Das Problem: wenn trockene Haut einreißt und juckt
Es beginnt meist harmlos. Im November werden die Schienbeine rau, auf dunklen Hosen liegen feine Schüppchen. Einige Wochen Heizperiode später zeigen sich Linien, die sich zu einem Netz verbinden, dazwischen rötliche Furchen. Die Haut juckt, manchmal brennt sie, und abends im Bett wird gekratzt. Dann ist aus trockener Haut ein Ekzem geworden.
Fachleute sprechen vom Exsikkationsekzem oder Austrocknungsekzem, international vom asteatotischen Ekzem oder Eczéma craquelé, nach dem rissigen Muster (DermNet: Asteatotic eczema). Ein deutsches Nachschlagewerk vergleicht das Bild mit gesprungenem Porzellan und nennt als typische Stellen die Unterschenkel, vor allem vorne über dem Schienbein, die Streckseiten der Arme und den Rumpf (Altmeyer 2025). Häufig fängt es an einem Schienbein an und breitet sich auf beide Unterschenkel aus (DermNet). Betroffen sind vor allem ältere Menschen, aber jeder mit sehr trockener Haut kann es bekommen (DermNet).
„Winterekzem“ ist kein fester Fachbegriff. Viele meinen damit das Exsikkationsekzem, andere jede Ekzemform, die im Winter schlechter wird. Bei Kindern steckt hinter juckenden Winterstellen häufiger eine Neurodermitis; den Unterschied erklärt Trockene Haut oder Neurodermitis? Woran du den Unterschied erkennst. Die folgende Tabelle ordnet ein. Sie ersetzt keine Diagnose; nur eine ärztliche Untersuchung bringt Klarheit.
| Merkmal | trockene Haut | Exsikkationsekzem |
|---|---|---|
| Aussehen | matt, rau, fein schuppig | Netz aus feinen Rissen, dazwischen rote Furchen; Kratzspuren |
| Rötung | kaum | ja, entlang der Risse |
| Beschwerden | spannt, juckt wenig | juckt deutlich, manchmal Brennen oder Schmerzen |
| Typische Stellen | Schienbeine, Arme, Hände | vor allem Unterschenkel, dann Arme und Rumpf |
| Verlauf | wird mit Pflege in einigen Tagen besser | braucht meist eine ärztliche Behandlung der Entzündung; kommt oft wieder |
Merkmale nach DermNet: Asteatotic eczema und Altmeyer 2025. Im Alter können auch andere Erkrankungen ähnlich aussehen, etwa eine spät beginnende Neurodermitis, ein Kontaktekzem, eine Krätze oder selten die Frühform einer Blasen- oder Lymphomerkrankung der Haut (Harries et al. 2023). Auch das ist ein Grund, die Stelle ansehen zu lassen.
Warum das im Herbst und Winter passiert
Am Anfang steht Wasserverlust aus der Hornschicht, der obersten Hautschicht, bei einer Hautbarriere, die durch Veranlagung und äußere Einflüsse geschwächt ist (DermNet). Trocknet die Hornschicht stark aus, zieht sie sich zusammen und reißt in einem Netzmuster ein. In den Rissen entzündet sich die Haut, und es juckt. Kratzen vertieft die Risse weiter.
Der Winter verstärkt das auf mehreren Wegen. Niedrige Luftfeuchte und niedrige Temperaturen verringern die Barrierefunktion der Haut und machen sie reaktiver gegenüber Reizstoffen (Engebretsen et al. 2016). Als Auslöser nennt die Fachliteratur trockene Luft, etwa durch Heizlüfter, außerdem zu häufiges Baden, besonders mit Seife (DermNet), lange oder heiße Bäder und das tägliche Einseifen des ganzen Körpers (Altmeyer 2025). Im Alter bildet die Haut weniger eigene Fette; das erklärt Trockene Haut im Alter: Ursachen, Winterpflege und sicheres Eincremen. Warum gerade die Schienbeine so wenig Fett haben, steht unter Warum sind die Schienbeine im Winter trocken und schuppig?
Auch Medikamente können beitragen, etwa entwässernde Mittel (Diuretika) und Retinoide, ebenso eine Schilddrüsenunterfunktion oder starker Gewichtsverlust (DermNet). Mehr dazu unter Trockene Haut durch Medikamente: Ursachen und was du tun kannst. Die europäische Leitlinie zu chronischem Juckreiz beschreibt Juckreiz, der vor allem im Winter auftritt, bei älteren Menschen mit Exsikkationsekzem und häufig bei Neurodermitis oder Schuppenflechte (Weisshaar et al. 2025).
Die Lösung Schritt für Schritt
| Schritt | Was du tust | Warum |
|---|---|---|
| Sofort: Stellen ansehen lassen | gerötete, juckende Risse in der Haus- oder Hautarztpraxis zeigen; die Behandlung der Entzündung, oft für einige Tage eine kortisonhaltige Creme, legt die Praxis fest | Pflege allein reicht bei einem Ekzem meist nicht; eine kurze Behandlung der geröteten Haut nennt auch die Fachliteratur (DermNet) |
| Sofort: Kratzen bremsen | Fingernägel kurz halten, weiche Kleidung aus Baumwolle tragen, Wolle nicht direkt auf die Beine | so empfiehlt es die Leitlinie zu chronischem Juckreiz (Weisshaar et al. 2025) |
| Jeden Tag: waschen | lauwarm, kurz, ein Bad höchstens 20 Minuten; Seife nur an Achseln, Leiste und Füßen, sonst eine seifenfreie, unparfümierte Waschlotion; abtupfen statt rubbeln | Seifenfreie Reiniger verbesserten trockene Haut bei Älteren im Vergleich zu Seife (Lichterfeld-Kottner et al. 2020); lauwarmes Wasser und Abtupfen nennt die Leitlinie (Weisshaar et al. 2025) |
| Jeden Tag: eincremen | direkt nach dem Waschen die ganze trockene Fläche mit einer fetthaltigen Pflege; bei sehr trockener Haut mehrmals am Tag; auf die entzündeten Stellen nur, was die Praxis empfiehlt | Je trockener die Haut, desto mehr Fett sollte die Pflege enthalten; am besten untersucht sind Produkte, die Fett mit Feuchthaltemitteln wie Urea verbinden (Augustin et al. 2019) |
| Vorbeugen: Raumluft | Räume nicht überheizen, nachts eher kühl schlafen, Heizlüfter und Wärmflasche nicht direkt auf die Beine richten | Die Fachliteratur rät, direkte Hitze auf der Haut zu meiden (DermNet); eine niedrige Raumtemperatur in der Nacht nennt die Leitlinie (Weisshaar et al. 2025) |
| Langfristig: früh anfangen | ab Herbstbeginn, noch vor den ersten Rissen, täglich pflegen und die Waschgewohnheiten beibehalten | Das Ekzem spricht meist rasch auf die Behandlung an, kommt aber sehr wahrscheinlich wieder (DermNet) |
Wie sich Raumluft messen und befeuchten lässt, erklärt Luftfeuchtigkeit und Haut: was trockene Heizungsluft bewirkt und was hilft.
Was hilft – und was eher nicht
| Maßnahme | Einordnung |
|---|---|
| Täglich fetthaltig pflegen, auch nach dem Abklingen | hilft; dicke Fettpflege mehrmals täglich nennt die Fachliteratur als Grundlage (DermNet) |
| Pflege mit Urea oder Glycerin | bei trockener Haut gut untersucht (Augustin et al. 2019); Pflege mit Feuchthaltemitteln verringerte bei Älteren Trockenheit und Juckreiz (Lichterfeld-Kottner et al. 2020). Auf offene Risse nur nach Rücksprache |
| Langes, heißes Vollbad zum Aufwärmen | eher nicht; zu häufiges und heißes Baden gehört zu den Auslösern (Altmeyer 2025) |
| Schuppen mit Bürste, Handschuh oder Peeling abrubbeln | eher nicht; die Haut ist nicht verdickt, sondern ausgetrocknet und eingerissen, Reibung reizt zusätzlich |
| Umschläge mit Kamille oder Teebaumöl | eher nicht; die Leitlinie rät bei Juckreiz, solche Reizstoffe zu meiden (Weisshaar et al. 2025) |
| Kortisoncreme aus der Apotheke auf Verdacht | eher nicht ohne Diagnose; ob es ein Exsikkationsekzem ist und wie lange eine solche Creme nötig ist, klärt die Praxis |
| Olivenöl aus der Küche | fettet und ist auf trockener, nicht entzündeter Haut möglich; ein Feuchthaltemittel enthält es nicht |
| Luftbefeuchter | kann helfen, wenn die Raumluft sehr trocken ist; Hygiene beachten (siehe Luftfeuchtigkeit und Haut) |
Was fetthaltige Pflege und Feuchthaltemittel unterscheidet, erklärt Urea oder wasserfreie Creme? Raue Fersen und trockene Hände.
Typische Fehler
- Erst reagieren, wenn es blutet. Wer jeden Winter Risse an den Schienbeinen bekommt, fängt im Herbst mit der täglichen Pflege an.
- Nur die Risse eincremen. Trocken ist meist der ganze Unterschenkel; die Pflege gehört auf die ganze Fläche.
- Jeden Tag den ganzen Körper einseifen. Das löst Fett auch dort, wo kein Schmutz ist.
- Die Beine vor dem Heizlüfter oder mit der Wärmflasche aufwärmen. Direkte Hitze trocknet die Haut weiter aus.
- Viele neue, parfümierte Produkte ausprobieren. Auf eingerissener Haut steigt das Risiko einer Reizung oder Kontaktallergie; die Leitlinie nennt unparfümierte Produkte (Weisshaar et al. 2025).
- Eine verordnete Creme zu früh oder zu spät absetzen. Halte dich an die Dauer, die die Praxis nennt, und pflege danach weiter.
Wann ärztlichen Rat holen?
Kosmetik pflegt trockene Haut, ein Ekzem behandelt sie nicht. Lass die Haut in der Haus- oder Hautarztpraxis ansehen, wenn
- sich gerötete, juckende Risse im Netzmuster zeigen, auch wenn du vermutest, dass es „nur“ ein Exsikkationsekzem ist,
- Stellen nässen, bluten, verkrusten oder schmerzen,
- sich die Haut nach etwa zwei Wochen konsequenter Pflege nicht bessert oder das Ekzem sich ausbreitet; bei schweren Verläufen kann sich die Entzündung auf große Teile des Körpers ausdehnen (DermNet),
- die Haut plötzlich und großflächig stark schuppt, besonders zusammen mit Gewichtsverlust, Fieber oder starkem Krankheitsgefühl; dann sucht die Praxis gründlich nach einer inneren Ursache (DermNet); mehr unter Plötzlich trockene Haut am ganzen Körper: Ursachen und wann du sie abklären lässt,
- die Beschwerden nach einem neuen Medikament begonnen haben; setz es nicht eigenmächtig ab, sondern sprich mit der Praxis,
- ein Unterschenkel geschwollen ist oder sich bräunlich verfärbt; dann klärt die Praxis auch andere Ursachen ab,
- mehrere Menschen im Haushalt gleichzeitig Juckreiz haben; dann kommt eine Krätze infrage (Harries et al. 2023); mehr unter Haut juckt nachts im Bett: warum es abends schlimmer wird und was hilft,
- du Diabetes hast oder die Durchblutung der Beine gestört ist; dann gehören Risse an Unterschenkeln und Füßen früh in ärztliche Hände.
Noch am selben Tag solltest du ärztliche Hilfe suchen, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, wenn die Haut um einen Riss heiß, geschwollen, gerötet und schmerzhaft wird. Über eingerissene, trockene Haut können Bakterien eindringen und eine Infektion des Gewebes auslösen, die häufig an den Beinen auftritt (NHS: Cellulitis). Ruf den Notruf 112, wenn dazu hohes Fieber oder Schüttelfrost, schneller Herzschlag oder schnelle Atmung, Schwindel, Verwirrtheit oder kalte, blasse, feuchte Haut kommen (NHS: Cellulitis). Zu Juckreiz im Winter allgemein siehe Juckende Haut im Winter: Duschen, Pflege und wann zum Arzt.
Häufige Fragen
Was ist ein Exsikkationsekzem?
Eine Entzündung der Haut, die durch starke Austrocknung entsteht. Die Hornschicht verliert Wasser, reißt in einem Netzmuster ein, und in den Rissen entzündet sich die Haut. Andere Namen sind Austrocknungsekzem, asteatotisches Ekzem und Eczéma craquelé. Es entsteht durch Trockenheit, nicht durch Erreger.
Wie sieht ein Exsikkationsekzem aus?
Wie ein Netz aus feinen Rissen, zwischen denen rote Furchen verlaufen, ähnlich wie gesprungenes Porzellan oder ein ausgetrocknetes Flussbett. Oft sind Kratzspuren zu sehen. Am häufigsten sind die Unterschenkel betroffen.
Welche Creme oder Salbe hilft beim Exsikkationsekzem?
Das entscheidet die Praxis. Auf die entzündeten Stellen kommt oft für einige Tage eine kortisonhaltige Creme. Für die tägliche Pflege gilt: je trockener die Haut, desto fetthaltiger; am besten untersucht sind Produkte mit Urea.
Wie lange dauert ein Exsikkationsekzem?
Mit Behandlung und konsequenter Pflege bessert es sich meist rasch. Es kommt aber leicht wieder, vor allem im nächsten Winter. Deshalb gehört die Pflege auch dann zum Alltag, wenn die Haut wieder ruhig ist.
Gibt es ein Exsikkationsekzem an den Händen oder im Gesicht?
Typisch sind Unterschenkel, Arme und Rumpf. Rote, schuppige Stellen an den Händen haben oft andere Ursachen, etwa ein Handekzem; dazu Trockene Hände oder Handekzem? Woran du es erkennst. Im Gesicht lässt du neue Ekzeme ärztlich einordnen.
Mein Kind hat ein Winterekzem. Ist das dasselbe?
Meist nicht. Das Exsikkationsekzem betrifft vor allem ältere Menschen. Bei Kindern wird chronischer Juckreiz vor allem von Hauterkrankungen, besonders Neurodermitis, bestimmt (Weisshaar et al. 2025). Lass juckende, gerötete Stellen bei Kindern in der Kinderarztpraxis ansehen.
Welcher ICD-10-Code gehört zum Exsikkationsekzem?
Ein Nachschlagewerk ordnet es dem Code L30.8 zu, „Sonstige näher bezeichnete Dermatitis“ (Altmeyer 2025). Welcher Code auf einer Bescheinigung steht, entscheidet die Praxis.
Ist ein Exsikkationsekzem gefährlich?
Meist nicht, aber es ist unangenehm und kann sich ausbreiten. Über die Risse können Keime eindringen. Wird die Haut heiß, geschwollen und schmerzhaft, gehört das noch am selben Tag in ärztliche Hände.
Bei forpeople
Für das entzündete Ekzem empfehlen wir kein eigenes Produkt; die Behandlung legt die Praxis fest, und laut Produktseite gehört unsere Pflege nicht auf verletzte oder gereizte Haut. Für trockene, nicht entzündete Haut, zum Beispiel an den Beinen nach dem Abklingen oder zum Vorbeugen ab Herbstbeginn, passt:
- Feste Körperbutter – Bienenwachs & Aloe Vera, 40 g, 9,90 €: Kakaobutter, Olivenöl, Bienenwachs, Sonnenblumenöl, Sheabutter und Aloe-vera-Extrakt; laut Inhaltsstoffliste ohne ätherische Öle. Laut Produktseite nach dem Duschen auf die noch feuchte Haut.
- Mandelöl – kaltgepresst, 100 ml, 14,90 €: laut Inhaltsstoffliste nur Mandelöl; laut Produktseite für trockene Haut und große Flächen gedacht. Nicht verwenden, wenn du auf Mandeln oder Nüsse allergisch reagierst.
Beide sind wasserfrei und enthalten kein Feuchthaltemittel wie Urea. Bei sehr trockener Haut kann eine Pflege mit Urea aus der Apotheke sinnvoller sein; frag in der Praxis danach.
Mehr dazu: Trockene Haut im Winter: Was bei Kälte und Heizluft hilft · Schuppenflechte im Winter: warum sie oft schlimmer wird und wie du die Haut pflegst · Rote, netzartige Flecken von der Wärmflasche: Erythema ab igne erkennen und vermeiden · Pergamenthaut: dünne, leicht reißende Haut im Alter schützen und pflegen · Juckreiz im Alter: Ursachen, was hilft und wann du es abklären lässt
Quellen
- DermNet: Asteatotic eczema (eczema craquelé). Oakley A, aktualisiert Juli 2014, abgerufen am 29.10.2026. https://dermnetnz.org/topics/asteatotic-eczema
- Altmeyer P, Bacharach-Buhles M: Exsikkationsekzem L30.8. Altmeyers Enzyklopädie – Fachbereich Dermatologie, aktualisiert am 29.07.2025, abgerufen am 29.10.2026. https://www.altmeyers.org/de/dermatologie/exsikkationsekzem-4685
- Augustin M, Wilsmann-Theis D, Körber A, Kerscher M, Itschert G, Dippel M, Staubach P (2019): Diagnosis and treatment of xerosis cutis – a position paper. Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 17(Suppl 7): 3–33. https://doi.org/10.1111/ddg.13906
- Weisshaar E, Müller S, Szepietowski JC, Dalgard F, Garcovich S, Kupfer J et al. (2025): European S2k Guideline on Chronic Pruritus. Acta Dermato-Venereologica 105: adv44220. https://doi.org/10.2340/actadv.v105.44220
- Engebretsen KA, Johansen JD, Kezic S, Linneberg A, Thyssen JP (2016): The effect of environmental humidity and temperature on skin barrier function and dermatitis. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology 30(2): 223–249. https://doi.org/10.1111/jdv.13301
- Lichterfeld-Kottner A, El Genedy M, Lahmann N, Blume-Peytavi U, Büscher A, Kottner J (2020): Maintaining skin integrity in the aged: A systematic review. International Journal of Nursing Studies 103: 103509. https://doi.org/10.1016/j.ijnurstu.2019.103509
- Harries L, Traidl S, Klespe KC, Werfel T (2023): Altersekzeme und deren Therapie. Die Dermatologie 74(9): 678–686. https://doi.org/10.1007/s00105-023-05206-6
- NHS: Cellulitis. Zuletzt geprüft am 18.04.2024, abgerufen am 29.10.2026. https://www.nhs.uk/conditions/cellulitis/

















