Warum die UV-Strahlung in den Bergen stärker ist
Die Atmosphäre filtert einen Teil der UV-Strahlung heraus. Je höher du bist, desto dünner ist die Luftschicht über dir und desto mehr Strahlung kommt an. Dazu kommt die Reflexion am Boden: Schnee wirft einen großen Teil der Strahlung zurück, die dann von unten und von der Seite auf die Haut trifft. Die Weltgesundheitsorganisation fasst die wichtigsten Einflussgrößen in ihrem Leitfaden zum UV-Index zusammen:
| Einflussgröße | Wert laut WHO-Leitfaden |
|---|---|
| Höhe | +10 bis 12 % UV-Strahlung je 1.000 Höhenmeter |
| Frischer Schnee | reflektiert bis zu 80 % |
| Trockener Strandsand | reflektiert etwa 15 % |
| Meerschaum | reflektiert etwa 25 % |
| Leichte Bewölkung | bis zu 80 % der UV-Strahlung dringen durch |
| Hochgebirge und frischer Schnee zusammen | können die UV-Belastung verdoppeln |
Quelle der Tabelle: WHO 2002. Andere Quellen nennen leicht abweichende Werte. Das WHO-Reisehandbuch etwa gibt etwa 5 % mehr UV je 300 Höhenmeter an (WHO 2012). Die Unterschiede ergeben sich aus Jahreszeit, Sonnenstand, Bewölkung und Messort. Die Richtung ist immer dieselbe: Je höher und je mehr Schnee, desto mehr UV.
Besonders tückisch ist das Frühjahr. Die WHO rät, im zeitigen Frühjahr besonders aufzupassen, wenn die Temperaturen niedrig sind, die Sonne aber unerwartet stark ist (WHO 2002). Im März und April steht die Sonne schon deutlich höher als im Hochwinter, während auf den Bergen noch viel Schnee liegt. Das ist die klassische Skitourenzeit.
Warum du die Sonne in der Kälte nicht spürst
Die Wärme, die du in der Sonne auf der Haut fühlst, kommt von der Infrarotstrahlung. UV-Strahlung selbst ist weder zu sehen noch zu spüren (WHO 2002). Bei minus zehn Grad und Wind fühlt sich die Sonne angenehm an, obwohl der UV-Index hoch sein kann. Deshalb unterschätzen viele den Sonnenschutz beim Wintersport und merken es erst am Abend an geröteter Haut im Gesicht.
Den aktuellen UV-Index findest du im Wetterbericht. Das Bundesamt für Strahlenschutz weist darauf hin, dass die UV-Belastung durch Reflexion an Schnee, Wasser und hellen Flächen höher sein kann als der angegebene UV-Index (BfS).
Welcher Schutz in den Bergen sinnvoll ist
Die Reihenfolge ist dieselbe wie im Sommer am Meer: Schatten und Kleidung zuerst, Sonnencreme für die Stellen, die frei bleiben. Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, schützt laut WHO wirksamer vor UV als eine Sonnencreme (WHO 2012). Im Winter ist der Körper ohnehin bedeckt; frei bleiben Gesicht, Ohren, Hals und manchmal die Hände. Eine Sonnenbrille mit Seitenschutz, Mütze oder Kappe und ein Tuch für Hals und Kinn gehören zur Grundausstattung.
Für die Sonnencreme selbst gibt die EU-Empfehlung zur Kennzeichnung feste Schutzkategorien vor (Europäische Kommission 2006):
| Angabe auf dem Produkt | Gemessener LSF | Kategorie |
|---|---|---|
| 6, 10 | 6 bis 14,9 | niedriger Schutz |
| 15, 20, 25 | 15 bis 29,9 | mittlerer Schutz |
| 30, 50 | 30 bis 59,9 | hoher Schutz |
| 50+ | ab 60 | sehr hoher Schutz |
Das BfS empfiehlt für Aufenthalte in großen Höhen und auf Schnee ein Mittel mit LSF 50+ (BfS). Genauso wichtig wie die Zahl ist die Menge. Der LSF wird im Labor mit 2 mg Sonnencreme pro Quadratzentimeter Haut gemessen. Im Alltag tragen Menschen oft nur 0,39 bis 1,0 mg/cm² auf, was den Schutz deutlich senkt (Petersen & Wulf 2014). Die Autoren empfehlen eine einfache Regel: vor dem Rausgehen auftragen und innerhalb der ersten Stunde ein zweites Mal. Was LSF, UVA-Schutz und die Angabe „wasserfest“ bedeuten, erklärt die Seite LSF, UVA-Schutz und wasserfest.
Feste mineralische Sonnencreme in der Kälte auftragen
Eine feste Sonnencreme besteht aus Butter, Ölen und Wachs, in die die mineralischen UV-Filter eingearbeitet sind. In der Kälte wird sie härter. So klappt das Auftragen:
- Vorwärmen: Die Sonnencreme in einer Innentasche nah am Körper tragen, dann bleibt sie streichfähig.
- Vor dem Start eincremen: Das BfS empfiehlt, eine halbe Stunde vor dem Rausgehen sorgfältig und großzügig aufzutragen (BfS). Am besten in der warmen Hütte oder im Auto.
- Großzügig: Lieber zwei dünne Schichten nacheinander als eine zu sparsame. Die Creme zwischen den Fingern anwärmen und gleichmäßig verteilen.
- Die Unterseiten nicht vergessen: Weil der Schnee von unten reflektiert, brauchen auch Nasenunterseite, Kinn, Hals und Ohrläppchen Schutz. Dazu Nasenrücken, Stirn, Wangen, Ohren und Nacken.
- Nachcremen: Nach Schwitzen, nach dem Abwischen der Nase und mehrmals am Tag. Nachcremen erhält den Schutz, verlängert ihn aber nicht (BfS).
Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid können auf der Haut einen leichten weißen Schimmer hinterlassen. Wie sich die beiden Filter unterscheiden, steht unter Zinkoxid oder Titandioxid; was „non-nano“ bedeutet, unter Nano oder non-nano. Da eine feste Sonnencreme selbst wasserfrei ist und einen Film aus Fett und Wachs hinterlässt, brauchst du für das Gesicht meist keine zusätzliche Kälteschutzcreme darunter. Warum keine Creme vor Erfrierungen schützt, erklärt Kälteschutzcreme: wasserfrei und Frost.
Lippen: Lippen haben kaum eigenen Schutz und bekommen auf Schnee viel reflektierte Strahlung ab. Ein Lippenpflegestift mit LSF 15 fällt in die Kategorie „mittlerer Schutz“. Auf dem Gletscher oder bei langen Touren im Frühjahr ist das wenig; ein Tuch über Mund und Kinn und häufiges Nachtragen helfen. Mehr dazu unter Warum trocknen Lippen so schnell aus?.
Häufige Fragen
Brauche ich im Winter wirklich Sonnencreme?
In den Bergen und auf Schnee ja. Die UV-Strahlung steigt mit der Höhe, und frischer Schnee reflektiert bis zu 80 % davon. Im Flachland ohne Schnee ist die UV-Strahlung im Winter dagegen meist gering.
Reicht LSF 30 zum Skifahren?
Das BfS empfiehlt für große Höhen und Schnee LSF 50+. Wer LSF 30 oder 50 verwendet, sollte besonders großzügig auftragen, oft nachcremen und das Gesicht zusätzlich mit Tuch, Mütze und Brille schützen.
Kann ich mich bei Bewölkung in den Bergen verbrennen?
Ja. Bis zu 80 % der UV-Strahlung dringen durch leichte Bewölkung. Dunst kann die Belastung sogar erhöhen.
Warum verbrenne ich mich auf Skitour unter der Nase und am Kinn?
Weil der Schnee die Strahlung von unten zurückwirft. Stellen, die sonst im Schatten liegen, bekommen dann viel UV ab. Creme diese Stellen bewusst mit ein.
Wird eine feste Sonnencreme in der Kälte zu hart?
Sie wird fester, lässt sich aber auftragen, wenn du sie vorher nah am Körper trägst und kurz zwischen den Fingern anwärmst. Wie sich feste Kosmetik bei Kälte und Hitze verhält, steht unter Feste Kosmetik lagern.
Bei forpeople
Unsere Feste Sonnencreme LSF50 (40 g, 17,90 €) schützt mit den mineralischen Filtern Zinkoxid und Titandioxid in Non-Nano-Form; sie enthält außerdem Sheabutter, ein pflanzliches Triglycerid, Bienenwachs und Kieselsäure, kein Wasser und keinen Duft. Sie steckt in einer Papierhülse ohne Kunststoffbeschichtung. LSF 50 fällt nach der EU-Einteilung in die Kategorie „hoher Schutz“, nicht „sehr hoher Schutz“. In großen Höhen und auf Schnee ist deshalb besonders wichtig, großzügig aufzutragen, oft nachzucremen und Kleidung, Mütze und Tuch zu nutzen. Für die Jackentasche gibt es die Feste Sonnencreme LSF50 Reiseformat (20 g, 9,90 €) und, leicht getönt mit Eisenoxiden, die Feste Sonnencreme LSF50 Mini - Farbe LIGHT SAND (20 g, 9,90 €). Für die Lippen gibt es die Lippenpflege - LSF15 Mandel & Vanille (5 g, 7,90 €), ebenfalls mit Zinkoxid und Titandioxid. Das Outdoor-Set – Sonnenschutz & SOS-Pflege für beanspruchte Haut (79,90 €) enthält eine 20-g-Sonnencreme sowie Salbe, Hand-, Fuß- und Lippenpflege. Bei einer Hautreaktion die Anwendung beenden. Mehr dazu: Mineralische Sonnencreme für Kinder · Dringen mineralische UV-Filter in die Haut ein? · Tattoo vor der Sonne schützen
Quellen
- World Health Organization, World Meteorological Organization, United Nations Environment Programme, International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (2002): Global Solar UV Index: A Practical Guide. WHO/SDE/OEH/02.2. Genf: WHO. https://iris.who.int/handle/10665/42459
- World Health Organization (2012): International travel and health. Situation as on 1 January 2012. Genf: WHO. Kapitel 3.3 „Ultraviolet radiation from the sun“. https://iris.who.int/handle/10665/75329
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Tipps zum UV-Schutz. https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/schutz/tipps/tipps_node.html
- Europäische Kommission (2006): Empfehlung 2006/647/EG vom 22. September 2006 über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben. Amtsblatt der EU L 265: 39–43. https://eur-lex.europa.eu/eli/reco/2006/647/oj
- Petersen B, Wulf HC (2014): Application of sunscreen – theory and reality. Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine 30(2–3): 96–101. https://doi.org/10.1111/phpp.12099



















