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Schuppenflechte im Winter: warum sie oft schlimmer wird und wie du die Haut pflegst

Kurz gesagt

Schuppenflechte (Psoriasis) wird bei vielen im Winter schlechter, weil weniger Sonnenlicht auf die Haut fällt, Kälte und Heizungsluft sie austrocknen und Infekte, kleine Verletzungen und Stress Schübe auslösen können; bei etwa der Hälfte der Betroffenen ändert sich mit der Jahreszeit allerdings wenig. Was du tun kannst: die Haut jeden Tag rückfettend pflegen, auch in ruhigen Phasen; Schuppen nicht abkratzen und die Haut vor Reibung und Verletzungen schützen; und noch im Herbst mit der Hautarztpraxis besprechen, wie die Behandlung über den Winter aussieht.

Das Problem: wenn die Herde im Winter wiederkommen

Im Sommer war die Haut ruhig. Ab November werden die Stellen an Ellenbogen und Knien wieder dicker, am Haaransatz rieseln Schuppen auf den dunklen Mantel, und unter dem Wollpullover juckt es. Viele mit Schuppenflechte kennen diesen Rhythmus.

Schuppenflechte ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die meist in Schüben verläuft; die Haut rötet sich, schuppt stark und kann jucken (IQWiG: Schuppenflechte). Typisch sind scharf begrenzte Stellen mit silbrig-weißen Schuppen, vor allem an Kopf, Ellenbogen, Knien und Rücken, außerdem an Unterschenkeln, Gesäß und in Hautfalten; die Nägel können Grübchen zeigen (NHS: Psoriasis) (IQWiG). In Deutschland haben schätzungsweise 2 Prozent der Bevölkerung eine Schuppenflechte (IQWiG). Juckreiz ist häufig, besonders im Schub (DermNet: Plaque psoriasis).

Dass sie im Winter schlechter und im Sommer besser wird, gilt als typisch (DermNet). Eine Übersichtsarbeit aus Nord- und Mitteleuropa zeigt aber ein gemischtes Bild: Bei etwa 50 Prozent der Betroffenen gab es keinen Unterschied zwischen den Jahreszeiten, etwa 30 Prozent ging es im Sommer besser und etwa 20 Prozent im Winter, einigen davon im Sommer deutlich schlechter (Jensen et al. 2022). Ob die Schuppenflechte bei dir „nur im Winter“ kommt oder im Winter sogar besser ist, zeigt am ehesten ein eigenes Hauttagebuch über ein Jahr.

Eine Diagnose stellt die Hautarztpraxis. Ähnlich aussehen können ein Ekzem, ein Hautpilz oder trockene Stellen; Hinweise zur Unterscheidung gibt Trockene Stellen auf der Haut: wann harmlos, wann zum Arzt?

Warum sie im Winter oft schlimmer wird

Auslöser Was im Winter passiert Was du tun kannst
Weniger UV-Licht Die meisten Betroffenen erleben UV-Licht als hilfreich; dass die Haut im Winter schlechter wird, wird mit dem niedrigeren UV-Index erklärt (DermNet) Lichttherapie ist eine ärztliche Behandlungsmöglichkeit (IQWiG); frag in der Praxis
Kälte und trockene Luft niedrige Luftfeuchte und Kälte schwächen die Hautbarriere; bestehende Hauterkrankungen können sich verschlechtern (Engebretsen et al. 2016) täglich rückfettend pflegen, Räume nicht überheizen
Infekte Infektionen, auch mit Streptokokken (Strep A), können Schübe auslösen (NHS) (DermNet); im Winter häufen sich Erkältungen Halsentzündungen ärztlich ansehen lassen, besonders wenn danach Schübe kamen
Kleine Verletzungen Schnitte, Kratzer und Schürfwunden sind Auslöser (NHS); trockene Haut reißt im Winter leichter, Juckreiz verleitet zum Kratzen nicht kratzen, Handschuhe tragen, Kleidung, die nicht scheuert
Stress Stress gehört zu den bekannten Auslösern (NHS); Jahresende und dunkle Monate belasten viele Pausen und Entspannung einplanen; mehr unter Trockene Haut durch Stress: was dran ist und was hilft
Alkohol und Rauchen beide stehen auf der Liste der Auslöser (NHS) wenig Alkohol, mit dem Rauchen aufhören
Medikamente manche Wirkstoffe können die Schuppenflechte verschlechtern, etwa Lithium, Betablocker, bestimmte Malariamittel und Terbinafin (DermNet) nicht eigenmächtig absetzen, sondern mit der Praxis sprechen

Besonders wichtig im Winter ist das Köbner-Phänomen: Bei Menschen mit Schuppenflechte können auf vorher gesunder Haut neue Herde genau dort entstehen, wo die Haut verletzt oder gereizt wurde, etwa durch Kratzen oder Dehnung (Zheng et al. 2026). Meist zeigen sie sich etwa ein bis zwei Wochen nach der Verletzung, manchmal nach drei Tagen, selten erst viel später; wie oft das vorkommt, schwankt je nach Studie zwischen 11 und 75 Prozent der Betroffenen (Zheng et al. 2026). Eingerissene Winterhaut, aufgekratzte Stellen, Scheuern von Kleidung und Rasur sind deshalb mehr als eine Nebensache. Juckreiz im Winter nennt auch die europäische Leitlinie häufig bei Schuppenflechte (Weisshaar et al. 2025); warum er nachts zunimmt, erklärt Haut juckt nachts im Bett: warum es abends schlimmer wird und was hilft.

Die Lösung Schritt für Schritt

Schritt Was du tust Warum
Im Herbst: Plan besprechen vor der dunklen Jahreszeit einen Termin in der Hautarztpraxis machen; klären, was du bei einem Schub tust und ob eine Lichttherapie infrage kommt Die Behandlung richtet sich nach Form, Schwere und Körperstelle (NHS); Lichttherapie ist eine der Möglichkeiten (IQWiG)
Jeden Tag: pflegen die Haut täglich rückfettend eincremen, auch in beschwerdefreien Phasen; nach dem Duschen oder Baden auftragen so empfiehlt es das IQWiG; die Pflege hält die Haut geschmeidig und schützt vor dem Austrocknen (IQWiG: Hautpflege)
Jeden Tag: waschen lauwarm und kurz duschen, abtupfen statt rubbeln, unparfümierte Waschprodukte so steht es in den allgemeinen Maßnahmen bei Juckreiz (Weisshaar et al. 2025)
Schuppen nicht abkratzen oder abreißen; ob ein schuppenlösendes Mittel mit Salicylsäure oder Urea passt, klärst du in der Praxis Verletzungen können neue Herde auslösen (Zheng et al. 2026); Pflegeprodukte mit Urea und Salicylsäure gibt es für die Schuppung (IQWiG)
Haut schützen draußen Handschuhe, unter Wolle eine glatte Schicht, Nägel kurz, vorsichtig rasieren weniger Reibung und Verletzungen, weniger Anlass für das Köbner-Phänomen
Alltag nicht rauchen, wenig Alkohol, regelmäßig bewegen, Stress reduzieren gehört zu dem, was Betroffene selbst tun können (NHS)
Bei einem Schub früh die Praxis ansprechen, statt abzuwarten; Medikamente so anwenden, wie besprochen Kortison und Vitamin-D3-Abkömmlinge zum Auftragen sind gängige Wirkstoffgruppen (IQWiG); welche passt, entscheidet die Praxis

Wie Heizungsluft die Haut austrocknet und wann ein Luftbefeuchter sinnvoll ist, steht unter Luftfeuchtigkeit und Haut: was trockene Heizungsluft bewirkt und was hilft.

Was hilft – und was eher nicht

Maßnahme Einordnung
Tägliche rückfettende Pflege hilft, die Haut geschmeidig zu halten (IQWiG); die Erkrankung selbst behandelt sie nicht
Sonne im Winterurlaub vielen tut UV-Licht gut (DermNet); ein Sonnenbrand kann aber Schübe auslösen (IQWiG), und bei manchen verschlechtert Licht die Haut (DermNet)
Schuppen mit Bürste, Bimsstein oder Fingernägeln entfernen eher nicht; die Verletzung kann neue Herde auslösen
Schuppenlösende Mittel großflächig auf eigene Faust eher nicht; welche Mittel, wo und wie lange, klärst du mit der Praxis
Teebaumöl oder andere ätherische Öle auf die Herde eher nicht; die Leitlinie zu Juckreiz rät, solche Reizstoffe zu meiden (Weisshaar et al. 2025)
Kortisoncreme absetzen, sobald es besser aussieht nicht eigenmächtig; die Dauer legt die Praxis fest
Weniger Alkohol, nicht rauchen sinnvoll; beides kann Schübe begünstigen (NHS)

Typische Fehler

  • Nur im Schub pflegen. Die Pflege gehört auch in die ruhigen Phasen (IQWiG).
  • Schuppen abzupfen. Das verletzt die Haut und kann neue Herde auslösen.
  • Erst im Januar zur Praxis gehen. Wer seine Winterschübe kennt, bespricht den Plan im Herbst.
  • Die Creme mit den Fingern aus dem Tiegel nehmen und mit anderen teilen. Der NHS rät, Pflegeprodukte nicht zu teilen und einen Spatel zu nutzen (NHS).
  • Mit frisch eingecremter Kleidung an Kamin, Kerze oder Zigarette. Kleidung und Bettwäsche, die viel Pflegeprodukt aufgenommen haben, brennen leichter (NHS).
  • Gelenkschmerzen dem Winterwetter zuschreiben. Sie können zur Schuppenflechte gehören und gehören in die Praxis.

Wann ärztlichen Rat holen?

Lass die Haut in der Hautarztpraxis ansehen, wenn

  • du rote, schuppende, scharf begrenzte Stellen bemerkst und nicht weißt, was es ist (NHS),
  • die Behandlung nicht wirkt oder Nebenwirkungen macht (NHS),
  • Gelenke immer wieder schmerzen, steif werden oder anschwellen; bei schätzungsweise jedem Vierten mit Schuppenflechte entzünden sich auch die Gelenke (Psoriasis-Arthritis) (IQWiG),
  • sich die Nägel verändern, etwa mit Grübchen oder Ablösungen (DermNet),
  • nach einer Halsentzündung plötzlich viele neue Flecken auftreten,
  • du ein neues Medikament nimmst und sich die Haut verschlechtert; setz es nicht eigenmächtig ab,
  • die Schuppenflechte dich seelisch stark belastet; das ist häufig, und es gibt Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen (IQWiG).

Ruf den Notruf 112 oder lass dich sofort in eine Notaufnahme bringen, wenn sich die Haut rasch rötet und kleine weiße, mit Eiter gefüllte Pusteln bildet, besonders zusammen mit Fieber, Schüttelfrost oder schnellem Herzschlag (NHS). Auch eine Rötung, die sich schnell über große Teile des Körpers ausbreitet, gehört noch am selben Tag in ärztliche Hände. Zu Juckreiz im Winter bei Austrocknung siehe Exsikkationsekzem (Winterekzem): wenn trockene Haut zum Ekzem wird.

Häufige Fragen

Warum ist Schuppenflechte im Winter schlimmer?
Weil weniger UV-Licht auf die Haut fällt, Kälte und Heizungsluft sie austrocknen und Infekte, kleine Verletzungen und Stress Schübe auslösen können. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ändert sich mit den Jahreszeiten allerdings wenig.

Kann Schuppenflechte im Winter auch besser werden?
Ja. In einer Übersichtsarbeit ging es etwa 20 Prozent der Betroffenen im Winter besser, manchen von ihnen im Sommer deutlich schlechter. Wie es bei dir ist, zeigt ein Hauttagebuch.

Ist Schuppenflechte ansteckend?
Nein. Schuppenflechte ist eine entzündliche Erkrankung, bei der nach heutigem Wissen das Immunsystem eine Rolle spielt; sie wird nicht übertragen (NHS).

Was hilft bei Schuppenflechte auf der Kopfhaut im Winter?
Die Behandlung legt die Hautarztpraxis fest; Wirkstoffe gibt es auch als Lösung, die sich auf der behaarten Kopfhaut leichter auftragen lässt. Mützen mit glattem Innenfutter reiben weniger. Zur Unterscheidung von trockener Kopfhaut und Schuppen siehe Trockene Kopfhaut oder Schuppen? Ursachen im Winter und was hilft.

Was tun bei Schuppenflechte an den Händen im Winter?
Hände sind Kälte, Wasser und Reibung besonders ausgesetzt. Draußen Handschuhe tragen, nach dem Waschen rückfettend pflegen und rissige Stellen ärztlich ansehen lassen. Ähnlich kann ein Handekzem aussehen; dazu Trockene Hände oder Handekzem? Woran du es erkennst.

Darf ich die Schuppen entfernen?
Nicht durch Kratzen, Zupfen oder Rubbeln, denn Verletzungen können neue Herde auslösen. Dicke Schuppen lassen sich mit schuppenlösenden Mitteln lockern; welches passt, klärst du in der Praxis.

Was ist das Köbner-Phänomen?
Neue Schuppenflechte-Herde entstehen auf vorher gesunder Haut dort, wo sie verletzt wurde, etwa nach einem Kratzer, einer Schürfwunde oder durch Scheuern. Meist zeigen sie sich nach ein bis zwei Wochen.

Wie pflege ich die Haut an Ellenbogen und Knien im Winter?
Rückfettend, jeden Tag, und ohne zu rubbeln. Raue Ellenbogen und Knie ohne Schuppenflechte behandelt Trockene, raue Ellenbogen und Knie: Ursachen und was hilft. Sind die Stellen scharf begrenzt, rot und dick schuppig, gehört das in die Praxis.

Bei forpeople

Für die Herde der Schuppenflechte empfehlen wir kein eigenes Produkt. Die rückfettende Basispflege stimmst du am besten mit der Praxis ab; manche Basispflegen enthalten schuppenlösende Zusätze wie Urea oder Salicylsäure (IQWiG), unsere nicht. Laut Produktseite gehört unsere Pflege nicht auf verletzte oder gereizte Haut. Für trockene Haut an Stellen ohne Herde passt:

Eine Pflege ersetzt keine Behandlung. Neue Produkte probierst du am besten zuerst an einer kleinen Stelle aus.

Mehr dazu: Juckende Haut im Winter: Duschen, Pflege und wann zum Arzt · Trockene Haut durch Medikamente: Ursachen und was du tun kannst

Quellen

  1. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Schuppenflechte (Psoriasis). gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 10.03.2021, abgerufen am 29.10.2026. https://www.gesundheitsinformation.de/schuppenflechte-psoriasis.html
  2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): Schuppenflechte – Hautpflege und Medikamente zum Auftragen. gesundheitsinformation.de, aktualisiert am 10.03.2021, abgerufen am 29.10.2026. https://www.gesundheitsinformation.de/hautpflege-und-medikamente-zum-auftragen.html
  3. DermNet: Chronic plaque psoriasis. Yoo LJH, Storan E (2023), Stanway A (2004), geprüft Juli 2023, abgerufen am 29.10.2026. https://dermnetnz.org/topics/plaque-psoriasis
  4. NHS: Psoriasis. Zuletzt geprüft am 10.03.2026, abgerufen am 29.10.2026. https://www.nhs.uk/conditions/psoriasis/
  5. Jensen KK, Serup J, Alsing KK (2022): Psoriasis and seasonal variation: A systematic review on reports from Northern and Central Europe – Little overall variation but distinctive subsets with improvement in summer or wintertime. Skin Research and Technology 28(1): 180–186. https://doi.org/10.1111/srt.13102
  6. Zheng L, Han X, Zheng H, Zhang Y (2026): Linear psoriasis and Koebner phenomenon: A review. Journal of Research in Medical Sciences 31: 6. https://doi.org/10.4103/jrms.jrms_364_25
  7. Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
  8. Weisshaar E, Müller S, Szepietowski JC, Dalgard F, Garcovich S, Kupfer J et al. (2025): European S2k Guideline on Chronic Pruritus. Acta Dermato-Venereologica 105: adv44220. https://doi.org/10.2340/actadv.v105.44220