Was Wasser, Ton und Schamotte mit der Haut machen
Wasser. An der Drehscheibe sind die Hände oft ein bis zwei Stunden am Stück nass. In einer Untersuchung war die Hornschicht nach vier Stunden Wasserkontakt etwa dreimal so dick wie zuvor, und die geordneten Fettschichten zwischen den Hornzellen waren an vielen Stellen aufgebrochen (Warner et al. 2003). Eine Übersichtsarbeit nennt als mögliche Erklärung für die Reizwirkung von Wasser unter anderem, dass es die wasserbindenden Stoffe der Hornschicht herauslöst oder verdünnt. Dieselbe Arbeit hält fest, dass vieles daran noch ungeklärt ist (Tsai & Maibach 1999). Die gesetzliche Unfallversicherung fasst es für die Arbeitswelt so zusammen: Wasser lässt die Haut aufquellen, und bei häufigem Kontakt über längere Zeit kann die Barriere der Haut schwächer werden (DGUV 2026).
Ton. Tonminerale sind sehr feine, in Schichten aufgebaute Minerale. In der Kosmetik werden sie gerade deshalb eingesetzt, weil sie Stoffe aufnehmen und an sich binden (Moraes et al. 2017). In einer Laboruntersuchung zweier natürlicher Tone lag die Ölaufnahme bei rund 37 und 84 Prozent (Nkosi & Thembane 2024). Gemessen wurde am trockenen Tonpulver, nicht auf der Haut. Für die Hände liegt nahe, ist aber nicht gemessen: Trocknet Schlicker auf der Haut an, nimmt er Wasser und Hautfett mit. Ähnlich verhält sich Magnesia beim Klettern; mehr unter Chalk beim Klettern: Was Magnesia mit der Haut macht.
Schamotte. Schamotte ist gebrannter, gemahlener Ton, der eine Masse standfester macht. Beim Drehen reiben die Körner wie feines Schleifpapier über Handkante und Fingerkuppen. Die DGUV zählt den Kontakt mit rauen Gegenständen und das Händereinigen mit Reibemitteln oder Bürsten zu den mechanischen Belastungen der Haut, die oft unterschätzt werden. Sie hält außerdem fest, dass eine aufgequollene Hornschicht mechanisch weniger stabil ist (DGUV 2026).
Waschen. Am Ende wird der Ton abgewaschen, oft mehrmals und mit der Bürste. Seife löst dabei auch hauteigene Fette; warum, erklärt Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen: Was hilft?
Arbeitsschritt, Belastung und was hilft
| Arbeitsschritt | Was die Haut belastet | Was hilft |
|---|---|---|
| Drehen an der Scheibe | Hände lange nass, Schlicker, Reibung an Ton und Scheibenkopf | Mit wenig Wasser drehen, lauwarmes Wasser in den Eimer, in Pausen abspülen und abtrocknen |
| Kneten und Aufbauen | Ton trocknet auf der Haut an und spannt | Hände zwischendurch abspülen statt trocken abreiben; ein feuchtes Tuch bereitlegen |
| Schamottierter Ton | Körner reiben die aufgeweichte Hornschicht ab | Für die Scheibe eine fein schamottierte Masse wählen; Schwamm und Drehschiene nutzen |
| Abdrehen und Schleifen | Trockener Ton liegt als Pulver auf der Haut | Lederhart abdrehen statt trocken schleifen; danach Hände waschen und eincremen |
| Glasieren und Putzen | Glasurschlicker, Schwamm und Eimer: noch einmal Wasser | Handschuhe tragen; für Glasuren gelten die Angaben des Herstellers |
Die Spalte „Was hilft“ ist Erfahrung aus der Werkstatt, keine Messung.
Routine in der Werkstatt und danach
- Schlicker nicht antrocknen lassen. Spül die Hände zwischendurch im Wassereimer ab. Angetrockneten Ton weichst du ein, statt ihn abzureiben.
- Lauwarm waschen. Spül zuerst den groben Ton im Eimer ab und wasch die Hände dann mit wenig Seife unter lauwarmem Wasser. Zu warmes Wasser verstärkt die Reizwirkung von Reinigungsmitteln (DGUV 2026).
- Gründlich abtrocknen. Auch zwischen den Fingern und rund um die Nägel.
- Eincremen. Die Creme kommt auf die trockene Haut, mit etwas mehr an Fingerkuppen, Knöcheln und Nagelhaut. Die DGUV empfiehlt Hautpflege vor längeren Pausen und nach der Arbeit, nicht vor oder während einer hautbelastenden Tätigkeit (DGUV 2026). Tonreste am Nagelrand trocknen die Nagelhaut aus; mehr unter Trockene, eingerissene Nagelhaut: richtig pflegen.
- Abends reichhaltig. Vor dem Schlafen trägst du eine größere Menge auf.
Eine wasserfreie Creme aus Wachs und Öl legt einen Film auf die Haut, der die Verdunstung verringert. Ein Schutz gegen Ton oder Wasser bei der Arbeit ist dieser Film nicht.
Einmal die Woche oder jeden Tag?
Wer einmal pro Woche einen Kurs besucht, hat danach oft ein bis zwei Tage raue Hände. Bis zum nächsten Termin ist Zeit; die Routine oben reicht dann meist aus.
Wer täglich mehrere Stunden an der Scheibe sitzt, leistet im Sinne des Arbeitsschutzes Feuchtarbeit. Die Schwelle der TRGS 401 liegt bei regelmäßig mehr als zwei Stunden Hautkontakt mit Wasser pro Arbeitstag oder bei mindestens 15 Handwäschen pro Arbeitstag (DGUV 2026). In Betrieben gilt dann ein Hautschutzplan mit Schutz, Reinigung und Pflege. Eine Übersicht zur Keramikindustrie nennt die nasse Arbeit als häufigsten Hintergrund von Hautproblemen (Smith 1989). Im eigenen Atelier liegt es nahe, nasse und trockene Arbeiten über den Tag zu mischen.
Tipps aus Keramikforen, nüchtern betrachtet
- Fett oder Creme vor dem Drehen. Ein Fettfilm ist in Wasser und Schlicker schnell abgerieben, und die Finger gleiten anders über den Ton. Im Betrieb gehört vor die Arbeit ein Hautschutzmittel nach Plan; eine Pflegecreme ist das nicht.
- Glycerin auf die feuchte Haut. Glycerin bindet Wasser in der Hornschicht und wirkt am besten zusammen mit einem Fettfilm. Die Einzelheiten stehen unter Trocknet Glycerin die Haut aus?
- Handschuhe. Beim Glasieren und Putzen sind sie üblich; an der Scheibe arbeiten die meisten mit bloßen Händen, weil sie die Wandstärke fühlen wollen. Was unter dichten Handschuhen mit Creme passiert, steht unter Handcreme unter Latex- oder Nitrilhandschuhen?
Wann ärztlichen Rat holen?
Lass die Haut ärztlich ansehen, wenn
- sie trotz Pflege und Pause über zwei bis drei Wochen rot, schuppig oder rissig bleibt,
- Bläschen oder nässende Stellen auftreten,
- Risse tief sind oder bluten,
- die Beschwerden immer nach bestimmten Glasuren oder Massen kommen.
In der Keramikindustrie ist ein Kontaktekzem, das mit nasser Arbeit zusammenhängt, die häufigste Hauterkrankung; seltener steht eine Kontaktallergie dahinter (Smith 1989). Wer beruflich töpfert, wendet sich an den betriebsärztlichen Dienst oder an eine Hautarztpraxis. Auf offene, blutende oder nässende Stellen gehört keine Kosmetik.
Häufige Fragen
Warum sind meine Hände nach dem Töpfern trocken, obwohl sie die ganze Zeit nass waren?
Wasser lässt die Hornschicht aufquellen und kann wasserbindende Stoffe aus ihr herauslösen. Ist die Haut wieder trocken, kann sie dann weniger Wasser halten als vorher.
Soll ich die Hände vor dem Töpfern eincremen?
Davon raten wir ab. Der Film ist im Wasser schnell abgerieben, und ein Nutzen ist nicht belegt. Creme nach dem Waschen und abends.
Schadet Handcreme dem Ton oder der Glasur?
Geringe Fettspuren im feuchten Ton verbrennen beim Schrühbrand. Für geschrühte Ware gilt in vielen Werkstätten die Regel, sie nur mit sauberen, fettfreien Händen anzufassen, damit die Glasur gleichmäßig haftet. Wie groß der Einfluss ist, ist umstritten; eine Messung dazu haben wir nicht gefunden. Wer sichergehen will, cremt erst nach dem Glasieren.
Tonmasken sind Kosmetik. Warum trocknet Töpferton die Hände dann aus?
Eine Maske liegt wenige Minuten auf der Haut und wird dort eingesetzt, wo die Haut viel Fett bildet. Beim Töpfern haben die Hände stundenlang Kontakt mit Ton und Wasser, und die Handflächen haben keine Talgdrüsen, die Fett nachliefern.
Kann die Dose mit der Handcreme in die Werkstatt?
Ja, wenn du sie erst nach dem Waschen mit sauberen, trockenen Händen öffnest. So kommt kein Ton in die Creme.
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Pflege für die Zeit nach dem Töpfern, auf intakter Haut:
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt; ohne Wasser und ohne zugesetzten Duft.
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Die Cremes sind kein Hautschutzmittel im Sinne des Arbeitsschutzes und kein Ersatz für Handschuhe. Wende sie nicht auf verletzter oder gereizter Haut an.
Mehr dazu: Raue Hände beim Stricken: Wenn das Garn an der Haut hängen bleibt · Raue Hände vom Spülen und Putzen: Was hilft? · Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht
Aus dem Blog: Bienensalbe: Bienenwachs & Propolis für trockene, beanspruchte Haut
Quellen
- Warner RR, Stone KJ, Boissy YL (2003): Hydration disrupts human stratum corneum ultrastructure. J Invest Dermatol 120(2): 275–284. https://doi.org/10.1046/j.1523-1747.2003.12046.x
- Tsai TF, Maibach HI (1999): How irritant is water? An overview. Contact Dermatitis 41(6): 311–314. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1999.tb06990.x
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (2026): DGUV Information 212-017 Auswahl, Bereitstellung und Benutzung von beruflichen Hautmitteln. Ausgabe August 2026. https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/853/auswahl-bereitstellung-und-benutzung-von-beruflichen-hautmitteln
- Moraes JDD, Bertolino SRA, Cuffini SL, Ducart DF, Bretzke PE, Leonardi GR (2017): Clay minerals: Properties and applications to dermocosmetic products and perspectives of natural raw materials for therapeutic purposes – A review. Int J Pharm 534(1–2): 213–219. https://doi.org/10.1016/j.ijpharm.2017.10.031
- Nkosi SM, Thembane N (2024): Physical, chemical and biological characteristics of clays from Durban (South Africa) for applications in cosmetics. Anal Sci Adv 5(3–4): 2300062. https://doi.org/10.1002/ansa.202300062
- Smith AG (1989): Skin disease in the pottery industry. Ann Occup Hyg 33(3): 365–368. https://doi.org/10.1093/annhyg/33.3.365



















