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Wie schnell nach dem Duschen eincremen? Die 3-Minuten-Regel

Kurz gesagt

Die 3-Minuten-Regel ist eine Faustregel, kein Messergebnis: In Studien mit gesunden Erwachsenen machte es für die Hautfeuchte kaum einen Unterschied, ob die Creme sofort oder erst 30 bis 90 Minuten nach dem Waschen auf die Haut kam. Wichtiger war, dass überhaupt eingecremt wurde. Für Öl und Butter gilt eine eigene Überlegung: Sie bringen kein Wasser mit und lassen sich auf leicht feuchter Haut am besten verteilen. Wer die drei Minuten verpasst, hat nichts versäumt.

Woher die 3-Minuten-Regel kommt

Die Empfehlung, sich innerhalb von drei Minuten nach dem Baden oder Duschen einzucremen, steht in hautärztlichen und allergologischen Leitlinien. Belege dafür gibt es nach Einschätzung einer Forschungsgruppe nur sehr wenige (Nguyen et al. 2022). Schon eine frühere Arbeit hielt fest, dass Leitlinien das sofortige Eincremen empfehlen, obwohl Messdaten dazu kaum vorlagen (Chiang & Eichenfield 2009). Die Leitlinien, auf die sich diese Arbeit bezieht, wurden für Menschen mit einer chronischen Hauterkrankung geschrieben, nicht für gesunde Haut.

Die Überlegung dahinter: Beim Baden steigt der Wassergehalt der Hornschicht rasch an. Danach verdunstet das Wasser, und der Wassergehalt sinkt auf den Ausgangswert oder darunter (Ueda et al. 2022). Ein Film soll das Wasser vorher einschließen. Warum es genau drei Minuten sein sollen, belegt keine der hier genannten Arbeiten. Was beim Duschen in der Haut passiert, erklärt die Seite Warum spannt die Haut nach dem Duschen?

Was Studien zum Zeitpunkt zeigen

Drei Arbeiten haben sofortiges und späteres Eincremen direkt verglichen. Eine große Studie ist nicht darunter.

Studie Teilnehmende Vergleich Ergebnis
Chiang & Eichenfield 2009 10 Personen, fünf davon mit gesunder Haut Arm zehn Minuten gebadet; Creme sofort, 30 Minuten später oder gar nicht kein statistischer Unterschied zwischen sofort und später; nach dem Baden ohne Creme lag die Hautfeuchte unter dem Ausgangswert
Nguyen et al. 2022 60 gesunde Erwachsene, 18 bis 25 Jahre drei Hautstellen: nicht eingecremt, sofort nach dem Waschen, 30 Minuten später eingecremte Stellen hatten zu jedem Messzeitpunkt mehr Wasser in der Hornschicht und einen geringeren Wasserverlust; zwischen sofort und später kein Unterschied
Ueda et al. 2022 8 gesunde Frauen, 26 bis 34 Jahre Unterschenkel; Lotion innerhalb von 5 Minuten oder 90 Minuten nach dem Baden; Messung nach 12 Stunden beide Stellen feuchter als vor dem Auftragen; kein signifikanter Unterschied zwischen sofort und 90 Minuten; nur die sofort eingecremte Stelle lag über der unbehandelten

Was sich daraus ablesen lässt: Eincremen wirkt, früh oder spät. Einen Vorteil für eine bestimmte Minute zeigt keine der drei Arbeiten. Einen kleinen Hinweis zugunsten von „bald“ gibt nur die dritte: Nach zwölf Stunden hob sich allein die sofort eingecremte Stelle von der unbehandelten ab. Der direkte Vergleich blieb aber auch dort ohne Unterschied.

Wo die Grenzen liegen: Die Teilnehmenden waren jung, beobachtet wurde über Stunden, und jede Arbeit prüfte ein einziges Produkt. In der Arbeit von 2009 hatte die Hälfte der Teilnehmenden eine Hauterkrankung, und die veröffentlichten Zahlen stammen vor allem aus dieser Gruppe. In der Arbeit von Ueda sind drei der vier Autorinnen und Autoren bei dem Unternehmen angestellt, das die Lotion gestellt hat.

Geprüft wurden, soweit beschrieben, eine handelsübliche Creme und eine Lotion mit Feuchthaltemitteln wie Glycerin. Solche Produkte bringen Wasser oder wasserbindende Stoffe selbst mit. Einen vergleichbaren Test mit reinem Öl oder wasserfreier Butter haben wir nicht gefunden.

Was das für Lotion, Öl und Butter heißt

  • Lotion oder Creme: Sie ist eine Emulsion und bringt Wasser mit. Nach den Studien oben ist der genaue Zeitpunkt zweitrangig. Den Unterschied zum Öl erklärt Körperöl oder Bodylotion: Was ist der Unterschied?
  • Körperöl: Es enthält kein Wasser. In einer Messung mit sechs Freiwilligen drangen vier Pflanzenöle nur in die obersten Lagen der Hornschicht ein; bis auf Jojobaöl senkten sie den Wasserverlust über die Haut ähnlich wie Paraffinöl (Patzelt et al. 2012). Ein Öl hält also Wasser fest, das schon da ist. Deshalb passt es auf die noch leicht feuchte Haut.
  • Feste Körperbutter: Auch sie ist wasserfrei. Auf warmer, noch leicht feuchter Haut lässt sie sich am leichtesten verteilen.
  • Wässriges Serum: Es bringt Wasser, aber keinen Film. Darüber gehört Öl oder Butter, siehe Aloe-Vera-Serum mit Öl oder fester Creme kombinieren.

Nach einer Übersichtsarbeit wirken filmbildende Stoffe am stärksten, wenn sie auf leicht angefeuchtete Haut kommen (Sethi et al. 2016). Für Öl und Butter ist „bald nach dem Duschen“ deshalb sinnvoll. Das folgt aus der Mechanik und aus der Praxis; ein Messergebnis zu einer Frist in Minuten ist es nicht. Mehr dazu: Feuchthaltemittel, Okklusiva, Emollienzien.

Der Ablauf nach dem Duschen

  1. Abtupfen, nicht trockenreiben. Die Haut soll feucht bleiben, aber nicht tropfnass. In einer Studie mit 15 gesunden Freiwilligen blieb die Haut nach dem Abtupfen deutlich nasser als nach sanftem Abreiben (Voegeli 2008). Die Studie stammt aus der Krankenpflege und wertete das nicht als Vorteil, weil feuchte Haut dort mehr Reibung bedeutet. Vor einem Öl ist die Restfeuchte erwünscht.
  2. Wenn du magst, zuerst etwas Wässriges. Verteil eine kleine Menge Serum auf der Haut, zum Beispiel das Aloe Vera Serum 99,6%, und warte kurz, bis nichts mehr läuft.
  3. Öl für die großen Flächen. Verreib einige Tropfen zwischen den Handflächen und massier sie ein. Infrage kommt das Körperöl - Lemongrass oder, ohne Duftzusatz, das Mandelöl – kaltgepresst.
  4. Butter für einzelne Stellen. Wärm die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera kurz in den Händen an oder streich sie direkt über die warme Haut.
  5. Kurz warten, dann anziehen. Glänzt die Haut nach einigen Minuten noch deutlich, war es zu viel. Was Öl auf Stoff hinterlässt, steht unter Macht Körperöl Flecken? Kleidung, Bettwäsche, Handtücher.

Die Schritte zwei bis fünf sind gängige Praxis, keine gemessene Regel.

Wenn es doch später wird

  • Mit Lotion oder Creme: einfach auftragen. Diesen Fall haben die Studien geprüft.
  • Mit Öl oder Butter: Feuchte die Hände an und streich einmal über die Haut, oder leg das Serum darunter. Dann ist wieder Wasser da, das der Film halten kann.
  • An Tagen ohne Dusche: Die Arbeit von 2009 kommt zu dem Schluss, dass Eincremen auch unabhängig vom Baden sinnvoll ist (Chiang & Eichenfield 2009).

Wann ärztlichen Rat holen?

Die Frage nach der richtigen Minute ist eine Pflegefrage. Bleibt die Haut trotz regelmäßigem Eincremen über Wochen sehr trocken, rissig oder gerötet, juckt sie stark oder nässt sie, lass sie ärztlich ansehen. Hast du wegen einer Hauterkrankung eine ärztliche Empfehlung zum Baden und Eincremen bekommen, bleib dabei; diese Seite ersetzt sie nicht. Auf verletzte oder gereizte Haut trägst du keine Pflegeprodukte auf.

Häufige Fragen

Muss ich mich wirklich innerhalb von drei Minuten eincremen?
Nein. In den Studien mit gesunden Erwachsenen unterschied sich die Hautfeuchte kaum, ob sofort oder später eingecremt wurde. Entscheidend war, dass eingecremt wurde.

Ist die 3-Minuten-Regel also falsch?
Nein. Sie schadet nicht, und als Gewohnheit ist sie praktisch: Wer sich direkt nach dem Duschen eincremt, hat einen festen Platz dafür im Tag. Nur die Frist von drei Minuten ist nicht belegt.

Creme ich auf nasse oder auf abgetrocknete Haut?
Auf abgetupfte, noch leicht feuchte Haut. Auf tropfnasser Haut verläuft ein Öl, auf ganz trockener fehlt das Wasser, das der Film halten soll.

Gilt das auch für die Hände?
Nur zum Teil. Die Hände trocknest du nach dem Waschen gut ab und cremst sie dann ein; nasse Finger lassen eine feste Creme schlecht greifen. Mehr dazu: Wie trage ich eine feste Creme richtig auf?

Und nach dem Sport?
Dann kommt das Nachschwitzen dazu. Was das für den Zeitpunkt heißt, steht unter Eincremen nach dem Sport: gleich nach dem Duschen oder warten?

Bei forpeople

Eine Bodylotion führen wir nicht. Öl und Körperbutter sind wasserfrei, das Serum ist wässrig.

  • Körperöl - Lemongrass, 100 ml, 16,90 €: Sesam-, Distel-, Sanddornkern- und Sonnenblumenöl, Kurkuma-Extrakt und ätherisches Lemongrassöl. Laut Produktseite nach dem Duschen auf die noch feuchte Haut.
  • Mandelöl – kaltgepresst, 100 ml, 14,90 €: laut Inhaltsstoffliste nur Mandelöl, ohne Duftzusatz.
  • Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: laut Inhaltsstoffliste Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter und Aloe-vera-Blattextrakt, ohne zugesetzte ätherische Öle.
  • Aloe Vera Serum 99,6%, 250 ml, 24,90 €: Aloe-Saft, Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat; wasserhaltig und konserviert. Gedacht als Schicht unter Öl oder Butter, wenn die Haut schon trocken ist.

Für alle vier gilt laut Produktseite: Kontakt mit den Augen vermeiden und nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden. Wenn du eine Hautreaktion bemerkst, beende die Anwendung.

Mehr dazu: Körperöl oder Körperbutter – was passt wann? · Körper eincremen: morgens oder abends? · Duschöl oder Körperöl: Was ist der Unterschied?

Aus dem Blog: Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten

Quellen

  1. Nguyen KH, Pham LD, Nguyen TTT, Chu H, Nguyen TD, Ngo DK et al. (2022): Moisturizing effectiveness of immediate compared with delayed moisturization. Journal of Cosmetic Dermatology 21(10): 5134–5140. https://doi.org/10.1111/jocd.15003
  2. Chiang C, Eichenfield LF (2009): Quantitative assessment of combination bathing and moisturizing regimens on skin hydration in atopic dermatitis. Pediatric Dermatology 26(3): 273–278. https://doi.org/10.1111/j.1525-1470.2009.00911.x
  3. Ueda Y, Murakami Y, Saya Y, Matsunaka H (2022): Optimal application method of a moisturizer on the basis of skin physiological functions. Journal of Cosmetic Dermatology 21(7): 3095–3101. https://doi.org/10.1111/jocd.14560
  4. Patzelt A, Lademann J, Richter H, Darvin ME, Schanzer S, Thiede G et al. (2012): In vivo investigations on the penetration of various oils and their influence on the skin barrier. Skin Research and Technology 18(3): 364–369. https://doi.org/10.1111/j.1600-0846.2011.00578.x
  5. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  6. Voegeli D (2008): The effect of washing and drying practices on skin barrier function. Journal of Wound, Ostomy and Continence Nursing 35(1): 84–90. https://doi.org/10.1097/01.WON.0000308623.68582.d7