Warum Tattoos in der Sonne verblassen
Tätowierfarben enthalten Pigmente, also farbige Teilchen, die in der Haut liegen bleiben. Viele dieser Pigmente sind organische Farbstoffe, die Licht aufnehmen. UV-Strahlung kann solche Moleküle chemisch verändern. In einer Laboruntersuchung wurde das rote Tattoo-Pigment Pigment Red 22 in Lösung mit UVB-Strahlung oder mit natürlichem Sonnenlicht bestrahlt. Das Pigment wurde dabei gespalten, unter Sonnenlicht in manchen Lösungsmitteln fast vollständig. Die Autoren betonen, dass sich das Risiko für die Haut daraus noch nicht bewerten lässt, weil die Mengen von Pigmenten und Spaltprodukten in der Haut unbekannt sind (Engel et al. 2007). Eine dermatologische Fachzuschrift fasst zusammen, dass UV-Strahlung farbige Tattoos vorzeitig verblassen lassen kann (Gonzalez et al. 2020).
Für dich heißt das: Je weniger UV-Strahlung ein Tattoo über die Jahre abbekommt, desto länger bleiben Farben und Linien klar. Wie schnell ein Tattoo verblasst, hängt außerdem von der Farbe, der Tiefe, der Stelle und der Qualität des Stechens ab. Sonnenschutz trägt dazu bei, das Verblassen zu verlangsamen, verhindern kann er es nicht vollständig.
Welche Stoffe in Tätowierfarben stecken dürfen, regelt die EU seit Anfang 2022 über das Chemikalienrecht REACH. Seitdem gelten Grenzwerte für zahlreiche Stoffe; für die Pigmente Blue 15:3 und Green 7 galt eine längere Übergangsfrist bis Januar 2023 (Verordnung (EU) 2020/2081). Das betrifft die Farben selbst, nicht die Sonnencreme.
Gibt es eine besondere Sonnencreme für Tattoos?
Rechtlich nicht. Die EU-Empfehlung zu Sonnenschutzmitteln legt fest, wie Lichtschutzfaktor und UVA-Schutz angegeben werden, und kennt dafür vier Schutzkategorien von niedrig bis sehr hoch. Eine eigene Klasse für tätowierte Haut gibt es darin nicht (Empfehlung 2006/647/EG). Produkte mit „Tattoo“ im Namen sind Sonnenschutzmittel wie alle anderen. Worauf es ankommt:
| Merkmal | Worauf du achtest | Warum |
|---|---|---|
| Lichtschutzfaktor | mindestens 30, in den Bergen, im Schnee und am Wasser 50 oder 50+ | Empfehlung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) |
| UVA-Schutz | UVA-Logo im Kreis oder Angabe „Breitband“ | UVA-Schutz muss mindestens ein Drittel des UVB-Schutzes betragen (2006/647/EG) |
| Menge | so viel, dass die Haut gleichmäßig bedeckt ist | Der LSF wird mit 2 mg/cm² gemessen; die Hälfte kann den Schutz um zwei Drittel senken (2006/647/EG) |
| Nachcremen | mehrmals täglich, nach Baden, Schwitzen, Abtrocknen | erhält den Schutz, verlängert ihn aber nicht (BfS) |
| Filterart | mineralisch oder chemisch, nach Vorliebe | beide filtern UV vor den Pigmenten; Unterschiede liegen in Hautgefühl und Weißeln |
| Tönung | bei getönter Sonnencreme beachten, dass sie das Tattoo leicht überdeckt | Eisenoxide oder farbige Pigmente bleiben sichtbar auf der Haut |
Die 2 mg/cm² klingen abstrakt. Für den ganzen Körper eines durchschnittlichen Erwachsenen entspricht das laut EU-Empfehlung etwa 36 Gramm (2006/647/EG). Für ein Tattoo von 10 × 10 Zentimetern, also 100 cm², sind es rund 0,2 Gramm. Das ist mehr, als die meisten nach Gefühl auftragen. Was die Angaben auf der Packung bedeuten, erklärt LSF, UVA-Schutz und wasserfest.
Mineralische Sonnencreme auf Tattoos
Mineralische Filter wie Zinkoxid und Titandioxid liegen als feine Teilchen auf der Haut und streuen und absorbieren UV-Strahlung. Zinkoxid deckt dabei auch den langwelligen UVA-Bereich gut ab; mehr dazu unter Zinkoxid oder Titandioxid. Für ein Tattoo spielt die Filterart keine besondere Rolle. Zwei praktische Punkte gibt es aber:
- Weißeln: Mineralische Sonnencreme kann einen hellen Schimmer hinterlassen, der auf dunklen Tattoo-Flächen auffällt. Gut einarbeiten hilft; Hintergründe unter Weißfilm bei Sonnencreme.
- Feste Sonnencreme: Sie wird direkt über die Haut gerieben und dann mit den Fingern verteilt. Über ein Tattoo lieber mehrmals kreuz und quer streichen, damit die Menge stimmt.
Ob die Teilchen „nano“ oder „non-nano“ sind, ändert nichts am Prinzip des Schutzes. Was die Begriffe bedeuten, steht unter Nano oder non-nano?
Schutz im Alltag: mehr als Sonnencreme
Das Bundesamt für Strahlenschutz nennt Kleidung und Kopfbedeckung den besten und einfachsten Schutz, rät, ab UV-Index 3 mittags den Schatten zu suchen, und warnt, dass Schnee, Wasser und helle Flächen die Belastung erhöhen (BfS). Für Tattoos bedeutet das:
- Abdecken, wo es geht: Ein T-Shirt über dem Oberarm-Tattoo schützt verlässlicher als jede Creme.
- Freie Stellen eincremen: Unterarme, Knöchel, Nacken und Schultern bekommen im Sommer am meisten Sonne ab.
- Vor dem Rausgehen auftragen: Das BfS empfiehlt eine halbe Stunde vorher.
- Nach dem Baden erneuern: Abtrocknen mit dem Handtuch nimmt einen Teil der Sonnencreme mit.
- Solarium meiden: Auch künstliches UV trifft die Pigmente.
Nach dem Sonnentag freut sich die Haut über Pflege. Das dient dem Hautgefühl, nicht dem Tattoo selbst; eine Creme bringt ausgeblichene Farben nicht zurück. Wer in den Bergen oder im Schnee unterwegs ist, findet mehr unter Sonnenschutz in den Bergen und im Schnee.
Häufige Fragen
Ab wann darf ein neues Tattoo in die Sonne?
Erst wenn es vollständig abgeheilt ist. Wie lange das dauert und was bis dahin zu tun ist, sagt dir dein Studio oder deine Ärztin; bis dahin gehört ein frisches Tattoo abgedeckt in den Schatten.
Reicht LSF 30 für ein Tattoo?
Für den Alltag in Mitteleuropa ist LSF 30 nach BfS das Minimum. Am Wasser, im Schnee und in großer Höhe empfiehlt das BfS LSF 50+. Wichtiger als ein paar Punkte mehr ist, genug aufzutragen und nachzucremen.
Brauche ich eine extra Tattoo-Sonnencreme?
Nein. Jede Sonnencreme mit hohem LSF und UVA-Schutz schützt die Pigmente. Produkte mit „Tattoo“ im Namen sind Sonnenschutzmittel wie andere auch; die Bezeichnung ist keine eigene Schutzklasse.
Ist mineralische Sonnencreme besser für Tattoos?
Nicht grundsätzlich. Sie ist eine Möglichkeit unter mehreren. Manche mögen sie, weil sie wenige Inhaltsstoffe hat, andere stört der helle Schimmer.
Kann ich ein verblasstes Tattoo mit Creme auffrischen?
Nein. Pflege lässt die Haut glatter aussehen, bringt aber keine Farbe zurück. Auffrischen kann nur ein Studio.
Bei forpeople
Unsere Feste Sonnencreme LSF50 (40 g, 17,90 €) ist ein mineralischer Sonnenschutz mit Zinkoxid und Titandioxid (non-nano) in Sheabutter und Bienenwachs, in einer Papierhülse ohne Kunststoffbeschichtung. Für unterwegs gibt es die Feste Sonnencreme LSF50 Reiseformat (20 g, 9,90 €). Die Feste Sonnencreme LSF50 Mini - Farbe LIGHT SAND (20 g, 9,90 €) ist mit Eisenoxiden getönt und die Feste Sonnencreme LSF50 Mini - OCEAN BLUE (20 g, 9,90 €) mit Ultramarin blau gefärbt; beide überdecken ein Tattoo sichtbar. Für die Lippen gibt es die Lippenpflege - LSF15 Mandel & Vanille (5 g, 7,90 €). Zur Pflege nach dem Sonnentag passt die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera (40 g, 9,90 €), nur auf abgeheilter, unverletzter Haut. Mehr dazu: Mineralische Sonnencreme für Kinder · Dringen mineralische UV-Filter in die Haut ein? · Feste Kosmetik lagern · LSF und UVA-Schutz erklärt
Quellen
- Engel E, Spannberger A, Vasold R, König B, Landthaler M, Bäumler W (2007): Photochemical cleavage of a tattoo pigment by UVB radiation or natural sunlight. J Dtsch Dermatol Ges 5(7): 583–589. https://doi.org/10.1111/j.1610-0387.2007.06333.x
- Gonzalez CD, Rundle CW, Pona A, Walkosz BJ, Dellavalle RP (2020): Ultraviolet radiation may cause premature fading of colored tattoos. Photodermatol Photoimmunol Photomed 36(1): 73–74. https://doi.org/10.1111/phpp.12509
- Europäische Kommission (2020): Verordnung (EU) 2020/2081 zur Änderung des Anhangs XVII der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 (REACH) betreffend Stoffe in Tätowierfarben oder Permanent-Make-up. ABl. L 423: 6. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2020/2081/oj
- Europäische Kommission (2006): Empfehlung 2006/647/EG über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben. ABl. L 265: 39. https://eur-lex.europa.eu/eli/reco/2006/647/oj
- Bundesamt für Strahlenschutz (BfS): Tipps zum UV-Schutz (Stand 04.08.2026). https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/schutz/tipps/tipps_node.html




















