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Trockene Haut im Flugzeug: Ursachen und was hilft

Kurz gesagt

Im Flugzeug trocknet die Haut aus, weil die Kabinenluft sehr trocken ist: Die Weltgesundheitsorganisation nennt eine Luftfeuchte von meist unter 20 %, auf Langstreckenflügen wurden sogar Werte unter 10 % gemessen. In so trockener Luft verliert die oberste Hautschicht schnell Wasser; in einer Messung sank die Hautfeuchte an den Wangen um bis zu 37 %. Ein Gesundheitsrisiko ist das laut WHO nicht, aber es spannt und fühlt sich rau an. Am meisten hilft eine Pflege, die einen dünnen Fettfilm auf der Haut hinterlässt. Reines Wasser aus Sprays oder Tuchmasken verdunstet in dieser Luft schnell wieder, wenn nichts darüber kommt.

Warum die Kabinenluft so trocken ist

In Reiseflughöhe ist die Außenluft sehr kalt. Kalte Luft kann nur wenig Wasserdampf aufnehmen. Wird diese Luft für die Kabine angesaugt und auf Raumtemperatur erwärmt, bleibt die Wassermenge gleich, aber die relative Luftfeuchte sinkt stark. Hinzu kommt, dass die Luft in der Kabine laufend ausgetauscht wird. Die Feuchtigkeit, die Passagiere durch Atmen und über die Haut abgeben, reicht nicht, um das auszugleichen.

Umgebung Relative Luftfeuchte Quelle
Wohnung normalerweise über 30 % WHO 2012
Flugzeugkabine meist unter 20 % WHO 2012
Kabine auf Langstreckenflügen, gemessen unter 10 %, erreicht innerhalb von 2 Stunden nach dem Start und für den Rest des Flugs gehalten Guéhenneux et al. 2012

Die WHO schreibt in ihrem Reisegesundheits-Handbuch, dass die niedrige Luftfeuchte Hauttrockenheit und weitere Beschwerden verursachen kann, aber kein Gesundheitsrisiko darstellt. Als Maßnahme nennt sie eine feuchtigkeitsspendende Hautpflege (WHO 2012).

Was mit der Haut während des Flugs passiert

Ein Forschungsteam hat die Hautfeuchte von acht Frauen auf Langstreckenflügen gemessen. Die Teilnehmerinnen hatten mindestens zwölf Stunden vorher keine Pflegeprodukte mehr benutzt und cremten sich auch im Flug nicht ein. Die Hautfeuchte an Gesicht und Unterarmen sank rasch, am stärksten an den Wangen mit bis zu 37 % (Guéhenneux et al. 2012). Die Forschenden halten das für den wahrscheinlichen Grund für das Spannungsgefühl vieler Langstreckenreisender.

Ähnliches zeigen Versuche am Boden. In einer japanischen Studie saßen Freiwillige drei oder sechs Stunden in sehr trockener Luft. Danach war der Wassergehalt der Hornschicht an Unterarm und Wange signifikant gesunken, und Abdrücke der Hautoberfläche zeigten ein rauer gewordenes Relief mit feinen Linien (Egawa et al. 2002). Das erklärt, warum die Haut nach einem Nachtflug nicht nur spannt, sondern auch fahler und rauer wirken kann.

Besonders betroffen sind Stellen mit dünner Haut oder wenig eigenem Fett: Wangen, Lippen und Handrücken. Die Hände trocknen zusätzlich durch das Händewaschen an Bord aus. Warum Lippen und Hände schneller austrocknen als andere Haut, erklären die Seiten Warum trocknen Lippen so schnell aus? und Warum Hände schneller austrocknen.

Warum Wasser allein wenig bringt

Viele Tipps für den Flug setzen auf Wasser: Gesichtssprays, Tuchmasken, feuchte Tücher. Das fühlt sich im ersten Moment frisch an. In Luft mit weniger als 20 % Feuchte verdunstet Wasser auf der Haut aber schnell wieder. Ohne etwas, das die Verdunstung bremst, bleibt davon wenig in der Haut.

Hier kommt der Fettfilm ins Spiel. Öle, Butter und Wachse bilden einen dünnen Film, der die Verdunstung von Wasser aus der Haut verringert. Man spricht von Okklusion. Wie das funktioniert und wie man den Wasserverlust der Haut misst, steht unter Okklusion und transepidermaler Wasserverlust. Welche Rolle Feuchthaltemittel wie Aloe oder Glycerin dabei spielen, erklärt Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.

Das heißt nicht, dass wasserhaltige Produkte im Flugzeug nutzlos sind. Ein Serum oder Gel kann gut funktionieren, wenn danach ein Öl oder eine feste Creme darüber kommt. Wie du das kombinierst, beschreibt Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Eine einfache Routine für lange Flüge

  1. Vor dem Abflug: Gesicht reinigen, bei Bedarf ein Serum auftragen und danach eine dünne Schicht Pflege mit Fettanteil. Lippen eincremen.
  2. Nach dem Start: Hände nach dem Waschen abtrocknen und eine kleine Menge Handcreme verteilen.
  3. Alle paar Stunden: Lippen nachlegen, auf spannende Stellen im Gesicht eine hauchdünne Schicht geben. Lieber wenig und öfter als einmal viel.
  4. Trinken: Normal trinken. Laut WHO führt die trockene Kabinenluft nicht zu innerer Austrocknung, und du musst nicht mehr trinken als sonst. Weil Kaffee und Alkohol harntreibend wirken, ist es sinnvoll, sie auf langen Flügen zu begrenzen (WHO 2012).
  5. Nach der Landung: Am Ziel an Sonnenschutz denken, vor allem in sonnigen Regionen oder in den Bergen.

Eine feste Pflege lässt sich im Flugzeug gut dosieren: kurz mit dem Finger über die Oberfläche streichen, zwischen den Fingern anwärmen, verteilen. Mehr dazu unter Feste Creme richtig auftragen.

Was ins Handgepäck darf

Flüssigkeiten im Handgepäck unterliegen besonderen Regeln. Ob eine feste Creme, ein Balsam oder ein Lippenpflegestift an der Kontrolle als Flüssigkeit gilt, entscheidet am Ende das Sicherheitspersonal. Die Regeln im Wortlaut und eine Einordnung verschiedener Produktformen findest du unter Feste Creme im Handgepäck: Flüssigkeit oder nicht?. Ein Serum in einer 50-ml-Flasche gehört in jedem Fall in den Flüssigkeitenbeutel.

Häufige Fragen

Warum spannt meine Haut nach einem Nachtflug so stark?
Weil die Hornschicht in der trockenen Kabinenluft Wasser verliert. Auf Langstreckenflügen sank die Hautfeuchte an den Wangen in Messungen um bis zu 37 %. Wer nichts aufträgt, merkt das nach einigen Stunden deutlich.

Helfen Gesichtssprays im Flugzeug?
Sie erfrischen kurz. Das Wasser verdunstet in der trockenen Luft aber schnell wieder. Wenn du ein Spray magst, gib danach eine dünne Schicht Pflege mit Fettanteil darüber.

Soll ich im Flugzeug eine dicke Maske auftragen?
Nötig ist das nicht. Eine dünne Schicht, die du bei Bedarf erneuerst, reicht meist und fühlt sich über viele Stunden angenehmer an.

Muss ich im Flugzeug mehr trinken, damit die Haut nicht austrocknet?
Laut WHO führt die niedrige Luftfeuchte nicht zu innerer Austrocknung. Normal trinken reicht. Gegen trockene Haut hilft Pflege von außen.

Trocknet die Haut auch auf kurzen Flügen aus?
Die Luftfeuchte sinkt schon in den ersten Stunden nach dem Start stark. Auf kurzen Flügen ist der Effekt kleiner, weil die Zeit kürzer ist. Für einen Flug von ein bis zwei Stunden reichen meist Lippenpflege und etwas Handcreme.

Bei forpeople

Für die Kabine eignen sich kleine feste Formate. Das skincare Reise-Set – fürs Handgepäck (39,90 €) enthält laut Produktbeschreibung eine Sonnencreme LSF 50 in Reisegröße, die Lippenpflege LSF 15, die feste Handcreme Bienenwachs, eine feste Fußcreme und eine Pechsalbe in Reisegröße. Für Gesicht und Körper passt die Feste Körperbutter Reisegröße – Bienenwachs & Aloe Vera (8 g, 5,90 €) aus Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter und Aloe-Extrakt, ohne zugesetzten Duft. Für die Lippen gibt es die Lippenpflege - Zitronengras (5 g, 4,90 €), für die Hände die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €). Wer ein Serum mitnehmen möchte: Das Aloe Vera Serum 99,6% (50 ml, 9,90 €) besteht aus Aloe-Saft mit Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat. Es enthält also Wasser, ist flüssig und gehört in den Flüssigkeitenbeutel; danach kommt eine feste Pflege darüber. Bei einer Hautreaktion die Anwendung beenden. Mehr dazu: Wasserfreie Kosmetik · Wie lange hält ein Pflegefilm? · Sonnenschutz in Bergen und Schnee · Kälteschutzcreme: wasserfrei und Frost

Quellen

  1. World Health Organization (2012): International travel and health. Situation as on 1 January 2012. Genf: WHO. Kapitel 2.1.2 „Cabin humidity and dehydration“. https://iris.who.int/handle/10665/75329
  2. Guéhenneux S, Gardinier S, Morizot F, Le Fur I, Tschachler E (2012): Skin surface hydration decreases rapidly during long distance flights. Skin Research and Technology 18(2): 238–240. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00560.x
  3. Egawa M, Oguri M, Kuwahara T, Takahashi M (2002): Effect of exposure of human skin to a dry environment. Skin Research and Technology 8(4): 212–218. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2002.00351.x