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Trockene Haut im Herbst: warum sie kippt und was hilft

Kurz gesagt

Im Herbst kippt die Haut, weil die Luft draußen weniger Wasser enthält, die Heizung anspringt und Duschen wärmer und länger werden, während die Pflege noch auf den Sommer eingestellt ist. Die Lösung in drei Schritten: lauwarm und kurz duschen, die leichte Sommerpflege um einen Film aus Öl, Butter oder Wachs ergänzen und Hände, Lippen und Gesicht draußen schützen, bevor sie rau werden. Wer die Pflege jetzt schrittweise umstellt, muss im Dezember meist nicht gegen Risse anarbeiten. Juckt die Haut stark, rötet sie sich oder wird sie ohne erkennbaren Grund am ganzen Körper trocken, gehört das ärztlich angesehen.

Das Problem: Die Haut kippt im Herbst

Im Sommer hat ein leichtes Gel oder eine Lotion gereicht, und manchmal gar nichts. Ab Ende September ändert sich das oft innerhalb weniger Wochen: Nach dem Duschen spannt die Haut an Beinen und Armen, an den Schienbeinen bilden sich feine Schüppchen, die Wangen fühlen sich nach einem Spaziergang im Wind straff an, und die Lippen werden rau. Viele bemerken gleichzeitig, dass Stirn und Nase noch fettig glänzen, während die Wangen spannen. Typisch ist der Herbst auch für den ersten Juckreiz unter dem Wollpullover und für Hände, die nach dem Händewaschen nicht mehr so schnell weich werden. Die Haut hat sich nicht plötzlich verändert; die Bedingungen um sie herum haben es.

Warum das im Herbst passiert

Die Haut folgt den Jahreszeiten. In einer Messreihe mit 72 jungen Frauen, die in allen vier Jahreszeiten untersucht wurden, waren Feuchtigkeit der Hornschicht und Talg an der Wange im Sommer am höchsten und im Winter am niedrigsten; der Wasserverlust der Haut verhielt sich umgekehrt (Yang et al. 2020). Gemessen wurde in Kunming in China, das Klima dort ist ein anderes, die Richtung aber dieselbe wie in einer Untersuchung an den Unterschenkeln von 25 Frauen: Im Sommer war die Haut feuchter, weniger trocken, enthielt mehr Ceramide, Fettsäuren und Cholesterin und mehr eines natürlichen Feuchthaltefaktors als im Winter (Wei et al. 2016). Der Herbst ist der Übergang dazwischen; deshalb fallen die Veränderungen jetzt auf.

Die Luft wird trockener. Kalte Außenluft enthält wenig Wasserdampf, und sobald sie drinnen aufgeheizt wird, sinkt ihre relative Feuchte. Niedrige Luftfeuchte und niedrige Temperaturen verringern nach einer Übersichtsarbeit die Barrierefunktion der Haut, machen sie anfälliger für mechanische Belastung und reaktiver gegenüber Reizstoffen (Engebretsen et al. 2016). Die ersten Heiztage sind deshalb oft die Tage, an denen die Haut zum ersten Mal spannt. Wie trocken Heizungsluft wirklich ist und was ein Luftbefeuchter bringt, erklärt Luftfeuchtigkeit und Haut: was trockene Heizungsluft bewirkt und was hilft.

Die Sommerpflege arbeitet jetzt schlechter. Leichte Gele und Lotionen setzen vor allem auf Feuchthaltemittel. Diese ziehen Wasser aus tieferen Hautschichten in die Oberhaut und nur bei feuchter Luft zusätzlich aus der Umgebung (Sethi et al. 2016). In der schwülen Sommerluft genügt das oft, in trockener Heizungsluft verdunstet das Wasser ohne Film darüber schnell wieder.

Duschen werden wärmer. Wenn es draußen kalt ist, duschen viele heißer und länger. In einem Versuch stieg der Wasserverlust der Haut nach einer Seifenlösung bei 40 °C deutlich stärker als bei 20 °C, während reines Wasser bei keiner Temperatur messbar schadete (Ohlenschlaeger et al. 1996). Belastend ist also die Kombination aus Wärme und Waschmittel.

Dazu kommen Kleidung und Wind. Reibung durch raue Kleidung, direkte Hitze von Heizlüftern und häufiges Baden zählen zu den bekannten Ursachen trockener Haut (DermNet: Dry skin). Draußen trocknet Wind die Oberfläche zusätzlich, und der Wechsel zwischen kalter Luft und warmen Räumen fordert die Haut den ganzen Tag. Warum Wolle gerade jetzt kratzt, steht unter Wolle kratzt auf der Haut: warum, und was hilft.

Die Lösung Schritt für Schritt

Wann Was du tust Warum
Sofort Lauwarm und kurz duschen, Waschgel nur dort, wo es nötig ist, abtupfen statt rubbeln Wärme und Tenside zusammen erhöhen den Wasserverlust der Haut
Sofort Auf die noch leicht feuchte Haut eine Pflege mit Fett geben: Körperbutter, Körperöl, an den Händen eine feste Creme Der Film bremst die Verdunstung, wenn die Luft kein Wasser mehr nachliefert
Jeden Tag Im Gesicht die leichte Pflege beibehalten und ein paar Tropfen Öl darüberlegen: erst wässrig, dann ölig Feuchthaltemittel brauchen bei trockener Luft einen Film darüber
Jeden Tag Lippen und Hände vor dem Rausgehen pflegen, Handschuhe und Schal mitnehmen Wind und Kälte trocknen ungeschützte Haut zuerst aus
Vorbeugen Raumluft messen, nicht überheizen, kurz stoßlüften Niedrige Luftfeuchte schwächt die Barriere
Vorbeugen Unter grober Wolle eine dünne Lage Baumwolle tragen Reibung trocknet die Haut zusätzlich aus

Quellen der Tabelle: Engebretsen et al. 2016, Sethi et al. 2016, Ohlenschlaeger et al. 1996, DermNet; die Abläufe selbst sind übliche Praxis.

Umstellen heißt nicht, alles auszutauschen. Es reicht meist, die Pflege eine Stufe reichhaltiger zu machen und sie dorthin zu legen, wo sie wirkt:

Bereich Sommer Herbst Winter
Gesicht leichte, wässrige Pflege wässrige Pflege plus wenige Tropfen Öl wässrige Pflege plus Öl, morgens früher auftragen
Körper bei Bedarf eine leichte Lotion oder nichts nach dem Duschen Körperöl oder Körperbutter täglich Butter oder Öl, Schienbeine nicht vergessen
Hände nach Bedarf nach dem Waschen eine kleine Menge fester Creme nach jedem Waschen, abends mehr, draußen Handschuhe
Lippen Lippenpflege mit Lichtschutz in der Sonne Lippenpflege vor dem Rausgehen mehrmals täglich, abends dicker
Duschen kühl bis lauwarm lauwarm, kurz lauwarm, kurz, nicht täglich mit Duschgel am ganzen Körper

Die Tabelle ist eine Orientierung aus der Praxis, keine feste Regel. Für das Gesicht passt die Kombination aus dem Aloe Vera Serum 99,6%, das laut Produktseite für Gesicht, Körper und Haare gedacht ist, und dem Faceoil - Lavendel, dessen Produktseite es ausdrücklich nach dem Serum auf die leicht feuchte Haut empfiehlt; das Öl enthält ätherisches Lavendelöl mit den Duftstoffbestandteilen Linalool und Limonen. Für den Körper gibt es die Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera und das Körperöl - Lemongrass, für die Hände die Feste Handcreme – Bienenwachs und für die Lippen die Lippenpflege - Zitronengras. Was Öl und Butter am Körper unterscheidet, steht unter Körperöl oder Körperbutter – was passt wann?; wie die Schichten im Gesicht zusammenpassen, unter Fettcreme oder Feuchtigkeitscreme? Was trockene Haut braucht.

Was hilft – und was eher nicht

Maßnahme oder Annahme Einordnung
Pflege eine Stufe reichhaltiger hilft; ein Film aus Fett hält das Wasser, wenn die Luft trocken wird
Lauwarm statt heiß duschen hilft; Wärme verstärkt die Wirkung von Waschmitteln auf die Haut
Luftbefeuchter kann die Raumluft verbessern, muss aber sorgfältig gereinigt werden
„Mehr trinken, dann wird die Haut feucht“ schwach belegt; zusätzliches Trinken erhöhte die Hautfeuchte in Studien nur leicht
Heißes Bad zum Aufwärmen angenehm, für trockene Haut aber eher ungünstig, vor allem mit Badezusatz
Peeling gegen Schüppchen mit wenig Druck und selten möglich; auf gereizter oder rissiger Haut nicht
„Fettige Stirn, also nur leichte Pflege“ oft beides zugleich: leichte Pflege auf der Stirn, etwas mehr Fett auf den Wangen

Quellen: Sethi et al. 2016, Ohlenschlaeger et al. 1996, Akdeniz et al. 2018. Zum Luftbefeuchter siehe Luftfeuchtigkeit und Haut, zum Peeling Körperpeeling aus Öl und Zucker selber machen. Zur Trink-Frage: Eine systematische Übersicht fand nur sechs geeignete Studien und nennt die Belege schwach; ob mehr Trinken trockene Haut bessert, ist offen (Akdeniz et al. 2018). Wenn die Haut im Herbst trocken und gleichzeitig unrein wird, hilft Pickel im Winter: wenn die Haut trocken und unrein zugleich ist; ob ein Öl im Gesicht dann passt, erklärt Gesichtsöl bei fettiger Haut: geht das?.

Typische Fehler

  • Das Sommergel bis Dezember weiterverwenden. Ohne Fett darüber verdunstet das Wasser in trockener Luft schnell.
  • Erst reagieren, wenn die Haut reißt. Spröde Haut und Risse brauchen länger als ein rechtzeitiger Wechsel; zu rissigen Händen siehe Rissige Hände im Winter: Hausmittel, Ursachen und was hilft.
  • Heiß und lange duschen, um warm zu werden. Gerade die Kombination aus heißem Wasser und Duschgel trocknet aus.
  • Die Heizung hochdrehen und das Fenster gekippt lassen. Kurzes Stoßlüften tauscht die Luft, ohne die Räume auszukühlen.
  • Lippen lecken. Speichel verdunstet und nimmt Feuchtigkeit mit; mehr unter Warum trocknen Lippen so schnell aus?
  • Schal und Mütze erst bei Frost auspacken. Wind trocknet Gesicht und Ohren auch an milden Tagen; siehe Trockene, schuppige Haut an den Ohren.

Wann ärztlichen Rat holen?

Trockene Haut im Herbst ist häufig und mit Pflege gut in den Griff zu bekommen. Wer eine Neurodermitis hat, merkt den Wechsel oft besonders: Kaltes, trockenes Wetter erhöht nach der Studienlage das Risiko für Schübe (Engebretsen et al. 2016). Lass die Haut ärztlich ansehen, wenn

  • sie stark juckt, vor allem nachts, oder du sie blutig kratzt,
  • sich gerötete, nässende, schuppende oder scharf begrenzte Stellen bilden, die nicht verschwinden,
  • Risse tief sind, bluten oder sich entzünden,
  • die Trockenheit ohne erkennbaren Grund neu auftritt und große Teile des Körpers betrifft; dahinter können unter anderem eine Schilddrüsenunterfunktion, eine Nierenerkrankung oder Medikamente stecken (DermNet: Dry skin),
  • sich eine bekannte Neurodermitis oder Schuppenflechte im Herbst deutlich verschlechtert.

Mehr zu Juckreiz in der kalten Jahreszeit steht unter Juckende Haut im Winter: Duschen, Pflege und wann zum Arzt. Eine Pflegecreme hält trockene Haut geschmeidig; eine Erkrankung behandelt sie nicht.

Häufige Fragen

Warum wird meine Haut im Herbst trocken?
Die Außenluft enthält weniger Wasser, die Heizung senkt die Luftfeuchte drinnen, und es wird heißer geduscht. Messungen zeigen, dass die Hornschicht im Winter weniger Feuchtigkeit und weniger Fette enthält als im Sommer; der Herbst ist der Übergang.

Wann sollte ich die Pflege umstellen?
Wenn die Haut nach dem Duschen zum ersten Mal spannt oder die Heizung angeht. Dann reicht es meist, die Pflege eine Stufe reichhaltiger zu machen.

Reicht meine Sommerpflege im Herbst noch?
Leichte Gele und Lotionen arbeiten mit Feuchthaltemitteln, die bei trockener Luft wenig Wasser aus der Umgebung ziehen. Leg einen Film aus Öl oder Butter darüber oder wechsle zu einer reichhaltigeren Pflege.

Warum juckt meine Haut im Herbst?
Trockene Haut juckt leichter, und im Herbst kommen Wolle, Heizungsluft und heißes Duschen zusammen. Lauwarm duschen, danach eincremen und eine Unterschicht unter grober Wolle tragen. Juckt es stark oder nachts, lass es ärztlich ansehen.

Warum ist meine Haut im Herbst trocken und unrein zugleich?
Stirn und Nase bilden weiter Talg, während Wangen und Kinn austrocknen. Leichte Pflege dort, wo es glänzt, und etwas mehr Fett, wo es spannt, passt oft besser als eine Pflege für das ganze Gesicht.

Soll ich im Herbst weniger duschen?
Nicht unbedingt weniger, aber kürzer und lauwarm. Duschgel nur dort, wo es nötig ist, und danach auf die noch leicht feuchte Haut eincremen.

Hilft ein Luftbefeuchter gegen trockene Haut im Herbst?
Er kann die Raumluft feuchter machen, ersetzt aber nicht den Fettfilm auf der Haut und muss regelmäßig gründlich gereinigt werden.

Bei forpeople

Für den Wechsel in die kalte Jahreszeit kombinieren sich eine wässrige Pflege und ein Film aus Öl, Butter oder Wachs. Für trockene Haut, nicht für gereizte oder offene.

Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml, 9,90 €: Aloe-Saft mit Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat, die wässrige erste Schicht für Gesicht und Körper.

Faceoil - Lavendel, 50 ml, 21,90 €: Argan-, Wildrosen-, Jojoba-, Borretsch- und Hanfsamenöl mit Lavendelöl, wenige Tropfen über dem Serum.

Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: Kakaobutter, Sheabutter, Bienenwachs und Pflanzenöle, nach dem Duschen auf feuchte Haut.

Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, ohne ätherische Öle.

Mehr dazu: Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft · Warum spannt die Haut nach dem Duschen? · Warum sind die Schienbeine im Winter trocken und schuppig? · Plötzlich trockene Haut am ganzen Körper: Ursachen und wann du sie abklären lässt · Schuppenflechte im Winter: warum sie oft schlimmer wird und wie du die Haut pflegst

Aus dem Blog: Gesicht und Lippen durch den Winter: Routine für jeden Tag · Hände und Füße durch den Winter: Routine für morgens und abends

Quellen

  1. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. J Eur Acad Dermatol Venereol 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
  2. Yang J, Tu Y, Man MQ, Zhang Y, Cha Y, Fan X et al. (2020): Seasonal variations of epidermal biophysical properties in Kunming, China: A self-controlled cohort study. Skin Res Technol 26(5): 702–707. https://doi.org/10.1111/srt.12857
  3. Wei KS, Stella C, Wehmeyer KR, Christman J, Altemeier A, Spruell R et al. (2016): Effects of season stratum corneum barrier function and skin biomarkers. J Cosmet Sci 67(3): 185–203. PubMed: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29394019/
  4. Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian J Dermatol 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
  5. Ohlenschlaeger J, Friberg J, Ramsing D, Agner T (1996): Temperature dependency of skin susceptibility to water and detergents. Acta Derm Venereol 76(4): 274–276. https://doi.org/10.2340/0001555576274276
  6. DermNet: Dry skin. Oakley A (1997), aktualisiert März 2022, abgerufen am 29.10.2026. https://dermnetnz.org/topics/dry-skin
  7. Akdeniz M, Tomova-Simitchieva T, Dobos G, Blume-Peytavi U, Kottner J (2018): Does dietary fluid intake affect skin hydration in healthy humans? A systematic literature review. Skin Res Technol 24(3): 459–465. https://doi.org/10.1111/srt.12454