein wässriges Aerosol erzeugen, verlangt das Robert Koch-Institut im Zusammenhang mit Legionellen eine regelmäßige und gründliche Reinigung; bei Nichtbenutzung sollen sie gereinigt und trocken aufbewahrt werden (Robert Koch-Institut 2024).
Für den Alltag heißt das: Wasser nicht im Tank stehen lassen, sondern regelmäßig erneuern, das Gerät nach Herstellerangabe reinigen und entkalken und es im Sommer leer und trocken lagern. Ob ein Luftbefeuchter trockene Haut im Alltag bessert, ist nicht in Langzeitstudien geprüft. Er ist ein Baustein, kein Ersatz für Pflege.
Was die Haut bei trockener Luft braucht
Trockene Luft entzieht der Haut Wasser. Die Pflege setzt deshalb an zwei Stellen an: Wasser in die oberste Schicht bringen und seine Verdunstung bremsen. Feuchthaltemittel wie Glycerin ziehen Wasser an, bei sehr trockener Luft aber vor allem aus tieferen Hautschichten; ein Fettfilm darüber hält es dort. Die Grundlagen stehen unter Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien und Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.
- Gesicht: zuerst eine wässrige Schicht auf die frisch gereinigte, noch leicht feuchte Haut, etwa das Aloe Vera Serum 99,6%, darüber zwei, drei Tropfen Öl wie das Faceoil - Lavendel. Wie die Schichten zusammenpassen, zeigt Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.
- Hände: nach jedem Waschen eine kleine Menge Handcreme, zum Beispiel die Feste Handcreme – Bienenwachs. Wer abends mehr möchte, findet die Anleitung unter Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.
- Lippen: Sie haben kaum eigenes Fett und trocknen in Heizungsluft besonders schnell aus; ein Balsam aus Wachs und Öl legt einen Film darüber, etwa die Lippenpflege - Zitronengras. Hintergrund: Warum trocknen Lippen so schnell aus?
- Körper: nach dem Duschen auf die noch feuchte Haut ein Öl oder eine Butter, etwa die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera.
Oft gefragt wird, ob Glycerin in trockener Luft die Haut eher austrocknet. Die Antwort mit Studienlage steht unter Trocknet Glycerin die Haut aus?
Wann ärztlichen Rat holen?
Trockene Haut durch Heizungsluft lässt sich meist mit Pflege in den Griff bekommen. Ärztlich abklären lassen solltest du, wenn die Haut trotz Pflege über Wochen gerötet, schuppig oder rissig bleibt, stark juckt oder nässt, wenn Augen oder Nase dauerhaft brennen oder trocken sind, und wenn nach dem Betrieb eines Luftbefeuchters Husten, Atemnot oder Fieber auftreten; dann das Gerät abschalten. Bei Neurodermitis gehört die Frage nach Raumklima und Pflege in die hautärztliche Praxis.
Häufige Fragen
Welche Luftfeuchtigkeit ist gut für die Haut?
Eine feste Grenze für die Haut gibt es nicht. Für Wohnräume empfiehlt das Umweltbundesamt 40 bis 60 Prozent (Umweltbundesamt 2024); in Versuchen wurden Haut und Augen ab 30 Prozent und darunter trocken (Sunwoo et al. 2006).
Hilft ein Luftbefeuchter gegen trockene Haut?
Er kann die Raumluft in einen Bereich bringen, in dem die Haut weniger Wasser verliert, und Befeuchtung erhöhte in Studien den Wassergehalt der Hornschicht (Goad & Gawkrodger 2016). Langzeitstudien zum Alltag fehlen. Ohne regelmäßige Reinigung bringt ein Gerät eigene Probleme mit.
Reicht eine Schale Wasser auf der Heizung?
Sie gibt etwas Feuchte ab, die Menge ist aber klein. Ob es in deinem Raum etwas ausmacht, zeigt das Hygrometer. Das Wasser regelmäßig wechseln und die Schale reinigen.
Gewöhnt sich die Haut an trockene Luft?
Im Tierversuch ja: Nach zwei Wochen in sehr trockener Luft war die Hornschicht dicker und verlor weniger Wasser (Denda et al. 1998). Schwerer tat sich die Haut mit einem plötzlichen Wechsel aus sehr feuchter in trockene Luft (Sato et al. 2002). Ob das beim Menschen genauso abläuft, ist nicht untersucht.
Trocknet eine Klimaanlage die Haut auch aus?
Sie kann die Luftfeuchte senken; eine Übersicht beschreibt trockene Haut in klimatisierten Räumen mit niedriger Feuchte (Goad & Gawkrodger 2016). Es gilt dasselbe wie im Winter: messen und pflegen.
Warum trocknen die Lippen in Heizungsluft zuerst aus?
Das Lippenrot hat eine dünne Hornschicht und kaum eigenes Fett. Abends eine etwas dickere Schicht Balsam hilft vielen; dazu Lippen morgens trocken: Hilft Lippenpflege über Nacht?
Was hilft der Nase, wenn die Luft trocken ist?
Die Haut an der Nase selbst pflegst du wie die übrige Gesichtshaut. Ist sie vom Schnäuzen gereizt, steht das Vorgehen unter Wunde Nase vom Schnäuzen: was die Haut jetzt braucht. Für die Schleimhaut innen gilt der Arzt-Abschnitt oben.
Bei forpeople
Gegen trockene Luft selbst haben wir nichts im Sortiment, gegen die Folgen auf der Haut schon. Diese Produkte passen zur Pflege in der Heizperiode, jeweils für den Zweck, den ihre Produktseite nennt:
- Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: für den Körper, nach dem Duschen auf noch feuchte Haut; ohne Wasser.
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, ohne ätherische Öle.
- Lippenpflege - Zitronengras, 5 g, 4,90 €: Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter, Mandel- und Hanföl, mit ätherischem Zitronengrasöl.
- Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml, 9,90 €: die wässrige Schicht für Gesicht und Körper, ohne Parfum und ätherische Öle, konserviert.
Neues testest du zuerst an einer kleinen Stelle, bei einer Hautreaktion setzt du das Produkt ab.
Mehr dazu: Warum sind die Schienbeine im Winter trocken und schuppig?
Aus dem Blog: Gesicht und Lippen durch den Winter: Routine für jeden Tag
Quellen
- Alduchov OA, Eskridge RE (1996): Improved Magnus Form Approximation of Saturation Vapor Pressure. Journal of Applied Meteorology 35(4): 601–609. https://doi.org/10.1175/1520-0450(1996)035<0601:IMFAOS>2.0.CO;2
- Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
- Egawa M, Oguri M, Kuwahara T, Takahashi M (2002): Effect of exposure of human skin to a dry environment. Skin Research and Technology 8(4): 212–218. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2002.00351.x
- Sunwoo Y, Chou C, Takeshita J, Murakami M, Tochihara Y (2006): Physiological and subjective responses to low relative humidity. Journal of Physiological Anthropology 25(1): 7–14. https://doi.org/10.2114/jpa2.25.7
- Denda M, Sato J, Masuda Y, Tsuchiya T, Koyama J, Kuramoto M, Elias PM, Feingold KR (1998): Exposure to a dry environment enhances epidermal permeability barrier function. Journal of Investigative Dermatology 111(5): 858–863. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.1998.00333.x
- Sato J, Denda M, Chang S, Elias PM, Feingold KR (2002): Abrupt decreases in environmental humidity induce abnormalities in permeability barrier homeostasis. Journal of Investigative Dermatology 119(4): 900–904. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.2002.00589.x
- Goad N, Gawkrodger DJ (2016): Ambient humidity and the skin: the impact of air humidity in healthy and diseased states. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(8): 1285–1294. https://doi.org/10.1111/jdv.13707
- Umweltbundesamt (zuletzt aktualisiert 13.12.2024): Wie lüfte ich richtig? Tipps und Tricks zur Schimmelvermeidung. https://www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/wie-luefte-ich-richtig-tipps-tricks-zur
- Umweltbundesamt (08.06.2013): Richtiges Lüften beugt Schimmel vor. https://www.umweltbundesamt.de/themen/richtiges-lueften-beugt-schimmel-vor
- Robert Koch-Institut (Stand 30.04.2024): Legionellose – Sicherung der hygienischen Qualität von untersuchungspflichtigen Trinkwasserinstallationen durch die Trinkwasserverordnung. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/L/Legionellose/OEGD/Hygiene-Trinkwasserinstallationen.html



















