Was Melkfett ist
Das Schweizer Nachschlagewerk PharmaWiki beschreibt Melkfett als hydrophobe, also wasserabweisende Zubereitung für die Haut oder für das Euter eines Tieres, das gemolken wird. Klassisch besteht es aus Vaseline und Paraffinen und enthält im chemischen Sinn gar kein Fett, sondern Kohlenwasserstoffe aus Erdöl. Eine definierte Zusammensetzung hat es nicht: Es kann auch Fette, fette Öle, Wachse und Pflanzenextrakte enthalten. Klassisches Melkfett enthält keine Duftstoffe und keine Konservierungsmittel (PharmaWiki 2025).
„Melkfett“ ist damit ein Gattungsname und keine Rezeptur. Im Handel stehen drei Arten nebeneinander: klassisches Melkfett, wie es auch im Stallbedarf verkauft wird, Melkfett als Kosmetik mit Pflanzenöl, Ringelblume oder Duft und Salben dieses Namens, die ganz aus Pflanzenöl und Wachs bestehen. Wie sich solche Zubereitungen unterscheiden, erklärt die Seite Salbe, Balsam, Butter, feste Creme: der Unterschied.
Melkfett und Bienenwachs-Creme im Vergleich
| Merkmal | Klassisches Melkfett | Melkfett als Kosmetik mit Pflanzenöl | Creme aus Bienenwachs und Pflanzenöl |
|---|---|---|---|
| Basis | Vaseline und Paraffine | Vaseline und Paraffine, dazu Pflanzenöl oder Extrakte | Bienenwachs und Pflanzenöle |
| Namen in der Liste der Bestandteile | Petrolatum, Paraffinum Liquidum, Paraffin, Cera Microcristallina | dieselben, dazu Öle und Extrakte; bei Duft „Parfum“ | Cera Alba, dazu Öle wie Olea Europaea Fruit Oil |
| Film auf der Haut | sehr dicht | dicht | je nach Rezeptur weniger dicht |
| Hautgefühl | glänzend, lange spürbar | ähnlich | fest in der Dose, schmilzt auf der Haut |
| Geruch | kein zugesetzter Duft | je nach Sorte parfümiert | nach Wachs und Öl |
| Haltbarkeit | lang, oxidiert kaum | durch die Pflanzenöle begrenzt | durch die Pflanzenöle begrenzt |
Die mittlere Spalte ist ein typisches Beispiel; einzelne Produkte weichen ab. Quellen der Tabelle: PharmaWiki 2025, BfR 2018, Sethi et al. 2016, Stamatas et al. 2008; das Hautgefühl ist ein Erfahrungswert. Die Messwerte zum Film stehen auf der Seite Vaseline oder Bienenwachs-Salbe: der Unterschied.
Woran erkenne ich, was ich gekauft habe?
Entscheidend ist, wofür das Produkt bestimmt ist. Die EU-Kosmetikverordnung gilt für Mittel, die dazu bestimmt sind, äußerlich mit Teilen des menschlichen Körpers in Berührung zu kommen (Art. 2). Ein Melkfett, das für die Haut von Menschen verkauft wird, ist ein kosmetisches Mittel: Es durchläuft eine Sicherheitsbewertung (Art. 10) und trägt unter anderem den Verwendungszweck, eine Angabe zur Haltbarkeit und eine Liste der Bestandteile mit der Überschrift „Ingredients“ (Art. 19) (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009). Ein Melkfett, das allein für Euter bestimmt ist, fällt nicht unter diese Verordnung.
So liest du das Etikett:
- Verwendungszweck: Steht dort Hautpflege oder Hände, oder ist nur von Euter und Zitzen die Rede?
- „Ingredients“: Die Bestandteile stehen in abnehmender Reihenfolge ihres Gewichts. Die ersten zwei, drei Namen zeigen, woraus die Salbe überwiegend besteht.
- Mineralöl: Petrolatum (Vaseline), Paraffinum Liquidum, Paraffin und Cera Microcristallina sind die üblichen Bezeichnungen (BfR 2018).
- Öl, Wachs, Duft: Helianthus Annuus Seed Oil ist Sonnenblumenöl, Cera Alba Bienenwachs, Calendula Officinalis Ringelblume; „Parfum“ steht für zugesetzte Riechstoffe.
Wie eine solche Liste aufgebaut ist, erklärt INCI-Liste lesen: So verstehst du Inhaltsstoffe.
Was der Film auf der Haut tut
Vaseline gehört zu den okklusiven Stoffen: Sie legen eine wasserabweisende Schicht auf die Haut und bremsen den Wasserverlust, Vaseline nach einer Übersichtsarbeit am stärksten. Am deutlichsten wirken sie auf leicht feuchter Haut, also nach dem Händewaschen. Als Grenzen der meisten Okklusiva nennt die Arbeit Geruch, mögliche Allergien und das fettige Gefühl (Sethi et al. 2016). Den Mechanismus erklärt Okklusion und TEWL: Wie ein Wachsfilm die Haut schützt.
Dass Vaseline „nicht einzieht“, stimmt nur halb. In einer Untersuchung an Freiwilligen lag sie nicht wie eine dichte Folie auf der Oberfläche, sondern fand sich zwischen den Hornzellen in allen Lagen der Hornschicht (Ghadially et al. 1992). In den Körper gelangen die gesättigten Kohlenwasserstoffe nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung dabei kaum (BfR 2018).
Pflanzenöle verhalten sich ähnlich wie flüssiges Paraffin: In einer Messung drangen Paraffinöl und zwei Pflanzenöle vergleichbar in die oberen Lagen der Hornschicht ein und ließen sie mäßig aufquellen, Vaseline deutlich stärker (Stamatas et al. 2008). Für Salben aus Bienenwachs und Pflanzenöl gibt es keine vergleichbar klare Messreihe. Wer den dichtesten Film sucht, ist mit Vaseline oder klassischem Melkfett gut bedient.
Mineralöl: der Stand in Kürze
Mineralöle sind Gemische aus gesättigten (MOSH) und aromatischen Kohlenwasserstoffen (MOAH). Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat hochraffinierte Mineralöle in kosmetischen Mitteln bewertet: Bei Anwendung auf der Haut sind nach derzeitigem Kenntnisstand keine gesundheitlichen Risiken zu erwarten. Die Bewertung bezieht sich auf Qualitäten, die die Reinheitsanforderungen für Arzneimittel erfüllen (BfR 2018). Wer Melkfett für die eigenen Hände kauft, nimmt deshalb eines, das als Kosmetik gekennzeichnet ist.
Ob du Mineralöl verwenden möchtest, ist deine Entscheidung. Für manche zählt die Herkunft der Rohstoffe, für andere die Haltbarkeit: Die Kohlenwasserstoffe werden bei der Raffination so behandelt, dass sie kaum oxidieren (Sethi et al. 2016); Pflanzenöle können ranzig werden. Die Diskussion um MOAH ordnet die Seite Handcreme ohne Mineralöl: Paraffin erkennen und einordnen ein.
So verwendest du eine Fettsalbe an den Händen
- Nach dem Waschen: Trockne die Hände ab und verreib wenig.
- Nicht vor dem Greifen: Direkt vor der Arbeit mit Werkzeug, am Lenker oder am Instrument cremst du nicht ein. Der Film macht den Griff unsicher.
- Über Nacht: Abends darf die Schicht dicker sein. Baumwollhandschuhe halten sie an den Händen; mehr unter Handmaske über Nacht: Was sie bringt und wie sie geht.
- Neues klein beginnen: Enthält eine Salbe Duft, Pflanzenextrakte, Wollwachs oder Harz, probierst du sie zuerst an einer kleinen Stelle.
Zur Arbeit im Stall: Rissige Hände von der Stallarbeit: Was hilft im Winter?
Wann ärztlichen Rat holen?
Auf offene, blutende oder nässende Risse gehört weder Melkfett noch eine andere Kosmetik; lass sie ärztlich ansehen. Das gilt auch, wenn die Haut stark gerötet oder geschwollen ist oder Bläschen bildet, wenn Risse nicht zugehen und wenn trockene Hände trotz regelmäßiger Pflege nach zwei bis drei Wochen nicht besser werden. Reagiert deine Haut auf ein Produkt mit Rötung oder Brennen, beende die Anwendung.
Häufige Fragen
Ist Melkfett dasselbe wie Vaseline?
Nicht ganz. Vaseline ist ein einzelner Rohstoff und heißt in der Liste der Bestandteile Petrolatum. Klassisches Melkfett besteht aus Vaseline und Paraffinen und ist ihr damit sehr ähnlich. Ein Melkfett kann aber auch Pflanzenöl, Wachs oder Extrakte enthalten.
Kann ich Melkfett aus dem Stallbedarf für meine Hände nehmen?
Dafür ist es nicht bestimmt. Ein Produkt nur für Euter ist kein kosmetisches Mittel; die Vorgaben der Kosmetikverordnung gelten dafür nicht. Für die eigene Haut nimmst du ein Melkfett, das als Kosmetik gekennzeichnet ist.
Zieht Melkfett in die Haut ein?
Kaum. Vaseline verteilt sich in der Hornschicht, der obersten Hautschicht, und bleibt als Film spürbar. Das ist gewollt, denn der Film bremst die Verdunstung.
Spendet Melkfett Feuchtigkeit?
Nein. Klassisches Melkfett enthält kein Wasser. Es hält das Wasser zurück, das in der Haut ist.
Melkfett oder Creme aus Bienenwachs: Was nehme ich?
Beides ist fettreiche Pflege für die Zeit nach der Arbeit und für die Nacht. Die Produkte unterscheiden sich in Rohstoffen, Geruch und Hautgefühl; Vaseline schließt dichter ab. Lies die Liste der Bestandteile und nimm, was du gern und regelmäßig verwendest.
Bei forpeople
Unsere festen Cremes und Salben sind kosmetische Mittel für die Haut von Menschen; für Tiere sind sie nicht gedacht. Laut Inhaltsstoffliste enthalten sie kein Mineralöl. Das ist eine Tatsachenangabe, keine Bewertung von Melkfett oder Vaseline. Laut Produkthinweis werden sie nicht auf verletzter oder gereizter Haut angewendet.
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: laut Inhaltsstoffliste Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, Johanniskraut- und Aloe-Extrakt. Ohne Wasser und ohne zugesetzten Duft; sie riecht nach Bienenwachs.
- Bienensalbe – Lärche & Mandarine im Glastiegel, 50 g, 12,90 €: weiche Salbe aus Oliven-, Mandel- und Rizinusöl mit Bienenwachs. Sie duftet und enthält Lärchenharz, Propolis und ätherische Öle; siehe Allergie auf Baumharz, Kolophonium oder Propolis?
- Bienensalbe – Lärche & Mandarine in Dose, 150 ml, 34,90 €: dieselbe Inhaltsstoffliste in der großen Dose.
Mehr dazu: Lanolin oder Bienenwachs: Was ist der Unterschied? · Hirschtalg für die Füße: Was er kann und was ihn ersetzt · Vaseline oder Bienenwachs-Salbe: der Unterschied
Aus dem Blog: Bienensalbe mit Bienenwachs und Propolis für trockene Haut
Quellen
- Vögtli A (2025): Melkfett. PharmaWiki, letzte Änderung 10.03.2025 (abgerufen 08.10.2026). https://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Melkfett
- Europäisches Parlament und Rat (2009): Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Art. 2 Abs. 1 Buchst. a, Art. 10 und Art. 19. ABl. L 342: 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj
- Bundesinstitut für Risikobewertung (2018): Hochraffinierte Mineralöle in Kosmetika: Gesundheitliche Risiken sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 008/2018 vom 27. Februar 2018. https://doi.org/10.17590/20180219-123914
- Sethi A, Kaur T, Malhotra SK, Gambhir ML (2016): Moisturizers: The Slippery Road. Indian Journal of Dermatology 61(3): 279–287. https://doi.org/10.4103/0019-5154.182427
- Ghadially R, Halkier-Sorensen L, Elias PM (1992): Effects of petrolatum on stratum corneum structure and function. Journal of the American Academy of Dermatology 26(3 Pt 2): 387–396. https://doi.org/10.1016/0190-9622(92)70060-s
- Stamatas GN, de Sterke J, Hauser M, von Stetten O, van der Pol A (2008): Lipid uptake and skin occlusion following topical application of oils on adult and infant skin. Journal of Dermatological Science 50(2): 135–142. https://doi.org/10.1016/j.jdermsci.2007.11.006


















