„Mikrobiomfreundlich“, „mit Präbiotika“, „schützt die Hautflora“: Solche Hinweise stehen inzwischen auf vielen Tiegeln. Gleichzeitig fragen sich viele, ob tägliches Duschen mit Seife oder Desinfektionsgel die guten Bakterien wegwäscht. Diese Seite fasst zusammen, was die Forschung über das Leben auf der Haut weiß, was Waschen und Pflege nachweislich verändern, was hinter den Werbebegriffen steckt und wo das Wissen endet.
Wer auf der Haut lebt
Die Haut ist mit rund 1,8 m² ein großer, sehr unterschiedlicher Lebensraum. Sie ist im Allgemeinen kühl, sauer und trocken, und sie wird von einer vielfältigen Gemeinschaft aus Mikroorganismen besiedelt, von denen die meisten harmlos oder sogar nützlich sind. Neben Bakterien gehören Hefepilze der Gattung Malassezia und winzige Haarbalgmilben (Demodex) zur normalen Besiedlung (Grice & Segre 2011). Die trockene, nährstoffarme und saure Oberfläche macht es Krankheitserregern zugleich schwer, sich anzusiedeln (Byrd et al. 2018).
In einer grundlegenden Untersuchung an 20 Körperstellen von 10 gesunden Menschen gehörten die meisten Bakterien zu vier Stämmen: Actinobacteria (51,8 %), Firmicutes (24,4 %), Proteobacteria (16,5 %) und Bacteroidetes (6,3 %). Stellen mit ähnlichen Bedingungen trugen ähnliche Gemeinschaften (Grice et al. 2009). Grob lassen sich drei Lebensräume unterscheiden.
| Lebensraum | Beispiele | Typische Bewohner |
|---|---|---|
| talgreich | Gesicht, Brust, Rücken | fettliebende Bakterien, vor allem Cutibacterium (früher Propionibacterium); Hefepilze der Gattung Malassezia |
| feucht | Achseln, Leiste, Bauchnabel, Kniekehle | vor allem Staphylococcus und Corynebacterium |
| trocken | Unterarm, Hände, Gesäß | die größte Vielfalt, gemischt aus mehreren Bakterienstämmen |
Quellen: Grice & Segre 2011; Taléns-Visconti et al. 2026. Die Haut erneuert sich laufend: Die obersten Hornzellen werden abgestoßen, nachdem sie rund vier Wochen von der untersten Schicht nach oben gewandert sind (Grice & Segre 2011). Wie die Hornschicht aufgebaut ist, beschreibt Die Hautbarriere einfach erklärt.
Wie stabil das Mikrobiom ist
Trotz Duschen, Kleidung und ständigem Kontakt mit der Umwelt bleibt die Besiedlung erstaunlich beständig. Eine Arbeitsgruppe untersuchte 12 gesunde Erwachsene an 17 Körperstellen, mit Abständen von etwa einem Monat und von ein bis zwei Jahren. Bakterien, Pilze und Viren blieben über die Zeit weitgehend stabil; die Menschen behielten ihre eigenen Stämme, statt sie neu aus der Umgebung aufzunehmen. Am wenigsten beständig waren die Füße (Oh et al. 2016).
Gleichzeitig ist das Mikrobiom sehr persönlich. Auf den Handflächen von 51 jungen Erwachsenen fanden Forschende im Schnitt mehr als 150 Bakterienarten je Hand. Die beiden Hände derselben Person teilten nur 17 % davon, Hände verschiedener Personen 13 %. Wie lange das letzte Händewaschen zurücklag, beeinflusste die Zusammensetzung messbar (Fierer et al. 2008). Die Autoren folgern, dass sich schwer festlegen lässt, was eine „gesunde“ Bakteriengemeinschaft ist. Genau das macht Werbeversprechen zum Mikrobiom so schwer überprüfbar.
Waschen, Seife und der pH-Wert
Die Hautoberfläche ist leicht sauer. In einer Studie mit 330 Personen lag der pH-Wert am Unterarm nach 24 Stunden ohne Duschen und Kosmetik bei 4,9; die Autorinnen und Autoren schätzen den natürlichen Wert auf 4,7. Leitungswasser mit einem pH-Wert um 8 hob den Haut-pH für bis zu sechs Stunden an, Seifen hatten einen deutlichen Einfluss. In Versuchen blieben die hauteigenen Bakterien bei saurem pH (4 bis 4,5) an der Haut haften, bei alkalischem pH (8 bis 9) lösten sie sich leichter ab (Lambers et al. 2006).
Für den Alltag heißt das: Waschen verschiebt das Milieu vorübergehend, danach stellt sich der saure pH von selbst wieder ein. Echte Seife ist alkalisch, Duschgels sind meist näher am pH der Haut; die Unterschiede erklärt Feste Seife oder Duschgel: Unterschiede für Haut und Alltag, warum Seife alkalisch ist, Ist in Naturseife noch Lauge? Verseifung erklärt. Unsere festen Seifen, etwa die Feste Seife – Lavendel, sind echte Seifen und damit alkalisch.
Stärker greifen Desinfektionsmittel ein: Hautantiseptika wie 70-prozentiger Alkohol senken die Bakterienmenge und die Vielfalt vorübergehend (Taléns-Visconti et al. 2026). Wann Händedesinfektion sinnvoll ist und wie die Haut danach gepflegt wird, steht unter Händedesinfektion und Handcreme: Was kommt zuerst?. Welche Rolle der Kalk im Wasser für trockene Haut spielt, behandelt Hartes Wasser und trockene Haut.
Was Pflegeprodukte verändern: eine Studie im Detail
Wie stark Kosmetik das Mikrobiom verschiebt, hat eine Studie über neun Wochen untersucht. Elf Freiwillige (zwölf hatten begonnen, eine Teilnehmerin schied wegen einer Hautreizung aus) verzichteten drei Wochen lang auf alle Produkte außer einem gemeinsamen Duschgel, nutzten dann drei Wochen lang dieselben vier Produkte – ein Antitranspirant, einen Fußpuder, eine Gesichtslotion und eine Körperlotion – und kehrten zuletzt zu ihren eigenen Produkten zurück. Gemessen wurden die Bakterien und die Chemie der Haut an Achsel, Unterarm, Gesicht und Füßen (Bouslimani et al. 2019).
- Produkte bleiben lange: Bestandteile früher benutzter Produkte waren trotz täglichen Duschens noch Wochen später nachweisbar, mit Halbwertszeiten von 0,5 bis 1,9 Wochen.
- Achsel und Füße reagieren deutlich: Antitranspirant und Fußpuder veränderten Vielfalt und Zusammensetzung der Bakterien. In der Achsel dominierten zu Beginn Staphylococcus und Corynebacterium.
- Lotionen kaum: Die Lotionen an Arm und Gesicht veränderten vor allem die Chemie der Haut, die Bakterien kaum.
- Jeder reagiert anders: Die Veränderungen fielen von Person zu Person sehr unterschiedlich aus.
Quelle: Bouslimani et al. 2019. Die Studie war klein, und sie sagt nichts darüber, ob die Veränderungen gut oder schlecht sind. Eine aktuelle Übersichtsarbeit kommt insgesamt zu dem Schluss, dass die meisten üblichen Kosmetikprodukte bei gesunder Haut keine größere Störung des Mikrobioms auslösen, wenn sie sachgerecht zusammengesetzt sind; die Wirkung von Pflegefetten wie Pflanzenölen oder Sheabutter auf die Besiedlung beschreibt sie als im Allgemeinen neutral (Taléns-Visconti et al. 2026). Was in der Achsel bei Deos ohne Aluminium passiert, vertieft Wie wirken Deos ohne Aluminium? Geruch, Schweiß und Inhaltsstoffe.
„Mikrobiomfreundlich“, Probiotika, Postbiotika: was hinter den Begriffen steckt
Die Begriffe klingen wissenschaftlich, sind aber weder gesetzlich definiert noch einheitlich geprüft. Die Übersichtsarbeit zu Kosmetik und Mikrobiom hält fest: Die Belege für Produkte, die das Mikrobiom gezielt beeinflussen sollen, sind vorläufig; die Studien sind meist klein, kurz und unterschiedlich angelegt, und für die Aussage „mikrobiomfreundlich“ fehlen einheitliche Kriterien (Taléns-Visconti et al. 2026).
| Begriff | Gemeint ist | Was dazu bekannt ist |
|---|---|---|
| mikrobiomfreundlich | Das Produkt soll die vorhandene Besiedlung nicht stören. | keine einheitliche Prüfmethode, keine festen Kriterien |
| Probiotika | lebende Mikroorganismen, die auf die Haut aufgetragen werden | in üblicher Kosmetik selten, weil wasserhaltige Produkte konserviert werden müssen |
| Präbiotika | Stoffe, etwa bestimmte Zucker, die nützliche Bakterien als Nahrung nutzen sollen | einzelne kleine Studien |
| Postbiotika | Stoffwechselprodukte oder Bruchstücke von Mikroorganismen, ohne lebende Keime | einzelne kleine Studien |
| Paraprobiotika | abgetötete Mikroorganismen oder deren Zellbestandteile | einzelne kleine Studien |
Quelle: Taléns-Visconti et al. 2026. Rechtlich gilt für jede Werbeaussage zu Kosmetik: Sie muss durch angemessene und überprüfbare Nachweise belegt sein (Verordnung (EU) Nr. 655/2013, Anhang), und sie darf keine Eigenschaften vortäuschen, die das Produkt nicht hat (Verordnung (EG) Nr. 1223/2009, Art. 20). Außerdem muss der Sicherheitsbericht jedes Kosmetikprodukts die mikrobiologische Qualität behandeln, einschließlich der Ergebnisse des Konservierungsbelastungstests (Anhang I Teil A Nr. 3). Warum wasserhaltige Produkte Konservierung brauchen und wasserfreie meist nicht, erklärt Konservierung und Wasser in Kosmetik.
Unsere Haltung dazu: Wir haben keine Studien dazu, wie unsere Produkte das Hautmikrobiom beeinflussen. Deshalb bezeichnen wir sie nicht als mikrobiomfreundlich und machen keine Aussagen über die Hautflora. Was wir sagen können, steht in der Inhaltsstoffliste: Unsere festen Cremes und Öle enthalten kein Wasser und keine Konservierungsstoffe, das Aloe Vera Serum 99,6% enthält Wasser und ist mit Kaliumsorbat und Natriumbenzoat konserviert.
Was du im Alltag tun kannst
- So oft und so gründlich waschen wie nötig: Lauwarmes Wasser und Seife oder Duschgel vor allem dort, wo es nötig ist, etwa an Händen, Achseln und Füßen. Nach Leitungswasser kehrt der pH laut der Studie mit 330 Personen innerhalb von Stunden von selbst zurück.
- Desinfizieren, wo es sinnvoll ist: In Klinik und Pflege gehört Händedesinfektion zum Infektionsschutz; für die Haut im Alltag reicht meist Waschen mit Wasser und Seife.
- Nach dem Waschen eincremen: Ein Film aus Öl, Butter oder Wachs hält die Haut geschmeidig; an den Händen eignet sich die Feste Handcreme – Bienenwachs. Einen Einfluss auf das Mikrobiom versprechen wir damit nicht.
- Feste Pflege trocken entnehmen: Wasser gehört nicht in die Dose. Hinweise dazu stehen unter Hygiene bei wasserfreier Kosmetik: worauf achten?
- Werbeversprechen kritisch lesen: Frag bei „mikrobiomfreundlich“ oder „probiotisch“ nach, womit das belegt ist, und an wie vielen Menschen es geprüft wurde.
Wann ärztlichen Rat holen?
Ein großer Teil der Mikrobiom-Forschung betrifft Hautkrankheiten, etwa Neurodermitis, Akne oder Infektionen. Hautveränderungen, die nässen, eitern, sich ausbreiten, stark jucken oder schmerzen, gehören in ärztliche Behandlung, nicht in einen Versuch mit Kosmetik, die das Mikrobiom verändern soll. Was du tust, wenn die Haut auf ein Produkt reagiert, steht unter Kosmetik nicht vertragen: was tun, wem melden, zurückgeben?
Häufige Fragen
Zerstört Seife die Hautflora?
Nach allem, was bekannt ist, nicht dauerhaft. Seife und Leitungswasser heben den pH-Wert der Haut für einige Stunden an, danach stellt er sich von selbst wieder ein. Bei gesunden Erwachsenen bleibt das Mikrobiom über Monate bis Jahre weitgehend stabil, obwohl sie sich regelmäßig waschen.
Ist Händedesinfektion schlecht für das Mikrobiom?
Alkoholische Mittel senken die Bakterienmenge und die Vielfalt vorübergehend. Wo Infektionsschutz nötig ist, geht er vor; im Alltag zu Hause reicht meist Händewaschen.
Was bedeutet „mikrobiomfreundlich“?
Gemeint ist meist, dass ein Produkt die vorhandene Besiedlung nicht stören soll. Einheitliche Kriterien oder eine vorgeschriebene Prüfmethode gibt es dafür nicht.
Braucht gesunde Haut Probiotika?
Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Die Studien zu probiotischer Kosmetik sind bisher klein und kurz. Lebende Keime sind in wasserhaltiger Kosmetik schwer unterzubringen, weil sie konserviert sein muss.
Verändert ein Deo die Bakterien in der Achsel?
Ja. In einer Studie veränderten sowohl das Absetzen der gewohnten Deos als auch ein Antitranspirant Vielfalt und Zusammensetzung der Bakterien in der Achsel über Wochen. Ob das gut oder schlecht ist, lässt sich daraus nicht ableiten.
Wie lange bleiben Pflegeprodukte auf der Haut?
Länger als gedacht: Bestandteile waren trotz täglichen Duschens noch Wochen später nachweisbar, mit Halbwertszeiten von einer halben bis knapp zwei Wochen.
Ist wasserfreie Pflege besser für das Mikrobiom?
Dazu gibt es keine Studien. Wasserfreie Produkte brauchen keine Konservierungsstoffe, weil Mikroorganismen zum Wachsen Wasser brauchen; daraus folgt aber keine nachgewiesene Wirkung auf die Hautflora.
Bei forpeople
Wir bezeichnen keines unserer Produkte als mikrobiomfreundlich. Diese Produkte passen zu den Alltagsschritten oben; die Inhaltsstoffe stehen vollständig auf den Produktseiten.
- Feste Seife – Lavendel, 75 g, 8,90 €: verseifte Pflanzenöle mit Aloe-Extrakt und ätherischem Lavendelöl; echte Seife und damit alkalisch.
- Deocreme Sensitiv, 50 g, 8,90 €: ohne Duftstoffe, ohne Aluminiumsalze und ohne Alkohol; Natron bindet Geruchsstoffe, Stärke nimmt Feuchtigkeit auf.
- Feste Handcreme – Bienenwachs, 30 g, 9,90 €: wasserfrei, aus Bienenwachs, Oliven- und Sonnenblumenöl, ohne ätherische Öle; für die Hände nach dem Waschen.
- Aloe Vera Serum 99,6%, 50 ml, 9,90 €: wässrige Pflege aus Aloe-Saft, mit Zitronensäure, Kaliumsorbat und Natriumbenzoat.
Nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden und die Anwendung beenden, wenn die Haut reagiert.
Mehr dazu: Ceramide und Pflanzenöle: was Öle für die Hautbarriere leisten · Fett und Feuchtigkeit: was in welche Schicht der Hautbarriere gehört
Aus dem Blog: Weniger im Bad: eine Pflegeroutine mit drei Produkten
Quellen
- Grice EA, Segre JA (2011): The skin microbiome. Nature Reviews Microbiology 9(4): 244–253. https://doi.org/10.1038/nrmicro2537
- Grice EA, Kong HH, Conlan S, Deming CB, Davis J, Young AC et al. (2009): Topographical and temporal diversity of the human skin microbiome. Science 324(5931): 1190–1192. https://doi.org/10.1126/science.1171700
- Byrd AL, Belkaid Y, Segre JA (2018): The human skin microbiome. Nature Reviews Microbiology 16(3): 143–155. https://doi.org/10.1038/nrmicro.2017.157
- Oh J, Byrd AL, Park M, NISC Comparative Sequencing Program, Kong HH, Segre JA (2016): Temporal Stability of the Human Skin Microbiome. Cell 165(4): 854–866. https://doi.org/10.1016/j.cell.2016.04.008
- Fierer N, Hamady M, Lauber CL, Knight R (2008): The influence of sex, handedness, and washing on the diversity of hand surface bacteria. Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 105(46): 17994–17999. https://doi.org/10.1073/pnas.0807920105
- Lambers H, Piessens S, Bloem A, Pronk H, Finkel P (2006): Natural skin surface pH is on average below 5, which is beneficial for its resident flora. International Journal of Cosmetic Science 28(5): 359–370. https://doi.org/10.1111/j.1467-2494.2006.00344.x
- Bouslimani A, da Silva R, Kosciolek T, Janssen S, Callewaert C, Amir A et al. (2019): The impact of skin care products on skin chemistry and microbiome dynamics. BMC Biology 17(1): 47. https://doi.org/10.1186/s12915-019-0660-6
- Taléns-Visconti R, Diez-Sales O, Nácher A (2026): Cosmetic Interventions for Skin Microbiome Modulation: Current Strategies and Future Directions. Skin Research and Technology 32(4): e70352. https://doi.org/10.1111/srt.70352
- Verordnung (EU) Nr. 655/2013 der Kommission vom 10. Juli 2013 zur Festlegung gemeinsamer Kriterien zur Begründung von Werbeaussagen im Zusammenhang mit kosmetischen Mitteln, Anhang. ABl. L 190 vom 11.7.2013, S. 31. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2013/655/oj
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über kosmetische Mittel, Art. 20 und Anhang I Teil A Nr. 3. ABl. L 342 vom 22.12.2009, S. 59. https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2009/1223/oj


















