Was beim Brennen in der Haut passiert
Die Hornschicht ist die äußerste Lage der Haut und ihre Barriere nach außen; mehr dazu unter Die Hautbarriere einfach erklärt. Ist sie trocken und spröde, reißt sie ein, und gelöste Stoffe erreichen die Nervenenden darunter.
Wie viel die Barriere ausmacht, zeigt eine Versuchsreihe aus dem Jahr 1977. Freiwillige bekamen Testlösungen auf die Haut und bewerteten das Stechen (Frosch & Kligman 1977):
- Intakte Haut: Nur ein Teil der Freiwilligen spürte ein deutliches Stechen, und nur im Gesicht. An Rücken und Arm blieb es aus.
- Abgetragene Hornschicht: Nachdem die Hornschicht mit Klebestreifen abgezogen worden war, stach es bei allen Getesteten, auch am Rücken. Selbst das Lösungsmittel allein, 95-prozentiger Alkohol, stach dann fast so stark wie die Testlösung.
- Vorgereizte Haut: Auf Haut, die zuvor durch UV-Licht oder eine Chemikalie gereizt worden war, setzte das Stechen früher ein und war deutlich stärker.
- Durchfeuchtete Haut: Auf verschwitzter oder angefeuchteter Haut ließ sich das Stechen leichter auslösen, weil feuchte Haut Stoffe besser durchlässt.
Der Schluss der Autoren: Stechen lässt sich bei jedem Menschen auslösen, sobald ein Stoff Zugang zu den Nervenenden hat. Die Versuche fanden allerdings an Gesicht und Rücken statt, nicht an Händen.
Welche Inhaltsstoffe brennen können
So findest du die Stoffgruppen in der Inhaltsstoffliste (INCI) auf der Packung.
| Stoffgruppe | So steht es in der INCI | Warum es brennen kann |
|---|---|---|
| Alkohol und Glykole | Alcohol, Alcohol Denat., Propylene Glycol. Nicht gemeint sind Fettalkohole wie Cetearyl Alcohol. | Ethanol senkt die Schwelle eines Hitze- und Schmerzrezeptors, im Laborversuch von etwa 42 auf etwa 34 °C. So erklären die Autoren, warum Alkohol an verletztem Gewebe schon bei Körpertemperatur brennt (Trevisani et al. 2002). Unverdünntes Propylenglykol stach im Test mäßig (Frosch & Kligman 1977). |
| Urea und Säuren | Urea, Lactic Acid, Salicylic Acid, Glycolic Acid, Citric Acid | Säuren neigen nach den Testergebnissen als Stoffklasse zu starkem Stechen (Frosch & Kligman 1977). Eine Übersichtsarbeit nennt Milchsäure und Urea als Beispiele für Missempfindungen, die eine Creme unbeliebt machen können (Lodén 2003). |
| Duftstoffe und ätherische Öle | Parfum, Namen wie Citrus Limon Peel Oil, einzeln genannte Bestandteile wie Limonene oder Linalool | Sie können auf eingerissener Haut brennen. Welcher Stoff bei wem, ist individuell; eine Messreihe dazu haben wir nicht gefunden. Mehr unter Ätherische Öle und Duftstoff-Allergene. |
| Konservierungsmittel | Sorbic Acid, Potassium Sorbate, Benzoic Acid, Sodium Benzoate, Phenoxyethanol | Sorbinsäure löste im Test als 5-prozentige Lösung ein kurzes Stechen aus (Frosch & Kligman 1977). Wie hoch ein Stoff in deiner Creme dosiert ist, zeigt die INCI nicht. |
| Wasser | Aqua, meist an erster Stelle | Wasser selbst gilt nicht als Auslöser. Manche berichten trotzdem, dass auf stark angegriffener Haut schon Wasser brennt; eine Messung dazu haben wir nicht gefunden. |
Keiner dieser Stoffe ist deshalb ein schlechter Inhaltsstoff. Urea und Milchsäure sind bewährte Feuchthaltemittel. Wann Urea passt, steht unter Urea oder wasserfreie Creme? Wie du eine Liste liest, zeigt INCI-Liste lesen.
Was die Forschung zum Stechen und Brennen sagt
- Es ist individuell. In der Versuchsreihe reagierten 5 von 30 Studierenden deutlich auf den Suchtest mit Milchsäure. Sie haben nach Einschätzung der Autoren nur eine niedrigere Schwelle: Bei höherer Konzentration spürten auch andere ein Stechen (Frosch & Kligman 1977).
- Es kommt ohne sichtbare Zeichen vor. Rötung, Schuppung oder Schwellung traten nach einmaligem Auftragen nicht auf. Eine internationale Fachgruppe beschreibt Stechen, Brennen und Kribbeln als Antwort auf Reize, die normalerweise nichts auslösen; die Haut kann dabei unauffällig aussehen (Misery et al. 2017).
- Stechen und Reizung sind zweierlei. Eine stark reizende Tensidlösung stach im Test nicht, während kaum reizende Stoffe heftig stechen konnten (Frosch & Kligman 1977). In einer späteren Studie reagierten 25 Personen, die zum Stechen neigen, auf einen Pflastertest mit einem Tensid genauso wie 25 andere (Basketter & Griffiths 1993).
- Die Grundlage zählt. Derselbe Teststoff stach in alkoholischer Lösung am stärksten, in einer Creme deutlich schwächer und in zwei Salbengrundlagen fast gar nicht (Frosch & Kligman 1977). Das gilt für diesen einen Stoff und ist keine Zusage für ein bestimmtes Produkt.
Eine Sicherheitsbewertung zu Ethanol rät davon ab, Alkohol auf abgeschürfte oder eingerissene Haut zu geben, auch wegen des zu erwartenden Brennens (Lachenmeier 2008). Was für das Desinfektionsmittel im Dienst gilt, steht unter Händedesinfektion und Handcreme: Was kommt zuerst?
Was du tun kannst
- Abspülen, wenn es stark brennt. Nimm lauwarmes Wasser und tupf die Hände trocken. Im Versuch ließ das Stechen danach erst nach einigen Minuten nach.
- Die Liste ansehen. Stehen Alcohol, Urea, eine Säure oder Parfum in der INCI deiner Creme? Dann ändere zuerst diese eine Sache und nicht alles zugleich.
- Eine Rezeptur mit wenigen Bestandteilen wählen, ohne Alkohol, Urea und Duft. Sie macht es leichter, einen Auslöser zu finden; eine Garantie ist sie nicht. Mehr unter Creme mit wenigen Inhaltsstoffen: Was bringt eine kurze Liste?
- Erst an einer kleinen Stelle probieren: Neue Pflege ausprobieren: Wie teste ich an einer kleinen Stelle?
- Dünn auftragen, Risse aussparen. Die Pflege kommt auf die intakte Haut um die Risse. Offene oder blutende Stellen bleiben frei.
- Nach dem Waschen abtupfen und warten, bis die Haut nicht mehr nass ist.
- Abends pflegen, wenn danach nicht mehr gewaschen wird. Bei nasser Arbeit helfen Handschuhe; siehe Trockene, rissige Hände vom vielen Waschen: Was hilft?
Wann ärztlichen Rat holen?
Lass deine Hände ärztlich ansehen, wenn das Brennen nach dem Abspülen bleibt oder bei jedem Produkt auftritt, wenn die Haut rot wird, anschwillt, nässt oder Bläschen bildet, wenn Risse tief sind, bluten oder über Wochen nicht zugehen. Dahinter kann ein Handekzem oder eine Kontaktallergie stehen; beides lässt sich nur in der Praxis klären. Im Beruf ist auch der betriebsärztliche Dienst zuständig. Nimm die Packungen der Produkte mit, die gebrannt haben.
Häufige Fragen
Ist das Brennen ein Zeichen, dass die Creme wirkt?
Nein. Es zeigt nur, dass ein Stoff durch die Risse an Nervenenden gelangt. Im Versuch hing das Stechen nicht damit zusammen, wie stark ein Stoff die Haut reizt; ein Nutzen lässt sich daran erst recht nicht ablesen.
Wie lange darf es brennen?
Ein kurzes Stechen, das nach Sekunden bis etwa einer Minute vergeht, ist bei Alkohol typisch. Wird es stärker oder hält es an, spül die Creme ab und setz sie aus. Bleibt die Haut rot, gehört sie ärztlich angesehen.
Brennt eine Creme ohne Wasser weniger?
Das lässt sich nicht zusagen. Untersucht ist, dass derselbe Stoff in alkoholischer Lösung stark stach und in Creme- und Salbengrundlagen kaum; wasserfreie und wasserhaltige Cremes wurden dabei nicht verglichen. Auf offene Risse gehört auch eine wasserfreie Creme nicht.
Warum brennt es an manchen Tagen und an anderen nicht?
Die Barriere ist nicht jeden Tag gleich. Nach viel Wasser, Putzmitteln oder Kälte sind die Risse tiefer, und frisch gewaschene Haut lässt Stoffe leichter durch.
Wie trage ich eine feste Creme auf rissige Hände auf, ohne zu reiben?
Wärm eine kleine Menge zwischen den Fingerkuppen an, bis sie weich ist. Streich sie dann mit wenig Druck auf die Haut um die Risse, statt sie einzurubbeln.
Bei forpeople
Wir haben nicht geprüft, ob unsere Cremes auf rissiger Haut brennen, und versprechen es deshalb nicht. Beschreiben können wir, was laut Inhaltsstoffliste enthalten ist. Die Feste Handcreme – Bienenwachs (30 g, 9,90 €) besteht aus fünf Bestandteilen: Bienenwachs, Olivenöl, Sonnenblumenöl, Johanniskraut-Extrakt und Aloe-Extrakt. Wasser, Alkohol, Urea, Konservierungsmittel und zugesetzter Duft stehen nicht in der Liste; die Creme riecht leicht nach Bienenwachs. Auch auf einen dieser fünf Bestandteile kann Haut reagieren. Die Metalldose füllst du mit dem Feste Handcreme Refiller – Bienenwachs (30 g, 7,90 €) nach. Das Mandelöl – kaltgepresst (100 ml, 14,90 €) hat einen einzigen Bestandteil, Mandelöl. Die Feste Handcreme – Bergamotte (30 g, 9,90 €) enthält ätherische Öle aus Zitrone und Bergamotte; ihre Liste nennt Limonene, Geraniol, Citral und Linalool. Wer Duftstoffe gerade meiden möchte, lässt sie weg. Für alle vier steht auf den Produktseiten: nicht auf verletzter oder gereizter Haut anwenden, und bei einer Hautreaktion die Anwendung beenden. Mehr dazu: Trockene Hände trotz Eincremen: Woran es liegt · Aloe Vera brennt auf der Haut: Woran kann das liegen?
Aus dem Blog: Hände und Füße durch den Winter: Routine für morgens und abends
Quellen
- Frosch PJ, Kligman AM (1977): A method for appraising the stinging capacity of topically applied substances. Journal of the Society of Cosmetic Chemists 28(5): 197–209. https://library.scconline.org/v028n05/1
- Basketter DA, Griffiths HA (1993): A study of the relationship between susceptibility to skin stinging and skin irritation. Contact Dermatitis 29(4): 185–188. https://doi.org/10.1111/j.1600-0536.1993.tb03534.x
- Lodén M (2003): Role of topical emollients and moisturizers in the treatment of dry skin barrier disorders. American Journal of Clinical Dermatology 4(11): 771–788. https://doi.org/10.2165/00128071-200304110-00005
- Trevisani M, Smart D, Gunthorpe MJ et al. (2002): Ethanol elicits and potentiates nociceptor responses via the vanilloid receptor-1. Nature Neuroscience 5(6): 546–551. https://doi.org/10.1038/nn0602-852
- Lachenmeier DW (2008): Safety evaluation of topical applications of ethanol on the skin and inside the oral cavity. Journal of Occupational Medicine and Toxicology 3: 26. https://doi.org/10.1186/1745-6673-3-26
- Misery L, Ständer S, Szepietowski JC et al. (2017): Definition of Sensitive Skin: An Expert Position Paper from the Special Interest Group on Sensitive Skin of the International Forum for the Study of Itch. Acta Dermato-Venereologica 97(1): 4–6. https://doi.org/10.2340/00015555-2397



















