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Raue Hände beim Stricken: Wenn das Garn an der Haut hängen bleibt

Kurz gesagt

Garn bleibt an rauen Händen hängen, weil sich feine Fasern an abstehenden Hornschüppchen, kleinen Rissen und rauen Nagelrändern verfangen. Glatter wird die Haut durch regelmäßige Pflege am Abend und nach dem Händewaschen, nicht durch Creme direkt vor der Handarbeit. Frisch eingecremte Finger geben Fett an das Garn ab und lassen den Faden anders durch die Hand laufen. Für den Moment helfen saubere, trockene Hände und eine feine Feile für raue Nagelkanten.

Warum Garn an trockener Haut hängen bleibt

Die oberste Hautschicht, die Hornschicht, erneuert sich ständig. Bei gut durchfeuchteter Haut lösen sich die Hornzellen einzeln oder in kleinen Gruppen, ohne dass man es sieht. Ist die Hornschicht zu trocken, werden die Verbindungen zwischen den Zellen nicht mehr vollständig abgebaut. Die Zellen bleiben in größeren Verbänden zusammen und zeigen sich als sichtbare, feine Schüppchen (Harding et al. 2000).

In einem Versuch reichten drei bis sechs Stunden in trockener Luft, damit der Wassergehalt der Hornschicht an Unterarm und Wange messbar sank und die Hautoberfläche in einzelnen Messrichtungen rauer wurde (Egawa et al. 2002). Gestrickt wird vor allem in der Heizperiode, also genau dann.

An solchen Schüppchen, an feinen Rissen in der Fingerkuppe, an Niednägeln und rauen Nagelkanten fädeln sich einzelne Fasern ein. Gemessen hat das unseres Wissens niemand. Es ist eine mechanische Erklärung, die zur Erfahrung am Strickzeug passt.

Mit Reibung im üblichen Sinn hat das wenig zu tun. Trockene Haut gleitet sogar leichter über Stoff als feuchte: In einem Versuch mit 22 Personen stieg die Reibung zwischen Unterarm und einem Gewebe aus Baumwolle und Polyester von sehr trockener zu normal feuchter Haut um rund ein Drittel. Die Autoren erklären das damit, dass Wasser die Hornschicht weicher macht und die Kontaktfläche vergrößert (Gerhardt et al. 2008). Es hängt also nicht die ganze Hand am Garn, sondern eine einzelne Faser an einer einzelnen Kante. Gemessen wurde am Unterarm, nicht an Fingerkuppen und nicht mit Strickgarn.

Wo es hakt und was du dort tust

Stelle Warum gerade dort Was du tust
Zeigefinger, über den der Faden läuft Der Faden reibt stundenlang über dieselbe schmale Stelle; die Haut wird dort trocken und rau Abends gezielt pflegen; den Faden zwischendurch über eine andere Stelle oder einen anderen Finger führen
Fingerkuppe, die die Nadelspitze schiebt Druck auf einen Punkt; die Hornschicht wird dicker und an den Rändern hart Die Nadel am Schaft schieben statt an der Spitze; Pflege wie unter Rissige Fingerkuppen im Winter: Ursachen und Pflege
Nagelränder und Niednägel Abstehende Hautstreifen und raue Nagelkanten wirken wie kleine Haken Nagelkanten glatt feilen; Niednägel knapp abschneiden, nicht abreißen. Mehr unter Trockene, eingerissene Nagelhaut: richtig pflegen
Daumen und Handkante Beim Nähen und Zuschneiden gleitet der Stoff darüber; raue Stellen ziehen Fäden aus Satin und Seide Abends reichhaltig pflegen; vor dem Zuschneiden Hände waschen und abtrocknen

Die Zuordnung ist Erfahrung aus der Handarbeit, keine Messung.

Wann eincremen, damit das Garn sauber bleibt

Creme direkt vor dem Stricken hat zwei Nachteile.

  • Der Faden läuft anders. Eine Übersichtsarbeit zur Hautreibung fasst zusammen: Mehr Feuchtigkeit in der Haut, durch Wasser oder durch eine aufgetragene Pflege, erhöht den Reibungskoeffizienten (Sivamani et al. 2003). Am Strickzeug merken viele das daran, dass der Faden stockt und das Maschenbild unruhiger wird. Für Garn ist das nicht gemessen.
  • Fett geht auf das Garn über. Von einer aufgetragenen Zubereitung können bis zu 90 Prozent durch Kontakt mit der Umgebung wieder von der Haut abgetragen werden (Herrmann et al. 2017). Beim Stricken ist diese Umgebung das Garn. Auf hellen, glatten Garnen kann das als Fleck sichtbar werden.

Die Pflege gehört deshalb an den Rand des Tages:

  1. Abends reichhaltig. Nach der letzten Reihe kommt eine größere Menge auf Handrücken, Knöchel, Fingerkuppen und Nagelhaut. Wer mag, zieht Baumwollhandschuhe darüber; die Anleitung steht unter Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.
  2. Nach dem Händewaschen wenig. Trockne die Hände gut ab und nimm dann eine kleine Menge, vor allem für die Handrücken.
  3. Morgens dünn. Bis zur Handarbeit am Nachmittag oder Abend liegt dann kaum noch etwas obenauf.
  4. Vor der Handarbeit Abstand. Wasch die Hände und trockne sie gründlich ab. Eine Probe hilft: Drück die Fingerkuppen kurz auf ein Blatt Papier. Bleibt ein Fettfleck, wartest du noch oder tupfst die Handflächen ab.

Wie lang der Abstand sein muss, hängt von Menge und Creme ab; eine belegte Minutenzahl gibt es nicht. Als Anhaltspunkt aus der Praxis gilt eine halbe Stunde nach einer kleinen Menge.

Empfindliche Garne, Nähen und Feinstrumpfhosen

Je feiner und glatter die einzelnen Fasern, desto eher fädeln sie sich in eine raue Stelle ein. Am häufigsten genannt werden Seide, Mohair, Mikrofaser und Viskose, beim Nähen Satin und Futterstoffe.

  • Vor dem Anschlagen: Hände lauwarm waschen und abtrocknen, raue Nagelkanten mit einer feinen Feile glätten, Niednägel knapp abschneiden.
  • Wenn mitten in der Reihe etwas hakt: Such die Stelle, statt fester zu ziehen. Über einem feinen Riss in der Kuppe hilft für den Moment ein Fingerling aus Baumwolle oder ein Streifen Pflaster.
  • Feinstrumpfhosen: Raue Fingerkuppen und Nagelkanten ziehen Fäden. Dünne Baumwollhandschuhe beim Anziehen sind die einfachste Lösung.

In englischsprachigen Handarbeitsforen wird für raue Strickhände oft eine „lotion bar“ empfohlen, ein festes, wasserfreies Stück aus Wachs und Öl. Das Prinzip entspricht einer festen Handcreme: Die Menge lässt sich klein halten, und in der Projekttasche läuft nichts aus. Auch sie gibt Fett ab; der Abstand zur Handarbeit gilt hier genauso. Was der Begriff genau meint, erklärt Lotion Bar: Was ist eine feste Lotion?

Wann ärztlichen Rat holen?

Raue Haut ist ein Pflegethema. Lass die Hände ärztlich ansehen, wenn

  • Risse tief sind, bluten oder sich über Wochen nicht schließen,
  • die Haut am Nagelrand rot, warm oder geschwollen ist oder eitert,
  • Bläschen, nässende Stellen oder starke Schuppung auftreten,
  • die Haut immer wieder nach bestimmten Garnen, Farben oder Nadeln reagiert. Dahinter kann eine Kontaktallergie stehen, und die gehört ärztlich abgeklärt.

Auf offene, blutende oder nässende Stellen gehört keine Kosmetik.

Häufige Fragen

Kann ich direkt vor dem Stricken Handcreme benutzen?
Besser nicht. Aufgetragene Pflege erhöht die Reibung der Haut, und ein Teil des Fetts geht auf das Garn über. Creme abends und nach dem Händewaschen, und lass vor der Handarbeit Zeit.

Macht Handcreme Flecken auf Wolle oder Seide?
Das kann passieren, solange noch Creme auf den Handflächen liegt. Auf hellen, glatten Garnen sieht man es am ehesten. Ob sich ein Fleck auswaschen lässt, hängt von Garn und Waschmittel ab; probier es an der Maschenprobe.

Nimmt das Garn den Duft der Handcreme an?
Nach der Erfahrung vieler Strickerinnen und Stricker nimmt Wolle Gerüche leicht auf. Eine Creme ohne zugesetzte ätherische Öle riecht nur nach ihren Rohstoffen, eine mit Zitrusölen duftet deutlich. Welche Stoffe Duft mitbringen, zeigt Ohne Duft und ätherische Öle: Inhaltsstoffe im Überblick.

Trocknen Baumwolle und Leinen die Hände stärker aus als Wolle?
Viele berichten das. Messungen dazu kennen wir nicht. Wenn es dir so geht, pflegst du an Tagen mit Baumwollgarn abends etwas reichhaltiger.

Hilft ein Peeling gegen die rauen Stellen?
In Foren wird oft ein Peeling aus Zucker und Öl empfohlen. Es nimmt lose Schüppchen ab, ersetzt aber die Pflege nicht; auf rissiger oder geröteter Haut lässt du es. Was dafür und was dagegen spricht, steht unter Handpeeling bei trockenen Händen: sinnvoll oder nicht?

Bei forpeople

Pflege für die Zeit nach der Handarbeit, auf intakter Haut:

Die festen Cremes sind wasserfrei und hinterlassen einen Film aus Wachs und Öl. Dieser Film ist gewollt, gehört aber nicht ans Garn. Wende die Produkte nicht auf verletzter oder gereizter Haut an.

Mehr dazu: Trockene Hände vom Töpfern: Warum Ton die Haut austrocknet · Handpflege im Büro, ohne dass die Tastatur fettig wird · Feste Handcreme: Bienenwachs oder Bergamotte – welche passt?

Aus dem Blog: Hände und Füße durch den Winter: Routine für morgens und abends · Umstieg auf feste Pflege: Was in den ersten Wochen anders ist

Quellen

  1. Harding CR, Watkinson A, Rawlings AV, Scott IR (2000): Dry skin, moisturization and corneodesmolysis. Int J Cosmet Sci 22(1): 21–52. https://doi.org/10.1046/j.1467-2494.2000.00001.x
  2. Egawa M, Oguri M, Kuwahara T, Takahashi M (2002): Effect of exposure of human skin to a dry environment. Skin Res Technol 8(4): 212–218. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2002.00351.x
  3. Gerhardt LC, Strässle V, Lenz A, Spencer ND, Derler S (2008): Influence of epidermal hydration on the friction of human skin against textiles. J R Soc Interface 5(28): 1317–1328. https://doi.org/10.1098/rsif.2008.0034
  4. Sivamani RK, Goodman J, Gitis NV, Maibach HI (2003): Coefficient of friction: tribological studies in man – an overview. Skin Res Technol 9(3): 227–234. https://doi.org/10.1034/j.1600-0846.2003.02366.x
  5. Herrmann S, Daniels R, Lunter D (2017): Methods for the determination of the substantivity of topical formulations. Pharm Dev Technol 22(4): 487–491. https://doi.org/10.3109/10837450.2015.1135346